12 – Die Dame, der Liebe Ulrich nach deinem Gespräch über Sport und Mystik gewonnen hat (41-43)

von Bert

Bonadea strebt auch nach großen Ideen – Gattin eines angesehen Mannes – Mutter zweier schöner Knaben – ihr Lieblingsbegriff: „hochanständig“ – ist arg, arg sinnlich, kann daher nicht Männer widerstehen – Ulrich nicht ihr erster Liebhaber – Entschuldigt sich für ihre Liebhaberschaften mit einer eigenen Geschichte – will Mann wie Liebhaber – sieht das als Konflikt zwischen Depression und Manie – kann es leben

Die einzige Verfehlung dieses etwas flausenlosen, gutmütigen und lebensfrohen Mannes [gemeint ist Bonadeas Ehemann] bestand darin, daß er mit seiner Gattin verheiratet war und sich dadurch öfter als andere Männer in jenem Verhältnis zu ihr befand, das man in der Sprache der Delikte ein Gelegenheitsverhältnis nennt. (43)

Bonadea kommt hier eigentlich recht altbacken daher, so als Mutter und Liebhaberin. Aber wir schreiben ja den Anfang des letzten Jahrhunderts. Und da ist das schon eine recht progressive und freie Haltung sich selber das Recht zuzugestehen, da den Sex zu holen, wo man auch Lust dazu hat. Das Liebschaften innerhalb einer Beziehung meist immer eine Spagat sind, ist ja immer noch so. Sie ist eine recht eigentümliche Figur, eine Art „Mutter-Vamp“. Eine vergleichbare Figur in anderen Romanen will mir einfach nicht einfallen. Das sie ihren ‚Ehebruch‘ irgendwie schön reden muss und dafür einen Sündenbock findet – auch das ist heute nicht im geringsten anders. Doch – und das zeigt einen nicht kleinen Grad an Emanzipation: Sie kann es leben. Auf den zweiten Blick ist Bonadea echt spannend.