111 – Es gibt für Juristen keine halbverrückte Menschen (534-539)

von Bert

Ulrichs Vater ist Mitglied eines Ausschusses, dass an der Erneuerung des Strafgesetzbuches arbeitet – ist mit seinem Freund Prof. Schwung in bitteren Streit geraten bezüglich Bestimmung der Zurechnungsfähigkeit eines Täters – sie beide schreiben Streitschriften – Uneinigkeit im Ausschuss nach dem Motto: drei Juristen, vier Meinungen – Ulrichs Vater nimmt eine extrem konservative Haltung ein

Es ist schwer, der Gerechtigkeit in Kürze Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. (537)

Was als kleine Posse über Juristen und ihre Spitzfindigkeiten anfänglich daher kommt, entwickelt sich unter der Oberfläche eben zu einem Grundsatzproblem, was, wenn ich das richtige mit einem halben Auge verfolge, immer noch Thema unter den Fachleuten ist nämlich die Zurechnungsfähigkeit bei einer Straftat und wie das sich auf das Strafmaß auswirkt. Eine enorm wichtige Diskussion, wenn es darum geht, ‚gerecht‘ zu sein. Ulrichs Vater ist da äußerst konservativ, sprich, er ist den kommenden Nationalsozialsten verdammt nahe, die bei den „Entarteten“ ja zu äußerst brutalen Urteilen griffen. Seine Auffassung ist geprägt davon, dass je härter eine Strafe ist, sie eine desto größere Abschreckung habe. Dass dem – ab einer gewissen Strafandrohung – nicht so ist, sehe man beispielsweise in den Bundesstaaten von Amerika, in denen die Todesstrafe gilt. Auch dort ist bspw. die Mordrate in vergleichbare Höhe, wie in den Staaten, in denen es keine Todesstrafe gibt. Interessanterweise hilft die Strafandrohung bspw. im Verkehr enorm, wenn sie den Geldbeutel empfindlich treffen, siehe hierzu Schweiz, Norwegen u.a.