Proust (43)

von Bert

Man kommt sich näher, Marcel darf Gilberte nun duzen! Sehnsüchtiges Warten auf sie, von der man nie weiß, wann und aus welcher Richtung sie kommt. Wiederbegegnung mit Monsieur Swann, der aber Marcel nicht mehr erkennt. Der Junge nimmt sich (endlich) ein Herz und bittet Gilberte am nächsten Tag um eine Aussprache – die lässt ihn kalt abblitzen, hat die nächsten Tage ›Termine‹, dann ist ja Weihnachten, vielleicht ist sie ja an der Riviera … kurz: Keine Zeit für Marcel, der sein Schluchzen anschließend unterdrückt.

»Das erinnerte mich freilich daran, daß er mich früher auf dem Lande sehr oft gesehen hatte; das Gedächtnis davon hatte ich in mir bewahrt, aber doch nur dunkel, denn seitdem ich Gilberte wiedergesehen hatte, war Swann für mich in erster Linie ihr Vater und nicht mehr jener Swann, der er in Combray gewesen war; da die Vorstellungen, an die sich jetzt für mich sein Name heftete, ganz verschieden waren von denen, in deren Verzweigungen er früher verhaftet war und an die ich mich nie mehr hielt, wenn ich jetzt an ihn dachte, war er für mich zu einer neuen Person geworden; nur eine künstliche, beiläufige Querverbindung stellte ich zwischen ihm und unserem Gast von damals her, und da nichts mehr für mich Bedeutung hatte, wenn nicht meine Liebe daraus Nutzen zog, dachte ich jetzt mit einer Regung von Scham und Bedauern, sie nicht auslöschen zu können, an jene Jahre zurück, wo ich in den Augen dieses selben Swann, der jetzt hier auf den Champs-Élysées vor mir stand und der vielleicht glücklicherweise von Gilberte meinen Namen nicht wußte, mich des Abends so oft lächerlich gemacht hatte, wenn ich Mama bitten ließ, sie möge doch in mein Zimmer kommen und mir gute Nacht sagen, während sie mit ihm, meinem Vater und meinen Großeltern im Garten den Mokka zu sich nahm.« (1.587f)