Ich schwör‘

von Bert

Heute das schon zweite erste Mal in dieser Woche. Diesmal als (Hilfs-)Schöffe einer großen Strafkammer (drei Berufsrichter, zwei Laienrichter) des Landgerichts.

Da ich nicht weiß, wie es genau ablaufen wird, bin ich etwas fürher da als in der Ladung steht. Ich muss warten und setze mich auf dem langen, langen Flur noch hin. Dann wird es kinoreif. Wenige Minuter später kommen drei Herren in schwarzen Anzügen, der mittlere im gesetzten Alter, mit wohlgesetzten Schritten den Gang entlang. Vollkommen klar, dass das die Berufsrichter sein müssen. Sie schauen weder nach rechts noch links, sondern steuern auf den Saal zu, schließen die Tür für die „Prozessbeteiligten“ auf. Die Frau neben mir und ich ihnen hinterher – quer durch den Sitzungssaal ins Richterzimmer. Dort ein freundliches Handschütteln und ein bisschen Smaltalk – so, als hätten wir uns schon mehrfach getroffen und würden uns kennen.

Die Richter legen ihre Roben an und der Vorsitztende erklärt, um was es gehen wird, denn außer der Ladung wissen wir Schöffen ja nix. Angeklagt ist jemand wegen § 177 StGB ( Sexueller Übergriff; sexuelle Nötigung; Vergewaltigung) was eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren nach sich ziehen könnte. Hinzukommt, dass aus gewissen Gründen auch §22 StGB im Raum steht: Sicherheitsverwahrung.

Per Lichtzeichen wird übermittelt, dass der Angeklagte in den Saal geführt wird (und das Gericht so lange im Zimmer bleiben muss). Dann klopft die Justizsekretärin und gibt Bescheid, dass „man“ so weit wäre. Und tatsächlich, alle stehen auf, als wir reinkommen, bleiben auch stehen, bis wir vereidigt sind.

Dann geht es los mit der Anklageverlesung, und bevor darauf reagiert werden kann, erhebt die Verteidigung einen Besetzungseinwand nach §222b StPO. Das dauert dann fast eine Stunde bis das geklärt ist – ausreichend Zeit mit den Richtern sich bei Kaffee zu unterhalten.

Schließlich Prozessalltag. Acht Zeugen, ein Sachverständiger. Ich schreibe mit, als müsste ich nächste Woche das Urteil verfassen – aber mir hilft das mich zu konzentrieren und die Essenzen besser zu erfassen.

Als letzter ist am Nachmittag der Gutachter dran. Er trägt recht lange vor und versucht es den interessierten Laien verständlich zu machen. Ich traue mich sogar eine Frage zu stellen, die ich echt für wichtig erachte, nachdem ich mich beim Vorsitzenden erkundigt habe, ob das OK ist.

Nach über sechs Verhandlungsstunden ist Schluß. Fortsetzung dann nächste Woche. Bis dahin kann ich mir ja schon mal Gedanken machen.