Proust (74)

von Bert

Eines morgens prallen Marcels Großmutter und die alte Dame (vgl. Nr. 72) – die niemand Geringeres ist als die Marquis de Villeparisis – zusammen und können nicht mehr so tun, als würden sie sich nicht kennen. Glück für Marcel, denn die Marquis sorgt für erste Bekanntschaften, darunter die Prinzessin von Luxemburg. Die Marquis zeigt sich den beiden deutlich zugewandt – sie steigen im Prestige der Hotelgeäste. Das hindert aber die »Frauen des Notars, des Anwaltskammervorsitzenden und des Gerichtspräsidenten« (2.395) nicht daran, vor allem über die Marquis und die Prinzessin herzuziehen, denn die röchen »auf eine Meile im Umkreis nach einem bestimmten Gewerbe« (2.396).

Inzwischen hatte die Prinzessin von Luxemburg uns die Hand gereicht, und von Zeit zu Zeit wandte sie sich, während sie ihre Unterhaltung mit der Marquise fortsetzte, zu uns um, um meiner Großmutter und mir freundliche Blicke zuzuwerfen, die jenen embryonalen Kuß enthielten, den man mit einem Lächeln einem Kleinkind mit seiner Bonne zuwirft. Sie hatte sogar in ihrem Eifer, nicht so zu wirken, als throne sie in einer über der unseren liegenden Sphäre, zweifellos die Distanz falsch berechnet, denn infolge einer falschen Einstellung tränkten sich ihre Blicke mit derartiger Güte, daß ich den Augenblick kommen sah, da sie uns streicheln würde wie zwei nette Tiere, die im Jardin d’Acclimatation durch ein Gitter ihr den Kopf hinstreckten. (2.391f)