Proust (48)

von Bert

Marcels Vorfreude auf die Berma ist groß, riesengroß, aber »[i]hre letzten Augenblicke verlebte meine Freude schließlich während der ersten Szenen von Phèdre« (2.31), denn der Besuch der Matinee ist eine einzige Enttäuschung, weil es ihm nicht gelingt, das Besondere an der Berma zu erkennen (wie denn auch, ist ja sein erster Theaterbesuch). Dennoch ist die Liebe zur Bühne gesetzt. Währenddessen läuft François – »so wie Michelangelo« (1.27) – zu Hochleistungen auf und macht sich an die Zubereitung von Boeuf à la gelée. Marcel redet, als er Norpois vorgestellt wird, »Blech« (1.39), was den Diplomaten aber nicht abhält, ihn in Richtung Schriftstellerei zu bestärken.

»Aus beruflicher Gewohnheit vielleicht oder auch aufgrund der Gelassenheit, die jeder Mann in bedeutender Stellung an sich hat, wenn er um Rat gefragt wird, und der, da er ganz genau weiß, daß die Unterhaltung ihm nicht aus den Händen gleiten kann, den vor ihm Stehenden zappelnd sich bemühen und nach Belieben abrackern läßt, möglicherweise auch, um seinen Charakterkopf (den er selbst für griechisch hielt, trotz der großen Koteletten) besser zur Geltung zu bringen, bewahrte Norpois, während man ihm etwas auseinandersetzte, eine so völlig unbewegte Miene, daß es war, als spräche man zu einer antiken – und tauben – Porträtbüste in einer Glyptothek.« (2.38)