40 – Ein Mann mit Eigenschaften, aber sie sind ihm gleichgültig – Ein Fürst des Geistes wird verhaftet, und die Parallelaktion erhält einen Ehrensekretär (151-162)

von Bert

Ulrich ist typisch Mann – ist gerne etwas anti – hat ritterlichem Anstand (Moral) – Welt als Laboratorium – alles etwas planlos – Geist ist in Verbindung mit irgendetwas, weit verbreitet (Geist der Treue, Geist …) – aber was ist mit dem ‚Geist‘ an sich – Ulrich lebt derzeit unklar und unentschieden – „Ich liebe mich einfach selbst nicht“ – Demut der Lippen vs. Demut des Heiligen – Geist ist ein „Jenachdem-Macher“ – Räucherkammer des Geistes – hat der Geist selbst vielleicht gar keinen Geist? – zwei Ulriche nebeneinander – Geist wie eine Geliebte, die einen dauernd betrügt – Ulrich auf der Straße – ein Betrunkener stößt mit zwei Bürgern zusammen – man kommt in Streit – ein Schutzmann kommt hinzu – Rangelei – der Schutzmann „nähert sich ganz langsam einer geballten Faust, bis er blutete“ – Ulrich mischt sich ein – wird auch gleich verhaftet – auf  der Wachstube – muss warten – Impressionen – Ulrich wird von einem Wachmeister befragt – er gilt auf der Wache nix, sein Name hat keine Macht – er hat übrigens graue Augen und blondes Haar – die Stellung seines Vaters zeigt kleine Wirkung beim Wachmeister – bezeichnet sich dann als Freund von Graf Leinsdorf – das macht dem Wachtmeister Stress – schiebt ihn in die politische Abteilung ab, um Ulrich los zu werden – Überstellung ins Polizeipräsidium – der Beamte dort stutzt bei Ulrichs Namen und lässt ihn warten – Ulrich wird zum Polizeipräsidenten gebracht – der weiß von Ulrich über Graf Leinsdorf – Ulrich fühlt sich verpflichtet, Leinsdorf am nächsten Tag aufzusuchen – wird ehrenamtlicher Sekretär.

Er [der Geist] hält kein Ding für fest, kein Ich, keine Ordnung; weil unsre Kenntnisse sich mit jedem Tag ändern können, glaubt er an keine Bindung, und alles besitzt den Wert, den es hat, nur bis zum nächsten Akt der Schöpfung, wie ein Gesicht, zu dem man spricht, während es sicht mit den Worten verändert. (154)

Das bisher längste Kapitel und auch nicht einfach. Wenn ich es recht verstehe, variiert hier Musil das Thema „Zufälligkeit“ in all seinen Schichten bzw. spielt das beliebte was-wäre-wenn-Spiel. Denn wenn Ulrich sich nicht eingemischt hätte … wenn Leinsdorf nicht beim Polizeipräsidenten nachgefragt hätte … . Alles und jedes hätte eben auch genauso gut anders kommen können und Ulrich arbeitet sich daran ab, wie man was an was irgendwie festmachen kann. Man spricht zwar von ‚Geist‘, aber keinem gelingt es wirklich, das zu definieren – aber jeder handelt mit ihm. Das lässt sich natürlich auch auf andere Begriffe übertragen. Auf der Straße – und im Streit mit den Wachmännern – empfindet sich Ulrich doppelt. Auch hier das Thema der Vielfältigkeit und des nicht Fassbaren. Ich kenn jetzt leider Nietzsche einfach zu wenig, um behaupten zu können, der sei hier die Folie für das Kapitel. Aber soweit ich mich daran erinnere, ist bei Nietzsche ja auch nicht mehr alles da, wo es vorher vermeintlich war.