Durch die Zeit

Monat: März, 2019

52 – Sektionschef Tuzzi stellt eine Lücke im Betrieb seines Ministeriums fest (208-211)

Tuzzi merkt, dass ein Ministerium auf Personen wir Arnheim nicht eingerichtet ist – niemand seiner Mitarbeiter hat ein Buch von Arnheim gelesen – sucht Hilfe im Pressedepartements – legen ein Faszikel an – das Außenministerium hat null Ahnung von Arnheim – wo ist die Grenze zwischen dem, „was man beachtet, und dem, was man übergeht“ – man schafft zumindest mal alle Werke von Anrheim an

Er [Tuzzi] erinnerte sich an den Ausspruch Voltaires, daß die Menschen die Worte nur anwenden, um ihre Gedanken zu verbergen, und der Gedanken sich nur bedienen, um ihre Ungerechtigkeiten zu begründen. (211)

Tuzzi merkt: Die Ministerien haben Arnheim nicht auf den Schirm. Nicht einmal seins. Ein kleiner Seitenhieb auf das Lob der Bürokratie. Alles funktioniert reibungslos – wenn auch Wichtiges außer Acht gelassen wird. Hauptsache geregelte Bahnen, egal, was die Welt draußen gerade so macht. Das ist ja der ‚Vorteil‘ von Trump. Der hat die Bahnen einfach verlassen (ob bewusst oder weil er sie ja eh nicht kennt oder sie nicht sieht oder erblindet ist oder was auch immer, mag jeder selber beurteilen) und alle anderen Nationen und Organisationen meinen mit dem Althergebrachten darauf erfolgreich reagieren zu können. Dem ist aber nicht so. Fragt sich, was das Schrecklichere ist.

Lessings Geburtstagsgrabblumen – # 460

WMDEDGT 3/19

Jeden Monat fragt Fr. Brüllen, was man denn so heute gemacht hat.

6:01 – Mein Wecker war auch schon mal pünktlicher. Dennoch: Aufstehen | 6:05 – Allmorgendliche Badroutine | 6:15 – In der Küche Tee aufgießen und der Entschluss, doch was anzuziehen | 6:18 – Zeitung laden, Brote schmieren, Tee trinken, Zeitung lesen | 6:29 – Schuhe anziehen und auf die Straßenbahn | 6:54 – Piep | 7:05 – Nicht wie sonst Zeitung lesen, sondern Vorgänge bearbeiten, ausnahmsweise gibt es ausreichend zu tun. Dazwischen ein „Meeting“ zum „Networken“, anschließend weiter an einer umfangreichen Geheimbewertung für den Chef arbeiten und dazwischen noch das Sekretariat vertreten | 15:55 – Mir reicht’s. Mache mich auf dem Heimweg | 16:30 – aber erst noch das ein oder andere einkaufen | 16:55 – Schlafen? Nein, Tageslektüre und anschließend Korrekturen für eine Freundin. Ich bin ernsthaft am Überlegenen Honorar zu nehmen, denn das ganze Drama dieser Texte im Umfang von vier Seiten dauert bis | 18:30 – dann Salat richten fürs Abendessen und bis | 19:30 warten, bis der Mann nach Hause kommt | 19:35 – Abendessen, also Salat mit Ei und Schinken und Thunfisch | 20:01 – Mail der Freundin, ob ich nicht noch schnell auch noch den Text … | 21:15 – Textkorrektur fertig – dafür jetzt Telefon, noch ein bisschen Beratung | 21:35 – Scheißdrauf: Ouzo! |

Why not

Wir werden mit den Jahren immer lockerer. Heute bin ich mal gekommen.

51 – Das Haus Fischel (202-208)

Direktor Fischel von der Lloyd-Bank – nur ein Nenn-Direktor – hat die Einladung von Graf Leinsdorf vergessen und daher auch nicht beantwortet – seine Frau heißt Klementine – seit 24 Jahren verheiratet – er ist Jude – Klementine versuchte anfangs ihren Gatten zu verbessern – er ist der Vernunft ergeben – Haus Fischel wird zum „Kampfplatz zweier Weltanschauungen“ – er glaubt an die „unerschütterlichen Richtlinien der Vernunft und des Fortschritts“ – muss aber die aufkommende Rassentheorien und „Straßenschlagworte“ zur Kenntnis nehmen – Über den Trieb, recht zu haben – über das Wesen gemeinsamer Schlafräume – Tochter Gerda ist 23 – bevorzugtes Kampfobjekt ihrer Eltern – ist nervös und blutarm – verkehrt in christlich, antisemitischen Kreisen – sie hält ihn für veraltet – Klementine findet Leo nicht mehr schön und unerträglich – er vermutet Verschwörung in seinem Haus – reden sich ein, ein Privatleben zu haben – er leidet an Familiensinn – ahnt die „tiefe Nichtigkeit des seelischen Lebens“ – Klementine ganz schön sauer, dass er die Einladung vergessen hat – er versucht die ganze Sache, nicht nur das Vergessen, sondern auch die Aktion nebst Arnheim herunterzuspielen – hofft, dass sie sich in Luft auflöst

In Wahrheit besteht aber natürlich das Dasein mehr als zur Hälfte nicht aus Handlungen, sondern aus Abhandlungen, deren Meinung man in sich aufnimmt, aus Dafürhalten mit entgegensprechendem Dagegenhalten und aus der aufgestapelten Unpersönlichkeit dessen, was man gehört hat und weiß. (207)

Das mit Abstand ‚zitatenreichste‘ Kaptitel bis hier her. Auf jeder Seite mindestens drei Stellen, die ich gerne zitiert hätte. Also: selber lesen! Eine sehr elegante, fein gedrechselte Analyse über den Ehe- und Familienzustand der Familie Fischel. Er der Vernunft ergeben, sie dem Aufstieg verschrieben. Dazwischen die Tochter, die weiß, wie man die Eltern gegeneinander ausspielt. Austariert die Schwerpunkte in den Beziehungsgeflechten. Bildsprachlich einfach nur herrlich. Nach dem nächtlichen Streit – gemeinsame Schlafzimmer sind nicht beziehungsförderlich – „war Klementine steif wie eine gefrorene Leichte und Leo zuckend von Empfindlichkeit“ (205). Und was folgt: Gerda „malte sich voll Grauen und bitteren Widerwillen das Eheleben als ein Katzenkampf in nächtlicher Dunkelheit aus“. (206) Ein richtig volles Kapitel uns in der Hinsicht ein Meisterwerk, dass man nun alles über den Zustand der Ehe und der Familie Fischel zu wissen weiß.

Es wird auch mal wieder kürzer – nur heute nicht

Irgendwie komme ich so richtig gar nicht nach. Vor drei Monaten hätte ich aus den Erfahrungen der letzten 48 Stunden gut und locker für hier zehn Einträge verfasst. Jetzt reicht es gerade für ne kleine Liste, weil mir die Müdigkeit aus den Augen quillt, ich morgen um 7 raus muss, weil ich für Verein 1 um 8 in Aktion sein „will“ …

  • Yoga: Ich möchte mich definitiv nicht dabei sehen müssen und bemitleide die österreichische Lehrerin für den Anblick. Aber es tut einfach nur gut! Mit nur Yoga-Hose und nur leichtem T-Shirt und sonst nichts, ist es echt noch ne Ecke intensiver.
  • Bibliothek: Begegnung der 3. Art. Das Müffelmonster hinter dem Tresen für Rückgabe überschlägt sich vor Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Ich brauche unbedingt eine neue Version des Ausweises. O-Ton: „Da wir uns so gut kennen, machen wir das einfach mal auf dem kleinen Dienstweg – Sie bekommen in den nächsten zwei, drei Wochen ne Mail!“ Die Mail kam heute.
  • Warum hat „n1gw“ ihren Blog so plötzlich auf privat gesetzt?
  • Job 2: Die fachlich fundierte Kollegin muss sich Kinder-krank melden. Drei Kurzberatungen bleiben an mir hängen. Ich schwimme bei allen drei. Ich frage bei ihr nach – alles richtig gemacht.
  • Job 1: Der AL schmeißt mich mit Geheimaufgaben zu. D.h.: Er hat die Nase von Kollegin M.B. voll (ich eh) und M.B. wird mich kreuzigen und auf Ewigkeiten verfluchen, wenn sie mitbekommt, was ich da mache. Zugegeben, ich komme in einen leichten Loyalitäts-Konflikt – aber bei der Abteilung, ist ja eh nix zu holen. Dennoch, hab‘ das WE zum Denken.
  • Ist es verwerflich, dass ich einem Kandidaten, dessen schriftliche Arbeit ich heute dann doch schon korrigiert habe, einen halben Punkt zuschusterte, damit er nicht die Prüfung wiederholen muss?
  • Erotik wandert durchs Gemüt.
  • Letztes Jahr las ich mal irgendwo den Satz: „Nie erledigt man so viel, wie am Tag vor der Fahrt in den Sommerurlaub“. Mir scheint gerade, dass ich seit zwei Monaten jeweils am nächsten Tag für sechs Wochen in den Urlaub fahre.
  • E. würde jetzt vielleicht sagen: „B. hat Oberwasser.“ Es fühlt sich gerade so an, aber es ist ’nur‘, dass man mir Aufgaben zutraut. Die hätte ich auch alle in den letzten vier Jahren schon machen können. Arbeitslosigkeit ist in diesem Land selbstverschuldetes Elend – in vielen anderen Ländern ein gesellschaftlicher Missstand.

Kaleidoskop eines Alltags

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Anton Weyrother

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