Zu heute (1)

von Bert

Auf dem Gericht. Zwei Angeklagte, eine Dolmetscherin, neun Zeugen, zwei Verteidiger, eine Staatsanwältin, ein Gutachter und vier Richter. Dazu vier Vollzugsbeamte und eine Gerichtsschreiberin. Es geht um Drogendelikte in nicht kleinem Umfang (also Kokain so zwischen 200 und 1.000 Gramm, das dann aber mehrfach). Eine Messer und eine Pistole (?) sollen auch im Spiel sein.

Bis zur ersten Zeugin läuft es zügig, dann wird es zäh, da die Sprache der Zeugin nicht wirklich ausreicht und ihre Erinnerungen noch weniger. Da es um sieben Anklagepunkte geht ist es mühsam, auseinanderzubekommen, was wann wie wer mit wem und warum nicht … allen Beteiligten fällt es schwer, da sauber durchzublicken. Erschwernd: Die Zeugin spricht extrem leise (Mikrofone gibt es nicht) und die Stimme der Dolmetscherin überlagert sie fast. So richtig besser wird das auch bei den nächsten drei Zeugen nicht. Schon vor Mittag wird klar, dass es zu Verzögerungen kommen wird, ein dritter Verhandlungstag wird angesetzt, ein vierte könnte vielleicht noch folgen.

Eine Zeuge kommt erst gar nicht und wird am nächsten Verhandlungstag vorgeführt werden, ein weitere verweigert seine Aussage, obwohl er das gar nicht darf. (Heute gelernt: Ist man für eine Straftat rechtskräftig verurteilt, muss man in einem Folgeprozess über diese Straftat Auskunft geben, weil man sich  ja nicht mehr selber belasten kann.) Nach x Erklärungen und Ermahungen des Vorsitzenden verhängt das Gericht ein Ordnungsgeld und droht Beugehaft an. Der Zeuge hat jetzt eine Woche Zeit, es sich durch den Kopf gehen zu lassen – wenn er wieder nicht aussagt, droht ihm Beugehaft bis Ende des Verfahrens, längstens sechs Monate. Der Vorsitzende deutet auch an, dass das Verhalten auch als „Vertuschung“ angesehen werden könnte. Sollte es deswegen zu einer Verurteilung kommen, wäre bei dem Zeugen auch die Bewährung weg. Kurz: Der Vorsitzende schwingt die Keule um dem Zeugen deutlich zu machen, wie die Spielregeln sind.

Fortsetzung dann am Montag.