Proust (61)

von Bert

Bergotte ist Marcel zugetan und empfiehlt ihm statt Cottard den Arzt du Boulbon zu konsultieren, der mehr Verständnis für intelligente Menschen hätte. Marcels Eltern sind nicht begeistert von der Beziehung zu Swanns und nun auch zu Bergotte, aber als sie erfahren, dass er ihren Sohn als ›intelligent‹ bezeichnet hat, ändert sich das. Marcel wagt nicht Gilberte zum Tee einzuladen, da die Eltern es seiner Meinung nach an Etikette mangeln lassen. Block revolutioniert sein »Weltbild« (2.214) indem er ihn ins Bordell mitnimmt. Dort wird ihm die Jüdin Rachel mehrfach angeboten. Aus Zuneigung schenkt er der Puffmutter Möbel aus dem Erbe seiner Tante Léonie

Als ich sie [die Möbel] nun aber in dem Haus wiedersah, wo diese Frauen sich ihrer bedienten, traten mir alle Tugenden vor Augen, die das Zimmer meiner Tante in Combray durchduftet hatten, und schienen mir Qualen auszustehen in diesem martervollen Kontakt, dem ich sie wehrlos ausgeliefert hatte! Hätte ich eine Tote der Vergewaltigung preisgegeben, ich hätte nicht so gelitten. Ich kehrte zu der Kupplerin daraufhin nicht mehr zurück, denn die Möbel schienen mir zu leben und mich anzuflehen wie in einem persischen Märchen die scheinbar leblosen Dinge, in denen Seelen eingeschlossen sind, die ein Martyrium erdulden und um Befreiung bitten. (2.217f)