Durch die Zeit

Monat: März, 2019

bloß – # 463

Das (alte) Bild habe ich gerade durch Zufall gefunden und gibt den Sonntag im Grunde ganz gut wieder: nackt und müde.

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Die kommende Woche wird etwas ruhiger, d.h. es gibt ein paar Termine weniger. Andererseits fühle ich gerade so ein Lesedefizit, so dass ich wohl jede freie Minute hinter irgendwelchen Blättern verbringen werde.

Gestern bei Seume („Spaziergang nach Syrakus“ – mein erster Reisebericht und ich bin bass erstaunst, wie gut er mir gefällt) auf den „Peloponnesischen Krieg“ von Thukydides gestoßen. Ich glaub‘, ich tu mir das bald mal an. Ja, ich weiß, ich hab‘ nen Hau – aber doch alle mal besser als mit Waffen rumfuchteln oder so. Oder?

 

 

Schnipsel der letzten Tage

  • Auf der Wiese hängt die Wäsche der Nachbarn – es wird also Sommer.
  • Ich kann mir nicht vorstellen, dass nackt putzen ästhetisch aussieht – ist mir aber so was von egal.
  • Normalerweise versuche ich gegen 22:30 Uhr im Bett zu sein, damit ich noch eine halbe Stunde lesen kann. Gestern war ich um kurz vor 22 Uhr im Bett und brauchte wohl keine Sekunde, um einzuschlafen.
  • Dafür bin ich heute morgen um 6 freiwillig (!) aufgestanden.
  • Ich hab‘ definitiv zu viele Termin zur Zeit.
  • Der ‚geistige‘ Input ist derzeit echt hoch und ich komme mit dem Denken eigentlich nicht mehr richtig nach. Also fliegen überall kryptische Notizzettel umher.
  • Warum beuge nur ich bei Krieger eins (oder war das schon zwei?) das rechte Knie im 90-Grad-Winkel und stöhne, als würde es mir gleich kommen, während die anderen sich den 180-Grad annähern und lächeln?
  • Auch wenn es gestern tomatisiertes Risotto mit Schrimps gab – viel esse ich gerade nicht.
  • Daher steht auf dem Herd ein großer Topf mit Fleischbrühe, die gerade köchelt. Am Montag gibt es definitiv Nudelsuppe.
  • Meine Kollegin (neuer Job) traut mir recht wenig zu. Sie ist leicht irritiert, weil ich nach zwei Monaten dann doch mal eine Beratung alleine machen will.
  • Es gibt definitiv sehr hübsche Geflüchtete mit strahlendem Lächen und Namen, die einfach nur klasse sind, die man sich aber einfach nicht merken kann. Die mit ‚Y‘ sind mir fast am liebsten.

60 – Ausflug ins logisch-sittliche Reich (242-244)

Moosbrugger, so die die Gesellschaft, ist vermindert schuldfähig – Tier gehört dem empirischen Reich an, Reiter dem logisch-sittlichen – daher unterschiedliche Behandlung – Reiter, also Mensch, überhaupt in der Lage, rechtswidrig zu handeln – über die (Un)Fähigkeit der Gerichtsmediziner – alle halten Moosbrugger für krank, die Frage ist nur, für wie krank – was ist Zurechnungsfähigkeit

Die Natur hat eine merkwürdige Vorliebe dafür, solche Personen [mit minderwertiger Gesundheit bzw. minderwertiger Krankheit] in Hülle und Fülle hervorzubringen; natura non fecit saltus, sie macht keinen Sprung, sie liebt die Übergänge und hält auch im großen die Welt in einem Übergangszustand zwischen Schwachsinn und Gesundheit. (242)

Eine nach wie vor aktuelle (und geführte) Diskussion über die (Un)Zurechnungsfähigkeit von psychisch erkrankten Straftätern. Vor allem: Wann, wo und wie zieht man welche Grenze?

GT (12)

Mit meiner Beschwerde letzte Woche scheine ich etwas angestoßen zu  haben.

Ich nehme mir jedenfalls heute das erste Wort und nehme mir auch die Zeit zu erläutern, was da in mir abgegangen ist, was danach noch abging.

Der Psychodoc nimmt das zum Anlass zu thematisieren, wie wir uns als Gruppe denn so organisieren wollen. Einerseits halten wir die alte Struktur bei (d.h. jede/r spricht in der Eingangsrunde, über die wir heute auch nicht hinauskommen, was ihn / ihr gerarde so angeht), andererseits mischen sich alle viel mehr ein, stellen Fragen, geben ungefragt Rückmeldungen. Meiner Überzeugung nach steuert der Psychdoc dennoch ganz geheuer, verwirrt C II auf ‚hinterhältige‘ Art, provoziert aus dem Nichts C I, die dann aus sich rausgeht und von den spontanen Rückmeldungen positiv erschlagen wird …

Bisher war das eigentlich eher so, dass eine/r was erzählte, der Psychodoc Fragen stellte bzw. ins Gespräch ging und der Rest zuhörte, wenn nicht ausdrücklich Rückmeldungen eingefordert wurden. Heute saßen da sieben Leute die etwas vorsichtig und verhalten, aber dennoch deutlich als Gruppe agierte. Es war ein buntes Miteinander – zwar immer mit einem gewissen Schielen auf den Doc – aber freier als sonst. C II beschwerte sich über A., A. (Mann) ‚gestand‘, dass er mit S. (Frau) nach der letzten Sitzung noch viel miteinander gesprochen hätten (was quasi untersagt ist) und sie über das Thema Erziehung so gar nicht übereinkämen, worauf T. (Mann) die These in den Raum stellte, dass A. wohl von S. mehr wollte als nur das Gespräch in der Gruppe.

Kurz: Da ist was in Bewegung gekommen und ich kann L., die jetzt für fünf Wochen in Rhea geht, gut verstehen, dass sie arg, arg unsicher ist, ob sie die Gruppe, wie sie sie kennt, dann wieder vorfinden wird. Sie gibt uns allen als Wunsch auf den Weg, zumindest in fünf Wochen noch dazu sein. Irgendwie rührend. (Und ich habe darauf den Mut, bei der Verabschiedung sie kurz an der Schulter zu berühren als ich ihr eine gute Zeit in der Rhea wünsche.)

59 – Moosbrugger denkt nach (235-242)

Hat sich im neuen Gefängnis eingerichtet – Einzelzelle – beschwert sich über die Behandlung – über die Schwäche des Anstaltsgeistlichen – Auch der Gefängnisarzt versagt – fühlt sich ausgeliefert – ist derzeit überempfindlich – jetzt muss sich der Staat um ihn kümmern – genießt es etwas – denkt nach, was sein Recht sei – „Recht ist Jus“ [Jus, österreichisch für: Rechtswissenschaft, Jura] – erinnert sich an seine Meisterin, als er 16 war – die anderen Lehrburschen veräppeln ihn und er soll der Meisterin eine obszöne Geste zeigen, dann könne sie ihm nicht widerstehen – die Meisterin flippt aus und schlägt ihn blutig – im Gegenzug stürzt er sich auf die Meisterin – fliegt raus – für Moosbrugger ist das Jus immer bei den anderen, nie bei ihm – in der Freiheit wurde ihm das Denken schwer – es fehlen die richtigen Worte – er ist dadurch sehr verunsichert – er hat auch ‚Zustände‘, dann ist er Sinn – hört dann u.a. Stimmen, Musik, Summen, … – hat auch optische Halluzinationen – er denk „außen und innen“ und daher besser als alle andere – er sieht die Dinge ‚zusammen‘, kann sie / will sie nicht einzeln sehen – fühlt sich morsch wie verkohltes Holz – wünscht sich den Tod

… aber was wirklich geschehen war, das kam ihm so vor, als ob er plötzlich fließend etwas in einer fremden Sprache gesprochen hätte, das ihn sehr glücklich gemacht hatte, das er aber nicht mehr wiederholen konnte. (241f)

Wenn ich mein in diesen Dingen bescheidenes Wissen zusammenkrame, dann meine ich sagen zu können, dass es sich hier um den Versucht handelt, eine Form der Schizophrenie zu beschreiben. Und das gelingt Musil sozusagen meisterhaft. Das Geile daran ist, dass es eben nicht aus der Außensicht beschrieben wird, also wie der Arzt den Kranken sieht, sonder wie der Krank die Welt sieht – und was das für Kraft kostet, die unterschiedlichen Eindrücke, die teils gar nicht zueinanderpassen und die aber wiederum teils ineinanderfließen ‚richtig‘ zu unterscheiden bzw. damit umzugehen. Frag‘ ich mich, woher hat Musil das gewusst? Breites Allgemeinwissen wird das damals noch nicht gewesen sein. Starkes Kapitel jedenfalls und eins, dass im besten Sinne Demut lehrt.

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Ich / Wir sind ja echt nicht oft beim Steh-Türken um die Ecke. Obwohl der ne Pizza macht, die man sonst hier in der Umgebung echt lange suchen muss. Und wenn „scharf“ dransteht, dann ist die es auch.

Da ich heute ja von einem Termin zum anderen renne, reichte es beim Umsteigen von der einen Straßenbahn in die andere eben dort vorbeizugehen, um mir – Großverdiener, der ich ja jetzt bin – nen kompletten Döner-Teller reinzuziehen. Mit nem Glas Tee, den ich bei E. in Istanbul lieben gelernt habe – denn ohne jede Diskussion: Mit nem Schiff über den Bosporus, nen Tee in der Hand, die Kulisse von Istanbul vor oder hinter sich … g e i l!

Beim Bezahlen kommt der Chef angerannt um dem Neuen hinter dem Tresen zu verklickern: Der Tee geht bei dem selbstverständlich aufs Haus.

Keine Ahnung wie ich zu dieser Ehre komme – aber es hat mich gefreut.

mal so mal so

Das was heute zu wenig war (Arbeit, Anspruch, Ansprache) wird morgen mit großer Sicherheit zu viel werden. Wenn es auch nur ein klein wenig blöd läuft, dann verlasse ich morgen um 7 das Haus und komme erst um kurz nach 23 zurück. Nicht gerade das, was ich unter einem ausgeglichenem Tag verstehe.

Einmal ist langweilig

Meine Mutter hat mich heute erinnert, dass ich Namenstag habe. Langsam blicke ich da echt nicht mehr durch. Bisher war es immer der 24.1. – vom 24.3. war noch nie die Rede. Im September ist meist auch noch einer und einer im Dezember. Da soll einer durchblicken? Ich tu’s jedenfalls nicht.

Ist auch egal. Früher gab es immerhin eine Tafel Schokolade (also am 24.1.) – aber das ist schon seit Jahrzehnten abgeschafft. Und da mir dieses ganze Brimborium [Hand hoch, wer dieses wunderschöne Wort schon mal geschrieben hat!] echt am Arsch vorbeigeht, nehme ich es einfach zur Kenntnis – und kaufe mir morgen keine Tafel Schokolade, aber vielleich was für unten drunter.

58 – Die Parallelaktion erregt Bedenken. In der Geschichte der Menschheit gibt es aber kein freiwilliges Zurück (231-234)

Leinsdorf und Ulrich im Plausch – Leinsdorf mag Arnheim nicht – Ulrich meint beobachtet zu haben, dass die Parallelaktion alle traurig macht – Leinsdorf gibt ihm recht – Unzufriedenheit (Undankbarkeit) als menschliches ‚Grundgesetz‘ – Viele Ideen für die Parallelaktion haben die Vergangenheit als Idealzustand – aber in der Geschichte gibt es kein zurück – Leinsdorf in sich gespalten – mag Ulrich – Viele andere Ideen für die Parallelaktion haben die Zukunft als Idealzustand – Leinsdorf bittet, auf einer Veranstaltung bei Diotima teilzunehmen

Denn angenommen, daß es in der Geschichte kein freiwilliges Zurück gebe, so glich die Menschheit einem Mann, den ein unheimlicher Wandertrieb vorwärtsführt, für den es keine Rückkehr gibt und kein Erreichen, und das war ein sehr bemerkenswerter Zustand. (234)

Tja, die Sehnsucht richtet sich nach vorne oder nach hinten – aber scheinbar nie zur Seite (zeitlich gesehen). Hier eine kleine Exploration der Sehnsüchte, die entweder in die Mappe (wahlweise (Datei-)Ordner) „Zurück zu …“ oder „Vorwärts zu …“ abzuheften ist. Das Jetzt scheint an sich im Zustand der Ungenügendheit zu sein.

3 von 4

Die Durchfallquote ist echt hoch. Spass macht das keinen, den Prūflingen sagen zu müssen, dass sie es nicht geschafft haben. Desto größer die Freude bei uns, wenn es dann eine/r mal geschafft hat, auch wenn die Noten meist nicht berauschend sind.

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