51 – Das Haus Fischel (202-208)

von Bert

Direktor Fischel von der Lloyd-Bank – nur ein Nenn-Direktor – hat die Einladung von Graf Leinsdorf vergessen und daher auch nicht beantwortet – seine Frau heißt Klementine – seit 24 Jahren verheiratet – er ist Jude – Klementine versuchte anfangs ihren Gatten zu verbessern – er ist der Vernunft ergeben – Haus Fischel wird zum „Kampfplatz zweier Weltanschauungen“ – er glaubt an die „unerschütterlichen Richtlinien der Vernunft und des Fortschritts“ – muss aber die aufkommende Rassentheorien und „Straßenschlagworte“ zur Kenntnis nehmen – Über den Trieb, recht zu haben – über das Wesen gemeinsamer Schlafräume – Tochter Gerda ist 23 – bevorzugtes Kampfobjekt ihrer Eltern – ist nervös und blutarm – verkehrt in christlich, antisemitischen Kreisen – sie hält ihn für veraltet – Klementine findet Leo nicht mehr schön und unerträglich – er vermutet Verschwörung in seinem Haus – reden sich ein, ein Privatleben zu haben – er leidet an Familiensinn – ahnt die „tiefe Nichtigkeit des seelischen Lebens“ – Klementine ganz schön sauer, dass er die Einladung vergessen hat – er versucht die ganze Sache, nicht nur das Vergessen, sondern auch die Aktion nebst Arnheim herunterzuspielen – hofft, dass sie sich in Luft auflöst

In Wahrheit besteht aber natürlich das Dasein mehr als zur Hälfte nicht aus Handlungen, sondern aus Abhandlungen, deren Meinung man in sich aufnimmt, aus Dafürhalten mit entgegensprechendem Dagegenhalten und aus der aufgestapelten Unpersönlichkeit dessen, was man gehört hat und weiß. (207)

Das mit Abstand ‚zitatenreichste‘ Kaptitel bis hier her. Auf jeder Seite mindestens drei Stellen, die ich gerne zitiert hätte. Also: selber lesen! Eine sehr elegante, fein gedrechselte Analyse über den Ehe- und Familienzustand der Familie Fischel. Er der Vernunft ergeben, sie dem Aufstieg verschrieben. Dazwischen die Tochter, die weiß, wie man die Eltern gegeneinander ausspielt. Austariert die Schwerpunkte in den Beziehungsgeflechten. Bildsprachlich einfach nur herrlich. Nach dem nächtlichen Streit – gemeinsame Schlafzimmer sind nicht beziehungsförderlich – „war Klementine steif wie eine gefrorene Leichte und Leo zuckend von Empfindlichkeit“ (205). Und was folgt: Gerda „malte sich voll Grauen und bitteren Widerwillen das Eheleben als ein Katzenkampf in nächtlicher Dunkelheit aus“. (206) Ein richtig volles Kapitel uns in der Hinsicht ein Meisterwerk, dass man nun alles über den Zustand der Ehe und der Familie Fischel zu wissen weiß.