53 – Man führt Moosbrugger in ein neues Gefängnis (211-213)

von Bert

Moosbrugger ist aus den Zeitungen verschwunden und von der Öffentlichkeit vergessen – die Hinrichtung ist auf unbestimmte Zeit verschoben – kommt in ein anderes Gefängnis – die Vorsicht, die angewandt wird, schmeichelt ihn – was gibt es zu lieben? – wofür leben? – Er empfindet die Verlegung als Abwechslung, „ohne auf den Inhalt zu achten“ – Moosbrugger gesteht seine Taten auf Wunsch des Kriminalen, der sich einen Erfolg von ihm wünscht  – auch die Soldaten, die mit ihm im Wagen sitzen, werden von den Stößen hin und her geschleudert

Man muß im Leben vieles aushalten, das bestimmt weher tut als das Aufhängen, und ob man ein paar Jahre mehr oder weniger lebt, darauf kommt es schon gar nicht an. (212)

Moosbrugger ist Rationalist in Reinform. Welchen Wert hat schon das Lieben? Aber welchen Wert hat dagegen das Erzählen können? Fragt sich, wie Musil selber dazu stand. Wenn ich mich recht erinnere, hat er erst spät zu seiner Frau gefunden und war nicht gerade das, was man einen treusorgenden Ehemann nennt. Sei’s drum – Autor und Werk gehören getrennt! Moosbrugger ist einer, der mit Schein nichts anzufangen weiß, der das gar nicht sieht sondern – zumindest in diesem Kapitel – den Kern (des anderen) wahrnimmt und einfach freundlich ist. Will der Kommissär ein Geständnis, weil er einen Erfolg braucht – bitte, damit kann er dienen. Denn: „Die Überlegenheit eines Mannes, der sich von dem Wunsch zu leben befreit hat, ist sehr groß.“ Kleines, starkes Kapitel.