Durch die Zeit

GT (36)

Beobachten bzw. etwas zu registrieren und daraus Rückschlüsse zu ziehen, ist ja eher die Stärke der Frauen. Ich versuche seit Jahren das zu üben – immerhin in der Therapiegruppe gelingt es mir zu registrieren, aber eben noch nicht immer, Schlüsse zu ziehen.

Heute saß L. mal wieder im Sessel und nicht wie in den letzten Wochen, wie wir alle, auf dem Stuhl. Also interpretierte ich, dass sie sich mal wieder in sich zurückgezogen hat und von ihr, wie dann immer wenn sie den Sessel wählt, nichts zu erwarten ist.

Doch dann hat sie eine Stunde lang die Runde gerockt und soviel geredet wie die ganze Zeit, seit ich dabei bin nicht – und alle fanden es gut, dass sie endlich mal aus sich herausgekommen ist. Auch der Psychodoc war überrascht und wollte dann von ihr wissen, warum sie den Sessel gewählt hätte. Der, so sie, hätte ihr Sicherheit gegeben und die hohe Rücklehne hätte ihr bei Gegenwind, den sie erwartet hat, den Rücken gestärkt. Gegenwind gab’s keinen.

Mir kamen die 90 Minuten irgendwie doppelt so lang vor. Musste mich auch anstrengen, zuzuhören. Mich interessiert es gerade nicht wirklich. Überhaupt interessieren mich die anderen gerade wenig. Ich glaub, ich muss erst mit meinem Thema durch sein, dass ich wieder auf machen kann.

29 – Professor Hagauer greift zur Feder (945-953)

Hagauer realisert erst mit der Zeit, dass Agathe nicht mehr da ist – willigt erstmal nicht in die Scheidung ein – schreibt Agathe einen Brief

Es ist bekannt, daß ein männliches Wesen, solange es noch zeugungsfähig ist, kurze Pausen der Ehe ähnlich empfindet, wie wenn ein leichtes Joch von ihm abgenommen würde, auch wenn es gar keine bösen Ausführungen damit verbindet und nach Ablauf der Erholung erfrischt sein Glück wieder auf sich nimmt. (947)

Romanökonomisch macht man so etwas, wie Musil es hier tut, schon ewig nicht mehr. Selbst Thomas Mann hätte sich hier zurückgenommen. Denn wie es der Seitenfigur Hagauer (er)geht steht nicht gerade im Zentrum des Interesses. Aber dennoch zeichnet Musil ihn mit wenigen Strichen auf wenigen Seiten – und das muss ihm erstmal jemand nachmachen. Schreiben konnte er, wenn es auch mit der Ökonomie nicht wirklich dann geklappt hat.

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