Proust (24)

von Bert

Als Swann abends spät zu den Verdurins kommt, ist Odette schon weg. Man lästert etwas über die beiden, während er ihr nachfährt und sie mit immer größerer Verzweiflung sucht: Er ist verliebt*. Als er sie findet – sie behauptet, sie hätte in einer nichteinsehbaren Nische in der Maison Dorée soupiert – bringt er sie in der Kutsche nach Hause. Er nimmt die Gelegenheit wahr und richtet ihr Cattleayblüten an ihrem Dekollté, gibt ihr einen ersten Kuss, der erwidert wird.

* »Von allen Arten der Erzeugung von Liebe, von allen Wirkkräften zur Verbreitung der heiligen Krankheit ist sicher dieser gewaltige Erregungssturm, der uns manchmal erfaßt, eine der zuverlässigsten. Dann fällt das Los unweigerlich auf die Person, mit der wir im Augenblick gerade gern zusammen sind; sie ist es, die wir lieben werden. Es ist dabei gar nicht nötig, daß sie uns bis dahin mehr oder auch nur ebensosehr wie andere gefiel. Es mußte nur dazu kommen, daß unsere Neigung für sie plötzlich ausschließlich wurde. Diese Bedingung aber ist erfüllt, wenn – in dem Augenblick, da diese Person uns fehlt – in uns an Stelle des Trachtens nach den Vergnügungen, die ihr Umgang uns bot, ein qualvolles Bedürfnis entsteht, dessen Objekt sie selbst ist, ein absurdes Bedürfnis, dessen Erfüllung die Gesetze dieser Welt unmöglich und dessen Heilung sie schwierig machen: das unsinnige und schmerzliche Bedürfnis, sie zu besitzen.« (1.335f)