94 – Diotimas Nächte (423-428)

von Bert

Diotima gewöhnt sich an die Situation – wird souveräner – ist nach wie vor in Arnheim verliebt – Gedanken über ihn und ihre Stellung zu ihm bzw. zu Tuzzi – hat schlaflose Nächte – phantasiert, was wäre, wenn sie mit Arnheim zusammen wäre – aber keine Scheidung von Tuzzi vorstellbar, „lieber Ehebruch“ – aber auch das ist für sie nur schwer vorstellbar

Diotima wunderte sich zuweilen selbst darüber, daß nicht mehr Erzählbares zwischen ihr und Arnheim vor sich ging. (424)

Auf einer ‚tieferen‘ Ebene ein besonderer Text. Denn während Diotima darüber nachdenkt, ob und wie sie nun Arnheim liebt, ob sie Tuzzi verlassen könnte oder nicht, ob ein Seitensprung das ist, was sie will, oder ob ihr nicht die Rolle des Entsagens ihr zusteht, auf dieser ‚tieferen‘ Ebene wird nichts anderes gezeigt, dass Diotima auf dem Weg der Befreiung ist, dass sie beginnt die konventionellen Fesseln einer bürgerlichen Ehe zumindest zu hinterfragen, aber dennoch im Denken in ihnen gefesselt ist. Das ist nichts anderes als ein coming-out-Prozess.