Durch die Zeit

Monat: Juni, 2019

Die Nackten sterben aus

Heute nach Ewigkeiten mal wieder in der Schweinebucht gewesen. Weil ich mit dem Auto kam, musste ich über beide große Wiesen laufen, um an meinen Stammplatz zu kommen. Ich bin nun ja wahrlich nicht mehr jung, aber insgesamt waren es vielleicht zwei oder drei Prozent der Anwesenden, die etwas jünger als ich waren.

90 – Die Entthronung der Ideokratie (407-410)

Über den Geist als Ware – über Dichtung als Gegenstück – über Bedeutung und Pseudobedeutung – Arnheim beklagt indirekt den Wertverlust in der Gesellschaft – beklagt Auflösungserscheinungen – beklagt den Verlust des Individualismus – aber man muss mit der Zeit gehen, denkt der Kaufmann

Das Auffällige aller dieser Erscheinungen ist ein gewisser Hang zur Allegorie, wenn man darunter eine geistige Beziehung versteht, wo alles mehr bedeutet, als ihm redlich zukommt. (407)

Zusammenfassend aus den Augen Arnheims könnte man es kurz mit: Früher war alles besser. Es ist die übliche Klage der Konservativen, dass die Werte, die mal was wert waren, der Jugend nur noch wenig wert sind. Ach! Es ist die Klage, dass nichts so bleibt, wie es mal war – denn da war es doch gut so, was braucht es etwas anderes? Es ist die Klage von der Verdummung der Menschheit, nur weil sie keine lateinischen Verse mehr aufsagen kann. Es ist der Wunsch nach dem Beharren, dem Bleiben, dem Nicht-Bewegen. Bloß bei Arnheim wohnen zwei Seelen, ach, in seiner Brust. Die eine gehört dem Konservativem, die andere aber dem Kaufmann, und die ist froh über Veränderung, denn das bedeutete neue Produkte und vermutlich sogar Wachstum.

Geiz ist nicht geil

Irgendwie bin ich schon eigenartig. Oder einfach nur geizig? Ich verdiene zwar nicht wirklich viel, aber es ist irgendwie OK, den viel brauche ich echt nicht. Zwar gäbe es so noch ein paar Wünsche, aber die gehen dann gleich in die Tausende – eine Region, in die ich eh nicht mehr kommen werde.

Urlaub steht an, meine Panik, nicht genug zum Lesen dabei zu haben wächst immer mehr, auch wenn wir ja in Deutschland bleiben, es dort auch Internet gibt … aber da steckt noch der Urmensch in mir drinnen, ohne Internet.

Die Bücherwunschliste ist voll, die Kosten lägen bei 130 Euro oder so und dennoch zögere ich, schaue, was ich mir noch vielleicht irgendwie runterladen könnte.

Heute gab es überraschend Geld für eine Kochaktion von vor ein paar Wochen: 350 Euro. Aber anstatt jetzt „Juhu“ zu schreien und die Bücher zu bestellen, bleibe ich skeptisch.

Liegt es daran, dass ich einem E-Book keinen Wert zu spreche, obwohl es ja der gleiche Inhalt ist? Papierbücher will ich mir wegen Platz nur dann noch kaufen, wenn sie mir wirlich wichtig sind und ich vorhabe, in sie auch zu schreiben, Notizen zu machen etc.  Oder liegt es daran, dass ich jetzt ein paar Jahre auch ganz gut damit ausgekommen bin, keine Bücher zu kaufen?

Andererseits, was habe ich davon, wenn ich die 350 aufs Sparbuch lege und „fürs Alter“ neheme, wo ich ja eh nicht weiß, ob ich es erreiche bzw. ob ich da dann nicht dement bin?

Ich lasse es erstmal sacken – und richte mich für’s nächste Kochevent: Langosch über offenem Feuer für 50 Personen.

Nachtrag

Zum Bild von gestern kam heute noch ein echt netter Kommentar über ein anderes Medium:

Was hast du denn für ne Matte auf’m Kopf! Nice! mach das mal wieder.

Wenn ich vermuten darf, waren seine Haare noch nie länger als 4,5 Zentimeter.

89 – Man muss mit seiner Zeit gehen (400-406)

Arnheim konferiert mit Untergebenen – jetzt beim Frühstück – Erinnerung an den Vorabend bei Diotima – war sehr lebhaft gewesen – wieder viele Thesen und Vorschläge, u.a. die „photogeneische Erneuerung durch den Film“ – heftige Debatten – ohne jedes konkrete Ergebnis natürlich – Gespräch mit dem General – der macht seine Verwirrung Arnheim kund – Arnheim macht sich Gedanken über den Abstand zwischen ihm und der Jugend, die ihn umgibt

… die neue Art zu denken gliche dem freien Assoziieren bei gelockerter Vernunft, das unleugbar sehr anregend sei. (404)

Arnheim weiß auch nicht so richtig weiter. Auf der Versammlung vom Vortag eine Menge Vorschläge und Gegenvorschläge, Be- und Entkräftigungen. Die meisten der Anwesenden waren jünger als er und er sinniert etwas über die Dazugehörigkeit – auch im Denken. Zu einer Entscheidung kommt er nicht, aber da ist wohl so eine Ahnung, dass er nicht mehr lange alles in der Hand wird halten können. Mir scheint es eine Art Zwischenkapitel zu sein, das vielleicht etwas vorbereiten soll / will.

AVZ – me as a young student

Mal wieder im AVZ gewesen, dem „Allgemeinen Verfügungszentrum“. Tja, sowas hatte meine Uni damals, die nicht Uni hieß sondern Gesamthochschule. Ein Termin für den Job der vier Stunden ging und ich mich fragte, warum hätte das nicht schneller gehen können. Aber mir war es recht, denn wieder vier Stunden, die ich mit den Weibern des neuen Jobs nicht verbringen muss. Daher auch rechtzeitig, aber sowas von rechtzeitig losgefahren, denn in der Cafeteria wollte ich noch unbedingt einen Kaffee trinken. Ich saß dann auch ne gute viertel Stunde darußen und starrte so vor mich hin. Geändert hat sich da kaum etwas und mich hätte es nicht überrascht, wäre jetzt irgendein Prof oder Kommilitone von damals aufgetaucht. Passierte natürlich nicht.

Das Bild ist maximal aus dem 3. Semester. (Ist das in der Ecke unten links nicht auch N.?) Hat damals mein „Bruder“ gemacht. Das meinte jedenfalls einer der schönsten Kommilitoninnen damals, als sie uns beide gesehen hat. Woher wir uns drei überhaupt kannten entzieht sich meiner Kenntnis, denn wir haben alle etwas unterschiedliches studiert. Mich hat das damals etwas stolz gemacht, denn der „Bruder“ sah schon richtig scharf aus (was ich damals aber so richtig nicht in den richtigen Topf bekam, egal). Und wie es mir scheinen will, ist das auch noch die Lederjacke, die ich zum Abitur bekommen habe.

Im AVZ_bea

Einst

Vor Jahren hätte ich die Hitze echt besser ab haben können. Da wäre ich nach der Arbeit noch schnell mit dem Rad zu Schweinebucht gefahren, um den nackten Körper noch der Sonne anzubieten (und ggf. etwas zu schwimmen, aber nur etwas). Aber jetzt. Jetzt schleiche ich mich in die Straßenbahn, bin froh, einen Sitzplatz zu bekommen, genieße die Kühle des Supermarktes und bewege mich zu Hause im Zeitlupentempo.

Aber besser als frieren ist es allemal.

88 – Die Verbindung mit großen Dingen (398-400)

Über die Verbindung mit großen Dingen

Es gibt nichts, was dem Geist so gefährlich wäre wie seine Verbindung mit großen Dingen. (398)

Große Worte und große Gesten für die großen Dinge (wie Freiheit, Liebe, Gerechtigkeit), aber auch zugleich hohle und leere Worte, immer am Eigentlichen vorbei, viel heiße Luft. Wer, so Musil, dankt schon demjenigen, der die Kartoffel nach Europa gebracht hat und damit wirklich etwas Großes geleistet hat. Ironisches Kapitel, dass dadurch auffällt, dass es eigentlich keinem wirklich gewidmet ist, Arnheim wird nur als Beispiel genannt. Das gab es bisher noch nicht.

#481

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Erinnerung aus gegebenem Anlass

Nachher dann noch zu T., private Abifeier. Letzter Woche auch schon bei ihm gewesen, da war Abiball. Bei der Zeugnisübergabe war ich dann aber nicht dabei.

Man begeht die Hochschulreife in der Zwischenzeit groß und ausführlich.

Bei mir damals gab es eine lauwarme Rede des Vizedirektors, die Übergabe des Zeugnis, anschließend ewas zu trinken, etwas Musik und gut war’s. Mir hat man damals dann vorzugsweise konduliert, nicht weil mein Abi so schlecht gewesen wäre (immerhin 2,4! was für meine schulische Begeisterung einer 1,1 gleichkommt) sondern da mein Bruder – der genau wie T. heißt – ja kurz davor tödlich verunglückt war.

Und wie sehr man meine Leistung schätzte, brachte wohl am Besten mein Vater zum Ausdruck, der mir mit folgenden Worten ‚gratulierte‘: „Vor zwei Jahren hätte ich keine fünf Mark auf Dich gesetzt.“

Mir ist gerade etwas bitter.

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