28 – Zu viel Heiterkeit (935-945)

von Bert

Agathe bewegt sich elegant in der Gesellschaft – sie leben sich in dem Haus zusammen ein – da keine Zofe, hilft Ulrich Agathe bei der großen Garderobe – sie kauft viel ein, belegt fast alle Räume – Ulrich sinniert über geschwisterliche Nähe – Frage nach der Rolle als Bruder bzw. als Mann – für Ulrich ist Liebe ein Ausnahmefall – beide suchen ihre Rollen zueinander

»Vielleicht macht es dir nur Spaß,« gab Agathe zur Antwort »Bruder und Schwester zu spielen, weil du vom Mann und Frau Spielen übergenug hast?!« (940)

Mal wieder so ein richtiges Musil-Kapitel, voller Anspielungen, Zwischentöne, Feinheiten und Ideen. Wirklich klasse gemacht, wie er die Unsicherheit von Ulrich umschreibt, wie er als Mann und Bruder zu Agathe stehen kann, darf oder soll. Agathe macht es ihm da auch nicht einfach, da sie, arg von sich überzeugt, nicht nur wörtlich, viel Raum einnimmt. Die Anspielungen auf das, was wir heute ‚freie Sexualität‘ nennen, dürfte schon leicht Skandal umwoben sein, denn dato fand ‚gesellschaftliche Sexualität‘ ja nur in der Ehe statt (sieht man, was großzügig getan wurde, vom Sex zwischen jungen Männern und Dienstmädchen ab). Echt guter Text zu gesellschaftlichen Geschlechterrollen.