Proust (50)

von Bert

Man plaudert weiter. Norpois fragt nach Urlaubsplänen, die Mutter Marcels nennt Balbec als mögliches Ziel, was sein Gefallen findet. Eher beiläufig erwähnt der Diplomat, dass er den letzten Abend bei »der schönen Madame Swann« (2.56) verbracht habe. Dass Swann sich mit der Hochzeit, was das gesellschaftliche Renommee betrifft, nichts Gutes getan hat, erläutert er ausführlich. Wichtig jedoch: Odette »entzog ihm [Swann] seine Tochter jedesmal, wenn er ihr etwas abschlug« (2.59) – bis er sie heiratete und nun »ein Engel an Sanftmut« (ebd) ist. Betrachtungen über ›Lebenspläne‹.

Und wußte es denn Swann nicht aus seiner eigenen Erfahrung, war es nicht schon zu seinen Lebzeiten als eine Art Vorklang dessen, was sich nach seinem Tode zutragen sollte, etwas wie ein posthumes Glück, daß er die einst – obwohl sie ihm anfangs nicht besonders gefallen hatte – so leidenschaftlich geliebte Odette heiratete, als er sie nicht mehr liebte, als das Ich, das in ihm so heftig danach verlangt hatte, mit Odette das ganze Leben zu verbringen, und so sehr daran verzweifelte, schon gestorben war? (2.65)