114 – Die Verhältnisse spitzen sich zu. Arnheim ist sehr huldvoll zu General Stumm. Diotima trifft Anstalten, sich ins Grenzenlose zu begeben. Ulrich phantasiert von der Möglichkeit, so zu leben, wie man liest (563-576)

von Bert

Diotima, Arnheim, Ulrich waren in der Hofbibliothek – erfolglos – General Stumm stößt zu ihnen – Arnheim denkt laut und gibt mal wieder an – man sinniert über den richtigen Weg – Ulrich und Diotima über die Liebe in Hinsicht Arnheim – derweil Arnheim zu Stumm: „die Seele gehe zu Ende“ – Arnheim erklärt, Stumm versteht nix – Verstand ist nix alles! – die anderen beiden erörtern nun die Frage, ob eine Frau in der Lage Diotimas, Ehebruch machen kann – von Gedanken und Wirklichkeit

So weit ist es gekommen, daß dieses Riesenhuhn [Diotima] genau so redet wie ich? fragte er [Ulrich] sich. (566)

Interessantes Kapitel, technisch gut gemacht. Denn beide Paare sprechen letztendlich über das Gleiche, wenn auch aus unterschiedlichen Beweggründen und Hintergründen. Stumm versucht ja nach wie vor so was wie „Idee“ und „Seele“ faktisch-materialistisch zu begreifen und auch Ulrich gehört ja eher in die Fraktion der Vernunftdenker. Aber es schimmert ihnen immer mehr durch, dass vieles eben nicht greifbar ist und Leben keine zielgerichtete Tätigkeit ist, sondern von vielen Unwägbarkeiten abhängt. Diesen Unwägbarkeiten kann man sich zwar gefühlsmäßig nähern, bleiben aber, wie ein Gedanke auf einer Buchseite, letztendlich nicht nur flüchtig, sondern sie voneinander abhängig. Das führt nicht nur zu vielen Variationen sondern auch zu Unsicherheiten, so dass es letztendlich keine abschließende Antworten auf menschliche Fragen, wie die des Ehebruchs, gibt. Aber wie jetzt entscheiden?