69 – Diotima und Ulrich. Fortsetzung (286-291)

von Bert

Er ist der Anwalt des Nüchternen – möchte bei Diotima Anstoß erregen, sie herausfordern – sehnt sich aber nach der Gesellschaft mit ihr – bei einer allgemeinen Frage meint Diotima Ulrich ihre Liebe zu Arnheim gestanden zu haben – Gedankenexperiment: Was wäre, wenn das geschieht, was man sein Leben lang gefordert hat? – These: In der Wirklichkeit liegt das Verlangen nach der Unwirklichkeit – die Wirklichkeit schafft sich ab – Diotima kommt nicht wirklich mit – dennoch wird ihr klar: Es braucht eine Entscheidung für oder gegen Arnheim

Wir überschätzen maßlos das Gegenwärtige, das Gefühl der Gegenwart, das, was da ist; ich meine, so wie Sie jetzt mit mir in diesem Tale da sind, also ob man uns in einen Korb gesteckt hätte, und der Deckel des Augenblicks ist daraufgefallen. (289)

Typisches Gedankenexperiment von Musil. Zwar eine Binsenweisheit, das nichts bleibt wie es ist, aber wenn man es, wie er es tut, auf die Spitze treibt, dann stellt sich schon die Frage nach der Echtheit und der Erlebnisweise der Wirklichkeit. Letztendlich auch ein altes philosophisches Problem, aber hier eben sehr hübsch und lesenswert aufbereitet. Interessant die psychologische Unterströmung, die Musil eingebaut hat. Meint Diotima sich am Anfang in ihrer Lieben zu Arnheim verraten zu haben, kapiert sie am Ende, wenn auch nicht so, dass sie es erklären könnte, doch, dass Warten nichts hilft und nur eigene Entscheidungen die ’neuen Wirklichkeiten‘ schaffen, die sie will.