Durch die Zeit

Monat: Mai, 2020

Newsletter aus der Vergangenheit

Den aktuellen Schmerzbericht gibt es morgen.

Nur soviel: Wer mir irgendwie seine Mail-Adresse zukommen lässt, der / die kann den Proust-Newsletter abonnieren und muss nicht jeden Tag hier gucken.

Proust | Beschreibung der Kirche und des Glockenturms von Saint-Hilaire in Combray, wo die Familie von Marcel den Sommer verbringt. Glocken- bzw. Kirchtürme werden auch später noch eine Rolle spielen.

Frag nicht.

Heute vormittag nahezu schmerzfrei, also nicht zum Arzt. Nach dem Mittagsschlaf (tief und erholsam) gleich zwei Anfälle. Wo ist da die Logik? Oder der Trigger?

Um mich abzulenken, suche ich das Marcel-Proust-Kochbuch hervor, aus dem ich, obwohl ich es schon gut 20 Jahre besitze, noch nie was gekocht habe. Das wird sich dieses Jahr ändern (müssen!).

Proust | Die Kusine seines Großvaters – Tante Léonie – wird eingeführt. Sie ist bettlägerig (tut jedenfalls so), sie ist hypochondrisch, sie ist neugierig, sie ist leicht herrisch, sie ist gläubig, sie ist geschwätzig, sie ist … eben so eine Verwandte, die einem irgendwie auf den Geist geht und dann doch wieder nicht. Immerhin weiß Marcel durch sie, wie Lindenblütentee schmeckt – und der war ja bei der gestrigen Madeleine-Szene zentraler Bestandteil (auch wenn es in Realität ein Milchkaffee war).

Der Tag

Morgens: Besuch bei zwei Ärztinnen. Die Zähne sind es nicht – aber das ist dann auch die einzige Erkenntnis in Sachen Schmerzen. Ibu ist angesagt und wohl morgen der nächste Arzt.

Mittags: Lege mich kurz hin, um zu entspannen. Vier Stunden später weckt mich mein Mann mit der Frage, ob ich heute noch mal aufstehen will.

Abends: Angrillen auf der Wiese mit A. und Z. Jetzt haben wir zudem einen neuen Freund, Phil, ca. 7 Jahre, der uns, bzw. vielmehr unseren Grill, bzw. das Feuer, gleich adoptierte.

Proust | Ich kann kein Französisch. Mich würde aber interessieren wie »das Drama meines abendlichen Entkleidens« (1.65) und »das Drama meines Zubettgehens« (1.66.) im Original heißt. Ersteres hat ja eine ganz andere Implikation als das andere.

Dann die (zurecht) berühmte Madeleine-Szene. Ich bin mal so bösartig und entkleide den letzten Satz aller Zusätze (also dem Zauber) und zitiere nur den ihm zugrundeliegende Hauptsatz:

»Und wie in jenem Spiel, bei dem die Japaner in eine mit Wasser gefüllte Prozellanschale kleine Papierstückchen werfen … die … auseinandergehen … stiegen … all das … auf aus meiner Tasse Tee.“ (1.71)

*HUUNNNNNNNNG*

Die Schmerzen lassen im Grunde gar nicht mehr nach. Meistens latent vorhanden und dann – ohne erkennbaren Anlass – schießen sie anfallartig in die linke Gesichtshälfte, dass mir schlecht wird. Migräne? Neuralgie?

Morgen Zahnartz, dann Hausarzt, nicht zur Arbeit. Denn wenn ich mich ’still‘ verhalte, ist es zwar nicht schön, aber auszuhalten.

Proust | Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Der Vater erlaubt, dass die Mutter bei ihm übernachten darf. Man macht schon mal ein Bücherpaket auf, dass es erst in zwei Tagen hätte geben sollen, so haben sie etwas zum (vor)lesen.

… da ich ja ein neues Bucht nicht als eine Sache unter viele anderen ähnlich betrachtete, sondern als eine einzigartige Persönlichkeit, die ihren Daseinsgrund in sich selbst hatte … (1.62)

GT (43)

Nichts wirklich Neues unterm dem gruppentherapeutischen Himmel – ausgenommen danach.

Derweil kauen wir an unseren Themen rum und kommen in lebhaften Austausch. Der Psychdoc heute auch sehr gesprächig und erklärend. Er bringt eine Zeichnung von F.K. Wächter mit. Darauf zu sehen ein fliegender, übermäßig dürrer Hahn, auf dem eine Fette Henne sitzt, und sich fliegen lässt. Text dazu: „Denk daran, dass ich Dich unter Schmerzen geboren habe.“ Kommt (noch) nicht bei allen an.

Kurz unterhalte ich mich noch mit S. auf der Straße, da kommt C. auf mich zu, sie wolle mir noch etwas sagen und – ja, wir wagen es! obwohl aus therapeutischen Gründen nicht gewollt, nahezu verboten: Wir gehen ein Stück des Heimweges gemeinsam. Premiere, die gut tut.

*ARGL* – *EEK* – *OOÜAAH*

Sonntag hat es angefangen. Da dachte ich noch, na, das kann ja auch wieder verschwinden. Tat es aber nicht. Also heute zur Zahnärztin, die gleich mal Hammer, Pickel und Speer zückte, um damit auf meinen Zähnen rumzuhauen, als gäbe kein Stück Brot mehr zu kauen. Die sind an den Zahn- und Kieferschmerzen aber wohl gar nicht schuld. Was dann? Keine Ahnung. Mal bis Freitag beobachten (und solange Schmerztabletten futtern die muss man ja nicht kauen).

Bin gerade etwas mit der Bereifung runter.

Proust | Marcel muss heuer ungeküsst ins Bett – Swann ist mal wieder da. Aber ganz ‚Mann‘ überlegt er sich eine List, doch an den mütterlichen Kuss zu kommen. Sie misslingt. Gibt er auf? Nein, er ’steht‘ seinen ‚Mann‘ und bezieht gegenüber seiner Mutter Stellung und fordert, auch wenn ihm bewußt ist, dass bei Misslingen die Strafe hoch ist.

Der Knabe kämpft – mehr oder minder geschickt, mehr oder minder erfolgreich – um seinen Gute-Nacht-Kuss wie später der Mann um die Frau, dass sie sich ihm öffnet und er sie penentrien kann. Und wenn dann Männer nicht gelernt haben, dass es auch Misslingen gibt, dann werden sie Arschlöcher.

# 530 – Blue Sky

… oder nicht?

Arbeitsmäßig total unmotiviert. Soll ich mir einen Tag Urlaub nehmen? Oder doch nicht? Aus lauter Unmotiviertheit, vergesse ich eine Entscheidung zu treffen. Morgen wäre die letzte Möglichkeit der Woche gewesen, Do und Fr vertrete ich die Kollegin, da gibt es keine Genehmigung.

Proust | Während Marcel schon Panik bekommt, mit nur einem Kuß von Muttern ins Bett zu müssen, weil Monsieur Swann mal wieder zu Besuch kommt, bereiten sich die Erwachsenen vor, sich ihm von ihrer besten Seite zu zeigen. Und weil sie es extra gut machen wollen, übetreiben sie es – und Swann ist einfach nur verwirrt.

Nicht nur ich habe Swann in die falsche ‚Klasse‘ gesteckt, die Erwachsenen tun es auch mit den unterschiedlichsten Personen aus unterschiedlichen Gründen. Ergebnis: Jeder wähnt den andern da, wo er gar nicht ist. „… als soziale Person sind wir eine geistige Schöpfung der anderen.“ (1.29)

Alte Knochen

Weil mir die Knochen vom Samstag weh tun, heute alles mehr oder weniger in Zeitlupe. Stand ja eh nichts von Wichtigkeit an. Liebäugel sogar, mich in die Badewanne zu legen.

Proust | Bisher hatte ich es immer andersrum verstanden. Ich dachte, Swann würde gesellschaftlich tiefer als die der Familie von Marcel, dem Ich-Erzähler, stehen. Ist aber genau andersum. Ist aber derzeit noch egal, derzeit bevölkert man abends den Garten auf dem Lande und Marcel, der Knabe, schiebt Panik vor dem ins-Bett-gehen.

Proust, Marcel: Recherche

Ab heute zehn Seiten täglich. So das Vorhaben. Heißt, ich bin im August Oktober 2021 damit durch – denke aber, ich schaff es etwas schneller.

1984 / 1985 das erste Mal gelesen. Mit absoluter Begeisterung nach dem ersten Satz, der – »Lange Zeit bin ich früh schlafen gegangen« – jetzt nicht gerade so der Burner ist. Aber dann beschreibt Proust ja auf den ersten Seiten ausführlich, wie es ist, wenn man einschläft oder meint noch wach zu sein, während man schon eingeschlafen ist … das ist einfach nur großartig und was er dann auf den nächsten (je nach Augabe 3.000 bis 5.172) Seiten macht, ist ganz einfach Weltliteratur.

Ende des letzten Jahrtausend dann auch immer mal wieder bei einer Lesung in Köln dabei gewesen und mir über die Jahre die 135 (!) CDs zusammenschenken lassen und x-mal gehört.

Aber nun Lust auf die eigene Lektüre der kommentierten Ausgabe mit der dazughörigen Enzyklopädie und einem Bildband.

Ein richtiges Leseprojekt mache ich nicht draus, aber der Plan ist – im Moment zumindest – wenn ich blogge, dann auch immer ein, zwei Sätze zu Proust zu schreiben.

Außeneinsatz

Bei E.’s Familie auf dem Dorf. Die legen gerade ihre Terasse höher. Ich hab‘ von sowas zwar keine Ahnung, aber so mithelfen tu ich hin und wieder ganz gerne: Work-out.

Mit so nem Presslufthammer für Arme gearbeitet, bis mir die Arme abgefallen sind; rumgeflext und überrascht gewesen, dass das Funken macht; geschippt, was es so zu schippen gab und mit Beton rumgeworfen, als würde ich das schon Jahre machen, nun ja … fast jedenfalls. Ach ja, und mal wieder Steine geschleppt, bis die Arme lang wurden.

Jetzt tut mir alles weh, will gar nicht an morgen denken und hab schon mal begonnen meine blauen Flecken zu zählen. Sieht ganz nach häuslicher Gewalt aus.

Steter Tropfen

So, jetzt haben wir auch einen Grill. So klassisch, mit für Kohle und echtem Feuer. Hat nur knappe zwei Jahre gedauert, bis mein Mann klein beigegeben hat.

Schnipsel

  • Den Vögeln haben wir ein neues Haus hingestellt. Das finden sie jetzt (noch) nicht. Muss ich morgen wohl Hänsel-und-Gretel-mäßig ne Körnerspur legen.
  • Nach acht Wochen mal wieder Treffen des Lesekreises im Garten bei Kaffee und Erdbeerkuchen – die Pandemie scheint spurlos an uns vorüber gegangen zu sein, zumindest chrakterlich alles beim Alten.
  • „Kann ja nicht so aufwendig sein“, meinte mein Mann für ein weiteres Video – wurden dann aber alleine 90 Minuten Schnitt-Zeit für 2:31 Resultat – OK, ich bin noch nicht so versiert und muss einiges noch länger suchen.
  • Muss ich noch mal mit etwas mehr Text versehen, frei nach Helene Fischer: „Hosenlos, durch den Tag“ – das wird einer der nächsten Sommerhits und ich endlich reich.
  • Ein kleiner Text von Bodo Kirchhoff plättet mich gerade total – nachts ein komplett neuer Gedanke, der ein weiteres, schweres Tor aufmacht – morgen während der ‚Arbeit‘ dann endlich Zeit, ausführlich Thera-Tagebuch zu  schreiben. Ich komm gerade weiter.

# 529

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GT (42)

Man tagt ohne Mund-Nasen-Schutz, also bin ich wieder dabei.

Die Einstiegsrunde ist eher dröge. Ich weiß zu berichten, dass ich die letzten beiden Wochen wirklich viel an meinem Thema gearbeitet habe (auch dank E.), aber das ich aufpassen muss, mich nicht zu übernehmen. Positves gibt es dann auch noch von mir – die Stunde könnte also gleich enden.

Tut sie aber nicht.

J. wird Thema, der in zwei Wochen in die Akutklinik kann – »akut« heißt in dem Fall, er hat nur, dank Virus, fünf Wochen warten müssen. Der Therapeut fordert mich auf, zu einem bestimmten Komplex etwas zu sagen. Nach den ersten zwei Sätzen merke ich, mit welcher Intensität ich da spreche, welche gar nicht mal so schlechte Metaphern mir einfallen, wie eindrücklich ich schildern kann … und als ich fertig bin, will ich nur noch weinen und weiß gar nicht einmal warum.

Meine Wochenaufgabe.

Porno

Zwischen all den Büchern in meinem Buchregal steht ein Foto, welches mich zeigt. OK, eher meine nackte Mitte und die dann noch im Zustand höchster Erregung. Aus verschiedenen Gründen gefällt mir die Aufnahme wirklich gut und das Foto landete beim Einzug eher zufällig im Regal – und ist dann halt da stehen geblieben.

Immer dann, wie jetzt am Wochenende, wenn jemand mein Zimmer sehen will, vergesse ich, dass da (wohl für viele) Pornographie zu sehen ist und frage mich dann später immer, was die wohl sich gedacht haben / von mir denken.

Direkt angesprochen hat mich noch nie jemand drauf

Viel Fichte

Mit E. heute mal wieder durch die Natur gestapft. Er fragt dann immer, wie es mit mit meinen Themen geht, die mich seit letztem Herbst ja so fertig machen / gemacht haben.

Jedesmal ist es irre schwer darauf zu antworten. Denn die aktuellen Gedanken sind meist nicht wirklich ‚aufregend‘ oder ‚dramatisch‘ oder ‚besonders‘. Sie sind Puzzelstücke. Und für mich ist es richtig Arbeit, diese Puzzelstücke zu finden, anzunehmen, benennen zu können und sie mal vorest an einem Platz zu legen, wo sie vielleicht hingehören. Denn das endgültige Bild kenne ich nicht – hab‘ sozusagen keine Packung dazu.

Merke auch gerade, dass ich das Thema derzeit ‚externalisiere‘ – also ich spreche ganz viel darüber, aber schließe mich da vollkommen aus.

Aber auch das ist gut. Ich bin im Prozess und der macht halt irgendwelche Wege … ist halt so.

Tagesschnipsel

  • Die Übungsmediation war extrem anstrengend, weil N. es uns beiden Mediatoren echt nicht einfach gemacht hat. Aber das war in der Hinsicht gut, dass mir mal wieder klar geworden ist, dass auf der Sachebene ich ein echter Profi bin, aber das Emotionale nicht in dem Maße im Focus habe, wie wichtig / notwendig und gut ist.
  • Wenn ich mich dann traue, auf das Emotionale zu gehen, bringt das die Mediation weiter und ich bin da weitaus standfester, als ich immer so denke.
  • Scheint gerade ne gute Kombi zu sein Therapie und Mediationsausbildung.
  • Nicht umarmen zu dürfen tut fast noch mehr weh als nicht zu sehen. Überträgt man Viren, wenn man bei der Umarumung die Luft an hält?
  • Scheinbar lassen sich mehr Menschen gerne küssen, als gedacht. War heute zwar nur ein theoretisches Thema, der Wunsch aber äußerst deutlich.
  • Ich lerne für mich zu sorgen und bin mir dankbar, dass ich mir morgen frei genommen habe.

# 528 – Bis vor kurzem Stuhlkreis, jetzt …

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Heute zwar etwas inhaltsschwach die Ausbildungseinheit, dennoch vergnüglich.

Scheinbar kann ich echt witzig sein. Ist jedenfalls auffallend, wie herzlich über mein nicht-ernst-gemeinten Kommentare oder Einwürfe gelacht wird. Regrediere ich zurück zum Klassen-Clown? Mittwoch ist wieder Therapie (ohne Maske) – ich könnte es ja mal thematisieren (oder einfach lassen und mich freuen, dass die anderen lachen).

Männer und Machtspiele

Der Kollege, der ab morgen offiziell in einer anderen Abteilung dann ist – und dort auch auf ein Sekretariat zurückgreifen kann – stand heute in meinem Büro mit so einer typischen Aufgabe für dumme Azubis im 2. Lehrjahr und Schulpraktikanten. Es gilt gut 350 Datensätze einzeln aufzurufen, um ein Häkchen zu setzen, was aber pro Datensatz 18 Klicks benötigt. War wohl als kleine Demütigung gedacht, da ich ab morgen ein Teil seiner Aufgaben übernehme.

Gut 50 Datensätze habe ich geschafft … und ab morgen habe ich aber leider sooooo wichtige und soooo viele und soooo anstrengede Aufgaben, dass ich da wohl nicht mehr dazu komme werde.

Es scheint zu werden

Freitag, spätestens am Montag wird es offiziell. Dann bin ich der Herr über unserer Webseite an der Arbeit, bin Vertreter der Pressesprecherin, habe Unterschirftsberechtigung und behalte meine sonstigen Tätigkeiten – in erster Linie Mediengestaltung und rudimentäre Sekretariatsarbeiten.

Chefchef hat von sich aus schon angesprochen, dass, wenn ich meine Stellenbeschreibung aktualisiert habe, etwas am Gehalt geschraubt wird. Zwei Gruppen müssten drin sein – und wenn dann noch die Stufe stimmt …

In erster Linie bin ich froh, dass dann das wer-darf-was-machen-Hick-Hack weitgehend vorbei ist.

absolut vs. prozentual

Was ich seit Beginn der Corona-Epedemie nicht verstehe, sind die verschiedenen Statistiken.

Vielleicht bin ich einfach zu blöd, aber ich verstehe einfach nicht, warum die Fallzahlen exponentiell dargestellt werden. Das macht ja immer den Eindruck, als würde die Kurve abflachen und alles sei wenn nicht gut, so zumindest doch stabil. Dabei wächst die Zahl ja kontinuierlich.

Genauso verstehe ich nicht, warum die Todeszahlen pro Land absolut angegeben werden. Über 80.000 in den USA hört sich viel an, über 30.000 in Italien und Großbritanien ebenfalls (Quelle) – und jeder Tote ist auch zuviel, nur das da kein Mißverständnis aufkommt. Die drei führen generell die Liste an. Schaut man aber auf das Verhältnis Tote zu Einwohnern, dann führt Belgien mit gut 76 Toten auf 100.000 Einwohner – und wer hat von uns in letzter Zeit gehört, dass es in Belgien schlimm ist? –  und die USA rutscht auf Rang 8 ab (Quelle), derweil Spanien und Italien die nächsten Plätze belegen.

Sauber finde ich das irgendwie nicht.

 

Was macht man nicht alles für einen Stern

Mein Mann hat mich am Wickel. Für eine Lehrerfortbildung braucht er jetzt kleine Videos. Aufnehmen tut er sie selber. Bearbeiten soll ich sie aber. Ich hätte ja schließlich Computerkenntnisse. Habe ich. Aber nicht im Bereich Video-Schnitt und Tonspur und Slowmotion und Timelap und, und, und, und …

Es gäbe dafür ein Abendessen im Sternerestaurant.

OK!

Da ich dieses Wissen theoretisch auch an der Arbeit nutzen könnte … warum sollte ich nicht einfach bei dem vielen Leerlauf mich derweil fortbilden? Tutorials gibt es ja genug, ein Fach- bzw. Lehrbuch ist im Budget auch noch drin … auch wenn es gestern und heute elendig genervt hat unwissend da etwas zusammen zu basteln … ich hab Lunte gerochen.

 

Es könnt‘ ja mal ne Pandemie kommen!

J. brachte gestern so rund drei Kilo Erdbeeren und gut 13 Kilo Tomaten vorbei. Wäre sonst alles auf dem Müll gelandet.

Jetzt haben wir Erdbeermarmelade für mindesens 30 Luffen und die Grundlage für Bolo für das nächste halbe Jahr. Maximal.

Gemurkse ade?

Gestern gab es den letzten Home-Office-Tag für mich – ab Montag herrscht wieder ‚Normalbetrieb‘. Ich will’s hoffen. Denn das hieße endlich, dass ich die Macht über die HP bekomme und nicht mehr nur den Büttel spielen muss. Das hieße Unterschriftenberechtigung (was einer Gehaltserhöhung gleichkommt) und – am wichtigsten – klare Aufgabenverteilung. Dieses Gemurkse in den letzten Wochen war echt schlimm.

GT (41)

Nach sieben Wochen Corona-Pause treffen wir uns wieder in einem anderen, größerem Raum. Mit Mundschutz. Total surreal, befremdlich und für mich stark beängstigend.

Ein Update wird ausgerufen und jede/r erzählt kurz, wie er / sie die letzten sieben Wochen überstanden hat – was lauter Überraschungen birgt. Kurz zusammengefasst. Einem Teil geht es durch die Lockdown wesentlich besser, geradezu gut, einem andern Teil, einem kleinerem, wesentlich schlechter, so dass jetzt bspw. bei J. Klinik ansteht und einem dritten geht es „gleich“, wozu ich mich zählen würde.

Im Nachhinein sind die Entwicklungen ‚konsequent‘, wenn auch nicht immer gut, denn so hat sich C. (gut) erst recht ins Schneckenhaus zurückziehen können, derweil A. (schlecht) mal was anderes tun musste, als mikroskopische Nabelschau zu betreiben.

Sehr interessant zu beobachten. Vor der Sitzung treffen wir uns alle – ohne Mundschutz – auf der Straße und führen lebhafte Gespräche; anch der Sitzung treffen wir uns alle – ohne Mundschutz – auf der Straße und führen lebhafte Gespräche. Das hat es noch nie gegeben.

Ob ich unter diesen Umständen weiter mache, weiß ich noch nicht, denn diese diffuse Angst derweil lässt mich unkonzentriert sein. Ich kann kaum richtig zuhören, schaue über 90 Minuten kaum jemanden an, erzähle selber nur Trallalla, entwickle Kopfschmerzen und fühle ich mich ausgesprochen unwohl.

 

WMDEDGT 5/20

Der Wecker klingelt um 7:25 was mich aber nicht davon abhält, bis 8:20 im Bett zu liegen. – Um 8:35 schaffe ich es sogar schon meine Dienstmails zu lesen, aber da nur eine zu Aktion aufruft … – Den Vormittag verbringe ich lesend, u.a. mit dem „Decameron“ von Boccacio (nicht so  meins) und den letzten Seiten von Lutz Seiler „Stern 111“ (ebefnalls nicht so meins). Dazwischen immer mal ein Blick auf die Mails und eine erste Waschmaschine, soo untätigt dann doch nicht. – 12:05 gibt’s zwei Spiegeleier und um 12:25 den nach so einem anstregenden Home-Office-Tag notwendigen Mittagsschlaf. – Den habe ich auf 30 Minuten begrenzt, was mich aber nicht daran hindert, um 13:45 aufzustehen. Etwas Recherche und das Holen von Maultaschen aus der Tiefkühle im Keller und dann mache ich mich um 15:00 auf zum Buchladen. – Hole mir „Der Hund“ von Akiz, besorge mir auf dem Rückweg noch zwei Brötchen – und das alles ohne Mundschutz, den ich zu Hause vergessen habe, niemanden scheint es zu stören. – 15:30 weitere Recherchen zur Literatur und ich beginn mit der Lektüre eines schwulen Krimis aus vergangen Tagen: „Tödliches Tarot“ von Carlo de Lux. Nichts für die Ewigkeit, aber schön entspannend. – 16:15 noch schnell einen weiteren Becher Tee und ein Stück „Luffen“. – 17:00 kommt der Mann nach Hause und ist sofort wieder in seinem Nähzimmer verschwunden. Kann ich also Geburtstagsgrüße schreiben. – 18:00 Zubereitung der Maultaschen, aber erstmal gibt es nur Salat, denn gegen 18:30 hat der Mann seine erste Videokonferenz ever. – 19:00 endlich Maultaschen und entblöde mich mal nicht und schaue „Perfektes Dinner“. Die Schwuchtel scheint echt keine Ahnung zu haben, morgen muss er an die Töpfe. – Dann dies und das vor dem Fernseher, keine Ahnung, aber ich bin müde und froh, keinen Ansprüchen mehr genügen zu müssen.

[Wird fortgesetzt]

Streicheleinheiten

Der Vorsitzende vom Verein fragt mich heute, ob ich wieder kandidieren werde. Ich schwurbel etwas rum, weil ich wegen ihm eigentlich nicht mehr mitmachen will. Andererseits macht es ja auch Spaß. Ich lasse die Antwort also definitiv offen.

Was folgt ist von ihm und zwei weiteren Mitgliedern des Vorstandes eine Lobhudelei, so dass ich den Eindruck gewinnen könnte, wenn ich mich nicht wieder wählen lasse, dann ist der Verein definitv einen Tag später am Ende.

Ich würde lügen, würde ich behaupten, dass das nicht auch irgendwie gut getan hat.

Und nun: W e r b u n g!

Zwei Dinge, die ich Euch mal ans Herz legen will:

  • https://smartierolle.wordpress.com/
    Das ist der allererste Blog von Rolli-A. Da ich sie mag, kann ich ja nur Gutes darüber sagen. Und wenn sie gerade mal weghört und -schaut, unser uns: Das verspricht auf vielfältige Weise spannend zu werden. Also einfach mal adden und mitlesen und -komentieren sowie weitersagen.
  • KrisenKompass
    Ne kostenlose App die meiner Meinung nach jede/r auf’m Handy haben sollte, denn früher oder später, wird jede/r mit dem Thema Suizid konforntiert. Und da tut es gut, erste Hilfreichungen zu haben, Adressen, Telefonnummern … Daher bitte einfach runterladen und wenn möglich weitersagen.

499.436 in 1.572

Diesen Beitrag widme ich nocheinglaswein – denn ohne sie hätte ich einfach in einem Buch weitergelesen.

Und es begab sich vor mehrern Tagen, dass ich auf dem Blog von besagter nocheinglaswein auf einen Beitrag stieß, in dem sie kurz schrieb, dass sie gerade ihre Bücher, korrekter deren ISBN-Nummern, scannen würde. Das hat mich elektrisiert und einen Nachrichtenaustausch später, hatte ich die App auf meinem neuen Tablet.

Zugegeben, es macht Spaß die Kamera auf den Barcode zu halten und – schwupps – hat man Titel, Autor, Verlag, Seitenzahl, Erscheinungsjahr, Cover und manchmal noch mehr auf dem Display. Gut, manchmal funktioniert es nicht sauber, da muss man die ISBN selber eintippen. Gut, manchmal hilft das auch nicht so richtig weiter und man mus alle Angabe selber eintippen. Und wenn man nicht aufpasst, fehlt irgendeine Angabe oder den russischen Autorennamen hat man in mehreren Schreibweisen, oder die Titel sind falsch, oder …

Es ist eine Sauarbeit (vorallem, weil gefühlt 80% meiner Bücher keinen Barcode besizten)!  Dutzenden von heftigsten Niesanfällen später weiß ich also: Ich besitze mindestens 1.572 Bücher (ein paar sind noch bei E.) die es auf insgesamt 499.436 Seiten bringen. Davon habe ich 65,3% der Bücher und 58,8% der Seiten gelesen. Stimmt natürlich alles nicht. Zum einen verstecken sich hinter mancher ISBN-Nummer mehrbändige Werke und nicht alle Bücher weisen Seitenzahlen auf.  Kann man ein Lexikon, welches man seit 30 Jahren nutzt nun als ‚gelesen‘ kennzeichnen oder nicht und wie verfährt man bei Bildbänden, Reiseführern, Sammelbänden, …

Aber ich weiß jetzt wenigstens, welche Bücher mir über die Jahre verloren gegangen sind (u.a. „Der Untertan“ von Heinrich Mann – Pflicht in jedem deutschen Haushalt) und was für Schätze lagern (u.a. ein Erstdruck von Frans Masereel).

Am interessantesten ist aber die Aufzählung der TOP-14-Autoren. Handke und Kafka sind meiner frühen Jugend geschuldet. Warum Frisch sich nicht da vorne findet wundert mich, da ich so gut wie alles von ihm gelesen habe, da scheint doch einiges verloren gegangen zu sein:

  1. Marcel Proust
  2. Thomas Bernhard
  3. William Shakespeare
  4. James Joyce
  5. Bertolt Brecht
  6. Philip Roth
  7. Arno Schmidt
  8. Fjodor M. Dosotjewskij
  9. Ralf Rothmann
  10. Hermann Broch
  11. Peter Handke
  12. Hermann Hesse
  13. Franz Kafka
  14. Wolfgang Koeppen
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