78 – Verwandlungen Diotimas (328-335)

von Bert

Diotima fühlt sich – spürt, dass etwas mit ihr vorgeht, kann es aber nicht benennen – hat neue Horizonte – hat nach wie vor ein Auge auf Arnheim geworfen – Arnheim nach wie vor der Mittepunkt – für Diotima ein neuer Typus Mensch – Diotima fühlt sich wie ein „Turmzimmer mit vielen Fenstern“ – über Idealismus – sie lebt deutlich durch die Parallelaktion bzw. Arnheim bzw. neuer Selbstsicherheit auf – schlägt sich auch in ihrer neuen, „mondänen“ Unterwäsche nieder – Tuzzi merkt, dass er langsam der Gatte einer bedeutender Frau wird (was ihm wie eine „Entmannung“ gleichkommt) – Schreiben ist eine besondere Form des Schwätzens (so Tuzzi)

Unerwarteterweise hatte hatte das zur Folge, daß Diotimas Seele, vorübergehend ohne Aufsicht der höheren Kräfte, sich wie ein ausgelassener Schuljunge benahm, der so lange umhertollt, bis ihn die Traurigkeit seiner sinnlosen Freiheit befällt, und durch diesen merkwürdigen Umstand trat in ihren Beziehungen zu ihrem Gatten, trotz zunehmender Abwendung für kurze Zeit etwas ein, was, wenn nicht einem Spätliebesfrühling, so doch einer Mischung aus allen Jahreszeiten der Liebe befremdlich ähnlich sah. (332f)

Wer ist eigentlich die Hauptfigur in diesem Roman. Ulrich oder doch eher Diotima? Was in der Zusammenfassung leider nicht rüberkommen kann, ist diese feine, innere Entwicklung von Diotima, die sie selber wohl noch nicht ganz begreift, aber merkt, dass etwas in ihr vorgeht. Heute heißt das einfach Emanzipation. Sie beginnt zu ihrem Ich zu stehen, hört auf, Gattin zu sein und darin ihre Lebenserfüllung zu sehen. Aber es wird noch eine Zeit dauernd, bis ihr das vollkommen bewußt wird, schätze ich, und dann bleibt auch noch offen, was sie daraus macht. Ein kleines Meisterstück Musils, auch, wie er auf Seite 334 ganz allmählich die Perspektive wechselt und man plötzlich von der Rolle Diotimas in die ihres Mannes schlüpft.