Durch die Zeit

Monat: Januar, 2020

Weiterbildungsurlaub – Tag 5

Der Tag beginnt mit der Überlegung, ob im Bett bleiben vielleicht doch eine Alternative sein könnte.

Die Fenster-Statistik vermeldet: Heute ein absoluter Frauentag, wengistens die Richtungen sind gleichberechtigt, ansonsten keine Besonderheiten. Die Detailanalyse und das dadurch erarbeitete Ergebnis werde ich nachreichen.

Zur Entspannung dürfen wir erstmal einen Brief an uns selber schreiben, bis es zu einer Live-Mediation kommt. Da fließen dann nach wenigen Minuten die Tränen und die Stimmung ist zumindest für den Vormittag erstmal im Eimer. Aber damit war ja zurechnen, denn „Konfliktspenden“ haben Wein-Potential. (By the way, wer ein Konflikt spenden will, ich nehme sie alle ab.)

Dann weitere Übungsrunde, beide Mediatoren haben ‚Angst‘, weil ich den Oberarzt gebe und verlieren sich leider etwas, obwohl ich ganz ‚lieb‘ bin. Aber aufschlussreich. Aber dann reichts auch, war ein echt volle, intensive und kraftzehrende Woche.

Es gibt zwei Leute, die ich bei der Verabschiedung umarme, das ist einmal N. (wen wunderts) und – voll krass – „Voll-Krass“.

Weiterbildungsurlaub – Tag 4

Die Fenster-Statistik gleich zu Beginn. Heute gleichviel Männer wie Frauen die nahezu gleichviel von rechts wie von links kommen. Also volle Dynamik in der Statistik, da zudem heute überhaupt keine Hund, aber dafür drei Fahrräder zu verzeichnen sind.

Wir starten alle komplett übermüdet, aber ich darf zu Beginn dann ein kleines Impulsreferat zu meinem liebsten linguistischen Thema geben, was sich einfacherhalber am besten so beschreiben lässt: „Wo ein ’nicht‘ nicht steht, muss noch lange nicht kein ’nicht‘ gemeint sein“. Anschließend alle beeindruckend verwirrt – und wach.

Etwas Theorie und schließlich meine erste Übungsmediation zusammen mit N. Macht richtig Spaß und fühlt sich auch ‚voll gut‘ an, da ich Herr der Lage bleibe, mich nicht treiben lasse und einfach die Ruhe weg habe, die beiden Konfliktparteien solange zu spiegeln, bis der Kern freigelegt ist. Zudem sehe ich, wo ich die gewaltfreie Kommunikation einsetzen kann (was noch etwas schwerfällig daherkommt) aber damit wirklich was erreiche, auf dessen Basis dann weitergearbeitet werden kann. Gut, das Ganze geht sicher auch noch eleganter und N. und ich greifen noch nicht so richtig ineinander – aber hallo!? Für ein erstes Mal kommen wir da richtig gut durch und sonnen uns anschließend in den positiven Rückmeldungen (gerade auch von T., der uns das Mediatorenleben so richtig schwer gemacht hat).

Die Luft ist danach eigentlich komplett draußen, doch dann geht es darum, die Intervisionsgruppen zu bilden. Und da ich unbedingt mit N. – und sie übrigens auch mit mir – will, bin ich ganz schön nervös. Doch das löst sich dann alles ganz schnell in Wohlgefallen auf, denn statt vier Gruppen gibt es nur zwei: Die die von hier sind und die Auswärtigen.

Ich schreibe ganz schön viel über N., fällt mir auf. Aber ich mag sie einfach. Sie hat auch so eine schöne Mischung aus Pragmatik und Gefühlsgedöhns, ganz meine Kragenweite.

 

 

Beethoven: Sonata No. 23 in F minor, Op. 57, „Appassionata“: II. Andante con moto

Begeistert mich gerade total!

Weiterbildungsurlaub – Tag 3

Die Vorbeigehstatistik vorweg. Wieder mehr Frauen als Männer, wieder eher von links nach rechts. Heute aber keine Kinderwagen, dafür viele Hunde. Wie gesagt, manche Ergebnisse muss man einfach (erst mal so) stehen lassen.

Intensives Üben einzelner Schritte. Und weil uns die Pipi-Konflikte ausgehen greifen einige nun zur ihren echten. Willkommen menschliche Abgründe!

Mühseelig versuchen wir in Kleinrunden wertfreie Beobachtungen zu formulieren und ansonsten jegliche möglichen Vorwürfen oder Unbestimmtheiten aus dem Weg zu gehen. Mir ist bald klar, dass gewaltfreie Kommunikation (GFK) in Reinform nicht funktioniern kann –  oder man vergewaltigt beständig die deutsche Sprache. Erachte aber GFK dann schon – gerade bei der Frage nach den Bedürfnissen – als hilfreich und meinen Ansatz erweiternd.

Ein Spaßmacher vor dem Herrn bin ich nun wirklich nicht, dennoch ernte ich für den ein oder anderen nicht ernstgemeinten Einfwurf schallendes Gelächter. Wann ist mir das das letzte Mal passiert?

Die Mittagspause verbringe ich wieder alleine. Ich muss echt aufpassen, dass es nicht zuviel Input wird und berichte kurz davon in der Schlussrunde. Aber die anderen werdens wohl schon gemerkt haben.

Fazit: Haben heute echt gut und intensiv gearbeitet.

Ach so: „Voll-Krass“ mag es nicht, wenn ihr Mann Schoko-Müsli isst – wegen des Zuckers – hat aber, wie ich in einer Kleingruppe feststellen konnte, einen echt angenehmen Humor.

Weiterbildungsurlaub – Tag 2

Geschickt, wie ich manchmal sein kann, habe ich mir meinen Platz nicht nur in Nähe zu N. ausgesucht, sondern auch so, dass ich ohne große Verrenkungen nach draußen schauen kann. Das ist immer dann wichtig in Seminaren, wenn’s langweilig wird. So richtig ist das alles echt nicht, aber ich führe dann doch eine Strichliste, wer so am Fenster vorbei läuft. Es sind mehrheitlich Frauen, die von links nach rechts gehen. Manch Erkenntnisse kann man einfach aus so stehen lassen.

Die theoretische Einheit zur destruktiven bzw. konstruktiver Konfliktbewältigung ist richtig gut. Danach wieder Kleingruppen. Langsam gehen uns die Konflikete aus.

In der Mittagspause okkupiere ich einen leeren Nebenraum, mache es mir auf dem einzigen Sessel bequem und schlafe ein. Irgendwann bemerkt man in der Runde, dass ich fehle, da erinnert sich eine Trainerin an mich und kommt mich wecken.

Den Nachmittag arbeiten wir uns an Listen mit Gefühlen und Bedürfnissen ab. Wirklich schöne Übung zu Schluss, mal ein paar Lieblingsbeschäftigungen mit den damit befriedigten Bedürfnissen zu versehen. Bisschen viel „Alleinsein“ bei mir stelle ich dann doch fest, trage dann aber „Kochen“ vor, was immerhin eine soziale Komponente hat.

Muss dann früher los, bin auf dem runden Geburtstag beim Ex-Chef dann noch im Literaturkreis. Später zu Hause üben mein Mann und ich uns dann noch in der destruktiven Konflitbewältigung … eine Übungseinheit, die es nicht mehr gebraucht hätte.

Weiterbildungsurlaub – 1. Tag

Nach dem ersten Kennenlern- und Schnupperwochenende, nun die erste Präsenzwoche. Es wird noch eine zweite geben, nächstes Jahr aber erst, die dann auch das Ende markiert.

Die, die aufhören wollte ist leider doch wieder dabei, weil das erste Wochenende dann doch „voll krass“ war und sie „voll viel“ hat mitnehmen können und jetzt bereit ist, sich auch „voll einzufühlen“. OK.

Drei neue sind auch dabei, wovon eine bei der letzten Übung so ehrlich ist zuzugeben, dass sie Angst vor mir hat, weil ich so „realistisch“ bin.

Auf N. hab‘ ich mich gefreut und gestehe ihr in der zweiten Pause, dass ich gerne dann mit ihr in eine gemeinsame Intervisionsgruppe will. Sie will auch und so ist der Vormittag schon mal gerettet.

Viel Wiederholung, viel klein-klein – aber das ist für die, die keine Beratungserfahrung haben natürlich wichtig. Ich langweile mich schon etwas und hab blöderweise mein Buch vergessen, in das ich bei solchen Seminare dann halbe Romane schreibe.

Mittags bin ich lieber alleine unterwegs, gehe mit mir Nudeln essen (6,15 €) und verstecke mich vor einem Exfreund (jetzt nicht Exfreund im Sinne, dass wir mal ein Paar waren (auch wenn wir mal im Bett waren)). Ich hab’s gerade echt nicht so mit sozialen Kontakten, mit schwierigen sozialen Kontakten erst recht nicht.

Nachmittgas dann eine erste richtige Übung, die beiden (Übungs-)Mediatoren sind nach zehn Minuten am Rande ihrer Möglichkeiten, kämpfen sich dann aber echt gut durch. Die Rückmelderunde war dann das Wichtigste vom Tag.

Abschließend noch eine nette Übung, die N. und mir einfach viel Saß gemacht hat. Gemeinsam lachen ist schon ganz schön.

 

Etwas Lyrik gefällig?

PROJEKTION 1975

Wo ist der Morgen den wir gestern sahn

Der frühe Vogel singt die ganze Nacht
Im roten Mantel geht der Morgen durch
Den Tau der scheint von seinem Gang wie Blut

Ich lese, was ich vor drei, fünf, zwanzig Jahren geschrieben habe, wie den Text eines toten Autors, aus einer Zeit, als ein Tod noch in den Vers paßte. Die Mörder haben aufgehört, ihre Opfer zu skandieren. Ich erinnere mich an meinen ersten Versuch, ein Stück zu schreiben. Der Text ist in den Nachkriegswirren verlorengegangen. Es begann damit, daß der (jugendliche) Held vor dem Spiegel stand und herauszufinden versuchte, welche Straßen die Würmer durch sein Fleisch gehen würden. Am Ende stand er im Keller und schnitt seinen Vater auf. Im Jahrhundert des Orest und der Elektra, das heraufkommt, wird Ödipus eine Komödie sein.

Gerade gefunden. Ist von Heiner Müller. Erinnert mich an den Satz, den ich als 14- oder 15-jähriger im Zimmer hängen hatte: Ich denke gern an meine Zukunft zurück.

Mhd

Mädiavistik war im Studium etwas, was ich sehr ungern gemacht habe. Mittelhochdeutsch war jetzt auch nicht so meine große Lauen, obwohl ich damit recht gut zu recht gekommen bin, wenn es um’s reine Übersetzen / Übertragen ging (Formbestimmungen war noch nie meine große Leidenschaft).

Seit drei Tagen habe ich den „Tristan“ von Gottfried von Straßburg als Tageslektüre in der Mache und bin gerade echt fasziniert, wie der schon mit Sprache kunstvoll ‚gespielt‘ hat und echt reich an Erzählperspektiven ist.

Hier ne Zusammenfassung:

 

* (= 1 Stern)

Notiz an mich:

Mein Lieber! Wenn Du schon mal mit Deinem Mann in ein 1-Sterne-Restaurant gehst um ein 7-gängiges Menü zu verspeisen, was in Summe soviel kostet, von dem du noch vor zwei Jahren einen ganzen Monat bestritten hast, dann nimmt wenigstens deine Lesebrille mit, damit du auch wirklich genau siehst, was da an Rafinessen angerichtet worden ist. Es lohnt sich echt. Mit Deiner jetzigen Brille hast Du zwar auch alles sehen könnem, sah aber schon arg komisch aus, wie Du da mit den Tellern und der Brille agierst hast, dass Du etwas sehen konntest. Das geht – definitiv – mit der Lesebrille einfacher.

Und: Hast Du gut gemacht einfach zu reservieren, ohne auf die Bedenken deines Mannes zu hören. Denn: Es war einfach für beiden ein FEST!

GT (37)

So spannend das alles der anderen auch ist – immerhin darf man in ihre Abgründe schauen – ich kann gerade so überhaupt nicht an deren Themen andocken. Das hat alles nichts / nicht mehr mit mir zu tun, mein Thema ist ein anderes. Dafür brauche ich gerade noch etwas Input, dafür brauche ich Raum – und das bekomme ich gerade in der Gruppentherapie nicht. Und das sag‘ ich auch heute so.

Der Psychodoc klatscht sozusagen in die Hände, dass ich endlich mal wieder möppere und porovoziert auf seine elegante Art und Weise.

Also jetzt etwas Input – und ich werde dieser Tage dann wissen, ob es weiterführend war.

Soll’s geben

Den ganzen Tag was am Job zu arbeiten gehabt. Viel Kleinzeugs, nix von Wichtigkeit, aber immerhin. Und noch Gespräch mit dem Oberchef. Wenn er, als mein dirketer Vorgesetzter sich schon nicht erkundig, wie es mir nach einem halben Jahr im neuen Job geht, dann tu‘ ich’s eben – und lasse fallen, dass ich Kapazitäten frei habe. Das war rein taktischer Natur, denn die Chefsekretärin machte eindeutige Andeutungen und hat mir den Termin mit dem Oberchef gemacht. Mal schauen, welcher Hase jetzt aus welcher Ecke springt.

Endlich!

Endlich knapp 300 Euro weniger!

Denn das heißt,  mir ist es endlich nach Monaten gelungen, mir ein weiteres Paar Schuhe zu kaufen, die mir passen und die mir gefallen. Und um diesen Tag die Krone aufzusetzen: Mir ist – nach zehn Jahren! – zudem gelungen endlich ein paar Schuhe zu kaufen, die mir passen, dir mir gefallen und die rot sind!

Also um zwei Paar Schuhe, drei Oberhemden und ein dreibändiges Buch heute reicher bzw. ärmer aus der Stadt gekommen.

Meinen wirtschaftlichen Beitrag habe ich also zumindest für das erste Quartal 2020 erfüllt.

Happy Birthday, Janis!

In der Straßenbahn

Neben und vor mir zwei Jungstudierende, männlich und weiblich, christlich angehaucht und gerade im Bekenntnismodus („Sowas kann ich halt nur mit Dir, da fühle ich mich halt so wohl, weißt du? So eher zuhause“). Zwei Haltestellen weiter steigt ein Kommilitone etwas weiter hinten in die Staßenbahn ein. Beide fänden es richtig gut, wenn er sich aber zu ihnen setzen würde. Also was machen sie? Genau, sie zücken ihre Handys und versuchen ihn auf sämtlichen Kanälen, die solch Jungstudierende haben (SMS, Whatsupp, FB, Insta, Anruf, …), zu erreichen – erfolglos. Dann versuchen sie es mit Gedankenübertragung und sind sich sicher, dass, wenn sie ihn nur intensiv genug anschauen, er sie auch bemerken würde. Aber auch dieser Glaube versetzt weder Berg noch den Kommilitionen. Nach ca. zehn Haltestellen kommt zumindest er auf den Gedanken, man könnte ja auch rufen – findet sie aber „echt nicht gut“ und eine Haltestelle weiter, wieder er, man könne ja hingehen. Lohnt dann aber nicht, weil sie an der nächsten Haltestelle gemeinsam aussteigen.

GT (36)

Beobachten bzw. etwas zu registrieren und daraus Rückschlüsse zu ziehen, ist ja eher die Stärke der Frauen. Ich versuche seit Jahren das zu üben – immerhin in der Therapiegruppe gelingt es mir zu registrieren, aber eben noch nicht immer, Schlüsse zu ziehen.

Heute saß L. mal wieder im Sessel und nicht wie in den letzten Wochen, wie wir alle, auf dem Stuhl. Also interpretierte ich, dass sie sich mal wieder in sich zurückgezogen hat und von ihr, wie dann immer wenn sie den Sessel wählt, nichts zu erwarten ist.

Doch dann hat sie eine Stunde lang die Runde gerockt und soviel geredet wie die ganze Zeit, seit ich dabei bin nicht – und alle fanden es gut, dass sie endlich mal aus sich herausgekommen ist. Auch der Psychodoc war überrascht und wollte dann von ihr wissen, warum sie den Sessel gewählt hätte. Der, so sie, hätte ihr Sicherheit gegeben und die hohe Rücklehne hätte ihr bei Gegenwind, den sie erwartet hat, den Rücken gestärkt. Gegenwind gab’s keinen.

Mir kamen die 90 Minuten irgendwie doppelt so lang vor. Musste mich auch anstrengen, zuzuhören. Mich interessiert es gerade nicht wirklich. Überhaupt interessieren mich die anderen gerade wenig. Ich glaub, ich muss erst mit meinem Thema durch sein, dass ich wieder auf machen kann.

29 – Professor Hagauer greift zur Feder (945-953)

Hagauer realisert erst mit der Zeit, dass Agathe nicht mehr da ist – willigt erstmal nicht in die Scheidung ein – schreibt Agathe einen Brief

Es ist bekannt, daß ein männliches Wesen, solange es noch zeugungsfähig ist, kurze Pausen der Ehe ähnlich empfindet, wie wenn ein leichtes Joch von ihm abgenommen würde, auch wenn es gar keine bösen Ausführungen damit verbindet und nach Ablauf der Erholung erfrischt sein Glück wieder auf sich nimmt. (947)

Romanökonomisch macht man so etwas, wie Musil es hier tut, schon ewig nicht mehr. Selbst Thomas Mann hätte sich hier zurückgenommen. Denn wie es der Seitenfigur Hagauer (er)geht steht nicht gerade im Zentrum des Interesses. Aber dennoch zeichnet Musil ihn mit wenigen Strichen auf wenigen Seiten – und das muss ihm erstmal jemand nachmachen. Schreiben konnte er, wenn es auch mit der Ökonomie nicht wirklich dann geklappt hat.

1. Schritt

Termin mit einer Ärztin ausgemacht, die mir empfohlen worden ist. Sie guckt auch auf die Psyche – war mir schon immer wichtig. Wenn die Chemie einigermaßen stimmt, dann werde ich sie bitten, den Reha-Antrag zu schreiben. Denn wenn ich dieses Jahr ein Ziel habe, dann für min. vier Wochen in eine psychosomatische Klinik zu kommen, um aus dem Ganzen der letzten Monat ein Paket zu machen.

Laberrunde

Warum hören sich (manche / einige / viele) Menschen so gerne reden?

Warum bekommen Menschen nicht mit, dass sie die gleiche Geschichte nun zum xten Mal erzählen?

Warum müssen Menschen, die etwas erzählt haben, das auch immer gleich noch mindestens einmal wiederholen?

Und warum erzählen Menschen auf das gerade Gehörte mit Geschichten, die gar nicht zu dem gerade Gehörten passen?

Ich bin wohl einfach zu pragmatisch.

XS – # 552-554

Immer wenn Rolli-A. kommt machen wir uns einen Spaß daraus, dass Essen auch in Miniform zu präsentieren. Sie ist ja gerade mal nen Meter lang (wenn überhaupt) und mit 20 kg deutlich leichter als ihr Liegerollstuhl. Unser Anspruch besteht darin, nicht extra etwas für sie zu kochen, sondern das zu kochen, was wir auch anderen Gästen präsentieren würden – wenn halt nur eben alles dann in XS. Eine Einschränkung gibt es aber dann doch: Man muss es irgendwie in sie unfallfrei hineinbekommen – und da sie liegt ist Suppe etwas, was einfach mit Löffel gar nicht geht.

Gestern gab es also dann Caprese von der Kirschtomate

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Ein irre gutes Steipilzrisotto von dem sie fast zwei Portionen gegessen hat und den den Rest gerne mitnahm.

Dann mit einer Schrimps-Farce gefüllte Rigatoni an (na ja, klarem) Tomaten-Sugo auf einem Stöfchen warm gehalten, denn pro Portion dauert es schon ne halbe Stunde, bis die weggeputzt ist, denn man kann nur etwa 1/3 der Kuchegabelzinken mit Essen ‚anhäufen‘, mehr geht nicht in den Mund. (Heute morgen im Bett ist mir dann noch eingefallen, wie man das Gericht noch etwas aufpimpen kann, dann kommt das als Vorspeise sicher extrem gut an, ist zudem noch gut vorbereitbar.)

Ab hier waren wir dann auch zu fünft, weil spontan noch ein befreundetes Ehepaar vorbei kam und die haben dann halt das bekommen, was wir uns für heute Abend mitgemacht hatten. Kurz: Alles weg.

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Und zum Schluss eine Mandarinen-Panna Cotta, wobei die Mandarinen nur ‚Verzierung‘ sind, der Geschmack war echt in der Panna Cotta, da ist meinem Mann echt was gelungen. Eigentlich hätte da noch etwas Schokoladenrapseln dazugehört, aber die hat dann mein Mann vergessen, egal, war auch so gut.

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Ach ja: Ich hab nur auf dem Tischtuch, auf der Servierte und auf meiner Hose Flecken gemacht – nicht aber auf sie. Ich bitte das doch wohlwollend zu belobigen.

28 – Zu viel Heiterkeit (935-945)

Agathe bewegt sich elegant in der Gesellschaft – sie leben sich in dem Haus zusammen ein – da keine Zofe, hilft Ulrich Agathe bei der großen Garderobe – sie kauft viel ein, belegt fast alle Räume – Ulrich sinniert über geschwisterliche Nähe – Frage nach der Rolle als Bruder bzw. als Mann – für Ulrich ist Liebe ein Ausnahmefall – beide suchen ihre Rollen zueinander

»Vielleicht macht es dir nur Spaß,« gab Agathe zur Antwort »Bruder und Schwester zu spielen, weil du vom Mann und Frau Spielen übergenug hast?!« (940)

Mal wieder so ein richtiges Musil-Kapitel, voller Anspielungen, Zwischentöne, Feinheiten und Ideen. Wirklich klasse gemacht, wie er die Unsicherheit von Ulrich umschreibt, wie er als Mann und Bruder zu Agathe stehen kann, darf oder soll. Agathe macht es ihm da auch nicht einfach, da sie, arg von sich überzeugt, nicht nur wörtlich, viel Raum einnimmt. Die Anspielungen auf das, was wir heute ‚freie Sexualität‘ nennen, dürfte schon leicht Skandal umwoben sein, denn dato fand ‚gesellschaftliche Sexualität‘ ja nur in der Ehe statt (sieht man, was großzügig getan wurde, vom Sex zwischen jungen Männern und Dienstmädchen ab). Echt guter Text zu gesellschaftlichen Geschlechterrollen.

Ja was denn?

Zur Zeit weiß ich gar nicht so richtig, was ich hier bloggen soll. Im Alltag ist – was gut ist – eher wenig los. Keine richtigen Aufreger, alles plätschert so vor sich hin.

Die intrapsychischen Prozesse sind nach wie vor im Gang, aber das irrlichtert mehr, als dass ich da konkret was dazu schreiben könnte. Und meine Alpträume stehen in einem extra Dokument, die muss ich hier niemanden zumuten.

Immerhin heute mal einen Termin mit einer Ärztin ausgemacht, die mir jemand aus der Therapiegruppe empfohlen hat. Anfang Februar schaue ich sie mir an in der Hoffnung, dass ich „mit ihr kann“. Denn ich brauch‘ jemand, der mir einen guten Rhea-Antrag stellt – und einen Hausarzt / eine Hauszärztin zu haben ist ja auch nicht falsch. (Meine ehemaliger hat es ja vorgezogen, Expeditionsschiffsarzt zu werden.)

Oder sollte ich mir auch so ein Spielzeug anschaffen?

Jedenfalls schiebe ich heute nach ein paar Monaten Pause mal wieder einen Nachtdienst und komm so auf den ein oder anderen Alptraum rum.

Und der Hölderlin ist heute gekommen. Vielleicht doch mal alle seine Briefe lesen? Die an Neuffer las ich ja als Student mit Begeisterung. Damals war halt der Freundschaftskult hoch im Kurs. Da wimmelte es nur so von „Herzen“ und „Busen“ und „Armen“ und „Seelen“. Klang ganz schön schwul – kein Wunder, dass ich mich damals darauf gestürzt habe. Hölderlin als Coming-out-Helfer – das hätte er sich auch nicht gedacht.

CBD

Jemand hier mit Erfahrung mit CBD? Gestern war das in der Gruppentherapie kurz Thema, eine macht damit gerade erste Erfahrungen. Ich würde es nur zum schlafen nehmen wollen, denn eine Nacht, ohne auf die ein oder andere Art zu Tode zu kommen, fände ich nach Wochen auch mal wieder ganz schön.

27 – Agathe wird alsbald durch General Stumm für die Gesellschaft entdeckt (929-935)

Agathe wird in die Gesellschaft ‚eingeführt‘ – Ulrich geht davon aus, dass sie bald einen neuen Mann findet – General Stumm verliert die Fassung, als er Agathe das erste Mal sieht – ist echt von der Rolle – er befürchtet, dass Frau Professor Drangsal Diotima den Rang ablaufen könnte – Ulrich und Agathe gelten in der Gesellschaft als die „Siamesen“

Es liegt jetzt derzeit ein ganz entschiedenes Man-weiß-nicht-was in der Luft. (931)

Die Reaktion von Stumm kann als die Reaktion der Gesellschaft auf das Auftauchen von Agathe, die bis dahin nicht einmal namentlich bekannt ist, gewertet werden. Aufruhr, denn niemand weiß, was man von ihr zu halten hat und was sie vielleicht bewirken könnte. Störung des Systems sozusagen.

# 521 – S.

sean2

GT (35)

Nach der Winterpause fremdeln wir überraschend wenig. Das war nach der Sommerpause noch deutlich anders. Ein Neuer ist da, er weckt Erinnerungen, leider nicht so richtig gute, schau ich mal. Sind sogar etwas ins arbeiten gekommen – aber wie immer viel zu wenig.

Satz des Tages vom Psychodoc: Der Schiffbrüchige bricht erst am Strand zusammen. Das hat J. wirklich gut getan und ich werde mir den Satz auch sicher merken.

Vergessen

Als ich heimkomme dauert es ne ganz schön lange Weile, bis mir einfällt, dass ich ja vergessen habe die Wäsche vom Keller hochzuholen. Sehe aber auch, dass mein Mann vergessen hat, mir einen Zettel auf den Tisch zu legen, dass ich nicht vergesse, die Wäsche aus dem Keller zu holen. Im Keller stelle ich fest, dass mein Mann vergessen hat, überhaupt Wäsche zu waschen.

26 – Frühling im Gemüsegarten (909-929)

Clarisse im Gespräch mit Walter – man wartet immer noch auf die Genehmigung, Moosbrugger besuchen zu können – heiße Diskussion – reden aber aneinander vorbei – jede/r will überzeugen – sie mit Meingast ab in den Garten – Walter sucht Hilfe bei Agathes Bruder Siegmund – derweil Clarisse und Meingast das Thema ‚Wert‘ haben – dann ist Sex dran – Agathe stellt mal wieder die Sinnfrage – Meingast hat Probleme ihr zu folgen –

Nach deinem Blut ist natürlich Eigentlich immer Eigentlich nicht! (913)

Das wohl längste Kapitel bisher? Clarisse überfordert im Grunde alle. Keiner weiß sie richtig zu nehmen, was sie dann um so mehr antreibt, die anderen sie erst recht nicht verstehen … und so weiter. Walter hat eh keine Idee mehr, Meingast ist nun auch überfordert nur Siegmund stellt in den Raum, ob sie nicht, wie alle Frauen angeblich, „von dem gleichen Punkt aus zu kurieren“ sei. (Wer seinen Goethe nicht kennt, das ist Mephistopheles der Faust empfiehlt, Frauen einfach flach zu legen und Sex mit ihnen zu haben, dann würden sie schon parieren.) Aber da kennt er die Meinung Clarisse nicht, die Sex weitestgehend ablehnt, weil sie nicht als Lustobjekt gesehen werden will, wie sie, als missbrauchtes Kind, am eigenen Leib ja schon erfahren hat. Extrem verfahrene Situation also für die vier, dazu kommt noch die eigenen Unsicherheit, also genug Stoff für eine Sprengladung.

WMDEDGT 1/20

Wie an jedem 5ten. Alles weitere hier.

5:45 werde ich nach dem xten Alptraum wach und hab‘ auch gar nix dagegen, dass ich nicht mehr einschlafen kann. Analysiere die Mail von M. die mich gestern gekränkt hat und weiß aber noch immer nicht warum. Leiste mir den Luxus und gehe 6:35 pissen, damit ich noch bis 7:00 in aller Ruhe im Bett liegen kann. Dann mach ich mir einen Tee ohne Tee der dann doch nach Tee schmeckt, weil die Restbestände der Kanne den Weg ins Wasser gefunden haben, ziehe mich dann auch mal an, obwohl bis dahin Gäste mich hätten nackt in der Küche ‚entdecken‘ können (wenn sie denn aufgestanden wären) und bin pünktlich um 7:45 auf der Straßenbahn. 8:10 bin ich soweit eingerichtet und beginne den Dienst, der überraschenderweise mit einer Geschwindigkeit verfliegt, so dass ich noch hätte weiter machen können, als H. mich um 11:50 ablöst. Es kommt zu einem überraschend offenem, vertrauten Gespräch und wir geben uns gegenseitig ein wenig Halt. Duch den Niesel knapp 30 Minuten zu Fuß zurück. In der Zwischenzeit bin ich mir klar geworden, was mich an der Mail so gekränkt hat und formuliere Antworten. Merke bei der Analyse aber auch, dass ich die Möglichkeit habe, es mir schwer(er) zu machen oder leicht(er) – was eine positive Folge der Therapie ist – und beschließe dennoch M. erstmal noch ein bisschen unter moralischen Druck zu setzen. Die Alpträume habe ich auch durch die Analyse gemangelt und bin wenig überrascht über das Ergebnis – aber dass das alles soweit reicht … 12:50 stehe schon am Herd und brate schnell ein paar Semmelknödel von gestern ab und mache Pilze dazu. Kurzes Essen mit dem Mann, dann liege ich 13:15 schon wieder im Bett. Statt zu wichsen schlafe ich lieber und brauche eine Stunde später echt meine Zeit, um aus dem kommatösen Schlafen hervorzukommen. 14:30 am Rechner, M. bekommt ihre Mail und ich checke auf verschiedenen Portalen Bücher mit dem Ergebnis: Zwei brauche ich schon mal nicht zu kaufen und die anderen beiden dürfte das Darknet vorhalten. Der Mann taucht auch aus seinem Mittagsschlaf auf und so gibt es um 15:10 Tee und Duplo. Der Mann muss noch arbeiten, so dass ich ab 16:05 mich uneingeschränkt der Lektüre von „Middelmarch“ widmen kann. 18:00 brennen die Augen – schon wieder zu wenig getropft – und ich verlinke schnell den Artikel hier. Dann vor den Fernseher, aber das Programm scheint durcheinander gekommen zu sein. 19:00 kochen breite Nudeln auf dem Herd, das Gulasch von gestern simmert auch so vor sich hin und als ich esse zu zappe kommt doch noch die Lindenstraße, eine kombinierte Weihnachts- und Sylvesterausgabe zum 5. Januar. Deutliche Zeichen, dass die Serie untergeht. 20:00 traditionell die Nachrichten und  mir fällt nichts mehr zu diesem Kriegstreiber Trump ein. Er ist die derzeit größte politische Pest. 20:15 natürlich Tatort, auch wenn mit „Tschiller“ – aber der lässt sich interessanterweise irgendwie ganz amüsant an.

Schwarzes Schaf

Der Bruder meiner Mutter, also mein Onkel, ist vor ein paar Tagen gestorben. Er wurde 93. Ich hab‘ ihn eigentlich gemocht, auch wenn ich ihn vielleicht nur zehn oder zwölf mal in meinem Leben gesehen habe. Er war so ein bisschen das schwarze Schaf in der Familie, weil er sich hat scheiden lassen. Und seine Kinder aus dieser ersten Ehe waren daher auch etwas schwarz, wobei ich den einen, also meinen Cousin B., wirklich sehr gerne mochte und der mal sehr wichtig war, bis meine Mutter meinte da reingrätschen zu müssen …

Seite Jahren (wenn nicht Jahrzehnten) lese ich die SZ. Da nicht in München anässig, bekomme ich die Deutschlandausgabe, die von Todesanzeigen weitgehenst befreit ist. Heute aber in der E-Paper-Ausgabe was gesucht und zufällig auf eine Todesanzeige für den Onkel gestoßen. Dass er beruflich ein hohes Tier war, wußte ich, aber gleich Regierungsdirektor und zudem Bundesverdienstkreuzträger am Bande?

Das ganze noch ein weiteres Steinchen zum Mosaik, dass ich aus einer echt bescheuerten Familie dann doch stamme.

8.004

Um mein ‚Lebensziel‘ zu erreichen – 3.000 gelesene Bücher – fehlen jetzt nur noch 8.004 Stunden Lesezeit. Das ist die gute Info, die ich heute aus dem neu aufgesetztem Excel-Sheet gezogen habe.

Die nicht so gute Info: Bei meiner jetzigen Lesegeschwindigkeit von 46 Seiten pro Tag im Durchschnitt, brauche ich dafür noch 16,9 Jahre.

Ich sollte vielleicht doch mal meinen Bücherschrank durchgehen und schauen, welches Buch ich in der Liste vergessen habe.

brigwords

Leben berührt - Gedichte und Geschichten

Kaleidoskop eines Alltags

Es gibt immer eine Geschichte hinter der Geschichte.

Anton Weyrother

weyrother.net

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Texte zur Ästhetik, Philosophie und Kunstkritik sowie vermischte Bemerkungen

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