Durch die Zeit

Monat: November, 2018

Von allergrößter Wichtigkeit

Der Hauptgeschäftsführer bittet den Geschäftsführer in der Kasse (???) nachzufragen, ob Frau S. (Abteilung III) und ich (Abteilung II) ein Paar seien. Die Kasse meint es verneinen zu können, fragt aber vorsichtshalber nochmals bei Frau S. nach, ob sie eine richtig Auskunft gegeben hat oder ob sie die Aussage korrigieren soll.

Sonst gerade nix zu tun?

P.S. Frau S. darf ich ab heute „Schatzi“ nennen.

21 – Die wahre Erfindung der Parallelaktion durch Graf Leinsdorf (87-91)

Die Feierlichkeiten zum Thronjubiläum werden „Parallelaktion“ genannt – treibende Kraft ist Graf Leinsdorf – erste Schlagwörter für die Feierlichkeiten sind: „Friedenskaiser, europäischer Markstein, wahres Österreich und Besitz und Bildung – Leinsdorf ist der Erfinder der Parallelaktion – ist Patriot – und reich – zu tiefst bürgerlich, meint aber, allem aufgeschlossen zu sein – ist ca. 60 – mit Anlage zum „Blähhals“

Hier ging die Existenz der Leinsdorfs kunstbücherlich beglaubigt in den Weltgeist über. (91)

Vorstellung von Graf Leinsdorf, der ein in sich ruhender, konservativer, ausgleichender Typ zu sein scheint. Ecken und Kanten sind auf den ersten Blick nicht zu finden. Richtig reich scheint er aber auch nicht ganz doof zu sein.

Adventskalender

Es geschehen doch noch Zeichen, wenn auch nicht gerade Wunder. Normalerweise bin ich es ja, der jedes Jahr einen Adventskalender macht (seit einigen Jahren digital als Kurzzeitblog) – dieses Jahr habe ich mal selber einen bekommen, also genauer gesagt zwei, noch genauer gesagt auch nicht digital sondern aus Papier, wenn auch mit ohne Schokoloade. Was sich hinter den Türchen versteckt, weiß noch nicht, aber die Geste hat mich schon gefeut. Vorallem der zweite, der von der GF von Verein 1 kam. Mit nem Brief dabei – und zwar einem persönlichem.

Jetzt darf ich nur nicht vergessen, meinen morgen zu verschicken, nach dem ich dieses Jahr echt Zeit gebraucht habe, was für die 24 Einträge zu finden.

Ich mach jetzt doch noch Karriere!

Nächstes Jahr werde ich voraussichtlich ‚Stellvertrender Vorsitzender‘.

Im Jahr danach dann voraussichtlich ‚Vorsitzender‘.

Von zwei Prüfungsauschüssen.

Ehrenamtlich.

Mit Aufwandspauschale.

# 530

Wenn mir nix einfällt, dann halt mal wieder ein Foto.

Den Fotografen findet man HIER.

Zweiter Teil – Seinesgleichen geschieht – 20 – Berührung der Wirklichkeit – Ungeachtet des Fehlens von Eigenschaften benimmt sich Ulrich tatkräftig und feurig (83-86)

Ulrich ist auf Graf Stallburg neugierig und geht hin – ist von der Hofburg beeindruckt – Stallburg ist quasi eine schlechte Kopie des Kaisers selbst – Ulrich verwendet sich spontan für Moosbrugger – was peinlich rüber kommt – der Graf verfasst ein positives „Einführungsschreiben“ an die Hauptperson der großen vaterländischen Aktion – Ulrich fühlt sich überrumpelt

Ulrich war durch seine Entgleisung einen Augenblick geistesungegenwärtig geworden, aber merkwürdigerweise hatte dieser Fehler auf Exzellenz keinen schlechten Eindruck gemacht. (86)

Zuerst überrumpelt ihn der Vater, jetzt auch noch Graf Stallburg, der ihm wohlwollend entgegentritt. Zwar versucht Ulrich mit seiner Bitte in den Moosbrugger-Prozess einzugreifen, das Heft in die Hand zu nehmen, scheitert aber. Er kann sich gerade nicht durchsetzen. Auch wenn er durchschaut, dass nicht alles Gold ist was glänzt, lässt es gerade mit sich geschehen.

Hat es heute morgen gegeben?

So ein Tag halt, von dem man nächste Woche schon gar nicht mehr weiß, ob er überhaupt gewesen ist. Immerhin im bösen Internet drei Bücher von meiner Wunschliste gefunden und downloaden können.

Noch ne gescheiterte Annäherung

„Heimat“-„Urlaub“. Also ein Wochenede in meiner Geburtsstadt. „Heimat“ ist das schon lange nicht mehr, aber eine andere hat es danach auch nie gegeben . (Köln hätte es werden können, wenn wir da nicht nach vier Jahren wieder weggezogen wären.) Muttern „feierte“ Geburtstag, d.h. die Restfamilie war heute essen. Aber zu sagen, zu erzählen hatte man sich so gut wie nichts. Ein paar Belanglosigkeiten eben, mehr nicht, nichts darüberhinaus. Ich find’s echt irgendwie traurig.

Wenn ich mir dann die Familie von E. bzw. T. anschaue, klar, da ist auch nicht alles Friede, Freude, Eierkuchen, echt nicht, aber dennoch, die interagieren, reden, sind sich irgendwie auch nah bzw. nehmen sich wahr … . Ich weiß in der Zwischenzeit auch nicht mehr, ob ich wirklich dahinter kommen will, warum das so ist, so geworden ist. Schräg ist das allemal und hat, vereinfacht gesprochen, einfach damit zu tun, dass es eine Menge von Tabus gibt.

Egal für heute, ich komm‘ eh nicht so richtig ran.

Es war halt einfach nur anstrengend und wenn man wo ankommt und gleich wieder weg will, dann ist es kein gutes Zeichen.

19 – Briefliche Ermahnung und Gelegenheit, Eigenschaften zu erwerben – Konkurrenz zweier Thronbesteigungen (77-79)

Brief des Vaters – macht sich um dessen Zukunft Sorgen – hat deswegen Kontakt zu Grafen Stallburg aufgenommen – der wird Ulrich empfangen – Ulrich soll eine bestimmte Bitte vortragen – in Deutschland soll 1918 Feier zum 30-jährigen Regierungsjubiläums Wilhlem II – im gleichen Jahr aber die 70-jährige Thronbesteigung des österreichischen Kaisers – daher eine Aktion in Wien, um nicht gegenüber den Deutschen blöd dazustehen, die begonnen haben eine Feier zu organisieren – es soll in Kakanien / Österreich dann gleich ein Friedensjahr werden – Stallburg wird es Ulrich dann genauer erklären – Ulrich soll zudem die Beziehung zur Familie des Sektionschefs Tuzzi aufbauen – dessen Gattin ist eine Kusine von ihm – auch das ist schon terminiert

Ich habe auch in diesem Sinne an meinen langjährigen wahren Freund und Schützer, den ehemaligen Präsidenten der Rechnungskammer und jetzigen Vorsitzenden der Allerhöchsten Familiengerichtspartikularität beim Hofmarschallamt, Exzellenz Graf Stallburg, geschrieben und ihn gebeten, Deine Bitte, die Du ihm demnächst vortragen wirst, wohlwollend entgegenzunehmen. (78)

Geschwurbelter Brief des betagten Vaters, der keinen Zweifel daran lässt, was Ulrich nun zu tun hat. Die Termine sind vereinbart und möchte Ulrich nicht, dass der Vater das Gesicht verliert, hat er zu erscheinen.

JfA – heute: Der Aushilfsbarkeeper

Da, wo ich arbeite und meist nix zu tun habe, mutiere ich (ganz) langsam zum ‚Junge für Alles‘. Heute eben mal bei einer Eröffnung als ‚Barkeeper – heißt, meine Aufgabe über gut zwei Stunden war dafür zu sorgen, dass ausreichend Gläser mit Weißwein, O-Saft und Wasser gefüllt waren. Nicht mehr – aber auch nicht weniger.

Eingebracht hat es mir eine namentliche (!) Nennung bei der Begrüßung durch den HGF (!!!) und ein Händedruck (!!!!) des HFGs (!!!), als er nach drei Glas Wein ging.

Ganz klar: Ich muss an mir echt noch arbeiten, um ein wirklich guter Barkeeper zu werden. Das mit den Getränken ist nicht das Problem – und wenn es 20 Getränke mehr gewesen wären auch nicht. Das Problem sind eher die ‚Gäste‘, die vor der Bar stehen und meinen, unbedingt Konversation betreiben zu müssen.

Auszug der Begegnungen:

  • Die 60-jährige ‚Intellektuelle‘, die beim 4. Glas Wein, was ich ihr einschenke, meint, dass Weißwein die Harnwege spülen würde – bei Frauen, wie sie hinzusetzt.
  • Der 78-jährige ehemalige Mitarbeiter, der jede Erinnerung mit einem Schluck Weißwein begießt – und er findet überall eine Erinnerung, selbst bei meiner Tätigkeit, als Aushilfsweinausschenker.
  • Die beiden jungen Frauen, ca. 25, die gearde gehen wollen. Die erste: „Einen Schluck nehme ich noch“. Die zweite: „OK“. Die erste nimmt ein Glas Weißwein und schluckt es auf ex. Die zweite zu mir: „Das ist mal ein Zug, was?“
  • Die Intellektuelle von oben beim 9. Glas Wein: „Zu Hause gibt es nur Wasser!“


18 – Moosbrugger (67-76)

Moosbrugger war ein Zimmermann – 34 Jahre – gütiges Gesicht – hat eine „Prostituierte niedersten Ranges, in grauenerregender Weise getötet“ – jetzt in Haft und vor Gericht – Aufzählung der Wunden – hat schon ähnliche Verbrechen begangen und war deswegen in verschiedenen „Irrenhäusern“ – Ulrich will ihn persönlich kennen lernen – Moosbrugger behauptet, nicht geisteskrank zu sein, auch wenn er Stimmen hört – führte ein ärmliches Leben – viele Vorstrafen – behauptet, kein Lustmörder zu sein, weil Abneigung gegen Frauen verspürt – sieht die Tötung als Möglichkeit, dass das Schreien der Frauen endet – Straftaten aus „notwendiger Gerechtigkeit“ – ist nicht uneitel – die Psychiater sind seine Feinde – leugnet seine Taten nicht – es sind Unglücksfälle – Schilderung Tathergang – macht es dem Verteidiger in der Verhandlung nicht leicht – Verteidigung plädiert auf Totschlag – Ulrich ist bei der letzten Verhandlung teil – Gutachten hält Moosbrugger für verantwortlich – Todesurteil

Die Wahrscheinlichkeit, etwas Ungewöhnliches durch die Zeitung zu erfahren, ist weit größer als die, es zu erleben; mit anderen Worten, im Abstrakten ereignet sich heute das Wesentlichere, und das Belanglosere im Wirklichen. (69)

Diese neun Seiten sind echt feinste Literatur. Denn was für das Gericht ein Mord ist, ist für Moosbrugger eine Notwendigkeit. Und das er verurteilt wird liegt nur daran, dass eine andere Gesetzmäßigkeit die Herrschaft hat und nicht die, nach der er handelt bzw. handeln muss. Für Moosbrugger ist die Welt verrückt, nicht umgekehrt. Eindrücklich schildert Musil hier beide Seiten. Es ist wie ein Schwanken und es gibt Momente, in denen man denkt, dass das Gericht schlichtweg falsch liegt. Wer etwas Zeit hat … die Seiten bleiben im Gedächtnis.

Nicht meins

Im Kondelenzbriefschreiben war ich echt noch nie gut. Und irgendwie lege ich es auch nicht darauf an, es zu werden.

Resümee: Peter Weiss

Auf Wunsch von E. noch ein letzter Abend zur „Ästhektik des Widerstands“ von Peter Weiss. Nach 1 3/4 Jahr der Lektüre die Resümees der Teilnehmenden. Es verwundert nicht, dass die von I. und K. positiv ausfallen, auch H. hat nichts zu möppern. Von ihr hätte ich dann schon ein paar Spitzen erwartet – aber vielleicht ist es die Milde des Alters bei ihr. E. macht es letztendlich sehr diplomatisch – also wesentlich dipomatischer als ich – und benennt sehr geschickt umschrieben die Schwachstellen, scheut sich aber dann doch, diese zusammenzufassen.

Das mein Resümme dann bei I. und K. auf Protest stoßen wundert mich nicht, denn ich formuliere zusammenfassend: „Ein gescheiteter Solitär“. Darin ist in meinen Augen alles enthalten. Inhaltlich ist die Ästhetik wirklich ein Solitär, denn ich kenne kein Roman / Buch, was sich so intensiv, faktenreich und menschlich mit dem Widerstand im 3. Reich literarisch auseinandersetzt. Gescheitert, weil die über 1.000 Seiten einfach nicht funktionieren. Es gibt Seiten, die nahezu genial sind, dann Strecken, die sich wie abgeschrieben aus dem Notizbuch anmuten.

Alleine hätte ich – und ich bin hart im nehmen, was Literatur betrifft – nicht durchgehalten, definitiv nicht. Andererseits bin ich ganz froh, es mit Hilfe der Gruppe es geschafft zu haben. Denn ein weiteres Buch aus der Reihe „Weltbekannte Bücher, die kaum jemand gelesen hat“ gehört bei mir nicht mehr dazu.

Oh nein, nicht jetzt schon!

Da macht man, ohne etwas bös zu ahnen, einen kleinen Mittagsschlaf, weil die Nacht durch einen Magen-Darm-Virus oder was auch immer arg verkürzt war, und was gibt’s, als ich die Augen wieder aufschlage: Schnee!

17 – Wirkung eines Mannes ohne Eigenschaften auf einen Mann mit Eigenschafen (60-67)

Walter etwas eifersüchtig auf des Gespräch von Ulrich mit Clarisse – ist empfindsam – niemals gleichgültig – übt Anziehung auf andere aus – gibt den anderen das Gefühl, wichtig zu sein – hatte Erfolge – zu Hause wie gelähmt – Aussichtslosigkeit in allen Entscheidungen – ist furchtsam – hält Europa für rettungslos entartet – gesunder Pessimismus, an den man sich halten kann – nicht er ist arbeitsunfähig, sondern die Zeit ist unfähig und ungesund – fühlt sich von Clarisse nicht ganz verstanden – meint, Ulrich hätte einen schlechten Einfluss auf Clarisse – nennt Ulrich „Ulo“ – Macht Ulrich schlecht – nennt Ulrich einen Mann ohne Eigenschaften – was eben nichts ist – Paradox: Ulrich hat Walters Meinung nach viele Eigenschaften, aber dann doch nicht – Nichts ist für ihn fest – Ulrich ein aufgelöstes Wesen – Gefällt Clarisse – Walter hält Ulrich für eine Gefahr für Clarisse, da Ulrich (alles) zergliedert

„Willst du Bier?“ – „Ja? Warum nicht? Ich trinke doch immer eins.“
„Aber ich habe keins im Haus!“
„Schade, daß du mich gefragt hast“ seufzte Walter. „Ich hätte vielleicht gar nicht daran gedacht.“ (63)

Die Komplexität nimmt zu. Walter ist auf Ulrich eifersüchtig und nicht nur deswegen, weil dieser ihm körperlich überlegen ist und überlegen war. Walter ist, so wie es derzeit scheinen, eher der ganzheitliche Typ, der seine Ideale eher im Konservativen findet. Ulrich ist dagegen eine Gefahr, da dieser zergliedert, Gründe und Begründungen sucht aber eben nie eine letzte findet. Das könnte ggf. eben Clarisse gefallen. Clarisse lässt sich jedenfalls nicht bevormunden, findet Gefallen an der Denkweise Ulrichs. Walter und Clarisse sind so ein Paar, bei dem man sich fragt, was sie eigentlich zusammenhält, denn bisher gibt es keine Gemeinsamkeiten. Selbst in der Musik haben sie nicht den gleichen Geschmack.

Geburtstag auf dem Lande

Diese Woche ist T. 18 geworden. T. ist der jüngere Neffe von E. Kennengelernt habe ich ihn und seinen etwas älteren Bruder F. vor Jahren schon unter nicht ganz so schönen Umständen. Aber so richtig befreundet haben wir uns dann in Istanbul, als wir alle auf der Hochzeit ihres Onkels waren. Da ist mir T. schon aufgefallen, der damals für sein Alter irre interessante Fragen stellte und immer etwas nach dem Dahinter schaute.

15 Uhr war gestern die Geburtstagsfeier angesagt. Gedanken, wie und vorallem was das werden wird, habe ich mir im voraus nicht gemacht. Und statt pünktlich zu kommen, kam ich eineinhalb Stunden später, weil ich mir so dachte: Ach, das ist eh alles recht locker, die nehmen das schon nicht so genau. Nun, ein Fehler. Denn so verpasste ich das Kaffeetrinken von 25 (!) Gästen. Die mussten sich mit nur *grins* acht oder neun verschiedenen Kuchen zufrieden geben. Als ich das realisierte, hat es mich erstmal wieder zurück aus dem Wohnzimmer gehauen, denn ich hatte so einen kleinen Flashback, wie solche Feiern (wenn auch nie mit so vielen Gästen und maximal zwei verschiedenen Kuchen) bei uns abgelaufen sind – und darauf hatte ich definitiv keine Lust. Echt nicht.

Also erstmal etwas Geschirr abspülen geholfen und schließlich – mit einem Bier bewaffnet – an die abgedeckte Tafel (die hatten mal locker ausreichend Tische und Stühle für min. 25 Menschen!), die, da einfach nur abgedeckt auf dem Dorf wohl nicht geht, mit Schalen voller Süßigkeiten vollgestellt war, als hätte es eben nie Kuchen gegeben. Wenige Sekunden später musste ich über das Wesen von Portwein referieren und mit E.’s Bruder auch gleich ein Glas kippen. Dann erzählte F. von seinem Studium und den Motor, den er gerade in der Garage ausgebaut hatte, T. kam irgendwann mit Kafka’s „Verwandlung“ an, … kurz: Das war einfach richtig schön. Das war lebendig, durcheinandrig, mal laut, mal leise, aber vorallem war es ungezwungen. Ich hab‘ das echt in vollen Zügen genossen.

Abendessen gab es natürlich auch. „Fünf Pfund“ nannte sich da Gericht. Das heißt, man nehme 1 Pfund Gehacktes, 1 Pfund Rindfleisch, 1 Pfund Schweinefleisch … die anderen beiden Pfunde konnte mir dann niemand so genau erklären, jedenfalls kommt, man will ja auch gesund essen, auch noch Paprika rein. Dass die Mutter Pfund mit Kilo verwechselt hat, hat mich irgendwie dann nicht verwundert, schließlich hatte es ja in den drei Stunden zuvor so gut wie nichts gegeben. Um das ausreichend auszugleichen gab es eben noch Salate, Wurst, Käse und Nachtische … eine Landvöllerei. Ich wußte echt nicht, wie gern ich das alles mag. Aber eben wie geschrieben, „Familie“ & „ungezwungen“ ist halt die Entdeckung.

T. ist jetzt nicht so der große Leser vor dem Herrn. In seiner Schule gibt es wirklich „betreutes Lesen“. Dennoch war ich so old-school und hab‘ ihm u.a. das „Symposium“ von Platon geschenkt. Das wird er dieses Jahr nicht lesen, nächstes wohl auch noch nicht – aber ich bin mir sicher, dass er es irgendwann in der Hand halten und überlegen wird: Wegschmeißen? Das ist der Moment, in dem er dann zumindest reinschauen wird, weil so ohne eine Zeile gelesen zu haben wird T. es nicht übers Herz bringen. Dann – so denke ich echt – wird es ihn packen. Ich gebe zu, dass ich auch keine so rechte Ahnung habe, was er später mal machen sollte bzw. in welchem Beruf ich ihn mir vorstellen kann – aber ich traue ihm auf alle Fälle weit aus mehr zu, als war er jetzt (und seine Freundin) nach dem Abi berufstechnisch vor hat. Ich würde ihn echt viel, viel lieber auf einer Uni sehen, denn da gehört er einfach hin.

# 529 – als der BMI noch kleiner war

Als der BMI noch kleiner war

Zonen

Seit ich meinen neuen Wecker habe, gibt es ja nur noch zwei Zeitzonen in der Nacht. Der Wecker hat nämlich die Eigenart, seine Beleuchtung zwischen 23 und 5 Uhr auszuschalten. Will ich also dazwischen die Uhrzeit wissen, müsste ich auf einen Knopf drücken. Tue ich aber nicht. Es ist gerade wirklich etwas schlaffördern einfach zu akzeptieren, dass, wenn der Wecker nicht leuchtet, ich einfach noch schlafen kann – und nicht mehr wie früher erst noch rechnete, wie lange noch. Interessanterweise interessiert bzw. verunsichert es mich auch gar nicht, dass ich nicht weiß, ob es nun noch drei Stunden oder nur noch drei Minuten sind. Kann aber auch gerade daran liegen, dass die Träume seit bald über einer Woche einfach der reine Wahn sind!

16 – Eine geheimnisvolle Zeitkrankheit (56-60)

Sonderbarkeiten der Jugendfreundschaften – lesen Nietzsche, Altenberg, Dostojewskij – Überhebung der Jugend – allgemeines Ablaufen beim Beginn der Mannesjahre – was ist Mann-sein – Verschiebung der Verhältnisse gegenüber früher – ein wenig zu viel Schlechtes im Guten – ist die Welt schlechter geworden oder man selber älter – von der Dummheit in der Welt – Beschäftigung mit Thomas von Aquin – was wäre, wenn der das Leben jetzt erleben würde – Man kann seiner eigenen Zeit nicht böse sein, ohne selbst Schaden zu nehmen

Denn wenn die Dummheit nicht von innen dem Talent zum Verwechseln ähnlich sehen würde, wenn sie außen nicht als Fortschritt, Genie, Hoffnung, Verbesserung erscheinen könnte, würde wohl niemand dumm sein wollen, und es würde keine Dummheit geben. (58)

Die Welt ändert sich eben. Auch Ulrich muss das mitmachen. Selbst dann, wenn die Entwicklungen eigenartig sind und nicht so von statten laufen, wie man sie selber gerne hätte. Jede Zeit hat ihre Auswüchse oder Krankheit – wofür sie ggf. gut war, zeigt sich eh erst Generationen später.

Wanted!

Im Briefkasten ein Umschlag. Darin ein Büchergutschein. Nicht von schlechten Eltern. Bloß: Von wem? Kein Gruß, keine Nachricht. Im Buchladen die Auskunft, man könne das gar nicht rückverfolgen bei Bargeschäften. Jetzt darf ich (wieder) suchen. Oder meldet sich hier jemand freiwillig?

Krudes & Vergangenes

Gestern beim Psychodoc. Im Rahmen der Anamnese wühlt er etwas im Thema Sexualität rum. Ich lege nahezu ungeschminkt die Tatschen auf den Tisch. Er ist jetzt nicht gerade verwirrt, aber braucht ein paar Fragen, bis er alles auf dem Schirm hat. Als ich auf dem Weg zurück mir mal meine Geschichte in dieser Hinsicht anschaue, als wäre ich jemand anders, komme ich nicht umhin zu denken, dass das ja wohl ohne nen Knacks ja wohl schlecht abgegangen sein kann.

Und wir zur Bestätigung war das, was andere Leute nachts ‚Schlaf‘ nennen heute für mich ein leider unbewußtes Ab- und Drucharbeiten. Gemerkt habe ich es nicht nur, dass ich x-mal wach wurde und dann immer mit Traumfetzen zu tun hatte, sondern vor allem daran, dass ich gegen morgen von M. träumte. M., das war der Mensch, der mir mein Coming-out ermöglichte, mit dem ich eine Zeitlang auch was am Laufen hatte und der heute so ein Sehnsuchtsmensch für mich geworden ist. Leider waren wir immer in unterschiedlichen Prozesse unterwegs. Als ich mich noch wehrte schwul zu sein, hatte er sein Coming-out. Als ich es hatte und nur noch an Sex dachte, war er etwas weiter und suchte eine Beziehung, die ich zu dem Zeitpunkt partout nicht wollte und als ich dann, da hatte er schon längst eine beendet und …

Es hat mich dann heute morgen etwas traurig wie glücklich gestimmt, als ich beim Aufwachen noch seine Stimme im Ohr hatte. Hatte das gar nicht mehr so auf dem Schirm, wie angenehm sie doch war, mit welcher Modulation er arbeitet.

Echt froh gewesen, heute schon wieder einen freien Tag gehabt zu haben.

Stoßgebet

Einmal nachts so schlafen, wie heute die Stunde am Nachmittag!

Mein neues Nachtgebet

„Lass mich schlafen wie ein Stein und morgen frisch wie ein Kuchen sein“

Lew Tolstoi: Krieg und Frieden (irgendwo recht weit hinten)

15 – Geistiger Umsturz (54-56)

Reflexionen über die Vergangenheit – Erwachen in Europa kurz vor der Jahrhundertwende – es wurde der Übermensch geliebt und der Untermensch – man war gläubig und skeptisch zu gleich – kurz: alles ist möglich – Walter und Ulrich haben als Jugendliche noch was vom Umbruch mitbekommen

Es kann deshalb nützen, sich auch daran erinnern zu lassen, daß in schlechten Zeiten die schrecklichsten Häuser und Gedichte nach genau ebenso schönen Grundsätzen gemacht werden wie in den besten; daß alle Leute, die daran beteiligt sind, die Erfolge eines vorangegangenen guten Abschnitts zerstören, das Gefühl haben, so zu verbessern; und daß sich die blutlosen jungen Leute einer solchen Zeit auf ihr junges Blut genau so viel einbilden wie die neuen Leuten in allen anderen Zeiten. (54f)

Kurz: früher war alles besser, früher war alles schlechter. Wichtig wohl hier: Walter und Ulrich haben schon mal einen Aufbruch geschnuppert.

# 527

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Lumumpe

Bis heute Abend kannte ich das auch nicht. Ist was zu Essen. HIER das Rezept von der tollen Kochpoetin. Man braucht halt drei Töpfe und eine Pfanne – etwas viel für das eher einfache Gericht. Und da wir keine Worcestershiresauce haben, war es der Hit nun nicht – aber mal was anderes.

Bis Freitag muss ich mich eh noch nach neuen vegetarischen Rezepten umsehen und für den Dezember muß ja noch ein großes Geburtstagsessen her. Schade, dass ich bei der Arbeit das Internet nicht privat nutzen kann.

Ansonsten bin ich gerade irgendwie so ein bisschen neben mir mit ohne Grund.

Definition

Wie buchstabiert man ‚Zeitverschwendung‘?

a b t e i l u n g s s i t z u n g

14 – Jugendfreunde (47-54)

Die Jugendfreunde heißen Walter und Clarisse – hat sie lange nicht gesehen – spielen beide Klavier – Ulrich kann das Klavier nicht leiden – die beiden Freunde haben kaum Geheimnisse vor Ulrich – Walter und Clarisse sind verheiratet – Clarisse und Ulrich gehen spazieren – Clarisse ist nun 25 und seit drei Jahren verheiratet – bekam zur Hochzeit von Ulrich Nietzsches Werke – sie verweigert sich Walter, wenn der Wagner spielt (und der spielt Wagner) – Gespräch über Walter – Walter ist 34 – in einem Kunstamt angestellt – Walter ist eigentlich Maler – war aber auch schon Dichter gewesen und Theaterkapellmeister, Zeichnlehrer, Einsiedler … – seine Begabung, als Begabung zu gelten – Außenumstände für ihn nun perfekt – nun aber ohne Ideen – Clarisse hasst Wagner – kommt aus Künstlerhaushalt – fühlt sich zum „Mager-Strengen“ hingezogen – sie ist nicht so begabt wie er – hat Musik studiert – malt – Clarisse hält von Ulrich weniger als Walter, obwohl er besser Tennis spielen konnte –

Aber sie [Clarisse] wollte die Gefährtin eines großen Menschen sein und rang mit dem Schicksal. (53)

Das, was Ulrich weitgehend abgeht, das Künstlerische, also in den beiden Freunden. Da aber in gewisser Weise nun aufgeteilt in das schwelgend-pompöse Wagnerianische (Walter) und die „magere“ Abstraktheit der „antonalen neuen Tondichtung“ (Clarisse). Clarisse ist anscheinend die ehre Strebende, wenn auch nicht mit dem Talent gesegnet. Walter der Talentierte, der sich aber nicht ‚vollendet‘ bzw. nicht ‚vollenden‘ kann. Abwarten, da ist noch im wahrsten Sinne des Wortes viel Musik drin.

Splitter

Mir einfach einen Tag Urlaub genommen. Nichts tun ist anstrengend. Meinte auch der Psychodoc und hatte noch ne interessante These dazu. Also in die Sauna. Es ist noch Geld auf der geschenkten Wertkarte von vor drei, vier Jahren. Überraschenderweise wenig los. Überraschenderweise auch noch Sonne. Wer liegt schon Anfang November nackt in der Sonne? (OK, das ging nur die ersten 15 Minuten nach dem Saunagang, dann wurde es doch etwas kühl.)

Als ich aus der Dusche komme und mich anziehen will, treffe ich einen ehemaligen Ausbilder, der keinen Hehl daraus macht, meinen Körper einer eingehenden und kritischen Betrachtung zu unterziehen. Immerhin lässt er sich zu einem „Schön braun“ hinreißen.

Mittagsschlaf, der den Begriff Schlaf berechtigt.

Später noch ein Buch, was ich bestellt hatte, nicht kaufen müssen, weil ich anderweitig an die entsprechende Literatur gekommen bin. Die Buchhändlerin bedankt sich sogar dafür. Es scheint wohl öfters vorzukommen, dass sie was bestellen, was dann gar nicht abgeholt wird.

Morgen Kontrastprogramm vom Feinsten: Abteiltungssitzung – also fröhliches Reigen der selbstherrlichen bzw. selbstüberschätzenden Selbstdarstellung. Ich will mir ein Gedicht ausdrucken und schauen, ob ich es derweil auswendig lernen kann.

Und sie fährt doch

Die 52 fährt doch. Auch nach Plan. Aber die Verkehrsgesellschaft scheint eine eigene Uhrzeit zu haben.

Immerhin dann heute die Erkenntnis, warum die Busfahrt mich so friedlich stimmt. Ganz einfach: Alle halten die Klappe – es ist still. Einige lesen, einige beschäftigen sich mit dem Handy und der Rest, zu dem ich gehöre, schaut aus müden Augen in die vereinzelt hellen Lichter der dunklen Stadt und lässt sich durchschaukeln. Das hat schon was Meditatives an sich.

Kaleidoskop eines Alltags

Es gibt immer eine Geschichte hinter der Geschichte.

Anton Weyrother

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