Durch die Zeit

18 – Moosbrugger (67-76)

Moosbrugger war ein Zimmermann – 34 Jahre – gütiges Gesicht – hat eine „Prostituierte niedersten Ranges, in grauenerregender Weise getötet“ – jetzt in Haft und vor Gericht – Aufzählung der Wunden – hat schon ähnliche Verbrechen begangen und war deswegen in verschiedenen „Irrenhäusern“ – Ulrich will ihn persönlich kennen lernen – Moosbrugger behauptet, nicht geisteskrank zu sein, auch wenn er Stimmen hört – führte ein ärmliches Leben – viele Vorstrafen – behauptet, kein Lustmörder zu sein, weil Abneigung gegen Frauen verspürt – sieht die Tötung als Möglichkeit, dass das Schreien der Frauen endet – Straftaten aus „notwendiger Gerechtigkeit“ – ist nicht uneitel – die Psychiater sind seine Feinde – leugnet seine Taten nicht – es sind Unglücksfälle – Schilderung Tathergang – macht es dem Verteidiger in der Verhandlung nicht leicht – Verteidigung plädiert auf Totschlag – Ulrich ist bei der letzten Verhandlung teil – Gutachten hält Moosbrugger für verantwortlich – Todesurteil

Die Wahrscheinlichkeit, etwas Ungewöhnliches durch die Zeitung zu erfahren, ist weit größer als die, es zu erleben; mit anderen Worten, im Abstrakten ereignet sich heute das Wesentlichere, und das Belanglosere im Wirklichen. (69)

Diese neun Seiten sind echt feinste Literatur. Denn was für das Gericht ein Mord ist, ist für Moosbrugger eine Notwendigkeit. Und das er verurteilt wird liegt nur daran, dass eine andere Gesetzmäßigkeit die Herrschaft hat und nicht die, nach der er handelt bzw. handeln muss. Für Moosbrugger ist die Welt verrückt, nicht umgekehrt. Eindrücklich schildert Musil hier beide Seiten. Es ist wie ein Schwanken und es gibt Momente, in denen man denkt, dass das Gericht schlichtweg falsch liegt. Wer etwas Zeit hat … die Seiten bleiben im Gedächtnis.

Nicht meins

Im Kondelenzbriefschreiben war ich echt noch nie gut. Und irgendwie lege ich es auch nicht darauf an, es zu werden.

Resümee: Peter Weiss

Auf Wunsch von E. noch ein letzter Abend zur „Ästhektik des Widerstands“ von Peter Weiss. Nach 1 3/4 Jahr der Lektüre die Resümees der Teilnehmenden. Es verwundert nicht, dass die von I. und K. positiv ausfallen, auch H. hat nichts zu möppern. Von ihr hätte ich dann schon ein paar Spitzen erwartet – aber vielleicht ist es die Milde des Alters bei ihr. E. macht es letztendlich sehr diplomatisch – also wesentlich dipomatischer als ich – und benennt sehr geschickt umschrieben die Schwachstellen, scheut sich aber dann doch, diese zusammenzufassen.

Das mein Resümme dann bei I. und K. auf Protest stoßen wundert mich nicht, denn ich formuliere zusammenfassend: „Ein gescheiteter Solitär“. Darin ist in meinen Augen alles enthalten. Inhaltlich ist die Ästhetik wirklich ein Solitär, denn ich kenne kein Roman / Buch, was sich so intensiv, faktenreich und menschlich mit dem Widerstand im 3. Reich literarisch auseinandersetzt. Gescheitert, weil die über 1.000 Seiten einfach nicht funktionieren. Es gibt Seiten, die nahezu genial sind, dann Strecken, die sich wie abgeschrieben aus dem Notizbuch anmuten.

Alleine hätte ich – und ich bin hart im nehmen, was Literatur betrifft – nicht durchgehalten, definitiv nicht. Andererseits bin ich ganz froh, es mit Hilfe der Gruppe es geschafft zu haben. Denn ein weiteres Buch aus der Reihe „Weltbekannte Bücher, die kaum jemand gelesen hat“ gehört bei mir nicht mehr dazu.

Anton Weyrother

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