13 – Ein geniales Rennpferd reift die Erkenntnis, ein Mann ohne Eigenschaften zu sein (44-47)

von Bert

Ulrich hat in seiner Wissenschaft viel geleistet – eine Zeit, in der begonnen wird von Fußballern oder Boxern als „Genie“ zu sprechen, was sonst Wissenschaftlern vorbehalten war – Ulrich liest von einem ‚genialem Rennpferd‘ – in Kaserne war Pferd dauernd Thema – jetzt holt es ihn wieder ein – Suche auf ein neues Bild der Männlichkeit in der Zeit – bei einem „psychotechnischen“ Vergleich eines großen Geistes und eines Boxlandesmeister gleiche Ergebnisse – auch das Rennpferd ist auf dieser Höhe – Nachteil bei Genie, dessen Leistungen lassen sich nicht so schön messen wie bei Pferd und Boxer – Ulrich der technisch Denkende, nix mit Gefühlen und Seele – macht nackt Morgensport – Sport als Erhaltung des Körpers für kommende Aufgaben – aber die „Abenteuer, die einer solchen Vorbereitung würdig wären“ kommen nie – wie bei Liebe – zieht Konsequenz und hört mit der Arbeit auf – beschließt „ein Jahr Urlaub von seinem Leben zu nehmen“

Er [Ulrich] besaßt Bruchstücke einer neuen Art zu denken wie zu fühlen, aber der anfänglich so starke Anblick des Neuen hatte sich in immer zahlreicher werdende Einzelheiten verloren, und wenn er geglaubt hatte, von der Lebensquelle zu trinken, so hatte er jetzt fast alle seine Erwartungen ausgetrunken. (47)

Paradigmenwechsel. Änderung der Bezugssysteme. Umbruch. Das passiert tagtäglich, in manchen Jahrzehnten aber etwas mehr, wie ich finde. (Wir gehören gerade dazu, denn die Computerisierung der Welt ist ein ähnlicher Umbruch wie die Erfindung des Buchdrucks.) Ähnlich eben in der Jahrhundertwende. Technik, Wissenschaft und Kultur machen Sprünge, vieles ist plötzlich möglich, woran zehn Jahre zu vor gar nicht gedacht werden konnte. Ulrich als ein sensibler Seismograph der gesellschaftlich-politischen Veränderungen? Obwohl er ein ‚moderner‘ Mensch ist, der Zukunft zu gewandt für Technik ist, der, nur eine Randnotiz aber dennoch, „nackt“ seinen Frühsport macht und damit einer Bewegung anhängt, die gerade mal 15 Jahre alt ist. Ich glaube nicht, dass er einfach nur beleidigt ist, dass es neben genialen Wissenschaftler nun auch geniale Rennpferde gibt – aber ihm ist klar, dass er nicht mehr so weiter machen kann wie bisher, wenn er ‚ehrlich‘ bzw. ‚wahr‘ bleiben will, denn auch das Wertesystem, auch das Denksystem muss bzw. sollte sich den neuen Bedingungen anpassen.