Durch die Zeit

Monat: April, 2019

Wen’s interessiert

Beschlossene Sache im Lesekreis. Nach Lukrez („De rerum natura“ – aber auf deutsch natürlich) folgt nun „Tod des Vergils“ von Hermann Broch. Hatte ich eingebracht, mich aber seit dem letzten Treffen distanziert und hätte lieber „Joseph und seine Brüder“ von Thomas Mann gelesen, auch ne Idee von mir. Vielleicht auch gut so, nur 400 Seiten in Schneckentempo statt 1.000.

Notizen, morgen oder wann auch immer ggf. auszuarbeiten für Beitrag

  • L. 66. 1/3 war ich dabei. Beim Rückblick doch noch was Neues.
  • Ich bin der Anhang meines Mannes. Zur Überraschung der anderen funktioniere ich auch ohne ihn.
  • Entlarvend!!! E. erkundigt sich, ob ich gut sitze. Dabei will er wissen, ob ich mich verloren fühle oder nicht.
  • J. + S. suchen definitiv Kontakt zu mir. Also eher J. als S. Damit hatte ich nicht gerechnet. Entspannt ungemein.
  • J. redet, ich höre zu.
  • Die Speelns der anderen ertrage ich. Warum sollten sie also nicht meinen ertragen? Dann bin ich halt ein ‚Tätschler‘ oder was auch immer. Aber J. schreit nicht, als ich mal kurz meine Hand auf sein Knie lege.
  • Mir ist Körperkontakt (Hand geben etc.) wichtig.
  • Als einer der wenigen muss ich aus dem Kreis morgen arbeiten und gehe nach dem Pfarrer.
  • Das Konzept der Gaststätte ist ohne Frage gut. Aber warum muss die Hälfte der warmen Speisen lauwarm kommen? Hat man ihnen das im letzten Jahr nicht gesagt?
  • Spargelsuppe mit Limette ohne Limette und ohne Garnitur und mit zuviel Sahne ist ok – aber auch maximal das.
  • Die, die mich als „feinen Menschen“ bezeichnet, zieht weg.

66

Doof, wenn man so gar keine Lust hat, aber auf einen Geburtstag muss.

69 – Diotima und Ulrich. Fortsetzung (286-291)

Er ist der Anwalt des Nüchternen – möchte bei Diotima Anstoß erregen, sie herausfordern – sehnt sich aber nach der Gesellschaft mit ihr – bei einer allgemeinen Frage meint Diotima Ulrich ihre Liebe zu Arnheim gestanden zu haben – Gedankenexperiment: Was wäre, wenn das geschieht, was man sein Leben lang gefordert hat? – These: In der Wirklichkeit liegt das Verlangen nach der Unwirklichkeit – die Wirklichkeit schafft sich ab – Diotima kommt nicht wirklich mit – dennoch wird ihr klar: Es braucht eine Entscheidung für oder gegen Arnheim

Wir überschätzen maßlos das Gegenwärtige, das Gefühl der Gegenwart, das, was da ist; ich meine, so wie Sie jetzt mit mir in diesem Tale da sind, also ob man uns in einen Korb gesteckt hätte, und der Deckel des Augenblicks ist daraufgefallen. (289)

Typisches Gedankenexperiment von Musil. Zwar eine Binsenweisheit, das nichts bleibt wie es ist, aber wenn man es, wie er es tut, auf die Spitze treibt, dann stellt sich schon die Frage nach der Echtheit und der Erlebnisweise der Wirklichkeit. Letztendlich auch ein altes philosophisches Problem, aber hier eben sehr hübsch und lesenswert aufbereitet. Interessant die psychologische Unterströmung, die Musil eingebaut hat. Meint Diotima sich am Anfang in ihrer Lieben zu Arnheim verraten zu haben, kapiert sie am Ende, wenn auch nicht so, dass sie es erklären könnte, doch, dass Warten nichts hilft und nur eigene Entscheidungen die ’neuen Wirklichkeiten‘ schaffen, die sie will.

6 = 2 + 1

Von sechs Prüflingen kamen drei.

Heute waren die Jungs eindeutig besser.

Beides hat Seltenheitswert.

Ohne Anspruch

Morgen noch ein paar Prüflinge, dann kurz einkaufen, dann werde ich bis Montag wohl das Haus nicht mehr verlassen. Hemmungslos lesen und dann schlafen, wann es mir danach ist. Da mein Mann seit heute für eine Woche in Griechenland bei einer Freundin ist, gibt es niemand, der dann einen wie auch noch geringsten Anspruch stellen kann. Ähh, Sonntagabend muss ich noch auf ein Geburtstagsessen, OK, aber bis auf das erstmal: Niente.

Blogeintrag mit Monsterwort

Ein Tag halt. Alles soweit im grünen Bereich. Der Höhepunkt wohl, dass ich spontan Quarbällchen gekauft habe (die ich sonst nie kaufe). | Ach so, die Ernennungsurkunde vom Regierungspräsidium lag auf dem Tisch. Jetzt bin ich also ganz offiziell stellvertretender Meisterprüfungsauschussvorsitzender. | Hilft mir aber auch nix, dass mein Mann und ich bei der Steuer irgendwas falsch machen. Wir suchen uns jetzt einen Steuerberater, da ich gestern fast einen Anfall bekommen habe. | Zwei Tage keinen Mittagsschlaf, daher gestern schon um kurz nach 10 ins Bett. Was A. sich gedacht haben mag? Dennoch plagende Träume, diesmal gab sich sogar der Papst die Ehre. | Ich darf echt nicht vergessen, dass ich Samstag Prüfungen abnehmen darf. Hätte heute schon den Dienst vergessen (der aber so ruhig ist, dass ich jetzt schnell schreiben kann). | Schaue auf Netflix Broadchurch (sehr empfehlenswert). Sie erinnert mich an meine Supervisiorin und er sieht so aus, wie ich mir meine große Liebe M. im Alter vorstellen kann. Beides lenkt ein wenig ab. | Am WE sollte ich echt mal versuchen, einen Tuck weniger zu denken oder zumindest das Zeugs aufzuschreiben (hier wohl eher nicht, was vielleicht auch gerade die Pausen hier erklärt). |

Soviel zu: „Ein Tag halt.“

68 – Eine Abschweifung: Müssen Menschen mit ihrem Körper übereinstimmen? (283-286)

Bei den Fahren berühren sich die Kleider von Diotima und Ulrich – die Körper bemerken es – Übertragung des Begehrens von Leib auf Kleidung – über Wollust – ab wann ist was Liebe? – wie kommen Geist und Körper überein? – welcher Körper passt zu welchem Geist?

Aber ist das der Körper unseres Geistes, unserer Ideen, Ahnungen und Pläne oder – die hübschen inbegriffen – der unserer Torheiten? (286)

Ein kleiner Exkurs zur Leib-Seele-Problematik. Nach wie vor aktuell. Hier etwas ironisierend diskutiert.

Was ist?

Dauernd vergesse ich zu bloggen. Was soll mir das sagen, wenn es mir was sagen soll?

# 466

dav

Entfernung

Es war dieses Jahrs schon spannend zu beobachten, wie weit ich mich in der Zwischenzeit dann doch von der katholischen Kirche entfernt habe. Und das war ein echt weiter weg, bin ich doch so richtig streng katholisch erzogen worden.

Aufgefallen ist mir das an Karfreitag (Fast- und Abstinenztag), als ich mir Wurstsalat zum Abendessen gemacht habe. Wüßte das meine Mutter bzw. meine Schwester … . Und als dann am Sonntag Berichte über Messen und Feierlichkeiten (auch in Jerusalem) gezeigt wurden, waren mir das religiöse Bräuche, mit denen ich genauso viel zu tun habe, wie mit denen aus dem Hinduismus, Buddhismus oder einer sonstigen Religion.

Das soll in keinster Weise abfällig klingen. Mögen anderen das glauben, was sie meinen glauben zu müssen oder zu wollen (solange sie damit keinen Krieg begründen) – aber ich bin aus dem Spiel dann doch draußen.

67 – Diotima und Ulrich (276-283)

Sie haben in der Zwischenzeit ein gutes Verhältnis – er findet sie irgendwie auch schön – über die Abneigung unter Verwandten – machen gemeinsame Ausflüge, auch mit Arnheim – Ausflüge auch zu Werbezwecken für die Aktion – über die „Verklungenheit“ – zu seiner eigenen Überraschung isst Ulrich Obst auf dem Land aus der Hand – über die Mode der Zeit und gegen die Nacktheit – auf den Ausflügen wird über alles mögliche geredet – oft auch etwas aneinander vorbei – Ulrich der Besserwisser – Arnheim ist im Gespräch oft anwesend, wenn er gar nicht dabei ist – Ulrich arbeitet sich an Arnheim ab – Beziehung zwischen Diotima und Arnheim manchmal anstrengend – nicht so mit Ulrich

„Wenn sie von Schönheit sprach, sprach er von Fettgeweben, die die Haut stützt.“ (280)

Standortbestimmung sozusagen. Ulrich und Diotima sind in ein gutes Verhältnis gekommen, auch wenn er immer wieder den Besserwisser raushängen lässt, der mit Gefühlen nichts am Hut an. Diotima nach wie vor in Arnheim verliebt – aber das ist auch anstrengend, weil so unklar. Da macht dann Ulrich einfach mehr Spaß. Das Ganze vor dem Hintergrund der Etikette und des Standes. Und ob Arnheim jetzt bei den Ausfahrten dabei ist oder nicht, vollkommen egal, denn geredet wird über ihn andauernd.

Wie Kafka

Heute mein erstes „Licht-Luft-Bad“ in diesem Jahr genossen. Dazu der neue Winslow, Tasse Tee. Jetzt gibt es dann Wurstsalat bevor ich noch zum Dienst in Verein 1 muss. Ich glaube, das wird heute ein dunkelgrüner Tag.

66 – Zwischen Ulrich und Arnheim ist einiges nicht in Ordnung (271-276)

Ulrich unterhält sich oft mit Diotima – berichtet von seiner Arbeit – zeigt ihr die vielen unterschiedlichen Ideen – die einen, wie gehabt, suchen das Heil in der Vergangenheit, die anderen in der Zukunft – nennt sie „Mächtige Kusine“ – Gedankenspiele – spricht in auf General von Stumm an – sie unterstellt ihm, er hätte dem General Aussichten gemacht – er widerspricht – berichtet von einem Missverständnis in einem Gespräch mit Arnheim über einen beliebigen General – Diotima kommt nicht ganz mit – berichtet ausführlich vom Gespräch mit Arnheim – Arnheim hält Ulrich nicht für einen Wissenschaftler, sondern Ulrich solle auf dem „Gebiet des Handelns“ tätig werden – denken oder leben? – vom Verwirklichen und dem Nichtverwirklichte – dennoch vermutet Ulrich, dass Arnheim seine Achtung gewinnen will – am Schluss wie sie von Ulrich einen Rat, wie mit dem General umzugehen sei – Ulrich: „Fernhalten“ – das gefällt Diotima

Diotima verschanzte sich, wenn Ulrich so sprach, in ihrem hohen Körper wie in einem Turm, der im Reisehandbuch drei Sterne hat. (272)

Gut konstruiert, wenn man die beiden ‚Ratschläge‘ gegenüberstellt, denn sie geben die beiden Geisteshaltungen der Männer wieder. Arnheim, der Mensch der Tat, der macht und wenig zweifelt bzw. hinterfragt, dagegen Ulrich, der mehr im Kopf als im Körper ist und nicht nur die Gegenseite sieht, sondern alle dritten Sonderwege mit bedenkt. Es sind unterschiedliche Haltungen die auf die jeweils selbe Frage natürlich unterschiedliche Antworten haben. Baut man das in philosophischer bzw. gesellschaftlicher Hinsicht theoretisch aus – was Musil sicher durchdacht hat – dann ist es eben der Kampf zweier (Gesellschafts-)Systeme. Zur Entstehung von MoE war das vielleicht nicht brisanter als heute, lag aber viel mehr offener zutage und es wurde viel mehr darum gekämpft. Heute hat der Kapitalismus scheinbar gesiegt und andere Entwürfe kommen kaum noch in die Diskussion. Unterschwellig geht es aber auch um das konkurrierende Buhlen um Diotima – da können die beiden Männer behaupten, was sie wollen.

Ist es schon wieder so weit?

Warum sagt mir eigentlich keine/r, dass am Wochenende Ostern ist? Und warum erinnert mich niemand daran, dass ich an Ostern (und sonst aber auch) gerne Soleier esse? Und dass ich die noch machen muss (also gerade in Arbeit sind)? Immer muss man an alles alleine denken. Menno!

Minenfeld

Gestern nicht geschrieben, weil der Zickenkrieg in der neuen Abteilung ausgebrochen ist und man hinter meinem Rücken wohl arg, arg schlecht redet. Hat mich ganz schön runter gezogen, weil ich dachte, dass es zumindest in der neuen Abteilung besser läuft. Aber vorhin unter vier Augen noch mit H. gesprochen der meinen Eindruck leider nur bestätigen konnte. Und ich hab‘ so gar keine Lust auf (weibliche) Minenfelder. Echt, das vergällt mir gerade so richtig die Stimmung.

Lesekreis

Es wird schwierig. K. ist aus Lukretz ausgestiegen. Kommt zwar, liest aber nicht mehr mit. 40 Seiten in 2, 3 oder 4 Wochen sind ihr zuviel. Andererseits liest sie brav in einem anderen Lesekreis jede Woche 15 Seiten im „Doktor Faustus“ von Thomas Mann. Da wir mit Lukretz dann doch bald durch sind – I. ist es, die gerade auf Seiten pocht – erste Überlegungen, was danach kommt. In der engeren Auswahl derzeit

  • G.W. Seebald: Die Ringe des Saturns (352 Seiten)
  • Thomas Mann: Josef und seine Brüder (1.344 Seiten)
  • Hermann Broch: Der Tod des Vergils (522 Seiten)
  • Virginia Woolf: Orlando (256 Seiten)

Mit Mann und Broch könnte ich mich anfreunden, Woolf kenne ich schon und Seebald interessiert mich nicht die Bohne. Das Problem: Den Mann können sich alle vorstellen, aber K. würde gerne das in „kleinen Happen“ lesen, also so 15 bis max. 20 Seiten von Termin zu Termin (der wegen ihr bei uns selten alle 14 Tage statt findet wie einst vereinbart). Gehe ich selbst von 25 Seiten aus, sind es immer noch 54 Termine – und das ist selbst für einen Thomas Mann in meinen Augen definitiv zu viel.

Vom Gefühl her schaut die Situation nicht gut aus. Denn 50 Seiten wird sie nicht akzeptieren (was ich bei dieser Art von Literatur innerhalb von zwei Wochen gut zu schaffen ansehe) und darunter habe ich echt keine Lust, denn so nett sie sind, aber auf richtige Textarbeit wollen sie sich dann doch nicht einlassen. Mir ist aber meine Zeit zu schade dann für  15 oder 20 Seiten zwei Stunden zu opfern, in denen dann Gemeinplätze ausgetauscht werden und man einfach frei und will assoziiert. Ich mag es einfach nicht, wenn im Text das Wort „Baum“ vorkommt und dann erzählt wird, wie toll es damals in Schweden war, weil da auch Bäume waren. Das hat mit dem Text leider nix zu tun (außer, es ist ein schwedischer Text, der das Gefühl von Bäumen im Urlaub beschreibt).

Ich bin gerade unsicher. Ein Teil von mir sagt: Alles hat seine Zeit. Und alles hat auch seine Zeit gehabt.

Ein anderer Teil sagt: Warum sich nicht bemühne, dass so gut wie möglich durchzusetzen, was ich (!) will. (Man lese hierzu mein nicht veröffentliches Tagebuch zur Therapie).

65 – Aus den Gesprächen Arnheims und Diotimas (268-271)

Diotima kann mit Arnheim über den General reden – er versucht sie zu belehren mit allgemeinen Ideen von „Geschäft und Dichtung“ – sie kann nur schwer folgen (was nicht wundert) – Arnheim mit Plattheiten über die Verantwortung der Reichen – verweist auf die Leistungen seiner Väter – kommt vom Stöcken aufs Hölzchen – merkt es dann selber – empfiehlt, den Gernal nicht vollkommen auszuschließen

Arnheim ließ die milde Hand einen Augenblick lang unentschlossen in der seinen ruhn und starrte nachdenklich darauf, als hätte er etwa zu sagen vergessen. (271)

Arnheim gibt den selbstgefälligen. Gibt den ‚Mann‘ ab, der zu allem und jedem was zu sagen weiß – und macht sich damit nicht gerade sympathisch. Diotima hört zwar aufmerksam zu, ist aber zugleich leicht verwirrt, weil sie wohl ahnt, dass Arnheim auch ein bisschen so vor sich hinschwallt und eigentlich gar nicht so genau weiß, wo er mit seinen Worten hin will. Aber sie tut mal so, als ob es wichtig und wertvoll wäre, was er da sagt – was ihm natürlich schmeichelt. Mann eben.

Stimme im Kopf

Lese gerade den neuen Winslow. September 17 habe ich mir den Vorgängerroman, Das Kartell, angehört. Und wenn ich jetzt lese, dann höre ich in mir Dietmar Wunder mit seinen Betonungen. Mag’s!

nachGemacht

Da mir gerade nix so richtig für hier einfallen will, kopiere ich (ohne gefragt zu haben) die idee von der lesenswerten nocheinglaswein:

gegessen
Nr. 132

getrunken
Tee, Kaffee, Tee, Weißwein, Rum, Weißwein

gelesen
Klemperer: Tagebücher
Houellebecq: Serotonin

gesehen
Verräter (netflix)

gehört
Menschliche Abgründe at his / her best

64 – General Stumm von Bordwehr besucht Diotima (267-268)

Der General machte seine Aufwartung – hat kleinen Bauch und rundes Gesicht – redet eine Viertelstunde auf sie ein – will sie beeinflussen, dass Kriegsministerium doch noch mit zum „großen Friedenswerk“ einzubeziehen – nach dem Motto ‚Frieden schaffen mit Waffen‘ oder so – Diotima erschrickt – hat mit Militär keine Erfahrung – sucht Ausreden – muss danach grundlos weinen – hat „ahnungsvolle Angst“

Sie [Diotima] setzte ihre Worte sorgfältig, wie mit schwarzgelben Bindfäden geheftet, und verbrannte sanfte Räucherwerkworte der hohen Bürokratie auf ihren Lippen. (268)

Der General versucht sich einzuschleimen, weil er gekränkt ist, nicht dabei sein zu dürfen. Er versucht es auf seiner Meinung nach listigen Art, weil er alles, was er an Humanität und klugen Sprüchen so findet, Diotima vor die Füße wirft. Die spürt aber, dass er was anderes meint, als was er sagt – kann es aber nicht wirklich greifen.

azzuro – bleu – azul – niebieski – blue

Vorgestern vor der Therapie hatte ich so richtig schlechte Laune, die allerschlechtest Laune würde Thomas Bernhard an dieser Stelle schreiben, und hab‘ der auch ein kleinwenig in der Einstiegsrunde Ausdruck gegeben. Ich glaube, dass ist so ein Nebentherapieerfolg.

Mir stinkt es gerade in beiden Jobs gewaltig: in dem einen habe ich nach wie vor nix zu tun und in dem anderen traut man mir nix zu. Da werden dann Bedenken geäuußert ob nach drei Monaten … und ob ich nicht noch erst noch warten will … und ich könne ja erstmal schauen, ob ich die eine Bescheinigung ausfüllen kann (d.h. da trägt man eine Adresse und einen Namen ein!) … seis drum.

Schon vor der Therapie war mir klar: Donnerstag mache ich blau. Nicht nur allein der Gedanke hat gut getan (wie überhaupt Therapie vorgestern, denn etwas entlastende hat sie dann schon, vor allem, mit dem Wunschkarusell am Schluss) sondern der ganze Tag gestern. Das Bemerkenswerte war (und ist): Ich hab‘ einfach kein schlechtes Gewissen – und es will sich auch heute, am zweiten Tag nicht einstellen.

# 465

Bodensee01

GT (13)

Wir sind nur zu sechst. Aber die Einstiegsrunde dauert dennoch eine Stunde. Aber irgendein Thema will sich nicht ergeben. Der Psychdoc stellt in den Raum, die nächsten vier Wochen in den Blick zu nehmen, in denen wir uns nicht sehen werden (da Osterpause ist). Mir fällt ein, dass ich mal so eine ‚virtuelle‘ Wunschrunde mitgemacht habe und sage das. Der Psychodoc nimmt das auf und schlägt vor, dass wir uns gegenseitig das sagen, was der / die andere in den nächsten vier Wochen schaffen wird. (OK, eine Empathie-Übung, nicht gerade die Herausforderung für mich). Also bekommen von mir Befähigungen:

  • T., dass er eine geile Gliederung für seine Bachelor-Arbeit erarbeitet, an der er sich ann stressfrei abarbeiten kann
  • J., dass er mal wieder Sport macht und sich auspowert, so dass er mal wieder sich uns einen Körper spürt
  • C. I, dass sie einen Smalltalk so gestaltet, dass beide am Ende sich überlegen, ob man sich nicht mal auf einen Kaffee treffen könnte
  • C. II, dass sie einfach mal sich vollkommen grundlos was Gutes tut.

Das mag jetzt banal oder nach „Na ja“ klingen. Aber schaue ich mir das an, was die anderen mir zugesprochen haben, dann haben alle ihre Finger mehr oder weniger heftiger auf offene Wunden oder Punkte gelegt. Gerade C. II, die jetzt doch anscheinend etwas Vertrauen zu mir findet, bringts elegant auf den Punkt.

Das ‚Besondere‘ an dieser Art ist, dass ‚Schwächen‘ als Möglichkeiten / Optionen ‚umgedeutet‘ werden und man selber das zu einem Gesagte plötzlich nicht so als Hürde sieht.

Bin echt gespannt, was wir in vier Wochen berichten werden.

63 – Bonadea hat eine Vision (258-266)

Bonadea, die Geliebte aus Kapitel 7, taucht wider auf – möchte mit ihm Frieden machen – will bei der Aktion mithelfen – sie wird alt – sie will nun nur noch Ulrich als Geliebten und keine anderen mehr – er sieht noch keine Möglichkeit, sie bei Diotima einzuführen – Bonadea hat genug von Diotima gehört, bewundert sie – ihr letzter Trumpf: Moosbrugger – sie will für Moosbrugger etwas über Diotima ausrichten – phantasiert sich als Diotimas Freundin – kommt bei Ulrich aber nicht gut an – Ulrich doziert u.a. über das Gute und das Böse – versucht ihr klar zu machen, dass man für Moosbrugger nichts mehr tun kann – Bonadea verliert derweil auf „unaufgeklärter Weise“ einen Schuh – er geht auf ihre Avancen nicht ein – redet sich um Kopf und Kragen – sinniert über die „Freiheit des Innern“ – will jetzt doch nett zu ihr sein – sie tut so, als müsste sie einen Floh an sich suchen – Ulrich reagiert nicht darauf – Bonadea weint

Er [Ulrich] kannte die edlen Gefühle Bonadeas und wußte, wie leicht bei ihr aus dem Aufflammen einer einzelnen schönen Regung die Panik einer den ganzen Körper ergreifenden Feuersbrunst wurde. (261)

Sie will wieder etwas von ihm, er weiß nicht, ob er vielleicht auch wieder will. Sie macht Avancen und er hält – aus Unsicherheit – Volksreden. Mal wieder eine schöne, kleine Studie. Sie lebt eher direkt und gefühlsbetont, er versucht alles zu vergeistigen und meint, als Mann, ihr, der Frau, die Welt erklären zu müssen. Also sondert er ‚wichtige‘, ‚wohlüberlegte‘ Sätze ab. Und was macht Musil aus der Situation: „Bonadea erwiderte etwas sehr Bedeutendes. ‚Ach du!'“

Wer zu spät kommt …

Heute Nachmittag war ich doch tatsächlich so naiv nachzuschauen, ob ich in der Münchner Staatsoper noch Karten für eine Oper Ende Juli mit Iestyn Davies bekommen könnte.

Schwarmintelligenz

Die monatliche Laberrunde von Verein 1. Niemand hat ein Thema – nur ich habe gleich zwei. Und da wir vereinbart haben, dass die vereinsspezifischen Themen vor den persönlichen kommen …

Die Gruppe kommt zwar nur schleppend ins Arbeiten, aber dann sind alle auf Betriebstemperatur und es kommen richtig gute Ergebnisse zusammen. Selbst die Supervisorin überrascht mit hintergründigen Nachfragen.

Aber dann reicht es mir auch mit dem Denken für heute.

Neuer Gott

Gerade über Niels Kaiser auf Iestyn Davies gestoßen. Und – das habe ich echt Jahre nicht mehr gemacht – gleich zwei CDs (legal) runtergeladen. So wie es scheint, wird das mein Gott für diesen Frühling. Wer drei Minuten reinhören mag, hier was zum wegschmelzen:

62 – Auch die Erde, namentlich aber Ulrich, huldigt der Utopie des Essayismus (247-257)

Genauigkeit als menschliche Haltung – pedantische vs. phantastische Genauigkeit – Beispiele – zwei Geistesverfassungen – die eine ist genau – die andere schaut auf das Ganze, auf das Ewige, Große und Wahre – die Weltgeschichte ist optimistisch – Wissen vs. Glaube – Ulrich aus der Jugend: „hypothetisch leben“ – Im Unfesten liegt mehr Zukunft als im Festen – später statt Hypothese nun der Begriff Essay = betrachtet ein Ding von vielen Seiten, ohne es ganz zu erfassen – Mensch ist Inbegriff seiner Möglichkeiten – Tugend ist Laster ist Tugend – Moral, Altersform eines Kräftesystems – Moral ist bewegliches Gleichgewicht – Philosophie im Zusammenhang mit Tyrannei – Mißtrauen gegen Philosophie, obwohl allgegenwärtig – Essay als unabänderliche Gestalt, die das innere Leben eines Menschen annimmt – das „dazwischen“ – zwischen Abscheu und Verlockung – nur eine Frage lohnt das Denken – die des rechten Lebens – Ulrich wartet „hinter seiner Person“

Will man sich vorstellen, wie solch ein Mensch lebt, wenn er allein ist, so kann höchstens erzählt werden, daß in de Nacht die erhellten Fensterscheiben ins Zimmer schauen, und die Gedanken, nachdem sie gebraucht sind, herumsitzen wie die Klienten im Vorzimmer eines Anwalts, mit dem sie nicht zufrieden sind. (257)

Langes und schwieriges Kapitel. Inhaltliche Fortsetzung des vorigen. Musil versucht hier die ‚Zwischenwelten‘, in denen wir auch leben, auszuloten. Es ist ja nicht so, das jedes nur zwei Seiten hat, sondern auch mit unterschiedlicher Gewichtung gesehen / gelebt werden kann. Wenn man dann keine Linie für sich selber festlegt, kommt man ins Schwimmen. Kurz: Zwischen Moosbrugger und Ulrich gibt es noch viele Varitäten, alle haben recht – aber das Gesetz dazu zu finden ist unmöglich und macht schwindlig, je länger und genauer man darüber nachdenkt. Denn weder kann man nur in dem einen, noch in dem anderen leben. Exakte Wissenschaft ist das eine, Gefühl das andere. Es gibt kein weder-noch, sondern nur unendliches, unbeschreibbares Dazwischen. Mit dieser Diskussion ist Musil auf der Höhe der Zeit – und ich bin mir sicher, dass über diese zehn Seiten schon mehr geschrieben worden ist als über die restlichen Seiten des MoE.

Jetzt aber

Gestern spät erst von den Prüfungen zurückgekommen. Danach einfach keine Lust mehr gehabt, den Rechner hoch zu fahren. Lieber auf dem Sofa gesessen und etwas dumm aus der Wäsche geguckt. Zehn Stunden sind halt schon lang, vor allem, wenn es nur punktuell was zu tun gibt.

Dafür sitze ich jetzt schon wieder im Prüfungsausschusszimmer. Doch wenn alles bleibt, wie vereinbart, kann ich in drei Stunden schon wieder gehen. Wäre mir recht. Könnte etwas Entspannung ganz gut gebrauchen. Morgen geht ja die Woche wieder los.

Kaleidoskop eines Alltags

Es gibt immer eine Geschichte hinter der Geschichte.

Anton Weyrother

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