32 – Die vergessene, überaus wichtige Geschichte mit der Gattin eines Majors (120-126)

von Bert

Über die Faszination von Gewalttaten in der Bevölkerung – Ulrich sieht Moosbrugger als „Opfer“ – Wesenheiten von Urteilen – über Sätze – Erinnerung an eine vergangene Leidenschaft, sprich Affäre, die deutliche älter war als Ulrich – Frau eines Majors – spielte gut Klavier – er war damals 20 – „Ulrich wurde liebeskrank“ – Es kommt nicht zum Äußersten, Ulrich flieht in einen langen Urlaub – schreibt Briefe, die er aber nicht abschickt – intensive Naturerlebnisse – „stille Erfahrungen“

Die Seele des Sodomiten könnte mitten durch die Menge gehn, ohne etwas zu ahnen, und in ihren Augen läge das durchsichtige Lächeln eines Kindes; denn alles hängt von einem unsichtbaren Prinzip ab. (122)

Das ist ein von mir ‚gefürchtetes‘ Kapitel, da ungeheuer dicht theoretisch. Ganz blick ich nach wie vor nicht durch. Zuerst ein paar Gedanken zur Gerechtigkeit und der frage, wer sie denn schafft bzw. dass es viele Gerechtigkeiten gibt. Dann in der Rückerinnerung an die Geliebte und seine Flucht vor allem die Naturerlebnisse, die er als junger Mann macht. Das erinnert doch schon stark an Werther. Bei dem wie hier, wenn auch hier nicht deutlich ausgesprochen, ist es eine Art Erkundung nach einem Göttlichen, dem Erleben des Göttlichen in sich bzw. in der Natur, in die man miteinbegriffen ist. Erlebnis von einer ‚Allheit‘, in der Ulrich damals aufgehen konnte. Dass das nicht angehalten hat bzw. modifiziert wurde, ist deutlich daran zu sehen, dass er von sich in der dritten Person spricht: „Der Leutnant, der damals seinen Namen trug …“ (123). Die Erinnerung jetzt an diese Liebelei wird wohl angetrickert von einer gewissen Beliebigkeit im Jetzt, was ja auch eine Form von ‚Allheit‘ ist, wenn auch nicht sehr aufgeladen bzw. hochgewertet.