Durch die Zeit

Monat: September, 2019

§ 21 StGB

Morgens für eine Stunde bei Gericht (Schiebetermine). Mein neuer Kollege hat es im Kalender gesehen und erkundigt sich, wie das so als Schöffe ist. Auffallend, dass er die Verantwortung herausstreicht, die dieses Ehrenamt mit sich zieht. Hat bisher noch niemand angesprochen, mit dem ich darüber geredet habe.

 

Hoiho! Hoiho!

Also, ich geh jetzt öfters nach Wagner – denn wann bekomme ich schon so viele Kommentare in so kurzer Zeit? (Danke!)

Apropo Zeit. Mir hat es schon etwas gegraust, fünfeinhalb Stunden. Und als das Programmheft noch zwei Pausen mit insgesamt 80 Minuten ankündigte, hatte ich schon große Sorgen, wann ich denn den Weg ins Bett finden würde. Aber alles halb so schlimm: die 80 Minuten muss man nämlich von den fünfeinhalb Stunde abziehen. Hauptsache anscheinend, man hat etwas getönt.

Apropo „Getön“ (blasen, musizieren). Sprachlich ist das an manchen Stellen nun wirklich schwer auszuhalten. Das „zullende Kind“ (saugende Kind) mag ich mir ja lautmalerisch gerade noch gefallen lassen, würde Wagner es nicht penetrant wiederholen. Aber wenn Siegfried dann ein Schwert „zerschwingt“ (zerschmettert) oder ein „neidliches“ (grimmiges) Schwert schmiedet, nachdem er das alte mit einer Feile „zerspänt“ hat und es nun „zersponnt“ (in Weißglut hämmern) da würde ich Wanger dann doch gern‘ mal „entfragen“ (befragen) was er da so genommen hat beim Schreiben, dass er auf so ein „Gestimm“ (Zusammenklang) kam.

Apropo „ertosendes Gestimm“. Ich hab‘ für mich nun eine Erklärung für die Wagnerbegeisterung gefunden, ich nenne es mal in Ermangelung eines besseren Begriffs, die ‚Wagnerische Linearität‘. Die funktioniert meiner Meinung nach so: Ist gerade bei den Herren (Damen kommen bei „Siegfried“ nur wenige zu Wort) Überlegen angesagt, wird die Musik ruhig und eher leise. Bewegen sich zwei Menschen auf sich zu, ist die Musik schon etwas bewegter und irgendwo auch ein f (forte) versteckt. Singt ein Vögelein im Walde, ja genau, lieblich und ruhig ist die Musik (auch wenn das Vögelein dann durch ein Horn (!) markiert wird). Geht die Luzie ab, dann gibt es auch gene mal fff und alles Blech, was in den Orchestergraben passte, darf „getönen“, was die Backen hergeben. Ohne jede Frage, da gibt es wirklich schöne und dichte Momente, das will ich gar nicht in Abrede stellen – aber eine Erarbeitung des Musikalischen wird den Zuhörenden erspart. Das ist geschrammelte Barockmusik echt anspruchsvoller.

Nein, kein „apropo“ mehr. Die Stimmführung – und das hat mich am meisten gewundert, weil es ja, wie gesagt, mein erster Wagner war – ist vorhersehbar. Im dritten Aufzug habe ich mir den Spaß erlaubt, schon mal ein paar Zeilen ‚vorzusingen‘ um zu schauen, ob ich mit meiner Vermutung richtig liege. Ich lag überraschend oft und recht genau richtig. Enweder bin ich musikalisch ein zweiter Wagner (was jetzt nicht so wirklich zu vermuten ist) oder Wagner, was ich auch als Leistung anerkenne, hat den Dreh raus, wie er (geschwollene) Sprache in Ton setzte, so dass sie modern aber zugleich eingängig erscheint. Das ist für Orchester und Solisten sicher nicht einfach zu spielen / zu singen – aber dennoch für die Zuhörenden eingängig, viel Mitarbeit brauchts da nicht, weil selbst die verschiedenen Motive so klar gesetzt sind, dass man nach ihnen erst gar nicht suchen muss.

Inhaltlich erspar‘ ich mir einen Kommentar, das ist halt kraus zusammengewürfeltes Sagengedöhns mit ordentlich viel großer Gefühle (inklusive Mord, wäre ja sonst langweilig) … sag ich mal so, das ist eine Art vorweggenommener „Krieg der Sterne“ (die haben es halt nur bunter hinbekommen und mit mehr Personal).

Fazit: Ich tu‘ mir in zwei Jahren den gesamten Ring mit weniger Herzklopfen an, denn kurzweilig war das trozt der Länge schon, die Bühnentechnik hat mal zeigen dürfen, was sie alles kann (und ich vermute, dass es in ganz Deutschland keine Nebelpartonen mehr gibt, denn pro Aufführung hier brauchen die hunderte, um über Stunden das gesamte große Haus einzunebeln) und sängerisch wie musikalisch war das definitv keine Provinz.

Wagenerianer werde ich deswegen nicht mehr, aber meine Abneigung hat sich in ein neutrales Dann-lass-sie-halt-doch-spielen gewandelt.

In diesem Sinne:

HOJOTOHO!

Ja, ICH tu es! – JETZT!

Bin in der Oper.

„Siegfried“ von Richard Wagner.

Schlappe fünf Stunden.

(Muss ich jetzt noch irgendwie anfügen, dass ich Wagner eigentlich so gar nicht mag? Weil viel zu bombastisch? Viel zu schwülstig? Weil viel zu heroisch-dramatisch-selbstbezogen? – Aber es ist ein Geburtstagsgeschenk für S.)

(Außerdem ist es eine Vorübung für DAS.)

 

# 494

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116 – Die beiden Bäume des Lebens und die Forderung eines Generalsekretärs der Genauigkeit und Seele (583-600)

Beteiligung an der Aktion lässt nach – Graf Leinsdorf fordert schnellere Erfolge – man diskutiert in kleinem Kreise – wenigstens was Vorläufiges? – Spekulationen, ob Arnheim nicht in Verbindung mit dem Zaren steht, der die Aktion beeinflussen will – Ulrich sinniert über Gewalt und Liebe – von Gleichnissen an sich – wieder einmal die Frage nach der Erkenntnismöglichkeit – Ulrich schlägt als Aufgabe der Aktion eine „geistige Generalinventur“ vor – man gerät in Meinungsverschiedenheiten

Es läßt sich heute manchmal nicht der Eindruck abweisen, daß die Begriffe und Regeln des moralischen Lebens nur ausgekochte Gleichnisse sind, um die ein unerträglich fetter Küchendampf von Humanität wallt, und wenn hier eine Abschweifung erlaubt ist, so kann es nur die sein, daß dieser undeutlich über alles ausgebreitete Eindruck auch das zur Folge hatte, was die Gegenwart ehrlich ihre Verehrung des Gemeinen nennen sollte. (593f)

Das hier ist so eine Diskussion, wie sie oft geführt wird, wenn das Pferd eigentlich tot ist, aber alle so tun, als müssten sie es unbedingt weiter reiten. Die Aktion ist in einer Sackgasse, das Interesse hat nachgelassen, man findet keine Idee die allen passt, man hat Angst, dass Deutschland interveniert … und so sitzen sie im Kreise, ziehen den Kopf ein und tun: nichts. Auf der anderen Seite eine kleine Parabel über das Zustandekommen von Ideen bzw. Aktionen und deren Voraussetzunge, hier aber als Negativpause. Und, wie so oft im MoE: Was ist eigentlich das Eigentliche? Was ist Kern? Was ist schein? Was hat wert? Was hat Vorrang? Was habe ich in der Therapie gelernt: Wenn man nicht entscheiden will, dann diskutiert man erstmal die Themen aus – aber wer hat schon jemals ein Thema ganz ausdiskutiert? Keine Ahnung ob man das Wort schon damals kannte, aber als Überschrift hätte auch stehen können: Prokrastination.

B. zu B.

Ich liebe einfach die Mails an meinen Großcousin B. Denn wir tragen den gleichen Vornamen und obwohl wir uns jetzt auch schon ein paar Jahre kennen und schreiben … es ist jedesmal eine kleine Besonderheit meinen Namen zu schreiben und nicht mich zu meinen.

Hierarchie

Ich arbeite in einem Unternehmen, im dem Hierarchie wirklich groß geschrieben wird, obwohl alles getan wird, damit es nicht so aussieht. In Job 1 zum Beispiel war es ein längerer Prozess, eine neue Maus zu bekommen. Mehr habe ich in den ersten Jahren da nie zu verlangen gewagt. Nach vier Jahren dann habe ich nach einer neuen Tastatur gefragt, wie ich sie in Job 2 hatte – doch „da hätte ja jeder kommen können“. In Job 2 gab es immerhin eine echt gute Tastatur und einen etwas besseren IT-Support sowie ein Dienst-Handy. Das machte schon neidische Augen (was ich nicht nachvollziehen kann), auch wenn das Handy definitiv Schrott war (Akku-Ladung hielt max. 12 Stunden und man konnte nur rudimentär Kontakte speichern). Jetzt in Job 3 geht das so. Ich frage in der IT an, ob ich vielleicht eine andere Maus bekommen könnte, weil die der Vorgängerin so klein ist (und mir dadurch das Handgelenk ruiniert). 30 Minuten später liegt neue Maus mit neuer (toller) Tastatur auf dem Tisch. Ich frage in der IT an, ob mein Rechner denn zwei Bildschirme vertragen könne, denn das wäre schon eine Arbeitserleichterung für mich. Zwei Tage später steht er da.

Nächste Woche kommt Frau M. zu mir hoch, die ich angefragt habe, mir zu überlegen zu helfen, wie ich die Möbel im schmalen Büro am besten umstellen kann, damit ich nicht gegen die Wand arbeiten muss, was ich sogar nicht mag. Sollte da vielleicht auch elektrisch höher verstellbarer neuer Schreibtisch drin sein?

GT (28)

Anders heftig als letzte Woche. Aber dennoch: wieder richtig arg heftig.

Ich bin mit meinem Thema nicht alleine (was in einer Therapiegruppe dann auch nicht wirklich verwundert, sonst wären wir ja nicht da), aber deswegen ist es nicht kleiner, allgemeiner, alltäglicher oder gar einfacher.

Immer, wenn ich etwas sage, kämpfe ich mit den Tränen. Kenne ich von mir so absolut nicht. Der Psychodoc kommt mir entgegen und bietet eine verstandesmäßige Erklärung an. Hilft mir mich zu verstehen.

Gegen Ende ein paar Minuten, während der wir alle einfach schweigen – und es alle danach einfach geil fanden, das wir ohne Stress / Druck schweigen konnten. Für jede/n von uns hat das echt Kraft gegeben.

Auflösung, endlich

Jetzt endlich mal die Auflösung zur Frage, was denn länger dauert, Übergangsjacke kaufen oder Wellnesswochenende suchen und buchen.

A) Also, für den Kauf der Jacke, mit Weg von Arbeitsstelle zu Geschäft (ca. 300 Meter, ein Weg) und zurück, Suche, Anprobe und Barzahlung an der Kasse: 12 Minuten.

B) Suche an zwei Rechnern (als mein Mann half mit) nach Kurzurlaub und Buchung: 17 Minuten.

Der Unterschied ist also gerade mal einstellig. Aber zugegeben, B war wirklich ein Zufall, nomalerweise brauchen wir für sowas Tage, weil wir uns selten einig sind und wenn, dann es keine Verbindung mit dem Zug gibt oder so. Mit den Öffentlichen wären wir zum Kurzurlaub noch gekommen, zurück aber nicht mehr. Und da war ich einfach mal mutig und hab‘ darauf vertraut, dass wir ein Auto bekommen, was ja dann auch der Fall war.

Was mit den Wunschgewinnen nun passiert – ehrlich, etwas überfragt, denn ich hatte mit denen nicht so gerechnet.

115 – Die Spitze deiner Brust ist wie ein Mohnblatt (576-583)

Annäherungsversuche Bonadea an Diotima vergeblich – ist frustriert darüber – überlegt, wie sie Ulrich zurückgewinnen könnte – Idee mit Hilfe Moosbruger (als Thema) sich ihm wieder annähern – schafft sich Zutritt zu Diotimas Haus – lässt heimlich Ulrich rufen – Rachel lauscht – führt beide in Diotimas Schlafzimmer – Ulrich springt auf das Thema aber nicht an – Bonadea schleicht sich wieder aus dem Haus – Ulrich gibt Rachel Geld

In den Nächten Saß der dicke Kopf, den unbefriedigte Wollust erzeugt, auf ihren [Bonadeas] Schultern wie eine Kokosnuß, deren affenhaarige Schale durch einen Irrtum der Natur nach innen gewachsen ist, und schließlich wurde sie so voll ohnmächtigen Zorns wie ein Trinker, dem man die Flasche entzogen hat. (576)

Wunderschöner, feiner Text über eine eifersüchtige Geliebte, die ihren Typen wieder zurückhaben will und sich ausmalt, wie es alles sein könnte und sein wird. Dass es natürlich ganz anders kommt, denken nur die, die nicht verliebt sind und so zur Vernunft noch einigermaßen fähig.

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