Durch die Zeit

Zwischen den Zeiten

Als ich heimkomme, liegt mein Mann im Bett zum Mittagsschlaf.
Ich lege mich auch hin, denn die Nacht war kurz.
Als ich aufstehe, trinken wir noch eine Tasse Tee und sprechen uns kurz ab.
Jetzt ist er arbeiten.
Wenn er heimkommt, bin ich im Dienst.
Wenn ich dann heute Nacht heimkomme, liegt er schon im Bett und schläft.

Aber morgen wird es etwas mehr.

73 – Leo Fischles Tochter Gerda (307-315)

Ulrich hat keine Zeit, um die Fischels, wie versprochen, zu besuchen – dafür besucht ihn Frau Fischel mit Namen Klementine – sie ist mager, mit strengem Gesicht – Gerda ist 23 – sie ist in einer Gruppe Gleichgesinnter „Neugeister“ – wehrt sich gegen Einschränkungen – die Gruppe fröhnt einem „mystischem Antisemitismus“ – aber am Antisemitismus liegt die Besorgnis der Mutter Klementine nicht – will in erster Linie aber Ulrich wieder in ihr Haus locken – Gerda hat einen Galan namens Hans Sepp, der so gar keine gute Partie ist – Ulrich besucht die Fischels – er ist mit Gerda alleine – hatten früher ein enges Verhältnis – unterhalten sich über Hans – über die Ziele des „christgermanischen Kreises“ – sie hält Ulrichs Denken für veraltet – Ulrich erzählt die „Geschichte vom Mondeinfang“

Sie [Gerda] war eines jener reizend zielbewußen heutigen Mädchen, die auf der Stelle Omnibusschaffner würden, wenn eine allgemeine Idee dies verlangte. (309)

Gerade lehnt sich gegen die Eltern auf. Dass sie in so einer germanischen Gruppe gelandet ist, die gegen jüdische Gesinnung ist, was Kapitalismus, Sozialismus, Wissenschaft, Vernunft, Elternacht, Rechnen, Psychologie und Skepsis mit einbezieht, ist eher Zufall. Aber Vernunftgründe helfen da gerade nicht. Das ist Ulrich auch klar, deswegen interveniert er gar nicht mal viel – kann aber seine Finger auch nicht wirklich von Gerda lassen. Sie haben nach wie vor ein vertrautes Verhältnis, was vielleicht gerade etwas eingetrübt ist, aber sie reden miteinander.

Anton Weyrother

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