Durch die Zeit

Monat: Oktober, 2018

Und noch ne Runde

Ich werd‘ immer missantrophischer – glaub ich. Dem Vorsitenden von Verein 1 heute am Ende der Sitzung quasi die ‚Führung‘ geklaut, weil ich wenigsten die Hälfte der Punkte auf der Tagesordnung durch haben wollte. Er schwätz ja alles erst zu Tode, bis es weiter geht. Liegt aber vielleichta auch nur daran, dass ich jetzt drei Tage auf „Erfahrungsaustausch“ war, dessen spezifische Regeln besagte, dass, wenn nicht alle den gleichen Inhalt einmal von sich gegeben hat, es nicht in die Pause geht. Also wurde alles zweimal von jedem von sich gegeben, dass es noch schneller in die Pause ging. Der Erkenntnisgewinn war dann doch eher gering. Anderersetis erwische ich mich auch dabei, dass, wenn ich mal ins Reden gekommen bin, dann auch kaum zu stoppen bin. Aber das hat Seltenheitswert. Hört man sich so gerne reden. Ist das Ausdruck, dass die meisten nicht zur Geltung kommen können? Ich werde es wohl nie kapieren.

FINIS – Peter Weiss: Ästhetik des Widerstands

2018-10-16 20.35.10
Beginn Lektüre für Lesekreis: April 2017
Anzahl gelesene Seiten: 1.199
Dauer Lektüre geschätzt: 60 Stunden
Anzahl Treffen Literaturkreis: 23
Anzahl Stunden Gespräch über Lektüre im Literaturkreis geschätzt: 85
Anzahl Seiten Notizen: 17
Länge Unterstreichungen geschätzt: größer 100 Meter
Derweil getrunkenen Flaschen Weißwein (alle) geschätzt: 25
Derweil getrunkenen Flaschen Bier (alle) geschätzt: 52
Derweil getrunkenes Wasser (alle) geschätzt: mehr als 100 Liter
Derweil verspeiste Pistazien (alle) geschätzt: 5,75 Kilogramm
Derweil verspeistes Studentenfutter (alle) geschätzt: 7,8 Kilogramm
Derweil verspeiste Tomaten (alle): 4
Anzahl der von Teilnehmenden gemachten Kopien für die andren geschätzt: 670
Anzahl der gelesenen Kopien von den Teilnehmendne geschätzt: 35
Höhe des Erkenntnisgewinns: nicht darstellbar.

6 – Leona oder eine perspektivische Verschiebung (21-25)

Aktuelle Freundin heißt Leontine, bzw. Leona – ist Liedsängerin – auch Gesichter unterliegen dem Zeitgeschmack – Leona ist „in ungeheurem Maße gefräßig“ – ist insgesamt etwas langsam – singt auf arg kleiner Bühne – betreibt gelegentlich Prostitution – sieht die Tätigkeit aber sehr sachlich – träumt von einem Kavalier – der sie vor eine vornehme Speisekarte setzt – Ulrich ist nicht gerne mit ihr in der Öffentlichkeit und „verlegte ihre Fütterung gewöhnlich in sein Haus“ – nach dem Essen singt sie Ulrich was vor – wirkt aber dann doch eher als Schlafmittel

Denn daß sie unsinnlich gewesen sei, hätte man zwar nicht behaupten können, aber sofern es erlaubt ist, wäre zu sagen, daß sie wie in allem so auch darin geradezu faul und arbeitsscheu war. In ihrem ausgedehnten Körper brauchte jeder Reiz wunderbar lange, bis er das Gehirn erreichte, und es geschah, daß mitten am Tag ihre Augen ohne Grund zu zergehen begannen, während sie in der Nacht unbeweglich auf einen Punkt der Zimmerdecke gerichtet waren, als ob sie dort eine Fliege beobachteten. (22)

Da kommt jemand nicht gut weg. Und Ulrich, so ist zu vermuten, nimmt sie nur aus einem gewissen Interesse, mal etwas ‚anderes‘ zu haben – oder aber, siehe letztes Kapitel, ihm ist auch das recht einerlei.

Heuchelnde Hysterikerin (2)

Kurz vor der Veranstaltug spricht sie mich in der Teeküche an. Sie hätte mit dem Chef reden müssen (! – lässt durchblicken, dass er sie zum Gespräch gebeten hätte, nicht sie ihn um ein Gespräch ersucht hat) und gibt mir gegenüber an, dass sie nicht wirklich kapiert hätte, was er denn von ihr wolle. Ob ich es ihr erklären könne. Doof wie ich bin, frage ich noch höflich nach, was sie denn nicht verstanden hätte – und sie kommt wieder mit dem Dauerthema.

Vorstellungsrunde bei der Veranstaltung mit ca. gut 40 Leuten. Sie spricht von sich und ihrem Kollegen. Nach drei Sätzen unterbricht sie sich und sagt mit einem Fingerweis auf mich: „Und der soll vielleicht auch noch mitmachen dürfen“. Damit ‚wissen‘ alle, dass ich wohl das Arsch hoch zwei bin, denn sie ist in diesem Kreis hochangesagt, hat zwar wenig Ahnung von der Materie, aber ist eben seit Jahren hellikoptermäßig unterwegs – viel Staub aufwirbelnd.

In der Laberrunde weiß ich auf die Frage, wie ich denn heute da bin, keine Antwort, weil ich echt nicht weiß, ob ich mich noch aufregen oder in Gelassenheit das Thema begraben soll.

Momentan: Viele Chancen habe ich da nicht mehr auf einen grünen Zweig zu kommen.

B & B

Nach dem Besuch in Bochum bei A. & T. Wahl in Bayern. Keine Überraschung und die CSU doch nicht so schlecht wie erhofft. Jetzt noch zwei Wochen abwarten. Wenn sich dann nichts in der Politik bewegt, dann bekomme ich echte Ängste.

Mir ist noch nie so sehr wie heute aufgefallen, wie die Politiker gebetsmühlenartig immer das Gleiche abseiern und alles tun, um bloß nicht konkret zu werden. Absichern nach allen Seiten, bloß kein Gesicht zeigen und lieber mal in alle möglichen Ärsche kriechen, vielleicht hilfts ja.

Dennoch ist mir die Demokratie lieb und teuer.

5 – Ulrich (18-21)

Der MoE heißt Ulrich – Sinnesart schon in Kindheit und Jugend gehabt – musste Aufsatz schreiben, der einen patriotischen Gedanken hat – Aufsatz: Über die Vaterlandsliebe – Ein Vaterlandsfreund könnte sein Vaterland niemals als das beste finden, denn auch Gott macht die Welt und denkt „es könnte ebensogut anders sein“ – fliegt deswegen fast von der Schule – geht freiwillig aufs ein belgisches Erziehungsinstitut – Ulrich ist Mathematiker – Unklarheit, wohin mit seinem Leben – Überträgt sich auch auf die Hauseinrichtung – versucht Möbel selber zu entwerfen und kann sich aber nie entscheiden – Überlässt die Einrichtung „dem Genie seiner Lieferanten“ – wird eine geschmackvolle Residenz

Es muss der Mensch in seinen Möglichkeiten, Plänen und Gefühlen zuerst durch Vorurteile, Überlieferungen, Schwierigkeiten und Beschränkungen jeder Art eingeengt werden wie ein Narr in seiner Zwangsjacke, und erst dann hat, as er hervorzubringen vermag, vielleicht Wert, Gewachsenheit und Bestand. (20)

Was hier schon durchschimmert und was mich immer so etwas auf Ulrich neidisch machen lässt, ist seine Gelassenheit. Er sieht Notwendigkeiten, geht sie an, entwickelt Ideen, lässt sie fallen, entwickelt andere, lässt auch diese fallen, lässt es dann von ganz anderen machen, weil er selbst schon wieder mit was anderem zu tun hat … und ein schlechtes Gewissen stellt sich erst gar nicht ein.

Heuchelnde Hysterikerin

‚Kollegin‘ B. freut sich, dass wir nächste Woche gemeinsam auf einen Erfahrungsaustausch sind. Dann könnten wir ja gemeinsam Problemfälle diskutieren. Das wäre immer sehr hilfreich. Fünf Minuten später steht sie beim Chef und hätte gerne, dass ich an der Veranstaltung nicht teilnehme.

Ihr und ein paar anderen geht der Arsch sowas auf Grundeis. Einerseits sind sie eitel bis zum Erbrechen, zum anderen wittern sie, dass, wenn man mal genauer hinschauen würde was sie machen, feststellen müsste, dass die Qualität der Arbeit – höflich und nett ausgedrückt – doch ein paar Mängel hat.

Aber lieber nix eingestehen, sondern hinterrücks beißen und schlagen, nach vorne abspeicheln was geht.

Die schau‘ ich nächste Woche nicht einmal mit dem Arsch an.

Tauben vergiften im Park

Nein, einfach auf zwei Stunde mit S. dort. Dazu, Tee, Wein, Sonne, schöne Blicke, viele Farben und viel Gespräch.

4 – Wenn es Wirklichkeitssinn gibt, muß es auch Möglichkeitssinn geben (16-18)

Türen haben Rahmen, darauf muss man achten, also: Wirklichkeitssinn – wenn es den aber gibt, siehe Überschrift – Definition des Möglichkeitssinn – es gibt „Möglichkeitsmenschen“, auch „Phantasten, Träumer, Schwächlinge und Besserwisser oder Krittler“ genannt – auch „Idealisten“ – das Mögliche umfasst auch „die noch nicht erwachten Absichten Gottes“ – 1.000 Mark enthalten Möglichkeiten, egal ob man sie besitzt oder nicht – Wirklichkeit weckt Möglichkeit – mögliche Wirklichkeit vs wirkliche Möglichkeit – verschiedene Beispiele

So ließe sich der Möglichkeitssinn geradezu als die Fähigkeit definieren, alles, was ebensogut sein könnte, zu denken und das, was ist, nicht wichtiger zu nehmen als das, was nicht ist. (16)

Es verwundert nicht, dass dieses eher theoretische Kapitel so früh steht. Es ist quasi die Unterlage, auf die der Roman funktioniert. Musil geht es im MoE nicht so sehr darum, eine spannende Geschichte zu erzählen oder vielleicht ein Sittengemälde zu zeichnen, vielmehr geht es ihm um das Ausloten von Zuständen. Damit ist nicht so sehr Emotionales gemeint, sondern mehr Sein-Zustände an sich. Es ist auch ein Ausprobieren und das Überschreiten von Grenzen damit gemeint.  Es wird nicht das einzige eher theoretische Kapitel bleiben.

Der Zahn ist raus

  • Noch ne gute Stunde auf Watte beißen
  • Zwei Tage keine Milchprodukte (OK, das lässt sich bewerkstelligen)
  • Zwei Tage nicht kräftig schneuzen (OK, ich geb‘ mir Mühe)
  • Zwei Tage nicht schwer heben (hatte ich nicht vor)
  • Eine Woche keinen Sport (hatte ich vor, also ein bisschen, aber etwas spazierengehen ist drin).
  • In den nächsten drei Wochen keine Flugreise (stand auch nicht an)
  • Und wenn die Betäubung nachher weg ist, alles essen, wozu ich Lust habe wenn auch ohne Milchprodukte (Nudelsuppe gehört definitiv nicht dazu!)

Kopfschmerzen stellen sich jetzt langsam ein, die Wirkung von Tavor bekomme ich mal wieder nicht so richtig mit, aber die Tatsache, dass ich fröhlich blogge, dürfte eine sein.

Ging schneller als bei den anderen Weisheitszähnen, ich glaube, die Aufklärung über die Risiken hat echt länger gedauert. Netter Arzt, der für meine Schisserei Verständnis hatte. Überall lief so esoterische Mandala-Musik. Hab‘ mich gefragt, ob es als Angstellter da ne Schmerzulage gibt.

Da ich an der Arbeit nach wie vor nix zu tun habe, nahm ich das Angebot einer Krankschreibung für heute und (!) morgen gerne an.

Mir kam dann Herrndorf wieder in den Sinn, der an diesem unheilbarem Gehrintumor litt und in seinem Blog damals seine letzte Zeit dokumentierte. (Das Blog ist in der Zwischenzeit auch als Buch herausgekommen, aber das Original ist dann doch ’näher‘. Ich kann’s echt nur empfehlen.)

27.1. 2012 14:14
Nacheinander drei Teile vom Backenzahn ausgespuckt. Ja, mach dich vom Acker, Körper, hau ab, nimm mit, was du tragen kannst.

(Wolfgang Herrndorf: Arbeit und Struktur. Quelle zu dem eindrucksvollem Blog HIER)

Musil lesen

"Der Mann ohne Eigenschaften" in weniger als 123 Wochen

Ein Nudelsieb bloggt, ...

... denn man(n) kann sich ja nicht alles merken ;)

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