103 – Die Versuchung (486-495)

von Bert

Gerda und Ulrich alleine – er doziert über Gesetz vs. Zufall – sie, zehn Jahre jünger als er, hört sehr skeptisch zu – über das „Gesetz der großen Zahlen“ – Gesetze eine „Ironie der Natur“? –  was sein könnte vs. was sein müsste – Ulrich ob der Wirkmächtigkeit recht desillusioniert – es kommt nur auf den Mittelwert an – neues Thema: tötet Besitz? – in diesem Zusammenhang nach Treue, was ja auch Besitz ist – Ulrich spricht davon, auf Wunsch des Vaters, um ihre Hand anzuhalten – sie lehnt rundweg ab

… es ist für den Mittelwert gang gleichgültig, und Gott und Welt kommt es nur auf ihn an, nicht auf uns. (491)

Schwieriges Kapitel, weil Musil hier alles reinschmeißt und verdichtet. Da ist Wissenschaft und Statistik gegen Entwicklung, da ist Intellektualität gegen basale Wirklichkeit, da ist Konservatismus gegen Fortschritt. Und das aber nicht jeweils in eine der beiden Figuren, sondern das changiert sehr stark hin und her. Ulrich zeigt sich zwar insgesamt als der ‚Bremser‘ während Gerda sich dem Fortschritt verschrieben hat, dann aber sind die Rollen schnell wieder umgekehrt. Das sich hier zwei bis sieben verschiedene philosophische Richtungen der Zeit spiegeln, dürfte für den Fachmann vollkommen klar sein, dem laienhaften Leser entzieht sich das leider. Musil, das kann man so einfach konstatieren, war echt nicht auf den Kopf gefallen und hat das Wissen als Surrogat in einzelne Sätze verpasst.