Proust (47)

von Bert

Die Eltern bemerken Marcels Niedergeschlagenheit ob der Trennung von Gilberte. Auch mit indirekter Unterstützung durch Norpois, auf den der Vater große Stücke hält, erlauben sie ihm nun doch, eine Aufführung der Berma* zu besuchen. Arzt und Großmutter sind dagegen und der junge Marcel wird zunehmend unsicherer, ob der Wunsch die Berma zu sehen wirklich sein Wunsch ist oder ob, da die Eltern es ja nun erlauben, er nun lieber wegen der Eltern hingehen möchte, um diese nicht zu enttäuschen.

* Berma, eine der seiner Zeit nahezu weltberühmten Sarah Bernhardt nachempfundene Schauspielerin

»Als ich bei meiner erst seit kurzer Zeit so quälenden täglichen Station vor der Theatersäule sozusagen als Säulenheiliger verweilte, erblickte ich die detaillierte, noch ganz feuchte Anzeige von Phèdre, die eben zum erstenmal angebracht worden war (und in der, offen gesagt, die übrige Besetzung mir keine neue Verlockung bot, die meine Entscheidung hätte herbeiführen können). Doch verlieh sie dem einen der beiden Ziele, zwischen denen ich in meiner Unentschiedenheit schwankte, eine deutlichere und – dadurch, daß die Anzeige nicht das Datum des Tages trug, an dem ich sie las, sondern das des Aufführungstages und sogar der Stunde, zu der der Vorhang aufgehen würde – nahezu gegenwärtige, schon in Verwirklichung begriffene Gestalt, so daß ich vor der Säule einen Freudensprung machte beim Gedanken, daß ich genau zu jener angegebenen Stunde bereit und auf meinem Platz sein würde, um die Berma zu sehen; und aus Angst, meine Eltern könnten nicht mehr Zeit haben, zwei gute Plätze für meine Großmutter und mich zu bekommen, war ich in einem Satz zu Hause, getrieben von jenen magischen Worten, die in meinen Gedanken jansenistische Blässe und Sonnenmythos ersetzt hatten: Die Damen werden ersucht, auf den Orchestersitzen die Hüte abzunehmen; die Türen werden um zwei Uhr geschlossen.« (2.26f)