Durch die Zeit

Monat: Februar, 2019

Nicht, das jemand behauptet, man hätte als Prüfer irgendwelche Vorteile!

Ich hatte ja bereits erzählt, dass ich als Prüfer für eine gewisse Prüfung im Handwerksbereich seit letztem Jahr zuständig bin (natürlich mit anderen).

Ich hatte ja bereits erzählt, dass ich selber für den neuen Halbtagsjob diese Prüfung auch ablegen muss. Und nach Meinung der neuen AL soll ich nur (!) die schriftliche und praktische Prüfung ablegen, nicht aber den 80-stündigen Unterricht besuchen. Sie traut es mir zu. Zugegeben, die praktische Prüfung vor den PrüfungskollegInnen ist definitv nicht das Thema. Die schriftliche macht mir da schon eher Sorgen, daher ist noch nichts entschieden.

Heute wurde ich von einer anderen Abteilung im Haus gefragt, ob ich kurzfristig bereit wäre, einen Schwung der schriftlichen Prüfungen zu korrigieren und zu bewerten. Es gäbe dazu eine Musterlösung, das wäre also gut zu machen. Nach taktischem Zögern habe ich ja gesagt.

So weit ich weiß, gibt es pro Jahr immer die selben schriftlichen Prüfungsaufgaben. Aber da erkundige ich mich nochmals genau.

50 – Weitere Entwicklung. Sektionschef Tuzzi beschließt, sich über die Person Arnheims Klarheit zu verschaffen (198-202)

Arnheim durch Diotima, die ihm Gefühle entgegenbringt, ganz schön verunsichert – Exkurs über Moral – die Besuche in Wien und bei Diotima sind für ihn „Erholungsurlaube von der Vernunft“ – Tuzzi vermeidet Treffen mit Arnheim – man sieht Arnheim gut in einer Führungsrolle für die Aktion – Arnheim ist Tuzzi „unangenehm“ – ist auch über die Dickköpfigkeit Diotimas verwundert – Diotima ist sanft ausfällig – Tuzzi traut seiner Frau wirklich nicht viel zu – aber sie ist für die Aktion Feuer und Flamme und geht ihren eigenen Weg – Diotima unglücklich und weint nachts – Tuzzi bekommt es indirekt mit – die Stimmung angegriffen – er begreift es als Veränderung – Arnheim gibt er die Schuld

Man hört ihm [Arnheim] gerne zu, weil es schön war, daß ein Mann, der so viele Gedanken hatte, auch Geld besaß. (200)

Arnheim ist in Diotima verliebt, will es sich aber nicht so zugestehen. Diotima begründet seine Anwesenheit in Wien und bei ihr ihrem Mann gegenüber, dass Arnheim die Stimmung der Stadt braucht. Tuzzi dagegen spürt deutlich, dass da zwischen den beiden was vorgeht und dass der Einfluss Arnheims auf Diotima nicht sehr klein ist. Er, der bisher meinte, seine Ehe voll im Griff zu haben spürt, dass sich da etwas bewegt und er auf alle Fälle wach sein sollte. Bei allen drei gerät etwas aus dem Gleichgewicht.

GT (8)

Nach einer Woche Pause wieder pünktlich hin. Wir sind ja alle in paar Minuten früher da, damit wir pünktlich anfangen können – darauf legt der Psychodoc wert (wg. Tagesstruktur und so). Als wir eben schon sitzten und warten, erkundige ich mich, ob ich letzte Woche was verpasst hätte. Zu meiner großen Überraschung ist es C., die Bericht erstattet – und zwar mit mehr als zwei Sätzen. Es ist das erste Mal (Nummer drei in dieser Woche), das es davor zu einem, wenn auch schleppendem Gespräch kommt. T. unterstütz mich – aber dann versiegt es doch.

Die Einstiegsgrunde lang und hart. Ich realisere zum ersten Mal, dass es zweien von uns wohl richtig übel gehen muss, denn das Thema Klinik wird angesprochen. Von den Ausschnitten, wie ich die beiden kenne, wäre ich da nie darauf gekommen – aber da weiß Psychdoc natürlich mehr. Gut, dass es angstfrei einfach Thema sein kann. Der zweite geht natürlich, so ist er halt, darüber hinweg, schließlich hat er ja alles im Griff. Das lässt der Psychodoc heute so gar nicht durch und es kommt zum ersten Mal (also das ist jetzt das vierte erste Mal in dieser Woche – Liebes Schicksal, könntest Du mir bitte auch noch was für den Rest des Jahres aufbehalten?) zu einer Art Auseinandersetzung zwischen Therapeut und Patient.

Bis auf mich haben echt alle viel zu berichten, teils heftiges Zeugs, teils Fortschritte. Zwar höre ich mit Interesse zu – dabei bin ich aber nicht so richtig. Es ist gerade eben auch viel Neues für mich und ich merke, dass nicht nur meine Aufnahmekapazitäten sondern auch die Verarbeitungskapazitäten am Rande sind. Da ich in der Einstiegsrunde als zweiter dran bin und eben von meinem „alles gerade etwas viel“ berichte, ‚entbindet‘ mit der Psychdoc quasi von der Mitarbeit und gibt mir freien Raum. Das ist echt ein erfahrener Hund!

Viel nehme ich heute nicht mit. Ist aber OK so.

Ich schwör‘

Heute das schon zweite erste Mal in dieser Woche. Diesmal als (Hilfs-)Schöffe einer großen Strafkammer (drei Berufsrichter, zwei Laienrichter) des Landgerichts.

Da ich nicht weiß, wie es genau ablaufen wird, bin ich etwas fürher da als in der Ladung steht. Ich muss warten und setze mich auf dem langen, langen Flur noch hin. Dann wird es kinoreif. Wenige Minuter später kommen drei Herren in schwarzen Anzügen, der mittlere im gesetzten Alter, mit wohlgesetzten Schritten den Gang entlang. Vollkommen klar, dass das die Berufsrichter sein müssen. Sie schauen weder nach rechts noch links, sondern steuern auf den Saal zu, schließen die Tür für die „Prozessbeteiligten“ auf. Die Frau neben mir und ich ihnen hinterher – quer durch den Sitzungssaal ins Richterzimmer. Dort ein freundliches Handschütteln und ein bisschen Smaltalk – so, als hätten wir uns schon mehrfach getroffen und würden uns kennen.

Die Richter legen ihre Roben an und der Vorsitztende erklärt, um was es gehen wird, denn außer der Ladung wissen wir Schöffen ja nix. Angeklagt ist jemand wegen § 177 StGB ( Sexueller Übergriff; sexuelle Nötigung; Vergewaltigung) was eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren nach sich ziehen könnte. Hinzukommt, dass aus gewissen Gründen auch §22 StGB im Raum steht: Sicherheitsverwahrung.

Per Lichtzeichen wird übermittelt, dass der Angeklagte in den Saal geführt wird (und das Gericht so lange im Zimmer bleiben muss). Dann klopft die Justizsekretärin und gibt Bescheid, dass „man“ so weit wäre. Und tatsächlich, alle stehen auf, als wir reinkommen, bleiben auch stehen, bis wir vereidigt sind.

Dann geht es los mit der Anklageverlesung, und bevor darauf reagiert werden kann, erhebt die Verteidigung einen Besetzungseinwand nach §222b StPO. Das dauert dann fast eine Stunde bis das geklärt ist – ausreichend Zeit mit den Richtern sich bei Kaffee zu unterhalten.

Schließlich Prozessalltag. Acht Zeugen, ein Sachverständiger. Ich schreibe mit, als müsste ich nächste Woche das Urteil verfassen – aber mir hilft das mich zu konzentrieren und die Essenzen besser zu erfassen.

Als letzter ist am Nachmittag der Gutachter dran. Er trägt recht lange vor und versucht es den interessierten Laien verständlich zu machen. Ich traue mich sogar eine Frage zu stellen, die ich echt für wichtig erachte, nachdem ich mich beim Vorsitzenden erkundigt habe, ob das OK ist.

Nach über sechs Verhandlungsstunden ist Schluß. Fortsetzung dann nächste Woche. Bis dahin kann ich mir ja schon mal Gedanken machen.

Die Ausweise bitte!

Heute meine erstes Mal als „Stellv. Prüf.Vors. des MPA* XY“. Und die bestand nicht nur darin, zwei schwere Koffer mit den Prüfungsunterlagen zu schleppen sondern dann 35 Prüflinge bei ihrem ersten Tag der schriftlichen Prüfung – mit zwei anderen – zu beaufsichtigen.

Und der echt anstregende Prüfungstag für die begann mit der Feststellung der Anwesenheit, bei der wir uns mit Hilfe eines mitzubringenden „Ausweispapiers mit Lichtbild“ überzeugen mussten, dass da die angemeldeten auch saßen. G. der noch-Vorsitzende las die Namen vor und ich sprintete in dem Raum von Tisch zu Prüfuling, um mich davon zu überzeugen, dass das, was ich hörte, mit dem, was ich las, auch übereinstimmte. Damit war auch mein aktiver Part beendet, der Rest bestand aus zwei Mal drei Stunden zugucken, dass niemand abschreibt und dass nicht zwei gleichzeitig auf die Toilette gehen. Ohne Scheiß, das war echt nicht unanstrengend, denn schließich musste man ja noch sowohl gravitätisch-streng wie aufmunternd-kumpelhaft gucken.

Klar, werden die sich nicht gefragt haben, was das für ein Heiopei da vorne ist, der seine Lebensaufgaben anscheinend darin sieht, auf Prüflinge aufzupassen – und ich finde es mit meinen Augen (Insider!) auch recht skurril, gerade in diesen MPA geraten zu sein – aber ich glaub‘, man kann als Prüfer irgendwie auch Mensch bleiben.

_________________
*MPA = Meisterprüfungsausschuss

49 – Beginnende Gegensätze zwischen alter und neuer Diplomatie (194-198)

Diotima weiter aktiv mit dem Salon – Arnheim findet das gut – der Gatte Tuzzi befürchtet viel heiße Luft – Tuzzi will das Neuste von Frau und Arnheim wissen – die Ministerium würden es auch gerne wissen, was da abläuft – macht sich Gedanken, was die anderen Länder denken – Arnheim und Tuzzi können nicht miteinander – Diotima bekommt das mit – ist Religion vielleicht die Lösung für eine Aktionsidee – Wissenschaft? Nation? Staat? Kultur? – was kann zeitgenössische Kultur überhaupt noch leisten

Aber stelle einen Windhund neben einen Mops, eine Weide neben eine Pappel, ein Weinglas auf einen Sturzacker oder ein Porträt statt in eine Kunstausstellung in ein Segelboot, kurz, bringe zwei hochgezüchtete und ausgeprägte Formen des Lebens nebeneinander, so entsteht zwischen ihnen beiden eine Leere, eine Aufhabung, eine ganz bösartige Lächerlichkeit ohne Boden. (196)

Arnheim und Tuzzi können nicht so recht miteinander. Das bekommt auch Diotima zwischen den Zeilen mit und versucht das etwas zu umschiffen. Aber die beiden sind Alphamännchen und versuchen sich halt dann in ihren Wortbeiträgen zu behaupten. Es kommt natürlich nicht zu einer offenen Auseinandersetzung. Aber auch in diesem gemeinsamen Gespräch kommen sie, was die Idee für die Parallelaktion betrifft, kein Stück weiter, zu viele Bedingungen, zu viele Einschränkungen.

Einfach schön (457-459)

Zwar nicht gut geschlafen, aber der Vormittag begann dennoch irgendwie schön. Und als ich dann noch die Sonne realisierte … . Dank S., die mir ihr Auto über die nächsten Tage geliehen hat, damit ich morgen die Prüfungsunterlagen transportieren kann, kurzerhand nach D. Mit den öffentlichen hätte das eine gute halbe Stunde gedauert, mal ganz davon abgesehen, dass ich erst noch hätte auf die Abfahrt warten müssen. So nur 16 Minuten. Ein Auto ist doch was schönes.

Dann von hinten eben hoch auf den D.

Die meiste Zeit wirklich alleine. Noch kaum ein Grün zu entdecken, aber die Sonne brach sich durch die Äste. Schade, dass niemand dabei war, denn das war schon besonders heute.

Es wird zwar bald mächtig steil und bis man oben ist, ist man auch gut aus der Puste, aber es lohnt sich einfach. Ich hab’s ja nicht so mit dem irrationalen, aber der Ort da oben ist schon irgendwie magisch.

Überraschend viele Familien mit Kindern dort. Aber ich vergesse immer, dass man auch mit dem Auto hochfahren kann. Hab‘ mir dann einen Kaffee und ein Stück Kuchen gegönnt (das war aber schleunigst schnell wieder aus meinem Körper) – saß in der Sonne und … es war einfach gut so.

Letztes Jahr in meinem Adventskalender hatte ich ja die Leser*innen für März oder Mai zu dieser Wanderung eingealden – gemeldet hat sich niemand, obwohl ich da oben ja jetzt zwei Leute kenne, die uns verköstigen könnten. Nun, dann muss halt P. jetzt mal drunter leiden, angedroht habe ich es ihm ja schon längst.

Erst davon, dann danach

Im März jetzt doch, wie gehofft und seit Herbst schon vorgestellt, eine Woche Urlaub für ein paar Tage an der See. Usedom hätte es sein sollen, aber aufgrund der etwas arg langen Bahnfahrt bin ich jetzt (im Moment) auf Rügen gekommen.

Seit gestern bin ich im Internet auf der Suche nach etwas Geeignetem für mich – nicht zu teuer, mit der Bahn erreichbar, am Meer, mit Einkaufsmöglichkeiten, mit Restaurants, aber ruhig und abgeschieden, ohne übermäßigen Tourismus, … – und habe gefühlt hunderte von Seiten in der Zwischenzeit angeklickt. Nach wie vor bin ich einfach so naiv und denke, man gibt ein paar Angaben in die Suchmaschine ein und schwupps hat man drei, vier Angebote, aus denen man wählen kann. Aber entweder sind meine Angaben bescheuert oder die Suchmaschinen sind doch nicht das, was sie meinen zu sein – jedenfalls ein mühseeliges Geklicke, was an den Nerven zieht und viel mehr Zeit kostet, als vorgestellt.

So ein bisschen kann ich die Leute schon verstehen, die einfach das machen, was sie letztes Jahr gemacht haben. Aber noch reichen die Nerven und eine Anfrage ist auch schon draußen … es wäre ideal.


48 – Die drei Ursachen von Arnheims Berühmtheit und das Geheimnis des Ganzen (190-194)

Ein Mann von großen Format – ist sehr wissend – spricht fünf Sprachen – verkehrt überall – schreibt erfolgreich Bücher – wird gerne zitiert – sehr geschäftstüchtig und auch darin sehr erfolgreich – über das Wesen von großen Menschen

Auf diesem Wege führt aber das Geschäft zur Philosophie, denn ohne Philosophie wagen heute nur noch Verbrecher andere Menschen zu schaden … (193)

Um es kurz zusammenzufassen und es auf den Punkt zu bringen: Arnheim ist ein berühmter und erfolgreicher Tausendsassa.

psst

Schlimm, wenn ich heute einfach mal still bin?

Nö.

Oder?

Nee, komm, nich‘ wirklich!

Wenn’s der Staat zahlt

Heute mit der Kollegin und dem Auto in zwei Stunden nach F. in ein Bundesamt. Start um 11 Uhr. Begrüßung, ein paar Folien. 11:45 Mittagessen – als Selbstzahler. 12:45 noch ein paar weitere Folien und allgemeines Geplaudere. Um 14 Uhr waren wir schon wieder im Auto.

Ich frage mich, wie sich die Kollegin fühlt, die aus Flensburg eine Anreise von gut acht Stunden hatte.

Ach so: In dem Seminar ging es u.a. auch um den sparsamen und wirtschafltichen Umgang mit den Fördergeldern (darunter fallen auch Reisekosten).

So langsam …

Heute schrieb mir der Justizhauptseketär S. (Im Grunde könnte so auch eine Erzählung von Franz Kafka beginnen – aber Schuster, bleib‘ bei deinen Leisten.) Und er machte recht unmissverständlich klar, dass ich am nächsten Dienstag zu erscheinen hätte und dann auch gleich noch an einem Tag die Woche drauf.

Ich meine, da passiert vier oder fünf Jahre so gut wie gar nichts, egal wie ich mich bemühte und anbot (oder auch aus Frust nicht) und jetzt kommt alles auf einmal zusammen:

  • Zweiter Halbtagsjob (neu)
  • Meisterprüfungsausschuss AO (neu)
  • Meisterprüfungsausschuss Teil IV (seit letztem Jahr)
  • Therapie (neu)
  • Altherrensport (schon länger)
  • Yoga (neu)
  • und nun eben doch noch Schöffe beim Landgericht (neu), wenn auch nur mal für eine Verhandlung. (Aber wenn die so früh auf mich zurückgreifen müssen … mal sehen.)

Dazu ja noch die Tätigkeit bei Verein 1, die ja auch nicht gerade arg wenig ist (gar nicht neu, eher schon alt).

Wann soll ich da denn das viele, viele Geld ausgeben?

47 – Was alle getrennt sind, ist Arnheim eine Person (188-190)

Der Salon Diotimas nimmt großen Aufschwung – wegen der Aktion und wegen Arnheim – Arnheim kann mit jedem „in seiner Sprache“ reden – Arnheim scheint ein Tausendsassa zu sein – kann überall kompetent mitreden – Leinsdorf etwas neidisch auf ihn – ihm fehlt auch Geist und Kunst im derzeitigem Adel

… mit einem Wort, was wir alle getrennt sind, das ist er in einer Person, und da staunen wir eben. (190)

Arnheim ist der derzeitige Star. Alle wollen ihn kennen lernen. Alle sind begeistert von ihm, weil er mit allen über ihre Dinge kompetent zu reden weiß und sich dabei nicht in den Vordergrund spielt. Hier, wie im Kapitel zu vor, kleine Anspielungen auf die Philosophie von Ernst Mach (über die Musil promoviert hat). Arnheim ist genau der Gegenentwurf dazu, eben nicht Einzelnes, sondern eine Einheit.

€’s

Im Portmonnaie finden sich gerade noch drei Euros und ein paar Zerquetschte. Also vor dem (Altherren-)Sport noch schnell zum Bankautomat. Ich ziehe wie üblich 300, die normalerweise für den Monat so knapp reichen, dass ich meist noch 100 nachholen muss. Als nach der Transaktion der Kontostand angezeigt wird, bin ich für einen Moment komplett irritiert, der ist nämlich vierstellig! Vor wieviel Jahren habe ich das zum letzten Mal gesehen? Vier? Fünf?

# 456 – Frühlingserwachen

Ich hatte es mit mir schon vor zwei Tagen vereinbart, dass ich heute etwas spaziergen gehe. Aber auch ohne die Vereinbarung wäre ich raus – was für ein geiles Wetter. Was für eine ganz andere Luft! Daher auch in der Wohnung alle Fenster aufgerissen – raus mit dem Winter, rein mit dem Vorfrühling.

Am Ende der zehn Kilometer über die Wäschewiese zum Hintereinigang. Zuvor schon die ersten Schneeglöckchen auf dem Weg entdeckt und nun – Krokusse!

In der Hinsicht bin ich ja ein echter Junge, also gleich mal mich auf dem Boden geworfen, um ein ein Foto mit einer ordentlichen Perspektive zu machen. Das hier:

Als ich mich wieder aufrappele und die letzten Meter gehe werde ich urplötzlich von rechts angesprochen. Gar nicht gemerkt, dass da eine Frau aus dem Nachbarhaus Wäsche aufhängt (am Sonntag! aber draußen!). Sie findet das richtig toll, dass ich noch ein Auge für die Natur habe,so sie. Sie sei übrigens Frau J. und ob ich hier auch wohnen würde. Auch ich stelle mich vor, wir geben uns die Hände, plauschen einen kurzen Moment über den kommenden Frühling.

Ich kann echt nicht klagen derzeit – da wacht gerade vieles auf.

Vorfrühlingsspaziergang (# 442-455)

46 – Ideal und Moral sind das beste Mittel, um das große Loch zu füllen, das man Seele nennt (185-188)

Von der Unmöglichkeit eines reinen (Seelen)Lebens – Arnheim hat in Berlin eine bedeutende Sammlung von Heiligenfiguren – ist einmal von einem Angestellten bestohlen worden – Arnheim beneidet ihn fast darum, da es mit einem Ziel tat

Denn dauernd vermögen bloß Narren, Geistesgestörte und Menschen mit fixen Ideen, im Feuer der Beseeltheit auszuharren; der gesunde Mensch muß sich damit begnügen, die Erklärung abzugeben, daß ihm ohne eine Flocke dieses geheimnisvollen Feuers das Leben nicht lebenswert vorkäme. (186)

Und noch ein paar Seiten über die Unmöglichkeit des reinen, sprich des guten, sprich des beseelten Lebens. Arnheim ist sich bewusst, dass ihm, obgleich unendlich reich und erfolgreich, doch was fehlt. Und das scheint er in Diotima zu sehen. Oder er hofft es zumindest.

Durch die Nacht

Und du wachst, bist einer der Wächter, findest den nächsten durch Schwenken des brennenden Holzes aus dem Reisighaufen neben dir. Warum wachst du? Einer muß wachen, heißt es. Einer muß da sein.

Franz Kafka: Nachts

Maus, Katze, Hund

Irgendwie so jedenfalls. Ich konnte mir das gerade nicht auch noch merken, ich war ausreichend und vollauf damit beschäftigt nicht von der Matte zu kippen, wenn man seine Arsch in den Himmel strecken und dabei aber irgendwie halb stehend noch locker ein- und ausatmen soll. Das soll dann bald (!?!) eine sehr entspannende Übung sein, meinte die Yoga-Lehrerin (eindeutig aus Österreich!). Ich bin so naiv und will es ihr mal glauben.

Ich sehe dem Muskelkater morgen mal gelassen entgegen und bin’s mir zufrieden, dass ich mich doch nicht getäuscht habe und Yoga doch was für mich ist.

Tut mal gut

  • Das erste Lob bekomm ich von meiner neuen Kollegin M. Bei einem Beratungsgespräch hatte ich mich etwas eingemischt, ein Thema aufgegriffen und eine Hilfestellung gegeben. Danach meint sie, sie wäre sehr überrascht gewesen, wie tief ich schon in der Materie sei und wie gut ich das alles eingebracht hätte. Daher würde wir nun noch ein paar wenige Beratungen selber machen – dann könne ich das alleine.
  • Frau M., mit der ich noch nie ein Wort gewechselt habe, von Abteilung weiß-ich-nicht mit der Funktion keine-Ahnung, spricht mich an und will wissen, wir es mir in der neuen Stelle geht. Ich bedanke mich. Sie setzt zu einer längeren Erklärung an mit „Qualität setzt sich eben durch“ und „die Guten müssen oft so lange darben“ und „Sie haben den Hausschnitt ja eh komplett ‚versaut'“.

Ich freue mich, dass ich mich darüber einfach freuen und beides annehmen kann.

GT (7)

Die Einführungsrunde nimmt fast die gesamte Zeit ein. Aber bei vielen ist auch richtig was in Bewegung gekommen. Alleine bei L.! Sie sitzt zum ersten Mal auf einem Stuhl wie alle anderen auch und nicht mit hochgezogenen Beinen auf einem der beiden Sessel. Sie hat normale Kleidung an und nicht nur so Wohlfühlschlappersachen und – Trommelwirbel – sie eröffnet die Runde! Und dass dann nicht in diesem Jammerton sondern mit eine eher festen Stimme und den Wunsch was zu ändern.

Die Aufstellung letzte Woche hat nicht nur bei J. etwas ausgelöst. Als ich ihm meine Rückmeldung gebe, fühlt sich, wie sich später herausstellt, S. stark angegriffen, die meint, J. und A. vor mir schützten zu müssen. S. beteuert, dass ich aber gar nichts gemacht hätte, meine Rückmeldung hätte sie getriggert. In der Schlussrunde will sie noch was von mir wissen – ich bin etwas überrascht, dass mein Beitrag heute so Wellen schlägt – und bin etwas erstaunt, dass einer meiner offenen Punkte anscheinend doch so offen liegt.

Wie und warum und wieso das alles zusammenhängt weiß ich ebensowenig, wie was „das“ mit mir macht. Aber wenn ich die Reaktionen des PsychDocs richtig deute, dann ist er mit der entstandenen Dynamik gerade richtig zufrieden.

Und ja, auch wenn heute nichts ‚bearbeitet‘ wurde – es war ne richtig gute Runde.

45 – Schweigende Begegnung zweier Berggipfel (182-185)

Die Gäste sind weg – Diotima und Arnheim bleiben alleine zurück – sie empfindet die Situation als recht intim – er ist von ihr beeindruckt – über den Begriff und Gebrauch von ‚Seele‘ – weder Diotima noch Arnheim hatten geliebt

Für dieses Etwas muß hier mal wieder einmal das Wort Seele gebraucht werden. (183)

Ein kleiner, feiner Text über das Mysterium des Erkennens zweier Liebender.

Etwas kurz

Den Tag habe ich irgendwie nur halb mitbekommen. Einfach etwas übermüdet. Aber das ist man halt gerne mal, wenn die Nacht um 3:30 Uhr schon ein Ende gefunden hat, wobei man erst um 23:30 ins Bett gekommen ist. Aber die Alpträume haben es gerade echt in sich. Danach bin ich zwar nicht wirklich wach – aber ein erholsamer Schlaf ist definitv was anderes. Ich schiebe das mal auf die Therapie. Da musste ich ja unterschreiben, dass es zu solchen ‚Nebenwirkungen‘ kommen kann. Aber so richtig verstehe ich es dann doch nicht, denn die Themen bisher gingen mir ja nicht wirklich nah. Nun ja …

# 541

sdr

Diener zweier Herren

Nun, das stimmt nicht ganz, die Überschrift. Nur der eine Abteilungsleiter ist ein Herr (AL2), die andere eine Frau (AL3). Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass die Organisation gerade etwas mit meinen zwei Verträgen überfordert ist.

AL3 pocht – mit gutem Recht, die Stelle ist gefördert – auf eine absolut korrekte Zeiterfassung. Aber die Personalabteilung kann mich im Zeiterfassungssystem nicht zwei Mal anlegen. Jetzt die Überlegung, wenigsten einen „Projektstatus“ im System für mich anzulegen. Dass kann aber nur die Herstellerfirma – und die ist telefonisch nicht zu erreichen. Also schreibe ich einen Stundenzettel wie vor 50 Jahren.

Ebenfalls gibt das Sytem es nicht her, dass beide ALs meine Urlaubsanträge abzeichnen. AL3 ist damit einverstanden nur die Dienstreisen zu genehmigen (was auch unter ihr anfallen wird), während AL2 die Urlaube abzeichnet. Der weiß aber nocht nichts von seinem Glück. Wie das mit den Gleittagen dann geregelt wird, ist noch offen.

Richtig spannend wird es aber, wie ich mit meinem Resturlaub und den Überstunden vom letzten Monate verfahren kann. Die will AL3 auf dem Projekt nicht auch nur mit einer einzigen Minute sehen, will mir aber nicht versagen, mal eine Woche in den Urlaub zu fahren. Ich solle dann vor- oder nacharbeiten. Wie das dann sinnvoll zu bewerkstelligen ist …


Alles für die Kunst!

So, jetzt gehen wir mal gucken, wie wir nackt im Theater so wirken.

Unklar

Gestern fühlte ich mich nicht nur krank, sondern war es heute. Und heute weiß ich nicht, wie ich diesen Zustand einordnen soll.

44 – Fortgang und Schluß der großen Sitzung – Ulrich findet an Rachel Wohlgefallen – Rachel an Soliman – Die Parallelaktion erhält eine feste Organisation (177-182)

Rachel gefällt Ulrich – die Sitzung geht weiter – Diotima weiter auf der Suche nach der allumfassenden, großen Idee – wäre „Friedenskaiser“ was? – Ulrich leicht gereizt – Arnheim mag er jedenfalls nicht so – Diotima hätte gerne etwas erlösendes aus der Gesamtheit –  Sie plädiert für verschiedene Ausschüsse, die nach der Idee suchen sollen – der General plädiert für was Militärisches – „besser als Preußen“ – Rachelle lauscht am Schlüsselloch – bei ihr sitzt „der kleine Mohr“ Soliman – der ist 16 – die Sitzung endet mit einem Beschluss

Denn ob man bei einer Rauferei mit dem Messer den Schlußpunkt setzt oder am Ende eines Musikstücks alle zehn Finger ein paarmal gleichzeitig in die Tasten schlägt, oder ob der Tänzer sich vor seiner Dame verbeugt, oder ob man eine Resolution beschließt: es wäre eine unheimliche Welt, wenn die Geschehnisse sich einfach davonschlichen und nicht am Ende noch einmal gehörig versichern würden, daß sie geschehen seien; und darum tut man es. (182)

Wenn keiner weiter weiß, dann bildet man einen Arbeitskreis. Hier also gleich sehr viele verschiedene, mit Unter- und Neben- und Hauptausschüssen. Damit dürfte der Ausgang der Parallelaktion entschieden sein.

Die Fortbildung …

… war überflüssig. Aber so was von!

43 – Erste Begegnung Ulrichs mit dem großen Mann – In der Weltgeschichte geschieht nichts Unvernünftiges, aber Diotima stellt die Behauptung auf, das wahre Österreich sei die ganze Welt (173-177)

Ulrich und Arnheim kommen ins Gespräch – Arnheim glaubt an die Sache, Ulrich zweifelt – Arnheim ist überzeugt: „in der Weltgeschichte geschieht nichts Unvernünftige“ – Leinsdorf und Diotima über Arnheim – sie lobt ihn über den Klee – steigert sich in die Behauptung, das wahre Österreich sei die ganze Welt und daher Arnheim am richtigen Platz – Leinsdorf bewundert ihren Idealismus – Ulrich schweift mit den Gedanken ab, hin zu den Pferden, die ihn und Leinsdorf hergebracht haben – Leinsdorf sprach in der Kutsche Ulrich auf Moosbrugger an – Leinsdorf, Arnheim und Diotima derweil in lebendigem Gespräch – Ulrich beobachtet aus Langeweile Rachel

Es gibt mehrere tausend Berufe, in denen die Menschen aufgehen; dort steckt ihre Klugheit. Wenn man aber das allgemein Menschliche und allen Gemeinsame von ihnen verlangt, so kann eigentlich nur dreierlei übrig bleiben: die Dummheit, das Geld oder höchstens ein wenig religiöse Erinnerung. (175)

Annäherungen, Beschnupperungen, erste Kontaktaufnahme. Alle sind gleichermaßen unsicher, niemand weiß, wie das Konstrukt, die Struktur ist. Man spricht halt in der Hoffnung, dass die Zeit es schon bringen wird. Was auch immer.

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