6 – Leona oder eine perspektivische Verschiebung (21-25)

von Bert

Aktuelle Freundin heißt Leontine, bzw. Leona – ist Liedsängerin – auch Gesichter unterliegen dem Zeitgeschmack – Leona ist „in ungeheurem Maße gefräßig“ – ist insgesamt etwas langsam – singt auf arg kleiner Bühne – betreibt gelegentlich Prostitution – sieht die Tätigkeit aber sehr sachlich – träumt von einem Kavalier – der sie vor eine vornehme Speisekarte setzt – Ulrich ist nicht gerne mit ihr in der Öffentlichkeit und „verlegte ihre Fütterung gewöhnlich in sein Haus“ – nach dem Essen singt sie Ulrich was vor – wirkt aber dann doch eher als Schlafmittel

Denn daß sie unsinnlich gewesen sei, hätte man zwar nicht behaupten können, aber sofern es erlaubt ist, wäre zu sagen, daß sie wie in allem so auch darin geradezu faul und arbeitsscheu war. In ihrem ausgedehnten Körper brauchte jeder Reiz wunderbar lange, bis er das Gehirn erreichte, und es geschah, daß mitten am Tag ihre Augen ohne Grund zu zergehen begannen, während sie in der Nacht unbeweglich auf einen Punkt der Zimmerdecke gerichtet waren, als ob sie dort eine Fliege beobachteten. (22)

Da kommt jemand nicht gut weg. Und Ulrich, so ist zu vermuten, nimmt sie nur aus einem gewissen Interesse, mal etwas ‚anderes‘ zu haben – oder aber, siehe letztes Kapitel, ihm ist auch das recht einerlei.