Durch die Zeit

Monat: Dezember, 2019

Jahresrückblick / Literatur / TOP 5

In meinem vorigen Blog habe ich am Ende des Jahres einen statistischen Rückblick gegeben: soundsoviele Bücher gelesen, soundsooft geheult, soundsooft Sex gehabt, soundsovielmal schwimmen gewesen … Natürlich waren so gut wie alle Zahlen hingefühlt … aber warum erzähle ich das?

Egal: Kurzer Rückblick auf das Lesejahr 2020

27.299 Seiten in 62 Büchern gelesen. [Und das sind nicht hingefühlte, sondern fein säuberlich dokumentierte Daten.] Zahlenmäßig ein sehr gutes Jahr – aber an wirklich guten Büchern hat es ganz schön gemangelt, in der Hinsicht war 2019 äußerst schwach, selbst die preisgekrönten hatten vor mir wenig Bestand. So führen die TOP 5 drei definitiv ältere Bücher an, auf Platz 4 dann das einzige Buch aus deutscher Feder von diesem Jahr. Aber guckt selbst:

  1. Lukrez: De rerum naturaBisschen über 2.000 Jahre alt, erst vor 600 Jahren zufällig wieder entdeckt, eine Art erste Atomtheorie mit Erläuterungen, wie man ein gutes Leben führen sollte. Einiges nun wahrlich veraltet – aber alles andere: Bedenkenswert.
  2. Victor Klemperer: Tagebücher 1933-19451.400 Seiten für keine 20 Euro. Wenn das kein Schnäppchen ist. Aber das ist auch das schwächste Argument, was man hierfür benutzten sollte. Die Tagebücher sind ein wirklich ergreifendes Zeitdokument. Und wenn mir heute einer kommt, man hätte das nicht nicht wissen können oder das war doch alles nicht so schlimm, dem schlage ich mit den beiden Bänden auf den Kopf, falls er sie nicht freiwillig liest. Es ist viel Stoff – aber er lohnt. Auszüge gibt es auch als Hörbuch, wirklich, das lohnt!
  3. T.C. Boyle: WassermusikSchon fast ein alter Schinken. Aber wer die perfekte Sommerlektüre braucht, hier ist sie. Unterhaltsam, lustig, komisch, erotisch (na ja), historisch, frisch, dramatisch, sozialkritisch, sprachmächtig, …
  4. Lucy Fricke: TöchterMich wundert es selber, dass es bei mir soweit oben gelandet ist, aber … Eigentlich ein Roman, der auf den ersten Blick ganz locker daher kommt, dann aber mit Tiefe überrascht. Auch wenn es sich jetzt ’schwer‘ anhört – passt auch gut in den Urlaub.
  5. Roberto Saviano: Die LebenshungrigenMan sollte davor „Clan der Kinder“ gelesen haben, sonst wird es a) nicht ganz verständlich und b) nimmt man sich auch eine Menge. Eine herausragende Studie über prekäre Jugendliche in Neapel und zugleich eine Einführung in die Funktionsweise von Mafiastrukturen – dabei auf hohem literarischen Niveau. Nicht zuletzt für mich der Auslöser, im März nach Neapel zu fahren.

24 – Agathe ist wirklich da (892-899)

Agathe ist bei Ulrich angekommen – erkundet das Haus – beide trinken Tee, sprechen über die Einrichtung – sie teilen sich die Zimmer auf – Ulrich freut sich irgendwie, dass seine Schwester da ist – beide fremdeln etwas – sie macht sich frisch und zeigt sich Ulrich nur in Wäsche

Wahrhaft schön finden kann man seine eigene Schwester nicht, es kann höchstens schmeicheln, daß sie anderen gefällt. (897)

Das Experiment beginnt. Beide sind auf das Zusammenleben neugierig, ist es für beide ja eine Neuheit. Andererseits wissen sie nicht so recht und müssen, schon beginnend bei der Aufteilung der Zimmer, improvisieren. Großes Gedankenhinundher, als Agathe aus dem Bad kommen will und nicht weiß, was jetzt schicklich ist. „Sie konnten die natürliche Folgewidrigkeit, die an der See fast die Nacktheit gestattet, im Zimmer aber den Saumweg am Rand von Hemd oder Höschen zum Schmuggelpfad der Romantik macht, beide einen Augenblick lang nicht von sich abstreifen“ (898). Sie geht dann doch in Unterwäsche durch den Raum, in dem Ulrich ist und bittet ihn sogar später, ihr mit dem Kleid zu helfen. Er nimmt ihren schönen Körper wahr. Beide erleben eine andere Form von Geschwisternähe.

Bilddatenschrott

Irgendetwas ist beim ersten und zweiten Überspielen schief gegangen. E. und ich habe keine Ahnung, ob es am Rechner oder am Stick gelegen haben könnte. Jedenfalls gab’s leichten Bilddatenschrott – aber mit eigener Anmutung (nach leichter Bearbeitung), wie ich finde.

Gute alte Zeit

Die Bankangestellte war schon leicht genervt. Die Kunden vor mir waren aber auch wirklich nicht einfach gewesen. Und dann nun ich mit dem Wunsch, ein Sparbuch zu eröffnen. Gott sei Dank wußte sie nicht, dass ich alle Sparbücher vor drei Monaten gekündigt hatte. „Warum das denn?“ war ihre leicht entgeisterte Reaktion. Ich war dann so nett und habe ihr erklärt, dass, wenn man Kleingeld (mehr als 50 Münzen) bei ihrer und meiner Bank einzahlen will, seit neustem eine Gebühr von 5 Euro (!) fällig wird. Wenn man dagegen ein Sparbuch hat … und da man gerolltes Geld nicht mehr bringen darf, angeblich eine EU-Verordnung …

Dass ich seit ich 13 oder 14 bin mein Kleingeld in einer Büchse sammle, und mit dem Geld, wenn die Büchse dann mal voll ist, mir irgendetwas leiste, habe ihr nicht erzählt. Aber den Brauch möchte ich einfach nicht aufgeben, daher haben mich die 25 Minuten Wartezeit auch nicht übermäßig gestört.

Donnerstag bringe ich also dann 3,356 Kilogramm Münzgeld in die Bank, warte ein paar Tage, bis es dem Sparbuch gut geschrieben wird, gehe auf die Bank, hebe es ab, stecke es in meinen blauen Buchkauf-Umschlag oder zahle es am Automaten auf mein Girokonto ein falls ich was bestellen will …

Küssen kann man nicht alleine

Jetzt mussten halt mal T. und A. herhalten. Aber mir war einfach danach. Verdient hatten sie es ja eh schon lange. Und war ja auch nur jeweils ein ganz unschuldiger Kuss auf die Wange.

23 – Bonadea oder der Rückfall (878-892)

Man trifft sich wieder – sie auf alle Fälle selbstbewusster – jetzt mit Diotima etwas befreundet – über Diotima – die nach wie vor etwas verwirrt ist – beschäftigt sich dank Bonadea mit Sexualwissenschaft – Bonadea gibt Nachhilfe in Sachen Aufklärung und Sex – von der Minderwertigkeit der Frau – von der Minderwertigkeit des Mannes -Ulrich will für eine Zeit keine Frau mehr anders zu lieben, als wie eine Schwester

Du bist ein mißglücktes Sexualerlebnis, sagt deine Kusine. (880)

Ein wirklich großartiges Kapitel, denn die gereifte und emanzipiertere Bonadea nimmt kein Blatt vor den Mund und konfrontiert Ulrich mit ihrer eigenen Lust, macht klar, dass beide Geschlechter die gleichen Rechte haben. Ein für damalige Zeit sicher sehr modernes, wenn nichts sogar gewagtes Kapitel, da der Mann beim Sex nur noch ein Teil ist. Bonadea macht es sogar Spaß Ulrich darauf aufmerksam zu machen, dass Männer im Bett auch ‚versagen‘ können. Zudem ist sie Lehrerin für Diotima, die dank des offenen Austausches auch mehr / anderes von ihrem Mann verlangt. Am Ende des Kapitels zieht Ulrich quasi den Schwanz ein, in dem er jetzt erstmal keinen Sex mehr haben will und sich auf Geschwisterliebe zurück zieht.

Akt – 1 Grad

Sowas geht einfach nur mit E.

Für mein Neujahrsphoto war heuer die Vorgaben: Kein Gesicht – (etwas) nacktes Fleisch. Mir war einfach danach. Dann kam die Idee verhüllter Körper vor Landschaft … aber E. war ja da und da er ja schon mal behilfich war … und fotografieren kann … und ich weiß, dass ich ihm notfalls meinen nackten Körper zumuten kann … und er kreativ ist … und wir uns da gut absprechen können … und er meine Spleens akzeptiert (und ich seine) …

Also sind wir auf dem Dorf los mit ner groben Idee – davor hab‘ ich mir ein Herz genommen und ihn in das eingeweiht, was mich seit Herbst so umtreibt und mir alles Herzklopfen mal wieder genommen hat, die man sich vorher nicht vorstellen kann – und da kam uns die Waldbühne gerdade recht …

Ich find’s einfach klasse wie selbstverständlich dann Nackheit werden kann … obwohl er schon was prüdes an sich haben kann … wie er Sorge trägt, dass mir nicht zu kalt wird bei 1 Grad Außentemperatur … wie er andererseits hinschaut, dass das Foto trotz altem Körper einigermaßen wird … magisch schöne Momente …

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Das hier nur „Bonus-Material“ und wohl eins der letzen Akte, die ich gemacht haben werde.

E., Liebster, danke!

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Kurz nach dem Aufstehen rufe ich J. an. Ihre Tochter, meine Patentochter ist am Apparat – sie wollte ich auch sprechen. Es stellt sich heraus, dass die keinen Kaffee haben – also ziehe ich mich an und bringe Kaffee für den Frühstück vorbei. Bleibe zwei Stunden sitzen und erfahre das Neuste aus dem Leben der Familienmitglieder samt vorhandenem Anhang.

So kann Familie auch funktionieren. Statt zu beneiden konnte ich es genießen.

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War nicht einfach gestern bei Mutter mit einer Lüge abzusagen. Aber es war richtig. Denn die Prozesse, die alleine jetzt, in einem ruhigen, eher geschütztem Umfeld ablaufen, sind echt nicht von „schlechten Eltern“. Aber da ich zuhause geblieben bin, kann ich das gut auffangen. Mir war auch klar, dass Weihnachten noch mal so ein besonderer Moment sein würde, schließlich ist das Inbegriff von „heiler Familie“.

Nur schlafen ist halt nach wie vor doof – die Träume sind schonungslos.

22 – Von der Koniatowski’schen Kritik des Danielli’schen Satzes zum Sündenfall. Vom Sündenfall zum Gefühlsrätsel der Schwester (864-878)

Ulrich wieder auf der Straße – hat nach dem Gespräch mit Leinsdorf „Hunger nach Bürgerlichkeit“ – trifft die Astronomin Dr. Strastil – Geplauder – über Koniatowski, Keppler und Danielli – über das Wesen von Gefühlen – muss an seine Schwester denken – über Moral – folgt einfach so einer Frau – trifft Bonadea, die keine Zeit hat

Moral ist Zuordnung jedes Augenblickszustandes unseres Lebens zu einem Dauerzustand. (869)

War im vorigen Kapitel Agathe das Zentrum, so ist es in diesem Ulrich. Er bleibt sich treu und findet zu jedem Gedanke das Gegenteil.

# 514 – Für Samuel B.

Frag ich mich: Warum ist das nicht mittig? Ich meine, ich hätte links doch was noch anbauen können. Das Original war definitv nicht richtig ausgerichtet. Wie denn auch zu zweit vor der Kamera und durchaus erregt. Oder was hat mich da getrieben, das Foto so zu belassen? Egal. Meine Interpretation von „Warten auf Godot“. Beckett hatte ja gestern auch Geburtstag, nee Todestag. Egal: Für Samuel halt.

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Röstaromen

Kohlrouladen gemacht, vom restlichen Fleischteig noch ein paar wenige Bouletten. Was allen gemeinsam ist? Die schwarze Farbe. Selbst wenn man Röstaromen mag …

H.H.J.: FoU

Mein Freund E. ist ja immer mal für eine Überraschung gut. Aber seine Antwort auf meine Frage heute, was er denn lese, war ich so gar nicht vorbereitet. Ich gestehe, ich habe es im ersten Moment auch nicht glauben können sowie auch nicht geglaubt bzw. nicht glauben wollen.

Ich zähle mich in der Zwischenzeit schon wirklich zu der kleinen Gruppe von Hardcore-LeserInnen, denen Romane von um die 1.000 oder 2.000 Seiten nichts ausmachen. Und wenn das dann auch noch so sperriges Zeugs ist (Musil: Der Mann ohne Eigenschaften) oder einfach nur so dahin plätschert (Voskuil: Das Büro) – egal, das wird einfach weggelesen.

Gescheitert bin ich bisher nur an Thomas Manns „Joseph und seine Brüder“ und kurz vorm‘ Scheitern war eben das 1.900-Seiten-Werk, was E. gerade liest: Hans Henny Jahn: Fluss ohne Ufer.

FoU ist schon ein ganz besonderes Machwerk, autobiographisch angehaucht, vollkommen verschämt verschwult und mit Lebensthesen, die echt nur in der Entsteheungszeit zu ertragen waren. Ein Stück Literatur, das man nicht lesen sondern an dem man sich nur abarbeiten kann – mit viel Aufwand und Kraft und Zeit.

Schön, dass ich mit meiner Leküre jetzt nicht mehr alleine dastehe, auch wenn ich, um mit ihm richtig diskutieren zu können, vielleicht es nochmals schnell …

21 – Wirf alles, was du hast, ins Feuer, bis zu den Schuhen (851-864)

Über Agathe

Obwohl sie für schlank galt, beobachtete sie an ihren Glieder angeregt eine Möglichkeit, daß  sie zu schwer werden könnten. (853)

Auch dieses Kapitel entzieht sich einer Zusammenfassung, denn hier geht es nur um den Charakter, die Natur von Agathe. Todessehnsüchtig ist sie jedenfalls und sieht im Suizid einen möglichen Weg. Aber das ist nur ein Moment ihres Charakters. Das muss ne Menge Arbeit gemacht haben, die Figur der Agathe in dieser Vielschichtigkeit zu zeichnen. Vor allem, wenn dann mal was steht, muss die Figur auch in der Folge danach handeln. Ist da eine Menge gesetzt, schränkt es den Autoren weitaus mehr ein, als hätte er sie nur in groben Zügen gezeichnet. Vielleicht auch ein Grund, warum Musil stecken geblieben ist?

Tonspur

Dass meine Träume mich derzeit arg nerven, habe ich ja hier schon zumindest angedeutet. Heute wieder so was horrormäßiges – aber als zusätzliches Gadget sozusagen: Die Mundbewegungen stimmten nicht mit dem Ton überein. Mich hat das fast wahnsinnig gemacht, dass der Text immer kurz nach den Mundbewegungen gekommen ist. Hat mich total fertig gemacht und aus der Bahn gebracht.

Horror hat echt viele Gesichter.

Echt nicht leicht

Gestern von P., heute am frühen Nachmittag von S.: „Aber Du fährst doch nicht, oder?“ Und dieses „oder“ hatte jeweils so einen leicht bedrohlichen Klang bei dem ich wußte, wenn ich „doch“ sage, dass dann noch was kommen würde.

Ich war ehrlich und hab jeweils gesagt, dass ich nichts versprechen könne, aber der Zwischenstand des inneren Kampfes eine ganz leichte Tendenz hätte, nicht zu fahren. Werde dann lügen müssen, aber „nach Hause“ zu fahren, d.h. zu Muttern und Schwester, wäre gerade eine emotionale Herausforderung, der ich, wie die Tränen gestern zeigten, nicht gewachsen bin.

Ich rechne darauf, dass, wenn ich angerufen und abgesagt habe, der Druck weg sein wird. Und ich finde, nach mehr als 50 Jahren darf man auch mal ne Ausnahme machen.

20 – Graf Leinsdorf zweifelt am Besitz und Bildung (839-851)

Ulrich wieder bei Leinsdorf wegen der Erlaubnis für Clarisse – höflicher Small Talk – über die politische Lage in Triest – über Juden – über Mohammedaner – über die Finanz – über Bildung – über Pflicht

Der Mensch fürchtet nämlich den Teufel, der ihm ins Fleisch fährt, auch wenn er so tut, als bekämpfe er ihn, lange nicht so sehr wie die Erleuchtung, die ihm vom Geist kommt. (847)

Was für ein anstrengendes Kapitel. Leinsdorf hat Babbelwasser getrunken und textet Ulrich einfach nur zu (der auch gar nicht zu Wort kommt) – den Leser eben aber auch. Musil packt mal wieder ein Kapitel definitiv zu voll und erschlägt den Leser mit seinen Gedankenkonstrukten, Widersprüchen und Parallelen. Ist das der politischen Situation geschildert? Da fehlt mir definitiv Hintergrund.

Hirnwäsche

Weihnachten steht vor der Tür. Alle Fernsehsender bringen quais in Dauerschleife einen weichgespülten, glücklichen Film nach dem anderen. Und fast egal in welcher Variante: Am Ende gibt es eine glückliche Familie.

Weihnachten ist wohl emotional noch ein größerer Stress als organisatorisch bzw. finanziell.

Noch ein Funken Mut – und ich steige dieses Jahr komplett aus diesem Theater aus.

Neugierde in gut

Das und das

  • Frau Nummer zwei in diesem Jahr, die, nach dem sie sich vom jeweiligen Mann getrennt hat, nun mit einer Frau zusammen ist. Mich hat’s nur heute arg überrascht, dass ich es gleich gesagt bekommen habe.
  • Mit G. auf Wein in Kneipe. Wann sowas mal das letzte Mal gemacht? Keine Ahnung. Aufällig aber, wie ausgewogen das Gespräch war, so dass wir viel von einander mitbekommen haben. Aber ich gebe zu, mir fehlt es etwas an Übung in der Zwischenzeit.

19 – Vorwärts zu Moosbrugger (828-839)

Walter, Clarisse und Meingast zusammen – dazu der Bruder von Clarisse, Siegmund – der versucht eine Besuchserlaubnis für Clarisse bei Moosbrugger zu bekommen – man unterhält sich über dem Mann vor dem Fenster – Meingast zieht Parallelen zwischen Moosbrugger und Jesus – über Intellektualität – Ulrich wird telefonisch zur Runde gebeten – der kommt auch – er soll die Genehmigung für einen Besuch von Clarisse organisieren

Wir sind das Zeitalter der Stimmzettel. (832)

Walter geht es gar nicht gut, denn der weiß nicht so recht, ob da was zwischen Meingast und Clarisse läuft, außerdem will er nicht, dass sie zu Moosbrugger geht. Aber er hat bei ihr schlechte Karten, denn sie ist ein Dickkopf. Meingast dagegen schwallt ganz schön in der Gegend rum und meint, damit nicht nur geheimnisvoll rüberzukommen. Aber bei Ulrich und Siegmund hat er keine Chance. Ulrich befragt auch Siegmund, der Arzt ist, ob er seine Schwester noch für normal hält. Was ist schon normal? ist die Antwort.

Grappa

Zum Mittagessen die Familie meines Mannes da. Laut, durcheinandrig und mit einigen SelbstdarstellerInnen.  Ich komme aus einer ganz anderen Art von Familie und obwohl ich es jetzt schon kenne, strengt es mich ungemein an – vorallem, wenn sie, weil der Vater dabei ist, platt sprechen. Nach den wunderbaren Rouladen gönne ich mir einen Grappa (jaa, ich gebe zu es waren zwei) und sinke, als alle weg sind, noch vor dem Abwasch ins Bett und penne fast zwei Stunden. Erholsamer als so manche Nacht.

Phantomsandkorn

vormittag | Zusammen mit dem Mann auf dem Markt und dauernd mit der Hand am tränenden Auge, muss wohl was reingekommen sein.

mittag | Dann doch mal in den ärztlichen Bereitschaftsdienst wegen des Auges, der findet aber nix und gibt mir ne Einweisung in die Augenklinik für den Abend.

nachmittag | Nahezu kommentöser langer Mittagsschlaf, danach tun mit die Beinmuskeln vor Entspannung richtig weh. Das Auge tränt immerhin nicht mehr, fühlt sich jetzt nur noch etwas entzündet an.

früher abend | Beschließe nicht nochmal in die Klinik zu gehen, das Auge ist zwar nicht richtig gut, aber nicht mehr so heftig wie morgen. Da wir vor lauter Essenseinladungen vergessen haben, für heute etwas einzukaufen, gibt es ’nur‘ Spiegelei.

Führende Null

nacht | Alle Versuche, den Dauertraum in eine postive Richtung zu lenken, misslingen.

vormittag & nachmittag | Da es nix zu tun gibt, erarbeite ich eine idiotensichere Excelmaske für Auszahlungsanweisungen – was gar nicht so einfach ist und richtig Spaß macht. Wusstet ihr schon, dass es keine Funktion gibt, die eine Ziffernfolge in einer Zelle auf verschiedene Zellen aufteilen kann, wenn die Ziffernfolge mit 0 beginnt?

abend | Kochen erstmal, also das, was noch getan werden muss, der Mann war über Tag schon fleißig: Lachstatar – Tafelspitz – Panna Cotta. Dann P. & S. zum Abendessen.

18 – Schwierigkeiten eines Moralisten beim Schreiben eines Briefs (821-827)

Ulrich schreibt Agathe einen Brief – Überlegungen – darf sie das Testament fälschen?

…  „Tu!“ und „Tu nicht!“ … (823)

Genau darüber kann man sehr, sehr lange nachdenken und schreiben.

Für A.

nacht | Kurz vor vier ist für mich die Nacht endgültig rum. Bis sechs verbringe ich sie im Bett mit einer Philippika nach der anderen gegen den Vorstandsvorsitzenden von Verein 1. Um sechs beschließe ich liegen zu bleiben und mich krank zu melden.

vormittag | Das Protokoll von gestern hat dann doch die Länge von sechs Zeilen und einen kleinen Seitenhieb kann ich mir nicht verkneifen. Mir egal, ob das dann rausfällt oder nicht. Telefoniere mit A. die ins Krankenhaus musste. Sie ist dennoch guter Dinge, kommt morgen wieder raus und will mich lieber dann sehen. Ansonsten Lektüre und Schubert.

nachmittag | Wärmflasche, Lektüren, Schubert.

abend | Lektüren, Badewanne, kein Schubert sondern irgendwas im Fernsehen.

# 513 – Der anonyme Leser

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heute

vormittags | Ich nehme mir ein Herz und wälze Fachliteratur, surfe im Internet, versuche zu kapieren, probiere aus, lese Hilfsseiten … jetzt sind alle aktuellen Durckprofile geladen und ich hab verstanden, um was es geht.

mittags | Teambildungsmaßnahme der Abteilung. D.h. für jede/n 2 x Glühwein und 1 x Apfelstrudel-Vanille-Likör (oder so) auf dem nahen Weihnachtsmarkt.

nachmittags | Wie sitze ich am besten hinter dem Schreibtisch, dass es so aussieht, als würde ich etwas tun, aber ich in Wahrheit schlafe?

früher abend | Vorstandssitzung Verein 1. Sollen wir umziehen oder doch nicht? Nach knapp eineinhalb Stunden platzt mir aber sowas der Kragen – OK, ich gebe zu, ich bin da gerade arg sensibilisert – und bezichtige den Vorsitzenden als „Zeitvernichter“ . Andere Argumente nicht wirklich gelten lassen und seine eigenen immer und immer wieder zu wiederholen halte ich nämlich definitv nicht für zielführend. Dann beschwere ich mich noch auf das heftigste, dass ich es fast schon als persönliche Beleidigung ansehe, dass mir als Schatzmeister für die Vorstellung des Haushaltes notmäßig dann noch gerade fünf Minuten eingeräumt werden. Es sind dann doch immerhin sieben Minuten die ich für knapp 250.000 Euro bekome, die ich darauf verwende um a) klar zu machen, dass der Vorstand für den Haushalt mit dem eigenen Privatvermögen haftet und b) drei Posten – aus Zeitgründen versteht sich – nicht erläutere und so der Geschäftsführung und mir finanziellen Spielraum ermögliche.

abend | Die Stimmung beim sich anschließenden Weihnachtsessen (gleiches Restaurant wie gestern, gleicher Tisch) ist dementsprechend – lockert sich aber nach den ersten Gläsern Wein etwas. Meine Hauptfrage: Macht mir Beisitzer D., der immer nur zum Weihnachtsessen kommt, nun schöne Augen oder bilde ich mir das nur ein?

10.12.

nachts | Träumend fahre ich Rad und falle immer und immer wieder bei hohem Tempo ohne erklärlichen Grund runter. Nach dem mir das zu bunt ist, lese ich den Rest der Nacht, ebenfalls träumend, ein extrem schweres Buch zu Ende. Dementsprechend fitt stehe ich auch.

vormittags | Kaum was zu tun, hübsche unsre Homepage auf und warte auf die IT, die mir noch was einrichten muss, damit ich bei einer Kleinigkeit weiterarbeiten kann.

nachmittags | B. und ich versuchen herauszufinden, woran es liegt, dass das pdf aus ID nicht die Größe hat, die es haben soll. Scheint am Export zu liegen, also drucken wir es als pdf – dann passt es. Nun stimmt aber angeblich das Farbprofil nicht mehr, obwohl  es hinterlegt ist. Wir finden auch niemand auf die Schnelle der uns helfen kann, geben aber dann doch mutig die Druckfreigabe, es geht ja nur um 100 Flyer.

früher abend | Weihnachtsessen der Stabsstellen. Wie das so ist: Langer Tisch in lauter Kneipe. Ich komme eher unglücklich zum sitzen, ein Gespräch will einfach nicht aufkommen, dass Essen ist überraschend mäßig und wenig (die Berichte verlauteten da anders), der Wein ordentlich, wenn auch für die Qualität wieder enorm teuer. Dann kommt noch so was wie Migräne hinzu und ich kämpfe noch eine Viertelstunde und gehe dann doch.

abend | Noch’n Rezept für die Kollegen aufschreiben, Haushalt für Verein 1 für morgen fertig machen, ansonsten in Wohlfühlklamotten doof aus der Wäsche schauen.

17 – Diotima hat ihre Lektüre gewechselt (810-821)

Diotima ist krank – Ulrich besucht sie in ihrem Schlafzimmer – sie hat Menstruationskrämpfe – Geplauder – über die Tat – Introspektionen zum Thema Liebe – sie denkt viel an Arnheim – Ulrich vermutet derweil, dass Diotima schwanger ist – ist sie aber nicht – beide versinken in eigene Gedanken – bis Rachelle sie daraus erschreckt – er kündigt an, seine Sekretärsstelle niederzulegen – sie spricht ihn auf Bonadea an – weiß von seinem Verhältnis

Kann man denn das Problem der Liebe lösen, indem man sich scheiden läßt oder heiratet? (815)

Kurz zusammengefasst: ein Kapitel über die Frage, ob Ehebruch OK ist oder nicht. In der moralinsauren Zeit von damals eine eher brisante Frage, gerade in so einem ‚ernsten‘ Buch wie dem hier. Beide Protagonisten verkörpern verschiedene Sichtweisen, wobei beide ihre Zweifel an der eigenen Sichtweise haben, so dass bspw. Diotima wegen Arnheim durchaus einen Ehebruch u.U. in Erwägung ziehen könnte.

Kaleidoskop eines Alltags

Es gibt immer eine Geschichte hinter der Geschichte.

Anton Weyrother

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