Durch die Zeit

Monat: Juli, 2019

Leseempfehlung

Die Überschrift über diesen Post hätte „Ist das so schwer zu kapieren?“ lauten sollen. Und gäbe es hier Untertitel, dann hätte es noch vielleicht gehießen: „Frage an die AfD und sonstige Rechten“.

Als Text wäre dann dieses Zitat von Heinrich Detering gestanden, was ich heute in seiner kleinen Schrift „Was heißt hier ‚wir‘? Zur Rhetorik der parlamentarischen Rechten“ (Reclam, Stuttgart, 2019) gefunden habe:

Deutschland ist so heidnisch wie die Merseburger Zaubersprüche, so evangelisch wie Luther, so katholisch wie Ratzinger und so antichristlich wie Nietzsche, so jüdisch wie Martin Buber und so muslimisch wie Navid Kermani; Deutschland ist so mystisch wie Hildegard von Bingen und so aufklärerisch wie Immanuel Kant; so romantisch wie Eichendorff und Bettine von Arnim und so antiromantisch wie Marx und Engels; so männerliebend wie August von Platen und so straight wie Heinrich Heine – die Reihe wäre wahrhaft unendlich fortzusetzen, und es ist beinahe peinlich, daran überhaupt erinnern zu müssen. (S. 34f)

Aber die Frage ist wohl einfach falsch. Denn die Rechten wollen das gar nicht kapieren. Sie wollen vielmehr sich aus Versatzstücken ein ‚Deutschland‘ zusammenbauen, dass frei von jeglichem Welt- und Realitätsbezug ist. Wenn die Rechten etwas wollen, dann ist es die abgespeckte, vereinfachte und verkitschte Hollywood-Variante der Märchen der Brüder Grimm.

Dieser kurze und wirklich lesenswerte Text von Detering – der dann doch erstaunliche sechs Euro kostet für die 41 Reclamseiten des eigentlichen Textes – hat mir jedenfalls die Augen geöffnet, wie rechts die AfD schon ist. Ich lese ja zur Zeit eine dicke Geschichte des Nationalsozialismus – und mit ein bisschen zeitlichen Aufwand wäre es einfach, Zitate von Hitler, Gauland, Höcke und Konsorten zu finden bei denen, ständen die Namen nicht darunter, nur schwer zu erkennen wäre, von wem sie stammten.

Mir hat Detering jedenfalls einen guten Tritt in den Arsch gegeben, wieder genauer hinzuhören und Wörter und Begriffe, Satzkonstruktionen und Analogien kritischer zu hinterfragen. Denn hinter dem wortreichen Getöse verbrigt sich echt eine heftige Fratze.

Luxusurlaub

Unvollständige Auflistung, versteht sich.

FRÜHER DIESMAL
Hast Du meinen Pulli gesehen, ich brauch den als Kopfkissen. Ist das mein oder Dein Kopfkissen.
Wie sind den die WC’s so? Oh schau mal, wir haben ein eigenes kleines Klo!
Gibt es noch Erdnüsse? Gibt es noch Erdnüsse?
Mein Schlafsack Unsere Decken
Wie sind denn die Duschen so? Wie sind denn die Duschen so?
Oh, ein kaltes Bier wäre jetzt was. Soll ich mal gehen? Oh, ein kaltes Bier wäre jetzt was. Soll ich Dir auch was vom Kühlschrank mitbringen?
Mist, die Leine reicht schon wieder nicht für die Wäsche. Wer hat eigentlich den Wäscheständer erfunden?
Frühstücken tun wir dann unterwegs. Auch ein gekochtes Ei?
Heute wäre dieser tolle Spielfilm gekomen! Wollen wir den tollen Spielfilm nachher noch  gucken?
Gehen wir essen oder schauen wir so, wie wir satt werden? Kochst Du oder gehen wir essen?
Was für eine geile Kirche. Schau mal, die Libelle da.
Echt spannender Krimi! Echt spannender Krimi!
Wo ist denn die Badehose?
Hast Du Netz? Hast Du Netz?

96 – Der Großschriftsteller, Vorderansicht (432-434)

Von der innen Gespaltenheit eines Großschriftstellers – von der ungleichen Entwicklung der Dinge – zu Goethe, der erste Großschriftsteller – zu Napoleon

… die menschliche Entwicklung ist ein lang auseinandergezogener Zug … (432)

Es war zu erwarten, dass es Kapitel gibt, die sich nicht mit Stichworten zusammenfassen lassen. Das ist so eins. Hier eine Diskussion zur (angeblichen) Genialität der Großschrifsteller, die, mit einem großen Heine-Zitat zu Napoleon, ‚belegt‘, immer das ein und (!) das andere zusammen denken können und sowohl für das eine wie für das anderen dann auch handeln. Also Menschen die sich gegenüberstehende Prinzipien vereinen können und daher selbst revolutionäre wie „conterrevolutionäre“ Ideen vereinigt. Es spricht für Arnheim, dass er sich nicht scheut, sich mit Goethe und Napoleon zu vergleichen.

Ein Manko ist immer

Eines lässt sich bei so einem FKK-Urlaub nicht leugnen: Ein ästhetischer Genuss ist das definitiv nicht! Was man da an Fettschürzen, angefressenen Wohlstandswampen, hängenden Brüsten, verschumpelte Hodensäcken und sonstige Fleischuntergangsszenarien zu sehen bekommt, ist schon heftig. Liegt leider auch daran, dass FKK anscheinend nur noch was für eine Generation 60+ ist, denn jüngere Leute, mal abgesehen bis auf eine handvoll Familien, gab es nicht.

Aber mal von diesem ästhetischen Supergau abgesehen ist FKK-Urlaub einfach nur geil.  Jetzt echt nicht im sexuellen Sinne, sondern in Bezug auf Körperlichkeit und das Empfinden an sich. 23 Grad Celsius am Morgen fühlen sich komplett anders an, als die gleiche Tempertaur zehn oder zwölf Stunden später. Das hat was mit der eigenen Empfindlichkeit zu tun, aber auch mit Luftfeuchtigkeit und anderen Parametern, die man angezogen in der Bandbreite gar nicht fühlen kann.

Es ist zudem richtig irre, wie schnell sich der Körper an die Klamottenfreiheit gewöhnt. Je länger ich nackt war, desto kühler musste die Dusche Tag für Tag gestellt werden. Der Tümpel, der anfangs noch richtig kalt war, empfand ich am Ende zwar nicht als pisswarm, aber erfrischend war er auch nicht mehr. (OK, er dürfte etwas zugelegt haben, dennoch). Nach dem Duschen habe ich es mir dann gegönnt, mich erst gar nicht abzutrocknen, sondern das von der Tür von der Luft, dem Wind erledigen zu lassen. Das ist schon irre, wie es für einem Moment einem echt kalt wird – und hat man das gedacht, ist auch schon alles vorbei und ich war trocken.

Ich vermute mal, Körper und Haut bekommt es einfach besser, wenn es nicht dauernd mit irgendwelchen Hitzestaus umgehen muss, die sich unweigerlich unter den Klamotten bilden. Gerade waren wir einkaufen. Draußen sind es 19 Grad, bedeckter Himmel. Die meisten hatten lange Hosen und langärmliges Oberteile an. Ich hatte eine Short und ein T-Shirt an – und das fand ich schon unerträglich warm darunter.

Wie auch immer: Ich hab’s echt genossen.

 

95 – Der Großschriftsteller, Rückansicht (428-432)

Diotima enttäuscht, dass sich mit der Zeit alle Gäste wie Menschen benehmen – Arnheim als Großschriftsteller und nicht als Geistesfürst – besondere Form der Verbindung des Geistes mit großen Dingen – über die Wesenheit eines Großschriftstellers

Der Großschriftsteller ist der Nachfolger des Geistesfürsten und entspricht in der geistigen Welt dem Ersatz der Fürsten durch die reichen Leute, der sich in der politischen Welt vollzogen hat. (429)

Eigentlich ein bitterböser Text. Denn die feinere Definition im Laufe des Textes ist einfach die, dass ein Großschriftsteller nicht einmal Gutes schreiben muss, es reicht, wenn er überall mitmischen kann, bei jeder Ehrung dabei ist, jedes Vorwort schreibt, alle Aufrufe unterzeichnet, also einer, der elende präsent ist und alle oder viele, zumindest jedenfalls die Medien, meinen, dass er unbedingt gehört / gelesen werden muss. Er wird von Musil mit „kleinen Eselchen und Schweinchen aus Gummi“ verglichen, „die hinten ein Loch haben, wo man sie aufbläst“.

94 – Diotimas Nächte (423-428)

Diotima gewöhnt sich an die Situation – wird souveräner – ist nach wie vor in Arnheim verliebt – Gedanken über ihn und ihre Stellung zu ihm bzw. zu Tuzzi – hat schlaflose Nächte – phantasiert, was wäre, wenn sie mit Arnheim zusammen wäre – aber keine Scheidung von Tuzzi vorstellbar, „lieber Ehebruch“ – aber auch das ist für sie nur schwer vorstellbar

Diotima wunderte sich zuweilen selbst darüber, daß nicht mehr Erzählbares zwischen ihr und Arnheim vor sich ging. (424)

Auf einer ‚tieferen‘ Ebene ein besonderer Text. Denn während Diotima darüber nachdenkt, ob und wie sie nun Arnheim liebt, ob sie Tuzzi verlassen könnte oder nicht, ob ein Seitensprung das ist, was sie will, oder ob ihr nicht die Rolle des Entsagens ihr zusteht, auf dieser ‚tieferen‘ Ebene wird nichts anderes gezeigt, dass Diotima auf dem Weg der Befreiung ist, dass sie beginnt die konventionellen Fesseln einer bürgerlichen Ehe zumindest zu hinterfragen, aber dennoch im Denken in ihnen gefesselt ist. Das ist nichts anderes als ein coming-out-Prozess.

Sommerpause

Wünsch Euch ’ne gute Zeit!

Hingefällt

Um 11schon steche ich mich wieder aus, keine Lust, dass am Ende des Monats die Überstunden gekappt werden. Ich gönne mir einen Mittagsschlaf und penne statt der einen Stunde gleich mal zwei, als hätte man mich hingefällt. Schaffe es gerade noch zum Ex meines Mannes, der seines Zeichen Facharzt für Psychiatrie ist und hin und wieder Rezepte für uns ausstellt. (Für  den Urlaub brauche ich noch ne Salbe.) Frage mich immer, wie das auf die Patienten wirken muss, die da warten, wenn er mich vorzieht und duzt. Ein besonderes treuer Patient?

93 – Dem Zivilstand ist auch auf dem Weg der Körperkultur schwer beizukommen (421-423)

Nun Ulrich und der General sitzen nebeneinander – lauschen einem Gespräch über „wissenschaftlichem“ und „intuitivem“ Tennis – Diskussion, ob Sport / ein Sportler „genial“ sein kann – Stumm verzweifelt

Warum finden sie es eigentlich an einem Tennisspieler genial und an einem General barbarisch? (423)

Der General kommt bei all diesen Feinheiten der Definition nicht mit. Aber im Kern erfasst er dann doch schon recht gut die Lage: Viel heiße Luft.

Zickenalarm

Toller Start heute. Um 6:55 begannen die beiden Zicken lauthals sich gegenseitig anzuzicken – aber vom Feinsten. Dann hab‘ ich es noch abbekommen, weil ich angeblich einen Termin nicht wahrnehmen wolle. „Welchen denn?“

Ich war jedenfalls zehn Minuten später im Auto und bin gaaanz langsam die 75 Kilometer zum Termin, dann noch einen anderen und dann noch viel langsamer zurück.

Leider waren sie immer noch am zicken. Also habe ich behaupte, ich müsse noch Ausgleichsstunden im anderen Job machen und bin einfach ins anderen Büro, hab‘ mich aber nicht umgestempelt.

Morgen noch … dann …. PFFFFFFFFFFFFFF

jakobsweg ohne geld

Psychogramm eines Suchenden

AnneInsideOffice

Anne berichtet über Ihre Erfahrungen in den Büros der Schweizerischen Finanzdienstleister. Ebenso lässt sie euch an ihrem bunten Leben teilnehmen.

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Mein Semester in Korea

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Schluss mit sachlich!

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Ich vertrete eine Meinung, die nicht immer die der Mehrheit sein muss. Sollte meine Meinung mit anderen übereinstimmen ist es auch gut. Ich blogge zum Spaß und nicht um die Welt zu verändern.

Von Nachtwachen und dicken Titten

Es geht weiter - Ein literarisches Tagebuch

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Dies ist (m)ein Ort für Kopfkino. Erotische Gedanken und Reflektionen.

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... und der Zirkus drum herum