Durch die Zeit

Monat: Juni, 2020

Von vor zwei Jahren

Gerade DAS HIER gelesen. Stimmt nach wie vor.

Proust (38)

Es grenzt schon an eine ›peinliche Befragung‹, wie Swann von Odette Geständnis nach Geständnis erpresst. Gezwungen und teilweise auch unbeabsichtigt gibt sie zu, etwas mit anderen Frauen gehabt zu haben – auch noch zu der Zeit, in der sie Swann kannte und mit ihm zusammen kam. Das befeuert seine Eifersucht um so mehr. Er kann nicht umhin an vielem, was sie sagte getan zu haben (oder auch nicht), zu zweifeln. So kennt sie u.a. Forcheville schon viel länger als er dachte und dass sich Kupplerinnen für sie interessieren, ist nur ihm neu.

»Und hinter allen süßesten Erinnerungen Swanns, hinter den einfachsten Worten, die Odette ihm früher gesagt und an die er wie an das Evangelium geglaubt hatte, den täglichen kleinen Vorhaben, von denen sie ihm erzählt hatte, den gewohntesten Stätten, dem Haus der Schneiderin, der Avenue du Bois, dem Hippodrom spürte er – verborgen im Schutz jenes Überschusses an Zeit, der auch in noch so detailliert berichteten Tagesabläufen einen gewissen Spielraum offenläßt und als Versteck für gewisse Handlungen dienen kann – die mögliche unterirdische Gegenwart von Lügengeweben, die ihm jetzt alles vergällten, was ihm das Liebste gewesen war (die schönsten Abende, die Rue La Pérouse sogar, die Odette offenbar immer zu anderen Stunden verlassen hatte, als sie ihm gegenüber behauptete); überall trugen sie etwas von dem düsteren Grauen hin, das er bei ihrem Geständnis bezüglich der Maison Dorée empfunden hatte, und brachten wie die unreinen Tiere beim Untergang von Ninive Stein für Stein seine ganze Vergangenheit ins Wanken.« (1.537)

Zeitmanagement

Heute freier Tag. Einiges vorgehabt. Klamotten einkaufen, entspannen, Wäsche waschen, Dienst, und und und. Hat auch alles gut geklappt. Nur als ich paar GB e-books auf einen Datenspeicher kopieren wollte, bin ich aus der geplanten Zeit gefallen. Also schmiere ich die Brote für morgen morgen und schau jetzt noch schnell nach so Ohrhörer ohne Kabel.

Proust (37)

Swann erhält einen anonymen Brief, der behauptet, Odette sei »die Geliebte zahlloser Männer … und auch Frauen« (1.515) gewesen. Überlegungen, welcher seiner Freunde diesen miesen Brief hätte schreiben können. Seine Eifersucht wächst, vieles erinnert ihn an Situationen, in denen Odette hätte untreu gewesen sein können. Er dringt in sie ein und erpresst das Geständnis, dass sie »vielleicht vor sehr langer Zeit einmal, ohne zu wissen, was ich tat, zwei- oder dreimal vielleicht« (1.525) etwas mit einer Frau hatte.

»In Form einer allgemeinen Lebensweisheit war ihm zwar wohlbekannt, daß das menschliche Leben reich an Widersprüchen ist, bei jedem Einzelwesen aber stellte er sich dennoch vor, daß der ihm unbekannte Teil von dessen Leben mit dem ihm bekannten völlig identisch sein müsse.« (1.519)

Hat gut getan

Probe-Mediation diesmal mit B. Zur ‚Verhandlung‘ kam ein gespendeter, also echter Konflikt.

Die Rückmeldung der Ausbilderin: „Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich meinen, dass ihr schon seit mehreren Jahren erfolgreich zusammenarbeitet.“

Proust (36)

Swann will gerade die Abendgesellschaft verlassen, da erklingt ›das kleine Thema‹ und er erinnert sich schmerzhaft an die glücklichen Tage mit Odette, die nun schon ein Jahr zurück liegen. Über die Mächtigkeit von Musik. »Von diesem Abend an begriff Swann, daß Odettes Gefühle für ihn nicht wiederkehren.« (1.511) Er überlegt, für längere Zeit zu verreisen.

»Und Swann sah vor diesem wiederdurchlebten Glück unbeweglich einen Unglücklichen stehen, der, weil er ihn nicht gleich erkannte, sein Mitgefühl erregte, so daß er die Augen senken mußte, damit niemand sah, daß sie voll Tränen standen. Dieser Unglückliche war er selbst.« (1.502)

Geht auch ohne gut

Langes Ausbildungswochenende. Alle warten auf das Gewitter, weil es im Saal mehr schwül als sonstwas ist und man es ungerecht findet, dass man drinnen sein muss. Das Schicksal hört aber nicht und so schwitze ich meine Klamotten voll.

Die feuere ich in die Ecke, als ich nach Hause komme und bin bis morgen, wenn ich aus dem Haus muss, auch nicht mehr gewillt, welche anzuziehen. Diese Woche in der Therapie war das sogar Thema und ich habe da scheinbar eine überzeuende Analyse hingelegt. Das nackt sein scheint zwei Funktionen bei mir zu haben, eine echt üble und eine befreiende. Heute ist es schlichtweg Notwendigkeit.

Proust (35)

Auf der Abendgesellschaft. Giftspritzereien zwischen der Fürstin des Laumes und Madame de Gallardon, Cousinen ihres Zeichens, sowie zwischen der Fürstin des Laumes, Madame de Saint-Euverte und dem General de Froberville. Auch Swann, der mit Vornamen übrigens Charles heißt, mischt etwas später mit.

»Aber seitdem die Fürstin des Laumes durch ihre Kusine wußte, daß Swann anwesend sei, hätte Chopin selbst aus dem Grabe steigen und seine sämtlichen Werke vortragen können, ohne daß sie darauf achtgegeben hätte. Gehörte sie doch zu derjenigen Hälfte der Menschheit, die, anstatt auf alle unbekannten Wesen neugierig zu sein, sich nur für die ihr bekannten interessiert.« (1.485)

Proust (34)

Swann, selbstverständlich ohne Odette, auf einer äußerst eleganten Abendgesellschaft mit Musik bei der Marquise von Saint-Euverte. Während er die glanzvoll geschmückte Treppe hochsteigt, wünscht er sich, die Treppe von Odettes Schneiderin hochzusteigen. Grandiose (!) Beschreibung der Gäste (inklusiver Monokelkunde) im »Bewußtsein der männlichen Häßlichkeit« (1.472) darunter General de Froberville, Marquis von Bréauté, Marquis von Forestelle, Monsieur de Saint-Candé, Marquise von Cambremer, Vicomtesse von Franquetot, Marquise von Gallardon, Prinzessin Mathilde, Fürstin de Laumes … Proust at his best!

»Jenes [Monokel] von Monsieur de Saint-Candé dagegen war von einem enormen Ring umgeben wie der Planet Saturn und bildete den Schwerpunkt eines Gesichts, das jeden Augenblick seine Züge neu um diesen herumgruppierte und sich mitsamt der roten schwabbelnden Nase und dem sarkastischen, wulstlippigen Mund grimassierend auf der Höhe des Feuerwerks von Geist zu halten versuchte, das aus dieser Glasscheibe zu blitzen schien, die vor den schönsten Blicken der Welt bei snobistischen und verderbten jungen Frauen den Vorrang erhielt, weil sie in ihnen Träume von subtil durchdachten Genüssen und einem unerhörten Raffinement der Lust aufkommen ließ; …« (1.474)

Ein klein wenig zu viel

22 Uhr und noch immer hell. Verführt mich weiter und weiter was zu machen. Ich bin seit 6 auf den Beinen und hab‘ eigentlich keine richtige Pause gemacht. Das tut mir gerade nicht gut. Daher: Montag nehme ich mir frei, weil ab morgen 6:40 bis Sonntag 18 Uhr volles Programm.

Aber immerhin heute noch im nebenbei das hier:

Anton Weyrother

weyrother.net

Mijonis chaotische Welt

Leben, Lieben, Queerbeet, Gedanken, Alles in einem

AISTHESIS

Texte zur Ästhetik, Philosophie und Kunstkritik sowie vermischte Bemerkungen

Kritzelkomplex

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heat'n'eat

The way I cook/Wie ich koche

wirbelwind68

ich lebe intensiv und reflektiert

Musil lesen

"Der Mann ohne Eigenschaften" in weniger als 123 Wochen

Ein Nudelsieb bloggt, ...

... denn man(n) kann sich ja nicht alles merken ;)

KenterKönig

und anderes aus der weiten Welt

Winterlicht

Worte und Bilder

herschelmann fotoblog, bestpixel-photowerkstatt-hamburg.de

einige mehr oder weniger tolle Ideen um die Fotografie und die Bildbearbeitung

Rummelschubser

Ein Rummelschubser vs. Glioblastom et alia