Durch die Zeit

Monat: April, 2019

Ist es schon wieder so weit?

Warum sagt mir eigentlich keine/r, dass am Wochenende Ostern ist? Und warum erinnert mich niemand daran, dass ich an Ostern (und sonst aber auch) gerne Soleier esse? Und dass ich die noch machen muss (also gerade in Arbeit sind)? Immer muss man an alles alleine denken. Menno!

Minenfeld

Gestern nicht geschrieben, weil der Zickenkrieg in der neuen Abteilung ausgebrochen ist und man hinter meinem Rücken wohl arg, arg schlecht redet. Hat mich ganz schön runter gezogen, weil ich dachte, dass es zumindest in der neuen Abteilung besser läuft. Aber vorhin unter vier Augen noch mit H. gesprochen der meinen Eindruck leider nur bestätigen konnte. Und ich hab‘ so gar keine Lust auf (weibliche) Minenfelder. Echt, das vergällt mir gerade so richtig die Stimmung.

Lesekreis

Es wird schwierig. K. ist aus Lukretz ausgestiegen. Kommt zwar, liest aber nicht mehr mit. 40 Seiten in 2, 3 oder 4 Wochen sind ihr zuviel. Andererseits liest sie brav in einem anderen Lesekreis jede Woche 15 Seiten im „Doktor Faustus“ von Thomas Mann. Da wir mit Lukretz dann doch bald durch sind – I. ist es, die gerade auf Seiten pocht – erste Überlegungen, was danach kommt. In der engeren Auswahl derzeit

  • G.W. Seebald: Die Ringe des Saturns (352 Seiten)
  • Thomas Mann: Josef und seine Brüder (1.344 Seiten)
  • Hermann Broch: Der Tod des Vergils (522 Seiten)
  • Virginia Woolf: Orlando (256 Seiten)

Mit Mann und Broch könnte ich mich anfreunden, Woolf kenne ich schon und Seebald interessiert mich nicht die Bohne. Das Problem: Den Mann können sich alle vorstellen, aber K. würde gerne das in „kleinen Happen“ lesen, also so 15 bis max. 20 Seiten von Termin zu Termin (der wegen ihr bei uns selten alle 14 Tage statt findet wie einst vereinbart). Gehe ich selbst von 25 Seiten aus, sind es immer noch 54 Termine – und das ist selbst für einen Thomas Mann in meinen Augen definitiv zu viel.

Vom Gefühl her schaut die Situation nicht gut aus. Denn 50 Seiten wird sie nicht akzeptieren (was ich bei dieser Art von Literatur innerhalb von zwei Wochen gut zu schaffen ansehe) und darunter habe ich echt keine Lust, denn so nett sie sind, aber auf richtige Textarbeit wollen sie sich dann doch nicht einlassen. Mir ist aber meine Zeit zu schade dann für  15 oder 20 Seiten zwei Stunden zu opfern, in denen dann Gemeinplätze ausgetauscht werden und man einfach frei und will assoziiert. Ich mag es einfach nicht, wenn im Text das Wort „Baum“ vorkommt und dann erzählt wird, wie toll es damals in Schweden war, weil da auch Bäume waren. Das hat mit dem Text leider nix zu tun (außer, es ist ein schwedischer Text, der das Gefühl von Bäumen im Urlaub beschreibt).

Ich bin gerade unsicher. Ein Teil von mir sagt: Alles hat seine Zeit. Und alles hat auch seine Zeit gehabt.

Ein anderer Teil sagt: Warum sich nicht bemühne, dass so gut wie möglich durchzusetzen, was ich (!) will. (Man lese hierzu mein nicht veröffentliches Tagebuch zur Therapie).

65 – Aus den Gesprächen Arnheims und Diotimas (268-271)

Diotima kann mit Arnheim über den General reden – er versucht sie zu belehren mit allgemeinen Ideen von „Geschäft und Dichtung“ – sie kann nur schwer folgen (was nicht wundert) – Arnheim mit Plattheiten über die Verantwortung der Reichen – verweist auf die Leistungen seiner Väter – kommt vom Stöcken aufs Hölzchen – merkt es dann selber – empfiehlt, den Gernal nicht vollkommen auszuschließen

Arnheim ließ die milde Hand einen Augenblick lang unentschlossen in der seinen ruhn und starrte nachdenklich darauf, als hätte er etwa zu sagen vergessen. (271)

Arnheim gibt den selbstgefälligen. Gibt den ‚Mann‘ ab, der zu allem und jedem was zu sagen weiß – und macht sich damit nicht gerade sympathisch. Diotima hört zwar aufmerksam zu, ist aber zugleich leicht verwirrt, weil sie wohl ahnt, dass Arnheim auch ein bisschen so vor sich hinschwallt und eigentlich gar nicht so genau weiß, wo er mit seinen Worten hin will. Aber sie tut mal so, als ob es wichtig und wertvoll wäre, was er da sagt – was ihm natürlich schmeichelt. Mann eben.

Stimme im Kopf

Lese gerade den neuen Winslow. September 17 habe ich mir den Vorgängerroman, Das Kartell, angehört. Und wenn ich jetzt lese, dann höre ich in mir Dietmar Wunder mit seinen Betonungen. Mag’s!

nachGemacht

Da mir gerade nix so richtig für hier einfallen will, kopiere ich (ohne gefragt zu haben) die idee von der lesenswerten nocheinglaswein:

gegessen
Nr. 132

getrunken
Tee, Kaffee, Tee, Weißwein, Rum, Weißwein

gelesen
Klemperer: Tagebücher
Houellebecq: Serotonin

gesehen
Verräter (netflix)

gehört
Menschliche Abgründe at his / her best

64 – General Stumm von Bordwehr besucht Diotima (267-268)

Der General machte seine Aufwartung – hat kleinen Bauch und rundes Gesicht – redet eine Viertelstunde auf sie ein – will sie beeinflussen, dass Kriegsministerium doch noch mit zum „großen Friedenswerk“ einzubeziehen – nach dem Motto ‚Frieden schaffen mit Waffen‘ oder so – Diotima erschrickt – hat mit Militär keine Erfahrung – sucht Ausreden – muss danach grundlos weinen – hat „ahnungsvolle Angst“

Sie [Diotima] setzte ihre Worte sorgfältig, wie mit schwarzgelben Bindfäden geheftet, und verbrannte sanfte Räucherwerkworte der hohen Bürokratie auf ihren Lippen. (268)

Der General versucht sich einzuschleimen, weil er gekränkt ist, nicht dabei sein zu dürfen. Er versucht es auf seiner Meinung nach listigen Art, weil er alles, was er an Humanität und klugen Sprüchen so findet, Diotima vor die Füße wirft. Die spürt aber, dass er was anderes meint, als was er sagt – kann es aber nicht wirklich greifen.

azzuro – bleu – azul – niebieski – blue

Vorgestern vor der Therapie hatte ich so richtig schlechte Laune, die allerschlechtest Laune würde Thomas Bernhard an dieser Stelle schreiben, und hab‘ der auch ein kleinwenig in der Einstiegsrunde Ausdruck gegeben. Ich glaube, dass ist so ein Nebentherapieerfolg.

Mir stinkt es gerade in beiden Jobs gewaltig: in dem einen habe ich nach wie vor nix zu tun und in dem anderen traut man mir nix zu. Da werden dann Bedenken geäuußert ob nach drei Monaten … und ob ich nicht noch erst noch warten will … und ich könne ja erstmal schauen, ob ich die eine Bescheinigung ausfüllen kann (d.h. da trägt man eine Adresse und einen Namen ein!) … seis drum.

Schon vor der Therapie war mir klar: Donnerstag mache ich blau. Nicht nur allein der Gedanke hat gut getan (wie überhaupt Therapie vorgestern, denn etwas entlastende hat sie dann schon, vor allem, mit dem Wunschkarusell am Schluss) sondern der ganze Tag gestern. Das Bemerkenswerte war (und ist): Ich hab‘ einfach kein schlechtes Gewissen – und es will sich auch heute, am zweiten Tag nicht einstellen.

# 465

Bodensee01

GT (13)

Wir sind nur zu sechst. Aber die Einstiegsrunde dauert dennoch eine Stunde. Aber irgendein Thema will sich nicht ergeben. Der Psychdoc stellt in den Raum, die nächsten vier Wochen in den Blick zu nehmen, in denen wir uns nicht sehen werden (da Osterpause ist). Mir fällt ein, dass ich mal so eine ‚virtuelle‘ Wunschrunde mitgemacht habe und sage das. Der Psychodoc nimmt das auf und schlägt vor, dass wir uns gegenseitig das sagen, was der / die andere in den nächsten vier Wochen schaffen wird. (OK, eine Empathie-Übung, nicht gerade die Herausforderung für mich). Also bekommen von mir Befähigungen:

  • T., dass er eine geile Gliederung für seine Bachelor-Arbeit erarbeitet, an der er sich ann stressfrei abarbeiten kann
  • J., dass er mal wieder Sport macht und sich auspowert, so dass er mal wieder sich uns einen Körper spürt
  • C. I, dass sie einen Smalltalk so gestaltet, dass beide am Ende sich überlegen, ob man sich nicht mal auf einen Kaffee treffen könnte
  • C. II, dass sie einfach mal sich vollkommen grundlos was Gutes tut.

Das mag jetzt banal oder nach „Na ja“ klingen. Aber schaue ich mir das an, was die anderen mir zugesprochen haben, dann haben alle ihre Finger mehr oder weniger heftiger auf offene Wunden oder Punkte gelegt. Gerade C. II, die jetzt doch anscheinend etwas Vertrauen zu mir findet, bringts elegant auf den Punkt.

Das ‚Besondere‘ an dieser Art ist, dass ‚Schwächen‘ als Möglichkeiten / Optionen ‚umgedeutet‘ werden und man selber das zu einem Gesagte plötzlich nicht so als Hürde sieht.

Bin echt gespannt, was wir in vier Wochen berichten werden.

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