Durch die Zeit

Monat: Oktober, 2018

11 – Der wichtigste Versuch (38-41)

Ulrich wendet sich der Mathematik zu – Loblied auf die Mathematik – Mathematik als „Dämon, er in alle Anwendungen unseres Lebens gefahren ist“ – vom Bösen der Mathematik – Ulrich liebt die Mathematik „wegen der Menschen, die sich nicht ausstehen mochte“ – Liebe zum Fach, da frühere Fehler möglicherweise später Lösungen da stehen – Notwendigkeit von der Veränderung der Welt – Ulrich leistet „gar nicht wenig“ im Beruf.

Damit war später für sie [die in der Schulzeit schlechte Mathematiker waren] bewiesen, daß die Mathematik, Mutter der exakten Naturwissenschaft, Großmutter der Technik auch Erzmutter jenes Geistes ist, aus dem schließlich Giftgas und Kampfflieger aufgestiegen sind. (40)

Ich war auch nicht gut in Mathematik. Noch nie! Aber seit ich mal mit einer begeisterten Mathematikerin gesprochen habe, habe ich so einen Hauch einer Ahnung, was für ein Faszinosum das sein kann. Letztens hatte ich es mit E. ja auch mit Primzahlen. Die Mathematik ist für Ulrich etwas Reines, da in sich geschlossen. Es gibt zwar praktische Anwendungen, scheint aber für ihn eine eigene Welt dazustellen.

Genuss

Morgens im Bus. Der ist richtig groß und so gut wie nicht besetzt. Da noch früh am Morgen kommt er nicht nur flüssig durch den Verkehr, sondern kann auch die ein oder andere Haltestelle überfahren, weil niemand ein- oder aussteigen will. Auf mich strahlt das plötzlich wie eine geborgene Friedlichkeit und ich bin kurz am überlegen, einfach weiter zu fahren und gar nicht da auszusteigen, wo ich muss.

Das Traurige an den Hessenwahlen ist, …

… dass die beiden „Volksparteien“ behaupten können, mit einem blauen Augen davon gekommen zu sein und daher nicht die Notwendigkeit sehen, sich zu ändern. Bleierner Stillstand.

Und die „neue“ Volkspartei „Bündnis 90 / Die Grünen“ schaffen es tatsächlich so alt auszusehen, wie die ‚alten‘ „Volksparteien“.

Hoffnung, wo bist Du?

Lasst uns beten!

Lasst uns beten! Zu allen Göttern und Göttinen! Zu allen Gött*Innen und Go(e)t_Innen! Zu allen Heiligen und Möchte-gern-Heiligen! Lasst uns beten zu allen, auf dass es heute die L E T Z T E Zeitumgstellung gewesen ist. Auf dass alle Menschen im Erdkreis in ihrer Chronobiologie nicht mehr gestört werden, das alle Menschen nah und fern, mit welcher Hautfarbe auch immer, ungestört und in Ruhe in dem Rhtythmus leben können, der seit Anbeginn der Menschheit gilt. Lasst uns also alle betend zuversichtlich sein, dass diese jährliche zweimalige Folter der Zeitumstellung einem vergangenen barbarischen Zeitalter zugehörig ist, aber nicht dem Zeitlalter der Glückseeligkeit, die in dem Moment anbrechen wird, in dem es nur noch E I N E Zeit geben wird. Lasst uns also beten, dass diese Glückseeligkeit nun begintt!

Daher:

B E T E T !

10 – Der zweite Versuche. Ansätze zur einer Moral des Mannes ohne Eigenschaften (36-38)

Ulrich wechselt das Pferd, studiert Technik / Ingenieurwesen – wozu Kunst, wenn es Technik gibt – Rechenschieber als Symbol der Überlegenheit der Technik – vom Wesen der Ingenieure – sie sind doch (auch) menschlich – Versuch endet „um auf dem Wege der Technik ein ungewöhnlicher Mann zu werden“, weil auch Ingenieur ‚unzulänglich‘ sind.

Die Welt ist einfach komisch, wenn man sie vom technischen Standpunkt ansieht; unpraktisch in allen Beziehungen der Menschen zueinander, im höchsten Grade unökonomisch und unexakt in ihren Methoden; und wer gewohnt ist, seine Angelegenheiten mit dem Rechenschieber zu erledigen, kann einfach die gute Hälfte aller menschlichen Behauptungen nicht ernst nehmen. (37)

Ulrich verspricht sich vom Studium des Ingenieurswesen nicht nur technische Erfolge, sondern er hofft, dass es sich auf den Menschen selber niederschlägt, dass Ingenieure, anders als andere Menschen, eben mutig sind, „die Kühnheit ihrer Gedanken statt auf ihre Maschinen auf sich selbst anzuwenden“. Aber das tun sie eben (auch) nicht. Ulrich ist frustriert, Ende der Karriere. Siehe letztes Kapitel. Ulrich kommt mir gerade wie ein kleines Kind vor. Wenn er etwas nicht bekommt, stampft er mit den Füßen und sucht das Weite. Andererseits kann man es ihm auch als Konsequenz unterstellen. Er sucht und wo er es nicht findet, geht er eben weiter.

Schöner wählen

Mit dem Umzug gab’s gleich auch noch ein neues Wahllokal. Eine deutlich schönere Schule als die davor. Leider war die Stimmung im Wahllokal – warum eigentlich „Lokal“? – ganz das Gegenteil, denn ein weiblicher Zerberus kontrollierte nicht nur die Wahlbenarchtigung sondern verglich auch das Foto auf dem Ausweis mit der Realität. Würde sie es noch geben, dann hätte diese Wahlhelferin beste Aufstiegschancen als Grenzbeamtin in der DDR – oder war sie das mal?

Personalgespräch

Alle Jahre wieder. Hatte es schon vergessen und war überrascht, als der Chef meinte, dass wir nun anfangen könnten. In meinem Fall einfach nur verschenkte Zeit, da eh alles klar ist. Der Chef setzt wieder an, wie er meine Arbeit schätzt (ich führe eine Excel-Tabelle, ansonsten lese ich in meinen Büchern), dass ich ein wichtiger Mitarbeiter wäre (für was / wen?) und dass er mich langfristig binden will (wie?). Noch lachen wir beide nicht über dieses Theater, denn die Chancen sind alles, nur nicht groß.

# 525 – So schön kann Herbst sein

2018-09-28 19.20.28

Ich geb’s auf

Also die Hoffnung an der jeztigen Arbeitsstelle noch irgendwie was reißen zu können. Das wird mir einfach zu blöd. Ne echte Alternative sehe ich zwar (immer) noch nicht, aber Hoffnung mache ich mir keine mehr, einfach keine Lust auf Frust.

Jüngstes Beispiel, d.h. von heute morgen. Im Februar sollte ich für drei Woche eine Sekretärin vertreten. Das hätte für drei schmale Wochen entweder viele, viele Überstunden oder eben doppelten Lohn gehießen. Nun ist der Abteilungsleiter aus mir unbekannten Gründen mit der Personalverwaltung darüber einig geworden, dass eine Azubine das übernimmt und ich nur dann in Anspruch genommen werde, wenn diese in der Berufsschule ist (1,5 Tage / Woche). Aber – auch eine Neuerung – diese insgesamt 4,5 Tage soll ich mir dann noch mit einer neuen Kollegin teilen, die früher an dieser Stelle saß.

Da brauch‘ ich gar nicht zu würfeln, wie viel ich davon abbekomme.

9 – Erster von drei Versuchen, ein bedeutender Mann zu werden (35-36)

MoE wollte schon immer ein bedeutende Mensch sein – aber wie wird man das? – und was ist das überhaupt – Ulrich war Fähnrich in einem Reiterregiment – aber auch in Zivil gibt es Männer – Stress mit seinen Vorgesetzten – kein Lust mehr am Beruf als Militär – enttäuscht – verlässt den Dienst

In seiner Schulzeit hatte er Napoleon dafür [= bedeutend] gehalten; teils geschah es wegen der natürlichen Bewunderung der Jugend für das Verbrecherische, teils weil die Lehrpersonen ausdrücklich auf den Tyrannen, der Europa auf den Kopf zu stellen versuchte, als den gewaltigsten Übeltäter der Geschichte hinwiesen. (35)

Militär ist für Ulrich also nix, da er sich dort nicht so verwirklichen kann, wie er gerne möchte. Das begreift er, als ihm der Vorgesetzen den Unterschied zwischen „einem Erzherzog und einem einfachen Offizier“ klar macht. Kann man Ulrich eine geringe Frustrationstoleranz unterstellen?

Also …

  1. Das Paar Schuhe, was ich am meisten trage macht blöd. Der linke Schuh quietscht enorm laut, wenn ich auftrete. Also zum Schuhmacher.
  2. Das Ersatzpaar ist so abgelaufen, dass es eine neue Sohle braucht. Also zum Schuhmacher.
  3. Ab jetzt Rückgriff auf Altbestände. Meine Lieblingsschuhe von vor gut fünf Jahren sind eigentlich OK, wenn der rechte nicht so am Spann scheuern würde, dass man nach 200 Meter leicht blutet. Also zum Schuhmacher.
  4. Die Alternative weißt die gleichen Eigenschaften von 2 auf. Also zum Schuhmacher.
  5. Ich hab‘ das Paar schon immer irgendwie häßlich gefunden. Das hat es wohl über die Zeit gerettet. Es wird mich morgen ‚kleiden‘.

Die übrig gebliebenen zwei Alternativen habe ich dann aus Frust mir gar nicht mehr angeschaut.

So’n Tach halt

  • Im Job einfach mal undiplomatisch gewesen. Als Herr Q. sich ranwanzte, hat er halt das zu hören bekommen, was er über seine Kollegin Frau B. nicht hören wollte. Sie steht also morgen oder übermorgen heulend in meinem Zimmer. „Blöderweise“ werde ich jegliche Klärung nur in Anwesenheit des Abteilungsleiter vornehmen, denn ich möchte schon protokolliert haben, dass sie mich mit einem „der da“ vor einer Gruppe ganz schön in die Suppe getunkt hat.
  • Wie immer am Nachmittag viel gelesen. Dass ich Musil protokolliere tut irgendwie gut – auch wenn es keinen Anklang findet. Aber muss das, was einem gut tut, Anklang finden –  außer bei sich? (Um ehrlich zu sein: JA, es wäre schön, wenn es Anklang finden würde.)
  • In Ruhe einkaufen gewesen und vor lauter Ruhe die notwendigen Kekse vergessen. Sind sie also notwendig?
  • Altherrensport am Abend: Einer, der definitv älter ist als ich, zeigt mir, was machbar ist. Aber der wird nicht am Samstag Pflaster verlegt haben. Hoffe ich. Bin jedenfalls alle.
  • V. gibt sich die Ehre. Schön mit ihr. Da lebt jemand. Aber ich muss morgen ‚arbeiten‘, zum Arzt, die Schwester kommt … aber es wird wieder den Abend geben, der keine Grenzen hat.

8 – Kakanien (31-35)

Wo will man leben? – Anonymität in der technischen Großstadt – vom Glück – eigene Wirkmächtigkeit in der Welt – Verirrungen im Leben – der Staat Kakanien – von allem etwas, aber nie zuviel davon – viel Merkwürdiges des untergegangenen Kakaniens – Verfassung liberal, aber klerikal regiert – Krone und Parlament, wobei das wenig zu sagen hat – man handelt da immer anders als man dachte – der Landbewohner hat neun verschiedene Charakter – jeder Erdbewohner noch einen zehnten Charakter – ein Staat, „der sich selbst irgendwie nur noch mitmachte“ -aber vielleicht doch ein Land für Genies?

Und in Kakanien wurde überdies immer nur ein Genie für einen Lümmel gehalten, aber niemals, wie es anderswo vorkam, schon der Lümmel für ein Genie. (33)

Folie für Kakanien ist deutlichsterweise Österreich. Es kommt insgesamt nicht wirklich gut weg, etwas verschlafen, etwas aufgeschossen, etwas veraltet, etwas modern, viel Gemauschel im Hintergrund, etwas behäbig, etwas lustvoll, etwas …

Die 7.

Vergessen Wein zu kaufen. Aber im Keller liegen ja noch ein paar Dutzend Flaschen von früher. Nach der dritten Flasche gehe ich geschickterweise mit einem Korb in den Keller. Die 7. Flasche ist dann OK (ein Pomerol von 2006, den wir mal geschenkt bekommen haben), alle anderen komplett überlagert. Aber das war nicht anders zu erwarten, denn vor 18 Jahren hatte ich auch noch nicht das Geld solche Weine zu kaufen, die die Strecke durchstehen.

Muskeln – Knochen – Sehnen

Beiden H.’s, um E. nochmal zu sehen bevor er sich wieder in ferne Länder aufmacht. Er hätte am Haus zwar heute noch was zu tun, aber nicht so lange. (Das letzte Mal war es eine Steinmauer.) Um halb zwölf holt er mich von der Bahnstation ab, aber 12 stehen wir vor dem Haus und er erklärt, was er noch vor hat. Neffe F. will auch helfen, muss aber für zwei Stunden noch weg. Fangen wir halt schon mal an. Sieben Stunden später schmerzt alles –  aber so richtig – , doch nach drei gescheiterten Versuchen liegen nun ca. 10-15 Quadratmeter* Meter Pflaster vor dem Haus.

Ich hege die Hoffnung wie die Vermutung, heute Nacht mal durchschlafen zu können.  Ans Aufstehen denke ich mal lieber noch nicht.


* Ich kann es echt nicht schätzen, könnte auch mehr oder weniger sein – aber für uns Laien und bei dem Untergrund ne durchaus ordentliche Leistung.

Knall – und doch nix

Der FC Bayern macht es gerade vor, wie es sich anhört, wenn man den Kontakt zur Realität einfach mal komplett verloren hat. „Despektierliche, hämische, unverschämte“ Kritik hätte es gegeben, die gegen Artikel 1 GG verstoße und gegen die man demnächst gerichtlich vorgehen würde. Die haben genauso wenig den Knall gehört wie ein gewisser Innenminister Seehofer. Bayrisches Phänomen? Leider nicht. Irgendwie scheint sich eine Art Trump-Seuche rasant breit zu machen, die Andrea Nahles damals im Bundestag schon recht gut besungen hat: „Zwei mal drei macht vier, / widewidewitt und drei macht neune, / ich mach mir die Welt, / widewide wie sie mir gefällt“

7 – In einem Zustand von Schwäche zieht sich Ulrich eine neue Geliebte zu (25-30)

Ulrich kommt morgens übel zugerichtet nach Hause – Auf der Straße kam es zu einer Prügelei – drei gehen ihn – allgemeine Überlegungen über die Ablehnung zwischen Menschen – Schilderung des Kampfes – wird bewusstlos – allgemeine Überlegungen über die Schlechtigkeit in / der Welt – eine Dame kümmert sich um den aus der Bewusstlosigkeit erwachenden – sie bringt ihn im Wagen nach Hause – Dame hat was mütterlich-sinnliches an sich für Ulrich – ist etwas jünger als er – Ulrich verteidigt die Schlägerei als die Gelegenheit, sich auf besondere Art und Weise zu bewegen – ist eine „Durchbrechung der bewußten Person“ – boxen als eine Art von Theologie – sie kommt mit seinen Gedanken nicht wirklich nach – für Ulrich gehört auch Liebe zu den „religiös und gefährlichen Erlebnissen“ – Ulrich baggert sie etwas an – bittet um ihre Adresse – sie gibt sie ihm nicht – taucht aber später bei ihm wieder auf, um sich nach seinem Zustand zu erkundigen

Zwei Wochen später war Bonadea schon seit vierzehn Tagen seine Geliebte. (30)

Musil zieht in den ersten Kapitel wirklich die Variation der Zustände bei jeder Gelegenheit durch. Fast jeder Gedanke, fast jede Situation wird antagonistisch gedeutet, wird auf Varianzen überprüft, die nicht den Alltag bestimmen.

Bevorteilt

Beim Prüfungstag heute tauchte ein Prüfling auf, den die Natur, wie meine Mutter es ausdrücken würde, echt bevorteilt hat. Selten so einen schönen, ästhetischen jungen Mann (23) gesehen – ohne das er ein Schönling wäre – mit einer echt tollen Stimme und einer echten Eleganz in der Bewegung. Dazu sowas wie verschmitzer Witz im Prüfungsgespräch aber auch brennende Leidenschaft für sein Gewerk: Boots- und Schiffbau. Der Prüfungsvorsitzende und ich mussten uns zwar nach der praktischen Unterweisung erst nochmals erklären lassen, was er denn da gerade unterwiesen hatte – Bootsbau weißt dann doch eine Komplexität auf, die zumindest ich bis dato komplett unterschätzt habe – aber dennoch war uns klar, dass er im echen Leben jeden Azubi für die Sache entflammt. Mich hat es echt fasziniert, mit welcher Akribie, mit welcher Zwanghaftigkeit, mit welchem Perfektionismus aber zugleich mit welcher Lust er da seinen Azubi erklärte, wie er welches Maß zu übertragen hätte (dazwischen so tolle Begriffe wie „Wasserlinie“ (was ist das?), „Spantenriss“, „Mallkante“ und vorallem „Strak“!) So ein Typ, der Wissen saugt und dem ich zutraue, es dann nicht nur einfach umzusetzen, sondern es kreativ weiter zu bearbeiten. Ich war jedenfalls komplett fasziniert von ihm und – zugegeben – nicht mehr ganz objektiv. Dass er dann aber die 45 Punkte im Mündlichen machte, ist dem Prüfungsvorsitzenden geschuldet, ich hätte ’nur‘ 40 gegeben.

Sei’s drum. Es war einfach ein Genuß und ich war etwas traurig zu wissen, dass ich eben jetzt in einer Altersklasse bin, die ihn kaum interessiert. Von da ist es dann ja echt nicht mehr weit zu ‚meinem‘ Höderlin:

Sokrates und Alcibiades

»Warum huldigest du, heiliger Sokrates,
Diesem Jünglinge stets? kennest du Größers nicht?
Warum siehet mit Liebe,
Wie auf Götter, dein Aug‘ auf ihn?«

Wer das Tiefste gedacht, liebt das Lebendigste,
Hohe Jugend versteht, wer in die Welt geblickt,
Und es neigen die Weisen
Oft am Ende zu Schönem sich.

Friedrich Hölderlin

(Zur Info: Alcibiades galt als einer der schönsten Männer, wenn nicht der schönste überhaupt, im ollen antiken Griechenland. Wie im „Symposion“ von Platon nachzulesen, war Alcibiades aber total frustriert, dass Platon auf seine Avancen nicht eingegangen ist, obwohl diese Form der ‚Liebe‘ damals unter den Hochgestellten gang und gäbe war. Überhaupt: „Symposion“ ist ein echt guter, auch gut lesbarer Text zum Thema Liebe und Leidenschaft – ohne Einschränkungen empfehlenswert (nun ja, es könnte zu Erkenntnisgewinn führen, als dann doch: „Erkenntnisgewinnwarnung!“.)

Und noch ne Runde

Ich werd‘ immer missantrophischer – glaub ich. Dem Vorsitenden von Verein 1 heute am Ende der Sitzung quasi die ‚Führung‘ geklaut, weil ich wenigsten die Hälfte der Punkte auf der Tagesordnung durch haben wollte. Er schwätz ja alles erst zu Tode, bis es weiter geht. Liegt aber vielleichta auch nur daran, dass ich jetzt drei Tage auf „Erfahrungsaustausch“ war, dessen spezifische Regeln besagte, dass, wenn nicht alle den gleichen Inhalt einmal von sich gegeben hat, es nicht in die Pause geht. Also wurde alles zweimal von jedem von sich gegeben, dass es noch schneller in die Pause ging. Der Erkenntnisgewinn war dann doch eher gering. Anderersetis erwische ich mich auch dabei, dass, wenn ich mal ins Reden gekommen bin, dann auch kaum zu stoppen bin. Aber das hat Seltenheitswert. Hört man sich so gerne reden. Ist das Ausdruck, dass die meisten nicht zur Geltung kommen können? Ich werde es wohl nie kapieren.

FINIS – Peter Weiss: Ästhetik des Widerstands

2018-10-16 20.35.10
Beginn Lektüre für Lesekreis: April 2017
Anzahl gelesene Seiten: 1.199
Dauer Lektüre geschätzt: 60 Stunden
Anzahl Treffen Literaturkreis: 23
Anzahl Stunden Gespräch über Lektüre im Literaturkreis geschätzt: 85
Anzahl Seiten Notizen: 17
Länge Unterstreichungen geschätzt: größer 100 Meter
Derweil getrunkenen Flaschen Weißwein (alle) geschätzt: 25
Derweil getrunkenen Flaschen Bier (alle) geschätzt: 52
Derweil getrunkenes Wasser (alle) geschätzt: mehr als 100 Liter
Derweil verspeiste Pistazien (alle) geschätzt: 5,75 Kilogramm
Derweil verspeistes Studentenfutter (alle) geschätzt: 7,8 Kilogramm
Derweil verspeiste Tomaten (alle): 4
Anzahl der von Teilnehmenden gemachten Kopien für die andren geschätzt: 670
Anzahl der gelesenen Kopien von den Teilnehmendne geschätzt: 35
Höhe des Erkenntnisgewinns: nicht darstellbar.

6 – Leona oder eine perspektivische Verschiebung (21-25)

Aktuelle Freundin heißt Leontine, bzw. Leona – ist Liedsängerin – auch Gesichter unterliegen dem Zeitgeschmack – Leona ist „in ungeheurem Maße gefräßig“ – ist insgesamt etwas langsam – singt auf arg kleiner Bühne – betreibt gelegentlich Prostitution – sieht die Tätigkeit aber sehr sachlich – träumt von einem Kavalier – der sie vor eine vornehme Speisekarte setzt – Ulrich ist nicht gerne mit ihr in der Öffentlichkeit und „verlegte ihre Fütterung gewöhnlich in sein Haus“ – nach dem Essen singt sie Ulrich was vor – wirkt aber dann doch eher als Schlafmittel

Denn daß sie unsinnlich gewesen sei, hätte man zwar nicht behaupten können, aber sofern es erlaubt ist, wäre zu sagen, daß sie wie in allem so auch darin geradezu faul und arbeitsscheu war. In ihrem ausgedehnten Körper brauchte jeder Reiz wunderbar lange, bis er das Gehirn erreichte, und es geschah, daß mitten am Tag ihre Augen ohne Grund zu zergehen begannen, während sie in der Nacht unbeweglich auf einen Punkt der Zimmerdecke gerichtet waren, als ob sie dort eine Fliege beobachteten. (22)

Da kommt jemand nicht gut weg. Und Ulrich, so ist zu vermuten, nimmt sie nur aus einem gewissen Interesse, mal etwas ‚anderes‘ zu haben – oder aber, siehe letztes Kapitel, ihm ist auch das recht einerlei.

Heuchelnde Hysterikerin (2)

Kurz vor der Veranstaltug spricht sie mich in der Teeküche an. Sie hätte mit dem Chef reden müssen (! – lässt durchblicken, dass er sie zum Gespräch gebeten hätte, nicht sie ihn um ein Gespräch ersucht hat) und gibt mir gegenüber an, dass sie nicht wirklich kapiert hätte, was er denn von ihr wolle. Ob ich es ihr erklären könne. Doof wie ich bin, frage ich noch höflich nach, was sie denn nicht verstanden hätte – und sie kommt wieder mit dem Dauerthema.

Vorstellungsrunde bei der Veranstaltung mit ca. gut 40 Leuten. Sie spricht von sich und ihrem Kollegen. Nach drei Sätzen unterbricht sie sich und sagt mit einem Fingerweis auf mich: „Und der soll vielleicht auch noch mitmachen dürfen“. Damit ‚wissen‘ alle, dass ich wohl das Arsch hoch zwei bin, denn sie ist in diesem Kreis hochangesagt, hat zwar wenig Ahnung von der Materie, aber ist eben seit Jahren hellikoptermäßig unterwegs – viel Staub aufwirbelnd.

In der Laberrunde weiß ich auf die Frage, wie ich denn heute da bin, keine Antwort, weil ich echt nicht weiß, ob ich mich noch aufregen oder in Gelassenheit das Thema begraben soll.

Momentan: Viele Chancen habe ich da nicht mehr auf einen grünen Zweig zu kommen.

B & B

Nach dem Besuch in Bochum bei A. & T. Wahl in Bayern. Keine Überraschung und die CSU doch nicht so schlecht wie erhofft. Jetzt noch zwei Wochen abwarten. Wenn sich dann nichts in der Politik bewegt, dann bekomme ich echte Ängste.

Mir ist noch nie so sehr wie heute aufgefallen, wie die Politiker gebetsmühlenartig immer das Gleiche abseiern und alles tun, um bloß nicht konkret zu werden. Absichern nach allen Seiten, bloß kein Gesicht zeigen und lieber mal in alle möglichen Ärsche kriechen, vielleicht hilfts ja.

Dennoch ist mir die Demokratie lieb und teuer.

5 – Ulrich (18-21)

Der MoE heißt Ulrich – Sinnesart schon in Kindheit und Jugend gehabt – musste Aufsatz schreiben, der einen patriotischen Gedanken hat – Aufsatz: Über die Vaterlandsliebe – Ein Vaterlandsfreund könnte sein Vaterland niemals als das beste finden, denn auch Gott macht die Welt und denkt „es könnte ebensogut anders sein“ – fliegt deswegen fast von der Schule – geht freiwillig aufs ein belgisches Erziehungsinstitut – Ulrich ist Mathematiker – Unklarheit, wohin mit seinem Leben – Überträgt sich auch auf die Hauseinrichtung – versucht Möbel selber zu entwerfen und kann sich aber nie entscheiden – Überlässt die Einrichtung „dem Genie seiner Lieferanten“ – wird eine geschmackvolle Residenz

Es muss der Mensch in seinen Möglichkeiten, Plänen und Gefühlen zuerst durch Vorurteile, Überlieferungen, Schwierigkeiten und Beschränkungen jeder Art eingeengt werden wie ein Narr in seiner Zwangsjacke, und erst dann hat, as er hervorzubringen vermag, vielleicht Wert, Gewachsenheit und Bestand. (20)

Was hier schon durchschimmert und was mich immer so etwas auf Ulrich neidisch machen lässt, ist seine Gelassenheit. Er sieht Notwendigkeiten, geht sie an, entwickelt Ideen, lässt sie fallen, entwickelt andere, lässt auch diese fallen, lässt es dann von ganz anderen machen, weil er selbst schon wieder mit was anderem zu tun hat … und ein schlechtes Gewissen stellt sich erst gar nicht ein.

Heuchelnde Hysterikerin

‚Kollegin‘ B. freut sich, dass wir nächste Woche gemeinsam auf einen Erfahrungsaustausch sind. Dann könnten wir ja gemeinsam Problemfälle diskutieren. Das wäre immer sehr hilfreich. Fünf Minuten später steht sie beim Chef und hätte gerne, dass ich an der Veranstaltung nicht teilnehme.

Ihr und ein paar anderen geht der Arsch sowas auf Grundeis. Einerseits sind sie eitel bis zum Erbrechen, zum anderen wittern sie, dass, wenn man mal genauer hinschauen würde was sie machen, feststellen müsste, dass die Qualität der Arbeit – höflich und nett ausgedrückt – doch ein paar Mängel hat.

Aber lieber nix eingestehen, sondern hinterrücks beißen und schlagen, nach vorne abspeicheln was geht.

Die schau‘ ich nächste Woche nicht einmal mit dem Arsch an.

Tauben vergiften im Park

Nein, einfach auf zwei Stunde mit S. dort. Dazu, Tee, Wein, Sonne, schöne Blicke, viele Farben und viel Gespräch.

4 – Wenn es Wirklichkeitssinn gibt, muß es auch Möglichkeitssinn geben (16-18)

Türen haben Rahmen, darauf muss man achten, also: Wirklichkeitssinn – wenn es den aber gibt, siehe Überschrift – Definition des Möglichkeitssinn – es gibt „Möglichkeitsmenschen“, auch „Phantasten, Träumer, Schwächlinge und Besserwisser oder Krittler“ genannt – auch „Idealisten“ – das Mögliche umfasst auch „die noch nicht erwachten Absichten Gottes“ – 1.000 Mark enthalten Möglichkeiten, egal ob man sie besitzt oder nicht – Wirklichkeit weckt Möglichkeit – mögliche Wirklichkeit vs wirkliche Möglichkeit – verschiedene Beispiele

So ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit definieren, alles, was ebensogut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist. (16)

Es verwundert nicht, dass dieses eher theoretische Kapitel so früh steht. Es ist quasi die Unterlage, auf die der Roman funktioniert. Musil geht es im MoE nicht so sehr darum, eine spannende Geschichte zu erzählen oder vielleicht ein Sittengemälde zu zeichnen, vielmehr geht es ihm um das Ausloten von Zuständen. Damit ist nicht so sehr Emotionales gemeint, sondern mehr Sein-Zustände an sich. Es ist auch ein Ausprobieren und das Überschreiten von Grenzen damit gemeint.  Es wird nicht das einzige eher theoretische Kapitel bleiben.

Der Zahn ist raus

  • Noch ne gute Stunde auf Watte beißen
  • Zwei Tage keine Milchprodukte (OK, das lässt sich bewerkstelligen)
  • Zwei Tage nicht kräftig schneuzen (OK, ich geb‘ mir Mühe)
  • Zwei Tage nicht schwer heben (hatte ich nicht vor)
  • Eine Woche keinen Sport (hatte ich vor, also ein bisschen, aber etwas spazierengehen ist drin).
  • In den nächsten drei Wochen keine Flugreise (stand auch nicht an)
  • Und wenn die Betäubung nachher weg ist, alles essen, wozu ich Lust habe wenn auch ohne Milchprodukte (Nudelsuppe gehört definitiv nicht dazu!)

Kopfschmerzen stellen sich jetzt langsam ein, die Wirkung von Tavor bekomme ich mal wieder nicht so richtig mit, aber die Tatsache, dass ich fröhlich blogge, dürfte eine sein.

Ging schneller als bei den anderen Weisheitszähnen, ich glaube, die Aufklärung über die Risiken hat echt länger gedauert. Netter Arzt, der für meine Schisserei Verständnis hatte. Überall lief so esoterische Mandala-Musik. Hab‘ mich gefragt, ob es als Angstellter da ne Schmerzulage gibt.

Da ich an der Arbeit nach wie vor nix zu tun habe, nahm ich das Angebot einer Krankschreibung für heute und (!) morgen gerne an.

Mir kam dann Herrndorf wieder in den Sinn, der an diesem unheilbarem Gehrintumor litt und in seinem Blog damals seine letzte Zeit dokumentierte. (Das Blog ist in der Zwischenzeit auch als Buch herausgekommen, aber das Original ist dann doch ’näher‘. Ich kann’s echt nur empfehlen.)

27.1. 2012 14:14
Nacheinander drei Teile vom Backenzahn ausgespuckt. Ja, mach dich vom Acker, Körper, hau ab, nimm mit, was du tragen kannst.

(Wolfgang Herrndorf: Arbeit und Struktur. Quelle zu dem eindrucksvollem Blog HIER)

Angenommen

Bei der Ablösung gerade W. getroffen. Seit gut vier Monaten nicht mehr gesehen. Aber der war auch unterwegs, 3.000 Kilometer in 120 Tagen zu Fuß. Wie bei E. damals: Respekt. Ich werd‘ so was ähnliches wohl nicht mehr machen, ich wär’s mir schon zufrieden mal 100 Kilometer in sieben Tagen zu wandern (ohne dauernd nach Hause zu fahren).

Es stellt sich heraus, dass W. ein Wochenendhaus an einem See hat, der das Ziel der vierten Etappe eines Steigs ist, den ich noch machen will. Wenn ich vorher anrufe und eine Zahnbürste mitnehme, bin ich gerne eingeladen. Sie würden mich dann wieder zurück nehmen.

# 523 – statt Worte

181006_010

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