Durch die Zeit

Monat: September, 2019

§ 21 StGB

Morgens für eine Stunde bei Gericht (Schiebetermine). Mein neuer Kollege hat es im Kalender gesehen und erkundigt sich, wie das so als Schöffe ist. Auffallend, dass er die Verantwortung herausstreicht, die dieses Ehrenamt mit sich zieht. Hat bisher noch niemand angesprochen, mit dem ich darüber geredet habe.

 

Hoiho! Hoiho!

Also, ich geh jetzt öfters nach Wagner – denn wann bekomme ich schon so viele Kommentare in so kurzer Zeit? (Danke!)

Apropo Zeit. Mir hat es schon etwas gegraust, fünfeinhalb Stunden. Und als das Programmheft noch zwei Pausen mit insgesamt 80 Minuten ankündigte, hatte ich schon große Sorgen, wann ich denn den Weg ins Bett finden würde. Aber alles halb so schlimm: die 80 Minuten muss man nämlich von den fünfeinhalb Stunde abziehen. Hauptsache anscheinend, man hat etwas getönt.

Apropo „Getön“ (blasen, musizieren). Sprachlich ist das an manchen Stellen nun wirklich schwer auszuhalten. Das „zullende Kind“ (saugende Kind) mag ich mir ja lautmalerisch gerade noch gefallen lassen, würde Wagner es nicht penetrant wiederholen. Aber wenn Siegfried dann ein Schwert „zerschwingt“ (zerschmettert) oder ein „neidliches“ (grimmiges) Schwert schmiedet, nachdem er das alte mit einer Feile „zerspänt“ hat und es nun „zersponnt“ (in Weißglut hämmern) da würde ich Wanger dann doch gern‘ mal „entfragen“ (befragen) was er da so genommen hat beim Schreiben, dass er auf so ein „Gestimm“ (Zusammenklang) kam.

Apropo „ertosendes Gestimm“. Ich hab‘ für mich nun eine Erklärung für die Wagnerbegeisterung gefunden, ich nenne es mal in Ermangelung eines besseren Begriffs, die ‚Wagnerische Linearität‘. Die funktioniert meiner Meinung nach so: Ist gerade bei den Herren (Damen kommen bei „Siegfried“ nur wenige zu Wort) Überlegen angesagt, wird die Musik ruhig und eher leise. Bewegen sich zwei Menschen auf sich zu, ist die Musik schon etwas bewegter und irgendwo auch ein f (forte) versteckt. Singt ein Vögelein im Walde, ja genau, lieblich und ruhig ist die Musik (auch wenn das Vögelein dann durch ein Horn (!) markiert wird). Geht die Luzie ab, dann gibt es auch gene mal fff und alles Blech, was in den Orchestergraben passte, darf „getönen“, was die Backen hergeben. Ohne jede Frage, da gibt es wirklich schöne und dichte Momente, das will ich gar nicht in Abrede stellen – aber eine Erarbeitung des Musikalischen wird den Zuhörenden erspart. Das ist geschrammelte Barockmusik echt anspruchsvoller.

Nein, kein „apropo“ mehr. Die Stimmführung – und das hat mich am meisten gewundert, weil es ja, wie gesagt, mein erster Wagner war – ist vorhersehbar. Im dritten Aufzug habe ich mir den Spaß erlaubt, schon mal ein paar Zeilen ‚vorzusingen‘ um zu schauen, ob ich mit meiner Vermutung richtig liege. Ich lag überraschend oft und recht genau richtig. Enweder bin ich musikalisch ein zweiter Wagner (was jetzt nicht so wirklich zu vermuten ist) oder Wagner, was ich auch als Leistung anerkenne, hat den Dreh raus, wie er (geschwollene) Sprache in Ton setzte, so dass sie modern aber zugleich eingängig erscheint. Das ist für Orchester und Solisten sicher nicht einfach zu spielen / zu singen – aber dennoch für die Zuhörenden eingängig, viel Mitarbeit brauchts da nicht, weil selbst die verschiedenen Motive so klar gesetzt sind, dass man nach ihnen erst gar nicht suchen muss.

Inhaltlich erspar‘ ich mir einen Kommentar, das ist halt kraus zusammengewürfeltes Sagengedöhns mit ordentlich viel großer Gefühle (inklusive Mord, wäre ja sonst langweilig) … sag ich mal so, das ist eine Art vorweggenommener „Krieg der Sterne“ (die haben es halt nur bunter hinbekommen und mit mehr Personal).

Fazit: Ich tu‘ mir in zwei Jahren den gesamten Ring mit weniger Herzklopfen an, denn kurzweilig war das trozt der Länge schon, die Bühnentechnik hat mal zeigen dürfen, was sie alles kann (und ich vermute, dass es in ganz Deutschland keine Nebelpartonen mehr gibt, denn pro Aufführung hier brauchen die hunderte, um über Stunden das gesamte große Haus einzunebeln) und sängerisch wie musikalisch war das definitv keine Provinz.

Wagenerianer werde ich deswegen nicht mehr, aber meine Abneigung hat sich in ein neutrales Dann-lass-sie-halt-doch-spielen gewandelt.

In diesem Sinne:

HOJOTOHO!

Ja, ICH tu es! – JETZT!

Bin in der Oper.

„Siegfried“ von Richard Wagner.

Schlappe fünf Stunden.

(Muss ich jetzt noch irgendwie anfügen, dass ich Wagner eigentlich so gar nicht mag? Weil viel zu bombastisch? Viel zu schwülstig? Weil viel zu heroisch-dramatisch-selbstbezogen? – Aber es ist ein Geburtstagsgeschenk für S.)

(Außerdem ist es eine Vorübung für DAS.)

 

# 494

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116 – Die beiden Bäume des Lebens und die Forderung eines Generalsekretärs der Genauigkeit und Seele (583-600)

Beteiligung an der Aktion lässt nach – Graf Leinsdorf fordert schnellere Erfolge – man diskutiert in kleinem Kreise – wenigstens was Vorläufiges? – Spekulationen, ob Arnheim nicht in Verbindung mit dem Zaren steht, der die Aktion beeinflussen will – Ulrich sinniert über Gewalt und Liebe – von Gleichnissen an sich – wieder einmal die Frage nach der Erkenntnismöglichkeit – Ulrich schlägt als Aufgabe der Aktion eine „geistige Generalinventur“ vor – man gerät in Meinungsverschiedenheiten

Es läßt sich heute manchmal nicht der Eindruck abweisen, daß die Begriffe und Regeln des moralischen Lebens nur ausgekochte Gleichnisse sind, um die ein unerträglich fetter Küchendampf von Humanität wallt, und wenn hier eine Abschweifung erlaubt ist, so kann es nur die sein, daß dieser undeutlich über alles ausgebreitete Eindruck auch das zur Folge hatte, was die Gegenwart ehrlich ihre Verehrung des Gemeinen nennen sollte. (593f)

Das hier ist so eine Diskussion, wie sie oft geführt wird, wenn das Pferd eigentlich tot ist, aber alle so tun, als müssten sie es unbedingt weiter reiten. Die Aktion ist in einer Sackgasse, das Interesse hat nachgelassen, man findet keine Idee die allen passt, man hat Angst, dass Deutschland interveniert … und so sitzen sie im Kreise, ziehen den Kopf ein und tun: nichts. Auf der anderen Seite eine kleine Parabel über das Zustandekommen von Ideen bzw. Aktionen und deren Voraussetzunge, hier aber als Negativpause. Und, wie so oft im MoE: Was ist eigentlich das Eigentliche? Was ist Kern? Was ist schein? Was hat wert? Was hat Vorrang? Was habe ich in der Therapie gelernt: Wenn man nicht entscheiden will, dann diskutiert man erstmal die Themen aus – aber wer hat schon jemals ein Thema ganz ausdiskutiert? Keine Ahnung ob man das Wort schon damals kannte, aber als Überschrift hätte auch stehen können: Prokrastination.

B. zu B.

Ich liebe einfach die Mails an meinen Großcousin B. Denn wir tragen den gleichen Vornamen und obwohl wir uns jetzt auch schon ein paar Jahre kennen und schreiben … es ist jedesmal eine kleine Besonderheit meinen Namen zu schreiben und nicht mich zu meinen.

Hierarchie

Ich arbeite in einem Unternehmen, im dem Hierarchie wirklich groß geschrieben wird, obwohl alles getan wird, damit es nicht so aussieht. In Job 1 zum Beispiel war es ein längerer Prozess, eine neue Maus zu bekommen. Mehr habe ich in den ersten Jahren da nie zu verlangen gewagt. Nach vier Jahren dann habe ich nach einer neuen Tastatur gefragt, wie ich sie in Job 2 hatte – doch „da hätte ja jeder kommen können“. In Job 2 gab es immerhin eine echt gute Tastatur und einen etwas besseren IT-Support sowie ein Dienst-Handy. Das machte schon neidische Augen (was ich nicht nachvollziehen kann), auch wenn das Handy definitiv Schrott war (Akku-Ladung hielt max. 12 Stunden und man konnte nur rudimentär Kontakte speichern). Jetzt in Job 3 geht das so. Ich frage in der IT an, ob ich vielleicht eine andere Maus bekommen könnte, weil die der Vorgängerin so klein ist (und mir dadurch das Handgelenk ruiniert). 30 Minuten später liegt neue Maus mit neuer (toller) Tastatur auf dem Tisch. Ich frage in der IT an, ob mein Rechner denn zwei Bildschirme vertragen könne, denn das wäre schon eine Arbeitserleichterung für mich. Zwei Tage später steht er da.

Nächste Woche kommt Frau M. zu mir hoch, die ich angefragt habe, mir zu überlegen zu helfen, wie ich die Möbel im schmalen Büro am besten umstellen kann, damit ich nicht gegen die Wand arbeiten muss, was ich sogar nicht mag. Sollte da vielleicht auch elektrisch höher verstellbarer neuer Schreibtisch drin sein?

GT (28)

Anders heftig als letzte Woche. Aber dennoch: wieder richtig arg heftig.

Ich bin mit meinem Thema nicht alleine (was in einer Therapiegruppe dann auch nicht wirklich verwundert, sonst wären wir ja nicht da), aber deswegen ist es nicht kleiner, allgemeiner, alltäglicher oder gar einfacher.

Immer, wenn ich etwas sage, kämpfe ich mit den Tränen. Kenne ich von mir so absolut nicht. Der Psychodoc kommt mir entgegen und bietet eine verstandesmäßige Erklärung an. Hilft mir mich zu verstehen.

Gegen Ende ein paar Minuten, während der wir alle einfach schweigen – und es alle danach einfach geil fanden, das wir ohne Stress / Druck schweigen konnten. Für jede/n von uns hat das echt Kraft gegeben.

Auflösung, endlich

Jetzt endlich mal die Auflösung zur Frage, was denn länger dauert, Übergangsjacke kaufen oder Wellnesswochenende suchen und buchen.

A) Also, für den Kauf der Jacke, mit Weg von Arbeitsstelle zu Geschäft (ca. 300 Meter, ein Weg) und zurück, Suche, Anprobe und Barzahlung an der Kasse: 12 Minuten.

B) Suche an zwei Rechnern (als mein Mann half mit) nach Kurzurlaub und Buchung: 17 Minuten.

Der Unterschied ist also gerade mal einstellig. Aber zugegeben, B war wirklich ein Zufall, nomalerweise brauchen wir für sowas Tage, weil wir uns selten einig sind und wenn, dann es keine Verbindung mit dem Zug gibt oder so. Mit den Öffentlichen wären wir zum Kurzurlaub noch gekommen, zurück aber nicht mehr. Und da war ich einfach mal mutig und hab‘ darauf vertraut, dass wir ein Auto bekommen, was ja dann auch der Fall war.

Was mit den Wunschgewinnen nun passiert – ehrlich, etwas überfragt, denn ich hatte mit denen nicht so gerechnet.

115 – Die Spitze deiner Brust ist wie ein Mohnblatt (576-583)

Annäherungsversuche Bonadea an Diotima vergeblich – ist frustriert darüber – überlegt, wie sie Ulrich zurückgewinnen könnte – Idee mit Hilfe Moosbruger (als Thema) sich ihm wieder annähern – schafft sich Zutritt zu Diotimas Haus – lässt heimlich Ulrich rufen – Rachel lauscht – führt beide in Diotimas Schlafzimmer – Ulrich springt auf das Thema aber nicht an – Bonadea schleicht sich wieder aus dem Haus – Ulrich gibt Rachel Geld

In den Nächten Saß der dicke Kopf, den unbefriedigte Wollust erzeugt, auf ihren [Bonadeas] Schultern wie eine Kokosnuß, deren affenhaarige Schale durch einen Irrtum der Natur nach innen gewachsen ist, und schließlich wurde sie so voll ohnmächtigen Zorns wie ein Trinker, dem man die Flasche entzogen hat. (576)

Wunderschöner, feiner Text über eine eifersüchtige Geliebte, die ihren Typen wieder zurückhaben will und sich ausmalt, wie es alles sein könnte und sein wird. Dass es natürlich ganz anders kommt, denken nur die, die nicht verliebt sind und so zur Vernunft noch einigermaßen fähig.

Unterschied

Der Unterschied zwischen dem alten und dem neuen Job ist der, dass, wenn der Hauptgeschäftsführer anruft, er sich nicht verwählt hat.

Letzte Runde

Ein befreundeter Psychiater gibt diese Woche aus Altersgründen seine Praxis auf. Nett, wie er ist, hat er heute gefragt, ob wir noch was an Medikamenten brauchen, morgen würde er nochmals Rezepte ausstellen.

Laberrunde

Mal wieder wenig inspirierend. Es fehlen auch dauernd welche. Irgendwie sind wir nach 1,5 Jahren keine Gruppe geworden. Aber irgendwie nicht mein Problem.

Dann doch immerhin eine schöne Metapher für Beratungen: Entweder mitlaufen oder gegenhalten. Beides geht nicht gleichzeitig.

Einfach gut

Zum improvisierten Abendessen (Rote und Pommes) kurzfirstig J. eingeladen, da sie uns für das WE ihr Auto geliehen hat. Irgendwann machen wir einen mehr als doofen Witz – und ich lache einfach.

Ich war lange nicht mehr so befreit wie an diesem WE, der Mittwoch scheint auch seine guten Seiten zu haben.

Überhaupt so was wie ein perfektes WE. Tolles Wetter, tolles Hotel mit tollem Ausblick vom Hotelzimmer aus, was eher eine Suite war, ein wirklich schöner, abwechslungsreicher Spaziergang (bzw. Wanderung für meinen Mann – objektiv waren es 11,3 km), schöne Entspannung in einer leeren Hotelsauna mit Sonne im Garten, so dass wir da im Bademantel chillen und lesen konnte, gutes Essen mit noch besseren Getränken, schöne Stimmung und einfach mal keinen Stress oder Anspruch oder Anspannung oder …

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Das war ein tiefes Auf- und Ausatmen, einfach alles mal sein lassen.

Kurz: Sehr gut war’s.

114 – Die Verhältnisse spitzen sich zu. Arnheim ist sehr huldvoll zu General Stumm. Diotima trifft Anstalten, sich ins Grenzenlose zu begeben. Ulrich phantasiert von der Möglichkeit, so zu leben, wie man liest (563-576)

Diotima, Arnheim, Ulrich waren in der Hofbibliothek – erfolglos – General Stumm stößt zu ihnen – Arnheim denkt laut und gibt mal wieder an – man sinniert über den richtigen Weg – Ulrich und Diotima über die Liebe in Hinsicht Arnheim – derweil Arnheim zu Stumm: „die Seele gehe zu Ende“ – Arnheim erklärt, Stumm versteht nix – Verstand ist nix alles! – die anderen beiden erörtern nun die Frage, ob eine Frau in der Lage Diotimas, Ehebruch machen kann – von Gedanken und Wirklichkeit

So weit ist es gekommen, daß dieses Riesenhuhn [Diotima] genau so redet wie ich? fragte er [Ulrich] sich. (566)

Interessantes Kapitel, technisch gut gemacht. Denn beide Paare sprechen letztendlich über das Gleiche, wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen und Hintergründen. Stumm versucht ja nach wie vor so was wie „Idee“ und „Seele“ faktisch-materialistisch zu begreifen und auch Ulrich gehört ja eher in die Fraktion der Vernunftdenker. Aber es schimmert ihnen immer mehr durch, dass vieles eben nicht greifbar ist und Leben keine zielgerichtete Tätigkeit ist, sondern von vielen Unwägbarkeiten abhängt. Diesen Unwägbarkeiten kann man sich zwar gefühlsmäßig nähern, bleiben aber, wie ein Gedanke auf einer Buchseite, letztendlich nicht nur flüchtig, sondern sie voneinander abhängig. Das führt nicht nur zu vielen Variationen sondern auch zu Unsicherheiten, so dass es letztendlich keine abschließende Antworten auf menschliche Fragen, wie die des Ehebruchs, gibt. Aber wie jetzt entscheiden?

Und wie es der Zufall …

… so will. Morgen am Nachmittag fahren mein Mann und ich auf ein kleines kulinarisches Wellnesswochenende. Alles Streicheleinheiten, die ich gerade gut brauchen kann und – hört! hört! – auch annehme.

Versuch

Angemeldet sind wohl sieben Leute. Erschienen vier. Nach der in sich eigenen VHS-Logik müsste das bedeuten, dass in drei, spätestens vier Stunden nur noch eine Person kommt. Die hat dann also Einzeluntericht in Tai Chi. Ob ich das sein werde, wage ich gerade zu bezweifeln, war jetzt nicht schlecht – aber es ist, wie es mir ankommt, verkopfter als Yoga, was  mir so richtig gut getan hat.

113 – Ulrich unterhält sich mit Hans Sepp und Gerade in der Mischsprache des Grenzgebietes zwischen Über- und Untervernunft (549-563)

Ulrich bei Gerda und Hans – Gerade hat Hans erzählt, dass Ulrich um ihre Hand angehalten hat – er verblüfft sie damit, dass er gesteht, selber mal verliebt gewesen zu sein – Hans Wetter gegen die Parallelaktion – ist für den Anschluss an Deutschland, da Kakanien noch nie was zustande gebracht hätte – über Idee, Religion und Metaphysik – „Kapitalismus am Kind“ durch die Eltern – Hans plädiert für eine freie Kindheit und Jugend  – Entpanzerung des Ichs – Hans‘ Utopien – vom Erkennen Liebender

Denn der Liebende erkennt von dem Menschen, den er liebt, nichts, als daß er in einer unbeschreiblichen Weise durch ihn in innere Tätigkeit versetzt wird. (558)

Zwei ungleiche Rivalen kämpfen mit Worten um Gerade. Hans schießt, wie es der Jugend zusteht, gehörig über das Ziel hinaus, während Ulrich sich – mal wieder – altbackend gibt. Man theorisiert so in der Gegend rum, um Gerade zu beeindrucken, die macht sich aber vielmehr darum Gedanken, wen sie denn nun wirklich lieben soll, wer für sie die passendere Partie ist. Letztendlich ein Unentschieden und niemand ist auch nur einen Deut klüger oder weiter.

GT (27)

Zu intensiv, zu heftig, zu traurig heute, als dass ich jetzt hier irgendwie darüber schreiben könnte.

Aber es ist gut, dass ich diesen ersten Schritt gemacht habe, auch wenn es damit nicht getan sein wird.

Haltbarkeitstest

Im zweiten Programm des Hessischen Rundfunks gibt es eine richtig gute, viel zu selten gesendete Literatursendung mit dem (mir unerklärlichen) Namen „Schöne Aussicht“. Neben den drei, vier Neuerscheinungen müssen die Teilnehmenden auch immer ein Buch lesen, das schon ein paar Jahre oder ein paar wenige Jahrzehnte auf dem Buckel haben. Wenn ich mich recht entsinne firmiert dass dann unter „Haltbarkeitstest“. Die Frage: Hat ein Buch, was – sagen wir mal – vor 15 Jahre ein echter Aufreger war, heute noch Bestand? Sagt es noch was? Oder ist es schon veraltet?

Im Lesekreis lesen wir gerade „Tod des Vergils“ von Hermann Broch. Den Haltbarkeitsstest hat es definitiv nicht bestanden. Nach den ersten 200 Seiten haben wir heute beschlossen, nur noch die das Ende (ca. 30 Seiten) zu lesen und die dazwischenliegenden 200 Seiten zu überspringen (vielleicht finde ich ja ne gute Zusammenfassung irgendwo). Der Roman ist sicher ein wichtiges literaturhistorisches Zeugnis, aber aus dem Heute eine sehr anstrengende und wenig lohnende Zumutung.

Broch / Vergil bekommt jetzt noch einen großen Abschlussabend, dann werden wir wohl mit was „dünnem“ von Thomas Bernhard weitermachen und uns dann dem Gilgamesch Epos – auch nicht gerade dick – ergeben.

Pinocchio, wo warst Du heute?

Acht Stunden auf Gericht. Über eine Stunde werden TÜ-Beschlüsse vorgelesen, also wann wieso welche Telefonnummer wie lange abgehört wurden. Aus Langeweile zähle ich mal die überwachten Anschlüsse der beiden Angeklagten mit, bei 23 gebe ich auf. Wer mit soviel Handy jonglieren kann, der handelt planmäßig finde ich, spontan ist da echt wenig.

Bei zwei Zeugen herrscht ein bisschen babylonisches Stimmengewirr, denn zuerst muss aus dem bulgarischen bzw. griechischen ins Deutsche übersetzt werden, dann ins Albanische für die Angeklagten. Bei Fragen geht’s dann rückwärts und ich bewundere die Gelassenheit der Dolmetscherinnen, in diesem Stimmenwirrwar nicht den Faden zu verlieren.

Eine Zeuge stellt sich nochmals quer, trotz Dolmetscherin, trozt Rechtsbeistand. Erst als der Vorsitzende ihm klar macht, dass, wenn er weiter so dreist lügt, das mit seiner Bewährung schwierig werden könnte, räumt er ein, was er in seinem Prozess eh schon eingeräumt hat – aber an die Gesichter der Angeklagten kann er sich partout nicht erinnern. Pinocchio, wo warst Du heute?

Der Zeuge vom Mobilen Einsatzkommando sieht so aus, als würde er im Hauptberuf vegange Seife verkaufen, sein Auftreten ist dann aber doch der eines Gruppenführers eines Mobilen Einsatzkomandos. Ich lerne etwas über den fehlenden Wumms eines 9mm-Geschosses, möchte dennoch damit keine Bekanntschaft machen.

Zwei Schiebetermine, dann ein dritter Verhandlungstag.

Ach so: Autos werden bei den Kriminalen hier nie ‚geparkt‘, sondern immer ‚abgeparkt‘.

112 – Arnheim versetzt seinen Vater Samuel unter die Götter und faßt den Beschluss, sich Ulrichs zu bemächtigen – Soliman möchte über seinen königlichen Vater Näheres erfahren (539-549)

Arnheim will Ulrich für sich irgendwie gewinnen – will sich mit Soliman unterhalten – und doziert vor ihm – kommt auf seinen Vater zu sprechen – der ist nach wie vor dominant und bestimmend – Arnheim ist Jude – Soliman spricht ihn unerwartet auf seinen Vater, den König, an – Arnheim denkt, erinnert, vergleicht, überlegt …

Wir werden geboren, um uns unser Königreich selber zu schaffen. (544)

Einfach ein Kapitel, was sich nicht zusammenfassen lässt, außer man schreibt es komplett ab. Zeigt jedenfalls, dass auch Arnheim manchmal unsicher ist.

Humpel-Wochenende

Das Humpel-Wochenende hat mir eigentlich ganz gut getan. Da einige Aktionen einfach ausfallen mussten und ich immer sehr, sehr früh wach geworden bin, hatte ich endlich mal ausreichend zum Lesen.

Gestern gabs Maultaschen aus der Heimatstadt mit selbstgemachter Fleischbrühe, heute haben wir einen Eriträer probiert (das nächste mal nehme ich doch lieber Reis) … zwar nicht aufwändig, aber geade die Maultaschen was für die Seele.

Nach Ewigkeiten mal wieder mit E. gechtattet. Das muss es wieder öfters geben.

Wäre ich nicht fußlahm gewesen, wäre ich mit Sicherheit Stund‘ um Stund‘ durch den Wald gestapft, da die Einzeltherapiesitzung am Donnerstag eine mittelgroße Lawine in mir ausgelöst hat. Der Therapeut und ich haben das Bisherige aus der GT zusammengefasst und er hat mich dann auf ein paar Parallelen aus anderen Zeiten aufmerksam gemacht – das hat ganz schön eingeschlagen, denn ein paar losen Enden haben sich zu einem Geflecht verknüpft, was dann wieder Anderes ‚erklärte‘ oder in Bezug setzte, mit dem ich plötzlich auch was anfangen kann. Das war ganz schön hart, denn … keine Ahnung, das bekomme ich jetzt nicht in wenige Worte gefasst.

Der Kopf / Die Psyche hat jedenfalls das ganze Wochenende wie wild gearbeitet, ich war immer extrem früh voller Gedanken wach, die zwar echt gut und hilfreich waren, aber nicht für ein schönes Aufwachen sorgten. Einerseits geht das beständige weiter, andererseits ist Druck / sind Drücke weniger bzw. weg.

Kompliziert das jetzt wirklich zu beschreiben, denn einerseits ist es sau anstrengend und traurig und voller Wut und andererseits ist da auch eine Art Gelassenheit … Im Kopf dazu in Dauerschleife: „Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran!“

# 492

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Ich hab das Gangbild eines 8o-jährigen und sammle, als ich kurz auf dem Markt und im Sanitätshaus war, einen mitleidigen Blick nach dem anderen ein.

Im Sanitätshaus will ich mir so eine einfache Manschette für den Knöchel kaufen, die das Fußgelenk einfach etwas stabilisert und ich – faul wie ich bin – nicht dauernd mit elastischen Binden hantieren muss. Man bietet mir eine Konstruktion für rund 140 Euro an (mit dem Hinweis, das gäbe es ja auch auf Rezept). Die Manschette bestell ich mir dann für 17,95 im Internet.

Die Verkaufspolitik dieses Sanitätshauses hat mich jedenfalls nicht überzeugt – und darf ich vermuten, dass es keine Ausnahme ist?

111 – Es gibt für Juristen keine halbverrückte Menschen (534-539)

Ulrichs Vater ist Mitglied eines Ausschusses, dass an der Erneuerung des Strafgesetzbuches arbeitet – ist mit seinem Freund Prof. Schwung in bitteren Streit geraten bezüglich Bestimmung der Zurechnungsfähigkeit eines Täters – sie beide schreiben Streitschriften – Uneinigkeit im Ausschuss nach dem Motto: drei Juristen, vier Meinungen – Ulrichs Vater nimmt eine extrem konservative Haltung ein

Es ist schwer, der Gerechtigkeit in Kürze Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. (537)

Was als kleine Posse über Juristen und ihre Spitzfindigkeiten anfänglich daher kommt, entwickelt sich unter der Oberfläche eben zu einem Grundsatzproblem, was, wenn ich das richtige mit einem halben Auge verfolge, immer noch Thema unter den Fachleuten ist nämlich die Zurechnungsfähigkeit bei einer Straftat und wie das sich auf das Strafmaß auswirkt. Eine enorm wichtige Diskussion, wenn es darum geht, ‚gerecht‘ zu sein. Ulrichs Vater ist da äußerst konservativ, sprich, er ist den kommenden Nationalsozialsten verdammt nahe, die bei den „Entarteten“ ja zu äußerst brutalen Urteilen griffen. Seine Auffassung ist geprägt davon, dass je härter eine Strafe ist, sie eine desto größere Abschreckung habe. Dass dem – ab einer gewissen Strafandrohung – nicht so ist, sehe man beispielsweise in den Bundesstaaten von Amerika, in denen die Todesstrafe gilt. Auch dort ist bspw. die Mordrate in vergleichbare Höhe, wie in den Staaten, in denen es keine Todesstrafe gibt. Interessanterweise hilft die Strafandrohung bspw. im Verkehr enorm, wenn sie den Geldbeutel empfindlich treffen, siehe hierzu Schweiz, Norwegen u.a.

*autsch*

Mit M. in kollegialem Gespräch die Treppe hinunter, die vorletzte Stufe wohl nicht richtig erwischt, mit dem rechten Fuß so richtig bös umgeknickt, dann aufs linke Knie gestürzt, dann auf die rechte Hand, dann Rolle nach rechts und einmal komplett gegen die Wand gedonnert.

Von der Dynamik und von der Lautstärke sicher 8 von 10 Punkten, bei der Eleganz muss ich da aber leider einige Abstriche machen, da gibt es nur 3 von 10.

Zwei Stunden später dann doch mal zum Durchgangsarzt, wie vermutet halt ne anständige Kapsel- und Bänderdehnung (und wären die nicht schon so ausgeleiert, wie sie bei sind, dann wäre da sicher was gerissen gewesen – daher irgendwie noch Glück gehabt).

Bin ich echt froh, dass der Arzt mir morgen frei gegeben hat, es tut überraschend immer noch arg weh. Und schelcht vor Schock ist mir immer noch.

Die erste Stunde Tai Chi, die ich 39 Minuten anfängt, muss ich sausen lassen.

# 491

Ohne Titel

GT (26)

Die Einstiegsrunde eher unspektakulär und auch gar nicht mal soo lang. Nach langem Zögern fällt die Wahl auf T., der heute zum letzten Mal dabei ist, weil …. tja, irgendwas mit Krankenkasse und Streit zweier Therapeuten. Der mag aber, verständlicherweise, keine Aufstellung mehr. Also geht es um Drogen, wobei D. quasi den Vogel abschießt, weil er von seiner Dorgenkarriere erzählt – und dem ich hätte gerade so noch zugetraut, mal an einer Zigarette gezogen zu haben. Tja …

Ich bin schon traurig, denn T. hat nicht nur mit mir angefangen, sondern er ist auch so ein Typ Jungmann, den ich aufgrund der Aufgewecktheit und des offenen Nachfragens einfach sehr, sehr mag. Dass ich ihn auch noch als hübsch bezeichnen würde, tut dem Ganzen ja auch keinen Abbruch.

Zu heute (2)

Vortrag im Verein 1. Ich habe 16 Folien vorbereitet und bin mir echt unsicher, ob ich die 45 Minuten überhaupt vollbekomme. Denn alles Wesentliche steht ja auf den Folien.

Ist natürlich dann ganz anders und ich muss Dinge einfach weglassen oder abkürzen oder nur anspielen.

Das war mal wieder so eine Moment, in dem ich selber von mir überrascht bin, was ich eigentlich alles weiß und in Beziehung setzen kann.

Ich überziehe nur zehn Minuten, dann sind die ZuhörerInnen regelrecht erschlagen (war aber auch ein schwieriges Thema), die anschließende Diskussion ist zwar schleppend, aber überraschend kontrovers.

brigwords

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