Das muss mal gesagt sein

von Bert

Wolfram von Eschenbach ist klasse! Aber sowas von. OK, mit den Namen, da hat er nicht so ein glückliches Händchen, aber wer ist schon perfekt?

Ich bin wirklich erstaunt, mit welcher Rafinesse und Ironie er da seinen fetten (bezogen auf die Seitenzahl) Prazival geschrieben hat. Sehr auffallend finde ich, dass Frauen wie Männer in ihrer jeweiligen Schönheit, wenn sie es denn sind, beschrieben werden und da keine Verklemmtheit herrscht, auch mal einen Jungen hübsch zu finden. So werden dann auch nicht nur die Roben der Frauen beschrieben, sondern auch der feine Schnitt so mancher Uniform. Das ist echte Gleichberechtigung.

Immer wieder bringt er gar keine schlechten Vergleiche, aber im 8. Buch ist es dann doch mit ihm etwas durchgegangen. Da hat einer seiner Nebenhelden, Gawan, ein Techtelmechtel mit einer Königstochter – ist natürlich nicht statthaft zu dieser Zeit und es kommt so richtig zum Krach. Beide müssen sich jedenfalls handgreiflich verteidigen. Während sie lauter Sachen aus dem Turm auf die ‚Angreifer‘ schmeißt, wehrt er sich mit einem Schachbrett (!). Mitten im Kampf, quasi als retatierendes Moment, hat Eschenbach bzw. Gawan noch ausreichend Zeit, um die Königstochter wohlwollend zu betrachten. So heißt es dann:

Und was tat Gawan? Immer wenn er einen Augenblick Muße hatte, so schaute er das Mädchen an, ihren Mund, die Augen, ihre Nase. Kein Hase an seinem Bratspieß könnte euch eine elegantere Figur machen, das glaube jedenfalls ich, so war sie gebaut da zwischen Brust und Hüfte.

Ihr Leib kommte sehr wohl Gelüste nach ihrer Liebe reizen. Keine Ameise könnt ihr finden, die eine bessere Taille zu bieten hätte als sie dort, so ihr Gürtel lag.  … Gawan kümmerte die Wut der Finde sehr wenig, wenn er das Mädchen erblickte; darum verloren viele von ihnen den Leib.

Eschenbach, Wolfram von: Prazival. Übersetzung Peter Knecht. Berlin / New York (Walter de Gruyter) 2003, S. 413f