H.H.J.: FoU

von Bert

Mein Freund E. ist ja immer mal für eine Überraschung gut. Aber seine Antwort auf meine Frage heute, was er denn lese, war ich so gar nicht vorbereitet. Ich gestehe, ich habe es im ersten Moment auch nicht glauben können sowie auch nicht geglaubt bzw. nicht glauben wollen.

Ich zähle mich in der Zwischenzeit schon wirklich zu der kleinen Gruppe von Hardcore-LeserInnen, denen Romane von um die 1.000 oder 2.000 Seiten nichts ausmachen. Und wenn das dann auch noch so sperriges Zeugs ist (Musil: Der Mann ohne Eigenschaften) oder einfach nur so dahin plätschert (Voskuil: Das Büro) – egal, das wird einfach weggelesen.

Gescheitert bin ich bisher nur an Thomas Manns „Joseph und seine Brüder“ und kurz vorm‘ Scheitern war eben das 1.900-Seiten-Werk, was E. gerade liest: Hans Henny Jahn: Fluss ohne Ufer.

FoU ist schon ein ganz besonderes Machwerk, autobiographisch angehaucht, vollkommen verschämt verschwult und mit Lebensthesen, die echt nur in der Entsteheungszeit zu ertragen waren. Ein Stück Literatur, das man nicht lesen sondern an dem man sich nur abarbeiten kann – mit viel Aufwand und Kraft und Zeit.

Schön, dass ich mit meiner Leküre jetzt nicht mehr alleine dastehe, auch wenn ich, um mit ihm richtig diskutieren zu können, vielleicht es nochmals schnell …