Durch die Zeit

z.K.

Große Unzufriedenheit mit zwei Gesprächen. Aber je länger ich nachdenke, desto klarer wird mir, dass ich da einfach in einem Dilemma bin. Egal was ich mache, es ist nicht gut. Gebe ich den beiden Raum, dann lade ich sie ein, sich in ihrer Welt weiter zurückzuziehen, sich weiter in ihrem Leiden zu bestätigen. Den Raum den ich ihnen gebe nutzen sie, um ihren eigenen Raum weiter mit noch höheren Mauern zu umgeben, die das Überwinden noch schwieriger zu machen. Je mehr Raum, desto mehr Isolation. Und das danken sie mir.

Gebe ich ihnen aber nicht dem Raum bzw. halte dagegen und versuche in ihren lückenhaften Argumentationen die Lücken zu vergrößern, dann arbeite ich gegen sie. Dann versuche ich, ihr Mauern wieder brüchiger zu machen, damit die Hürde, notwendige professionelle Hilfe zu suchen bzw. sie zuzulassen geringer wird.  Aber wenn ich das tue, dann tue ich ihnen weh weil ich gegen sie bin, sie konfrontiere, nicht bestätige sondern verunsichere und sie nicht entlaste, obwohl sie das mit dem Gespräch gesucht haben.

Ich hab heute bei beiden dagegen gehalten, massiv, auch wenn es ihnen hörbar weh tat. Das kostet Kraft, dass ist auch nicht gerade unagressiv, das sind Kämpfe um Hoheiten. Auch wenn ich mich nicht wirklich dabei wohl fühlte, aber ich möchte einfach die klitzekleine Chance nicht verpassen, dass das Gespräch ein Sandkorn zu einer anderen Entscheidung sein könnte, nämlich zur Entscheidung, professionelle Unterstützung zuzulassen.

Ich habe auch dagegen gehalten, weil ich es bei den beiden einfach nicht mehr ertrage, wie sie sich in ihrem Selbstmitleid suhlen und immer tiefer in ihrer eigenen abgekoppelten Welt einrichten. Sollte ich es ihnen aber nicht gönnen, weil sie ja nichts anderes haben, derezeit aufgrund ihrer persönlichen Lage und psychischer Verfassung nichts anderes können? Wo braucht es die ‚harte Hand‘, wo das Mit-leiden und das einfach-begleiten?

Es wird immer Menschen geben, bei denen das nicht wirklich zu entscheiden sein wird. Daher wird es diese Ungewissheit immer wieder geben. Doch es gibt Tage, wie heute, wo das nicht so einfach auszuhalten ist.

Komm in den totgesagten park

Der schimmer ferner lächelnder gestade
Der reinen wolken unverhofftes blau
Erhellt die weiher und die bunten pfade.
Dort nimm das tiefe gelb – das weiche grau
Von birken und von buchs – der wind ist lau
Die späten rosen welkten noch nicht ganz
Erlese küsse sie und flicht den kranz
Vergiss auch diese letzten astern nicht
Den purpur um die ranken wilder reben
Und auch was übrig blieb von grünem leben
Verwinde leicht im herbstlichen gesicht.

Stefan George

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