Höhere Mathematik

von Bert

Fast zwei Stunden im Richterzimmer nach drei vollen und zwei halben Verhandlungstagen. Zwei Angeklagte, fünf angeklagte Straftaten (Verstoß gegen Betäubungsmittelgesetz), davon zwei gemeinschaftlich. Heißt: Sieben Einzelstrafen (fünf für den einen, zwei für den anderen) finden, die nach verschiedenen Kriterien abgewogen werden müssen – danach für jeden der beiden die Einzelstrafen in eine Gesamtstrafe wandeln (keine Summierung!), die tatangemessen ist.

Da spielen dann so Kleinigkeiten eine entscheidende Rolle, ob das beschädigte Springmesser nun als „Waffe“ oder nur als „gefährliches Werkzeug“ zu werten ist, ob das Mitführen unter Vorsatz geschah oder nicht, ob es eine „Mittäterschaft“ war oder doch nur die Rolle eines „Gehilfen“ oder ob verschiedenliches Strafmilderndes Geltung bekommen kann.

Dann noch die Rechnung, wie viel der eine Angeklagte wohl mit dem Drogenverkauf verdient hat, d.h., bei zwei Straftaten lag das Gewicht und Wirkungsgrad der Drogen vor, bei den den anderen drei musste es dann geschätzt werden minus Eigenbedarf mal Kaufpreis. Das wurde zwar alles so gerechnet, dass es für den Angeklagten positiv ausfiel – wurde dann aber doch ein mittlere fünfstellige Summe. Nennt man wohl ‚Wertabschöpfung‘ und war mir vollkommen neu.

Viel Aufwand, viel Kleinklein – und ich bin so was von froh, dass dieser Staat sich diese Mühe macht und die Kosten nicht scheut.