Durch die Zeit

Monat: März, 2019

bloß – # 463

Das (alte) Bild habe ich gerade durch Zufall gefunden und gibt den Sonntag im Grunde ganz gut wieder: nackt und müde.

wb130630_352

Die kommende Woche wird etwas ruhiger, d.h. es gibt ein paar Termine weniger. Andererseits fühle ich gerade so ein Lesedefizit, so dass ich wohl jede freie Minute hinter irgendwelchen Blättern verbringen werde.

Gestern bei Seume („Spaziergang nach Syrakus“ – mein erster Reisebericht und ich bin bass erstaunst, wie gut er mir gefällt) auf den „Peloponnesischen Krieg“ von Thukydides gestoßen. Ich glaub‘, ich tu mir das bald mal an. Ja, ich weiß, ich hab‘ nen Hau – aber doch alle mal besser als mit Waffen rumfuchteln oder so. Oder?

 

 

Schnipsel der letzten Tage

  • Auf der Wiese hängt die Wäsche der Nachbarn – es wird also Sommer.
  • Ich kann mir nicht vorstellen, dass nackt putzen ästhetisch aussieht – ist mir aber so was von egal.
  • Normalerweise versuche ich gegen 22:30 Uhr im Bett zu sein, damit ich noch eine halbe Stunde lesen kann. Gestern war ich um kurz vor 22 Uhr im Bett und brauchte wohl keine Sekunde, um einzuschlafen.
  • Dafür bin ich heute morgen um 6 freiwillig (!) aufgestanden.
  • Ich hab‘ definitiv zu viele Termin zur Zeit.
  • Der ‚geistige‘ Input ist derzeit echt hoch und ich komme mit dem Denken eigentlich nicht mehr richtig nach. Also fliegen überall kryptische Notizzettel umher.
  • Warum beuge nur ich bei Krieger eins (oder war das schon zwei?) das rechte Knie im 90-Grad-Winkel und stöhne, als würde es mir gleich kommen, während die anderen sich den 180-Grad annähern und lächeln?
  • Auch wenn es gestern tomatisiertes Risotto mit Schrimps gab – viel esse ich gerade nicht.
  • Daher steht auf dem Herd ein großer Topf mit Fleischbrühe, die gerade köchelt. Am Montag gibt es definitiv Nudelsuppe.
  • Meine Kollegin (neuer Job) traut mir recht wenig zu. Sie ist leicht irritiert, weil ich nach zwei Monaten dann doch mal eine Beratung alleine machen will.
  • Es gibt definitiv sehr hübsche Geflüchtete mit strahlendem Lächen und Namen, die einfach nur klasse sind, die man sich aber einfach nicht merken kann. Die mit ‚Y‘ sind mir fast am liebsten.

60 – Ausflug ins logisch-sittliche Reich (242-244)

Moosbrugger, so die die Gesellschaft, ist vermindert schuldfähig – Tier gehört dem empirischen Reich an, Reiter dem logisch-sittlichen – daher unterschiedliche Behandlung – Reiter, also Mensch, überhaupt in der Lage, rechtswidrig zu handeln – über die (Un)Fähigkeit der Gerichtsmediziner – alle halten Moosbrugger für krank, die Frage ist nur, für wie krank – was ist Zurechnungsfähigkeit

Die Natur hat eine merkwürdige Vorliebe dafür, solche Personen [mit minderwertiger Gesundheit bzw. minderwertiger Krankheit] in Hülle und Fülle hervorzubringen; natura non fecit saltus, sie macht keinen Sprung, sie liebt die Übergänge und hält auch im großen die Welt in einem Übergangszustand zwischen Schwachsinn und Gesundheit. (242)

Eine nach wie vor aktuelle (und geführte) Diskussion über die (Un)Zurechnungsfähigkeit von psychisch erkrankten Straftätern. Vor allem: Wann, wo und wie zieht man welche Grenze?

GT (12)

Mit meiner Beschwerde letzte Woche scheine ich etwas angestoßen zu  haben.

Ich nehme mir jedenfalls heute das erste Wort und nehme mir auch die Zeit zu erläutern, was da in mir abgegangen ist, was danach noch abging.

Der Psychodoc nimmt das zum Anlass zu thematisieren, wie wir uns als Gruppe denn so organisieren wollen. Einerseits halten wir die alte Struktur bei (d.h. jede/r spricht in der Eingangsrunde, über die wir heute auch nicht hinauskommen, was ihn / ihr gerarde so angeht), andererseits mischen sich alle viel mehr ein, stellen Fragen, geben ungefragt Rückmeldungen. Meiner Überzeugung nach steuert der Psychdoc dennoch ganz geheuer, verwirrt C II auf ‚hinterhältige‘ Art, provoziert aus dem Nichts C I, die dann aus sich rausgeht und von den spontanen Rückmeldungen positiv erschlagen wird …

Bisher war das eigentlich eher so, dass eine/r was erzählte, der Psychodoc Fragen stellte bzw. ins Gespräch ging und der Rest zuhörte, wenn nicht ausdrücklich Rückmeldungen eingefordert wurden. Heute saßen da sieben Leute die etwas vorsichtig und verhalten, aber dennoch deutlich als Gruppe agierte. Es war ein buntes Miteinander – zwar immer mit einem gewissen Schielen auf den Doc – aber freier als sonst. C II beschwerte sich über A., A. (Mann) ‚gestand‘, dass er mit S. (Frau) nach der letzten Sitzung noch viel miteinander gesprochen hätten (was quasi untersagt ist) und sie über das Thema Erziehung so gar nicht übereinkämen, worauf T. (Mann) die These in den Raum stellte, dass A. wohl von S. mehr wollte als nur das Gespräch in der Gruppe.

Kurz: Da ist was in Bewegung gekommen und ich kann L., die jetzt für fünf Wochen in Rhea geht, gut verstehen, dass sie arg, arg unsicher ist, ob sie die Gruppe, wie sie sie kennt, dann wieder vorfinden wird. Sie gibt uns allen als Wunsch auf den Weg, zumindest in fünf Wochen noch dazu sein. Irgendwie rührend. (Und ich habe darauf den Mut, bei der Verabschiedung sie kurz an der Schulter zu berühren als ich ihr eine gute Zeit in der Rhea wünsche.)

59 – Moosbrugger denkt nach (235-242)

Hat sich im neuen Gefängnis eingerichtet – Einzelzelle – beschwert sich über die Behandlung – über die Schwäche des Anstaltsgeistlichen – Auch der Gefängnisarzt versagt – fühlt sich ausgeliefert – ist derzeit überempfindlich – jetzt muss sich der Staat um ihn kümmern – genießt es etwas – denkt nach, was sein Recht sei – „Recht ist Jus“ [Jus, österreichisch für: Rechtswissenschaft, Jura] – erinnert sich an seine Meisterin, als er 16 war – die anderen Lehrburschen veräppeln ihn und er soll der Meisterin eine obszöne Geste zeigen, dann könne sie ihm nicht widerstehen – die Meisterin flippt aus und schlägt ihn blutig – im Gegenzug stürzt er sich auf die Meisterin – fliegt raus – für Moosbrugger ist das Jus immer bei den anderen, nie bei ihm – in der Freiheit wurde ihm das Denken schwer – es fehlen die richtigen Worte – er ist dadurch sehr verunsichert – er hat auch ‚Zustände‘, dann ist er Sinn – hört dann u.a. Stimmen, Musik, Summen, … – hat auch optische Halluzinationen – er denk „außen und innen“ und daher besser als alle andere – er sieht die Dinge ‚zusammen‘, kann sie / will sie nicht einzeln sehen – fühlt sich morsch wie verkohltes Holz – wünscht sich den Tod

… aber was wirklich geschehen war, das kam ihm so vor, als ob er plötzlich fließend etwas in einer fremden Sprache gesprochen hätte, das ihn sehr glücklich gemacht hatte, das er aber nicht mehr wiederholen konnte. (241f)

Wenn ich mein in diesen Dingen bescheidenes Wissen zusammenkrame, dann meine ich sagen zu können, dass es sich hier um den Versucht handelt, eine Form der Schizophrenie zu beschreiben. Und das gelingt Musil sozusagen meisterhaft. Das Geile daran ist, dass es eben nicht aus der Außensicht beschrieben wird, also wie der Arzt den Kranken sieht, sonder wie der Krank die Welt sieht – und was das für Kraft kostet, die unterschiedlichen Eindrücke, die teils gar nicht zueinanderpassen und die aber wiederum teils ineinanderfließen ‚richtig‘ zu unterscheiden bzw. damit umzugehen. Frag‘ ich mich, woher hat Musil das gewusst? Breites Allgemeinwissen wird das damals noch nicht gewesen sein. Starkes Kapitel jedenfalls und eins, dass im besten Sinne Demut lehrt.

caj

Ich / Wir sind ja echt nicht oft beim Steh-Türken um die Ecke. Obwohl der ne Pizza macht, die man sonst hier in der Umgebung echt lange suchen muss. Und wenn „scharf“ dransteht, dann ist die es auch.

Da ich heute ja von einem Termin zum anderen renne, reichte es beim Umsteigen von der einen Straßenbahn in die andere eben dort vorbeizugehen, um mir – Großverdiener, der ich ja jetzt bin – nen kompletten Döner-Teller reinzuziehen. Mit nem Glas Tee, den ich bei E. in Istanbul lieben gelernt habe – denn ohne jede Diskussion: Mit nem Schiff über den Bosporus, nen Tee in der Hand, die Kulisse von Istanbul vor oder hinter sich … g e i l!

Beim Bezahlen kommt der Chef angerannt um dem Neuen hinter dem Tresen zu verklickern: Der Tee geht bei dem selbstverständlich aufs Haus.

Keine Ahnung wie ich zu dieser Ehre komme – aber es hat mich gefreut.

mal so mal so

Das was heute zu wenig war (Arbeit, Anspruch, Ansprache) wird morgen mit großer Sicherheit zu viel werden. Wenn es auch nur ein klein wenig blöd läuft, dann verlasse ich morgen um 7 das Haus und komme erst um kurz nach 23 zurück. Nicht gerade das, was ich unter einem ausgeglichenem Tag verstehe.

Einmal ist langweilig

Meine Mutter hat mich heute erinnert, dass ich Namenstag habe. Langsam blicke ich da echt nicht mehr durch. Bisher war es immer der 24.1. – vom 24.3. war noch nie die Rede. Im September ist meist auch noch einer und einer im Dezember. Da soll einer durchblicken? Ich tu’s jedenfalls nicht.

Ist auch egal. Früher gab es immerhin eine Tafel Schokolade (also am 24.1.) – aber das ist schon seit Jahrzehnten abgeschafft. Und da mir dieses ganze Brimborium [Hand hoch, wer dieses wunderschöne Wort schon mal geschrieben hat!] echt am Arsch vorbeigeht, nehme ich es einfach zur Kenntnis – und kaufe mir morgen keine Tafel Schokolade, aber vielleich was für unten drunter.

58 – Die Parallelaktion erregt Bedenken. In der Geschichte der Menschheit gibt es aber kein freiwilliges Zurück (231-234)

Leinsdorf und Ulrich im Plausch – Leinsdorf mag Arnheim nicht – Ulrich meint beobachtet zu haben, dass die Parallelaktion alle traurig macht – Leinsdorf gibt ihm recht – Unzufriedenheit (Undankbarkeit) als menschliches ‚Grundgesetz‘ – Viele Ideen für die Parallelaktion haben die Vergangenheit als Idealzustand – aber in der Geschichte gibt es kein zurück – Leinsdorf in sich gespalten – mag Ulrich – Viele andere Ideen für die Parallelaktion haben die Zukunft als Idealzustand – Leinsdorf bittet, auf einer Veranstaltung bei Diotima teilzunehmen

Denn angenommen, daß es in der Geschichte kein freiwilliges Zurück gebe, so glich die Menschheit einem Mann, den ein unheimlicher Wandertrieb vorwärtsführt, für den es keine Rückkehr gibt und kein Erreichen, und das war ein sehr bemerkenswerter Zustand. (234)

Tja, die Sehnsucht richtet sich nach vorne oder nach hinten – aber scheinbar nie zur Seite (zeitlich gesehen). Hier eine kleine Exploration der Sehnsüchte, die entweder in die Mappe (wahlweise (Datei-)Ordner) „Zurück zu …“ oder „Vorwärts zu …“ abzuheften ist. Das Jetzt scheint an sich im Zustand der Ungenügendheit zu sein.

3 von 4

Die Durchfallquote ist echt hoch. Spass macht das keinen, den Prūflingen sagen zu müssen, dass sie es nicht geschafft haben. Desto größer die Freude bei uns, wenn es dann eine/r mal geschafft hat, auch wenn die Noten meist nicht berauschend sind.

Fast für umme

90 Minuten mit dem Auto übers Land zum Beratungsgespräch.

Die beiden, die beraten werden wollten, waren gar nicht da.

90 Minuten mit dem Auto übers Land wieder zurück.

Als Entschädigung an einem Hofautomaten 20 Bio-Eier, wenn auch nur braune, gekauft.

Das Wochenende kann beginnen.

Nu

Nur kurz zu Hause. Gleich geht es zum Yoga – mal sehen, wie das sich bei Sonne anfühlt. Dann auf dem direkten Wege in den Dienst. Hab‘ eine etwas komplizierte Hospitantin, nehme deswegen zwei Weine mit (also so kleine Flaschen, nicht die großen), dann wird’s schon mit Hilfe der Yoga-Entspannung gehen.

57 – Großer Aufschwung. Diotima macht sonderbare Erfahrungen mit dem Wesen großer Ideen (227-231)

Diotima ist im Aufschwung begriffen – viel Post für sie – Rachel unterstützt sie sehr – sie wird von Bedeutsamkeit „überrieselt“ – kommt einem Nervenzusammenbruch gleich, „der niemals eintrat“ – über die Eitelkeit – selbst ihr Mann beginnt sie ernst zu nehmen – macht sich Sorge, dass sich Diotima in die Außenpolitik sich einmischen könnte mit der Aktion – sie versucht ihn zu beruhigen, dass es soweit schon nicht kommen wird – die Zeit ist von großen Ideen – aber es gibt irgendwie zu viele davon – auch das Gegenteil einer großen Idee kann eine große Idee sein – Tolstoi gegen Berta Suttner zum Beispiel – jede ewige Wahrheit gibt es „doppelt und mehrfach“ – Leinsdorf überrascht von Diotimas Energie – sie bleibt bei der Idee des „Friedenskaisers“ bzw. auch „Österreichjahr“ – bloß was macht man in so einem österreichischem Jahr, wendet Leinsdorf ein – Diotima: Weltösterreichjahr wäre noch besser – aber dennoch: was machen? – Lösung von Diotima: ein nächster Arbeitskreis

Der Mensch trägt den größten Teil seiner Eitelkeit, da man ihn gelehrt hat, daß er ihn nicht im Herzen tragen dürfte, unter den Füßen, indem er auf dem Boden eines großen Vaterlandes, einer Religion oder einer Einkommenssteuerstufe wandelt, und in Ermangelung solcher Positionen genügt ihm sogar, was jeder haben kann, sich auf der augenblicklich höchsten Spitze der aus dem Nichts aufgestiegenen Zeitsäule zu befinden, das heißt, gerade jetzt zu leben, wo alle Früheren zu Staub geworden sind und keine Späteren noch da sind. (227f)

Diotima wächst an ihren Aufgaben sichtbar und zur Überraschung ihrer Umgebung. Aber mit dem Wachsen stößt sie auch an die Grenzen des Machbaren, denn so einfach und navi, wie sie es sich vielleicht vorgestellt hat, ist die Umsetzung nicht. Wirkliche Hilfe erfährt sie von niemanden, nur werden ihr gegenüber viele Bedenken geäußert. Sie daher nach wie vor engagiert – aber etwas ratlos.

GT (10)

Die Sitzung dauert üblicherweise 90 Minuten (plus minus 5 oder so, wie das halt so ist).

Die Einstiegsrunde (!) dauerte heute 100 Minuten – bis ich dann als Letzter überhaupt mal zu Wort gekommen bin.

Und da hab‘ ich dann einfach nicht mehr gewollt.

Klar musste das der Psychodoc gleich thematisieren. Klar, dass ich die ‚Schuld‘ nicht nur auf ihn und die anderen schieben kann. Klar, dass er das gut ‚herausgearbeitet‘ hat. Aber auch klar, dass ich da bewußt in die Situation rein bin mit allem dem Frust und den damit offenen Flanken.

Ganz schön viel Kopf jetzt.

Ich werde ab nun alle Termine nach der GT auf „möglicherweise“ setzen, aber nix mehr fest zusagen. Den Abend hätte ich für mich gebrauchen können … na ja, es gibt ja noch die Vollmondnacht.

Schisser, elender

Etwas überspitzt formuliert, hat mich heute der Sachbe“arbeiter“, dem ich zu arbeite, mich angewiesen, eine Statistik, die ich freiwillig führe, so zu ändern, dass diese nur positive Aussagen macht. Er hat Angst, dass der gemeinsame Chef sie sehen und – das ist seine feste Überzeugung – dann sicher falsch interpretieren würde.

In solchen Dingen bin ich konsequent: Die Statistik ist gelöscht.

In solchen Dingen bin ich konsequent: Einiges andere, was ich bis dahin für ihn freiwillig gemacht habe auch.

Knapp

Die Kollegin krank. Es kommt wegen der Termine zu einer schlechten bzw. komplett missverständlichen Absprache was dazu führt, dass ich notfallmäßigvor 20 Leuten stehe, nett begrüßt und vorgestellt werde – dann aber erst mal fragen muss, was denn überhaupt von mir nun erwartet wird.

Der zweite Termin war dan einfacher: Hinsetzen und zuhören, zuhören, zuhören.

56 – Lebhafte Arbeit in den Ausschüssen der Parallelaktion – Clarisse schreibt an Se. Erlaucht und schlägt ein Nietzsche-Jahr vor (223-227)

Ulrich regelmäßig bei Leinsdorf – hat ein eigenes Büro – Leinsdorf mit der Parallelaktion gut beschäftigt – viel unterwegs, alle wollen irgendwie mitmachen bzw. dabei sein, aber das auch als Gegenwehr – die Ausschüsse machen Fortschritte – die Bürokratie kommt ins Laufen – die Aktion ist auf einem „guten und ordentlichen“ Weg, der „wahre Weg“ wird sich noch finden – alle Vorschläge werden „asserviert“, d.h. zur späteren Entscheidung aufgehoben – manche Anfragen werden weitergeleitet, ob man sie als „vorläufig definitiv“ ansehen könne – Brief von Clarisse fällt aus der Reihe – sie will ein österreichisches Nietzsche-Jahr und etwas für Moosbrugger tun – beide immerhin geisteskrank

Ein Apparat war da, und weil er da war, mußte er arbeiten, und weil er arbeitete, begann er zu laufen … (224)

Hauptsache, alles geht seinen bürokratischen Gang. Ob das Sinn macht oder nicht, das steht nicht auf der Tagesordnung.

Auf Nummer sicher

Der Alt-Herren-Sport am Montag fällt aus. So steht es in einer Mail, die mich heute erreichte. Nicht aber, weil der Trainer krank wäre, Gott bewahre, nein, das Gebäude, in dem wir uns ertüchtigen ist einsturzgefährdet. Übrigens schon seit sechs Jahrzehnten.

55 – Solimann und Arnheim (219-223)

Neben Clarisse hat Moosbrugger noch eine andere ‚Freundin‘: Rachel – hat mehr zu tun, seit die Parallelaktion läuft – mag die Protagonisten, auch Ulrich – Solimann beeindruckt sie nach wie vor – der ist zwischen 16 und 17 – Arnheim hat ihn aus Italien mitgebracht – wollte ihm ein besseres Leben bieten und was aus ihm machen – aber Solimann entspricht nicht den Erwartungen Arnheims – wird vom „Luxusgeschöpf“ zum Diener – seitdem hasst Solimann Arnheim – bestiehlt Arnheim – macht seinen Job aber gut – Rachel hat sein Vertrauen – hat eine blühende Phantasie und erzählt Rachel lauter Geschichten –  die glaubt ihm aber nicht

… aber der modernen Seele, die Ozeane und Kontinente spielend überbrückt, ist nichts so unmöglich, wie die Verbindung zu den Seelen zu finden, die um die nächste Ecke wohnen. (220)

Portraits Solimanns. Ein aufgeweckter, verschlagener Junge, der über seine erotische Macht schon weiß, aber noch etwas im Kind gefangen ist.

# 462

View this post on Instagram

#ufo #ostsee #binz #sw #bwphotography #bw

A post shared by Bert (@meineknipserei) on

trenta anni

Ich höre ja nicht auf zu betonen, dass wir uns in einer historischen und tierisch verändernden Umbruchszeit befinden, wie es die Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg gewesen war.

Gestern lief es in den Nachrichten: Das Internet ist 30 Jahre alt. Ich habe es für mich vor gut 20 Jahren schon entdeckt und daher die ein oder andere Entwicklung (meist verspätet) mitgemacht (wenn auch nicht immer mit Verstand bzw. Verständnis).

Als ich Montag in den Zug gestiegen bin ist mir siedendheiß eingefallen, dass ich meinen E-Reader vergessen hatte. Fünf Tage ohne Buch??? U N M Ö G L I C H! Also gleich mal überlegt, ob es hier einen Buchladen gibt und was ich mir dann kaufen könnte und … bis mir klar geworden ist: Ich habe neben dem Notebook mein Handy und mein Tablett dabei. Euch wird es nicht überraschen – mich hat es dann schon: Denn keine halbe Stunde später hatte ich im fahrenden ICE (!) jene Bücher runtergeladen, die ich kurzzuvor gekauft hatte. Und heute ist mir eingefallen – ja, ja, Urlaub macht dumm – dass ich ja eh alle meine ebooks in der Cloud habe, so dass ich jetzt gerade …

Vor zwei, drei Jahren wäre diese Aktion nur in der 1. Klasse möglich gewesen – vor 5, 6 Jahren hätte ich mir igendwo einen teuren Internetzugang besorgen müssen (und dann mit dem Handy kompliziert das Notebook mit dem Internet …)

Ich find Staunen nach wie vor irgendwie schön und toll.

So darf es sein

Geschlafen. Das Meer ausführlich inspiziert, ob die Wellen auch das tun, was sie tun sollen. Sie tun’s. Auch der Wind lässt nicht zu wünschen übrig – daher guten Gewissens erst in ein Café, um mich zu stärken (das eigenartigste Bruschetta des Lebens ‚genossen‘), dann ins Bett. Dort zum ersten Mal in diesem Jahr wirklich so geschlafen, dass ich entspannt aufgewacht bin. Dann Lektüre, dann etwas Sauna, dann etwas Fernsehen, dann etwas Pizza, dann etwas Abendgestaltung …

54 – Ulrich zeigt sich im Gespräch mit Walter und Clarisse reaktionär (213-219)

Ulrich besucht Walter und Clarisse – Clarisse verwendet sich für Moosbrugger, hält ihn für musikalisch – es ist übrigens Winter – man geht spazieren – Ulrich berichtet, über was alles Arnheim schon geschrieben hat, sehr, sehr viel – auch Walter hat schon Arnheim gelesen – Ulrich und Walter sind bezüglich Arnheim nicht einer Meinung – Ulrich mag ihn einfach nicht – Menschsein ist für Ulrich „Dilettantismus“ – Leben geht auch ohne Sinn – das wäre „Fortwursteln“ meint Walter – Clarisse bittet Ulrich, Moosbrugger zu befreien – Gespräch über die fehlende „Ganzheit“ des Menschen – Ulrichs Wunsch nach Einheit im Gespräch – Walter gegen die Übermacht der Vernunft

Es steht nicht mehr ein ganzer Mensch einer ganzen Welt gegenüber, sondern ein menschliches Etwas bewegt sich in einer allgemeinen Nährflüssigkeit. (217)

Ulrich und Walter sind zwar befreundet – aber einer Meinung sind sie schon lange nicht mehr. Ulrich, der rationale Typ, eher ohne Gefühle, eher mechanisch – dagegen Walter, der alles zusammen sieht, der weniger denkt und mehr fühlt. Es sind zwei verschiedene Typen der Moderne, die beide nicht die zukünftigen Prototypen sind. Dazwischen Clarisse, die schon irgendwie in ihrer eigenen Welt lebt und eine eigene Logik ihr Eigen nennt. So ganz klar ist es noch nicht, wo es mit ihr hingeht. Jedenfalls hat Walter von Ulrich genug und würde ihn gerne nie wieder bei sich zu Hause sehen, aber da hat Clarisse was dagegen.

Dann mal weg

Bevor ich mich hier gar nicht mehr melde, melde ich mich außerplanmäßig aus meinem Urlaub. War es bisher nicht ganz unanstrengend, habe ich mir am Wochenende dann den Rest gegeben. Samstag knapp acht Stunden bei meinem neuem Meisterprüfungsausschuss, denn bis Mitternacht mit Ersatzsohn T. auf dem Sofa, Sonntag ab 8 (!) wieder im Meisterprüfungsausschuss, dann ab 17 Uhr für meinen Mann länger am Computer, nicht ins Bett gekommen und heute morgen klingelte der Wecker um 5:30. Im Zug (7 Stunden für 24 Euro – kann man nicht meckern) nicht schlafen können und selbst am Nachmittag wegen Übermüdung kaum.

Wie auch immer: Vom Sofa aus sehe ich das M E E R!

Die Bude hier ist so warm, dass ich mir keine Hosen anziehen muss, der Weißwein ist gut gekühlt, das Fernsehprogramm genauso beschissen wie überall, der Italiener um die Ecke etwas laut, aber soweit OK … ich denke, wenn ich morgen mal geschlafen habe, kann das richti gut werden – auch wenn die Wassertemperaturen nur 4 Grad beträgt.

Ich werde mir diese Woche einfach keinen Stress machen – das betrifft auch meine Schreiberei hier. Wenn ich Lust habe …

53 – Man führt Moosbrugger in ein neues Gefängnis (211-213)

Moosbrugger ist aus den Zeitungen verschwunden und von der Öffentlichkeit vergessen – die Hinrichtung ist auf unbestimmte Zeit verschoben – kommt in ein anderes Gefängnis – die Vorsicht, die angewandt wird, schmeichelt ihn – was gibt es zu lieben? – wofür leben? – Er empfindet die Verlegung als Abwechslung, „ohne auf den Inhalt zu achten“ – Moosbrugger gesteht seine Taten auf Wunsch des Kriminalen, der sich einen Erfolg von ihm wünscht  – auch die Soldaten, die mit ihm im Wagen sitzen, werden von den Stößen hin und her geschleudert

Man muß im Leben vieles aushalten, das bestimmt weher tut als das Aufhängen, und ob man ein paar Jahre mehr oder weniger lebt, darauf kommt es schon gar nicht an. (212)

Moosbrugger ist Rationalist in Reinform. Welchen Wert hat schon das Lieben? Aber welchen Wert hat dagegen das Erzählen können? Fragt sich, wie Musil selber dazu stand. Wenn ich mich recht erinnere, hat er erst spät zu seiner Frau gefunden und war nicht gerade das, was man einen treusorgenden Ehemann nennt. Sei’s drum – Autor und Werk gehören getrennt! Moosbrugger ist einer, der mit Schein nichts anzufangen weiß, der das gar nicht sieht sondern – zumindest in diesem Kapitel – den Kern (des anderen) wahrnimmt und einfach freundlich ist. Will der Kommissär ein Geständnis, weil er einen Erfolg braucht – bitte, damit kann er dienen. Denn: „Die Überlegenheit eines Mannes, der sich von dem Wunsch zu leben befreit hat, ist sehr groß.“ Kleines, starkes Kapitel.

Gespreizte Giraffe oder so

Dieses komische Gefühl in den Oberschenklen sind dann doch keine Vorboten einer Erkältung, sondern einfach die Nachwirkungen des gestrigen Yogas.

Nachgetragene (Vor)Gedanken

Dass es zu einer Haftstrafe kommen würde, war klar. An der Tat konnte es keinen Zweifel geben, Staatsanwaltschaft wie Verteidigung waren da einer Meinung. Klar, dass die Würdigung etwas unterschiedlich ausgefallen ist, nicht aber so sehr der Strafrahmen. Einzig und allein die Sicherheitsverwahrung war das Schwierige. Doch auch an der konnte bei genauer Betrachtung nicht gerüttelt werden.

Ich hab‘ mir die letzte Woche echt viele Gedanken dazu gemacht, gerade was meine Rolle betrifft bzw. meine Möglichkeit, auf das Urteil als Laienrichter einzuwirken. Mal abgesehen davon, dass ich mit einer Mindermeinung eh überstimmt worden wäre und das ein halbes Jahr – für das man ggf. hätte kämpfen können – länger oder kürzer unter dem Aspekt der Sicherheitsverwahrung pillepalle ist, ist die Rolle des Laienrichters wirklich die des Korrektivs. Denn die drei Berufsrichter heute mussten ja in der Urteilsfindung erst uns erklären und uns überzeugen, dass man dieses Urteil verhängen kann / muss / soll. Nicht dass der Vorsitzende Richter von mir genervt gewesen wäre, aber ich habe mir akribisch die Varianten erläutern lassen, die da noch möglich gewesen wäre. Und zu fünft haben wir uns wirlich dem Urteil über Diskussion und Austausch so lange angenähert, bis wir es gefunden hatten. Auch hat letztendlich der Angeklagte durch die Art seiner Tat & leztendlich hat das Strafgesetzbuch da wenig Varianten übrig gelassen. Also Erfüllungsgehilfe? Marionette eines Systems?

Ich denke, man kann das durchaus so sehen, wenn man nicht mit dem deutschen Rechtssystem einverstanden ist. Ich bin aber ein Verfechter genau dieses Systems – das amerikanische bspw. bevorteilt meiner Meinung nach die, die Geld haben und ist großen Manipulationen ausgesetzt. Und wenn ich dieses System stützen will, dann habe ich ohne Ansehen der Person es gegen Personen zu verteidigen, die meinen, sich zum Schaden anderer darüber stellen zu können. Denn das System schützt, jede und jeden.

Es hat mir schon weh getan, diesen Menschen für weitere vier Jahre ins Gefängnis zu schicken. Wenn er diese Haftstrafe abgesessen hat, wird er ein Drittel seines Lebens in Unfreiheit verbracht haben. Macht es definitv für ihn nicht einfacher. Aber solange er mit seinem abweichendem sexuellem Verhalten derat nicht zu recht kommt, so dass andere darunter massiv leiden (physisch wie psychisch), so lange kann er nicht an der Gesellschaft teilnehmen.

Das System hat ihm schon nach der ersten (schweren) Tat die Möglichkeit gegeben, sich professionelle Hilfe aus dem therapeutischen / sozial-therapeutischen / sexualmedizinischem / … Bereich zu holen. Es wurde ihm sogar angeboten. Doch eine vollkommene Ablehnung dessen, hat den Spielraum bei der Urteilsfindung verkleinert. Gerade dieser Punkt, inwieweit es dem Angeklagten möglich oder unmöglich war / ist, sich hier ansatzweise zu öffnen oder tastend sich am Rande darauf einzulassen, stand im Fokus meiner Frage an den – wie ich nachrecherchiert habe: angesehenem – Gutachter.

Wenn ich mir das Geschriebene gerade so durchlesen, dann ist das alles … nun ja … wenig neu oder speziell oder besonders oder furchtbar tiefsinnig oder … . Aber es ist das eine am Tisch bei Bier und Wein mit Freunden über das Rechtssystem zu diskutieren – was ich, wenn es die Gelegenheit gibt, äußerst gerne mache. Es ist das eine, mit dem StGB und der StPO auf den Knien einen Tatort zu verfolgen. Es ist das eine, sich über Urteile, die man im Radio / Fernsehen gehört / gesehen hat aufzuregen, weil man sie als ungerecht empfindet. Und es ist ein anderes, das System aktiv zu leben.

Ich kann nur sagen: Eine Lebenserfahrung reicher – und aus diesem Tag heute, hätte ich in den letzten Jahren locker eine ganze Woche bestritten.

Im Namen …

zu einer Haftstrafe von 4 Jahren mit Anordnung der Sicherheitsverwahrung …

Wir haben uns das echt nicht leicht gemacht. Später vielleicht noch mehr. Ich muss das gerade erstmal sacken lassen.

21:16 / 23:40 / doch ganz anders

Nach meiner Computeruhr ist es jetzt 21:16. Nach meiner inneren bzw. meiner inneren gefühlten Uhr ist es mindestens 23:40 oder kurz nach 1, wenn nicht sogar etwas später.

Der Arbeitstag war – vollkommene Ausnahme – nicht nur etwas anspruchsvoll sondern sogar anstrengend. Dann die GT, die auch nicht schlecht Energie saugt, anschließend noch Stammtisch von Verein 1. Dort komme ich zum wiederholten Mal genau neben dem Menschen zu sitzen, den ich von den 70-80 MitgliederInnen des Vereins so überhaupt nicht ab kann (er mich aber auch nicht, wie ich das an seinen Beleidigungen mir gegenüber fest machen kann). Daneben die zwei, die auf dem vorletzten und vorvorletzten Platz stehen.

G. bringt mich dankenswerterweise mit dem Auto nach Hause und nach zwei Broten ist der Akku alle – obgleich ich heue noch Bücher schauen und runterladen / kaufen wollte, da ich ja nächste Woche eine Woche an der See sein werde und ausreichend zum lesen brauche. Morgen werde ich keine Zeit dazu haben, aber dann ist ja noch das WE.

Wie auch immer: Dass es jetzt 21:28 Uhr – also gefühlt 2:33 – ist … dafür bin ich echt noch gut dabei.

GT (9)

Es war schon letzte Woche zu spüren. Zwischen PsychoDoc und A. aus der Gruppe gibt es Spannungen. Nachvollziehbar für mich, da A. zwar ne Menge Probleme hat – aber der Überzeugung ist, alles bestens im Griff zu haben (aber in Therapie geht und jedes mal beginnt mit „Ich kann nicht mehr…“ … egal … Logik ist echt nicht alles). Heute bricht das noch etwas deutlicher zu Tage, T. spricht es dann auch noch an, so dass es zu einer Rückmelderunde der Eingangsrunde kommt, in der das Thema dann so richtig schön hochkocht.

Alles sind darauf aber sowas von unentspannt, dass ich dem Psychdoc gewillt bin zu unterstellen, dass er es extra inszeniert hat, um mal ein bisschen mehr Dynamik in die Gruppe zu bringen. Gegen Ende meinte er auch, dass die Gruppe stark genug sein, so etwas auch „auszuahlten“.

Mir bescheert es richtig hinterlistige Kopfschmerzen und auf dem Stammtisch, auf den ich dann noch gehe(n muss / will), verweigere ich mich dem Essen, obwohl ich brüllenden Hunger habe.

Mir reicht das als Beweis, dass die GT was bewirkt, auch wenn ich – frank und frei zugegeben – nicht auch nur die Bohne einer Ahnung habe, was gerade.

brigwords

Leben berührt - Gedichte und Geschichten

Kaleidoskop eines Alltags

Es gibt immer eine Geschichte hinter der Geschichte.

Anton Weyrother

weyrother.net

Mijonis chaotische Welt

Leben, Lieben, Queerbeet, Gedanken, Alles in einem

AISTHESIS

Texte zur Ästhetik, Philosophie und Kunstkritik sowie vermischte Bemerkungen

Kritzelkomplex

Just another WordPress.com site

heat'n'eat

The way I cook/Wie ich koche

wirbelwind68

ich lebe intensiv und reflektiert

Musil lesen

"Der Mann ohne Eigenschaften" in weniger als 123 Wochen

Ein Nudelsieb bloggt, ...

... denn man(n) kann sich ja nicht alles merken ;)

KenterKönig

und anderes aus der weiten Welt

winterlichtblog.wordpress.com/

Jedes Bild ein Selbstbildnis

herschelmann fotoblog, bestpixel-photowerkstatt-hamburg.de

einige mehr oder weniger tolle Ideen um die Fotografie und die Bildbearbeitung

Rummelschubser

Ein Rummelschubser vs. Glioblastom et alia