Proust (77)

von Bert

Großmutter und die Marquise sind von Standesdünkel dann doch nicht ganz frei. Tiefe Verbundenheit zwischen Marcel und seiner Großmutter, Angst vor Trennung (Tod), Marcels These von den »Seelen und ihrer künftigen Wiedervereinigung« (3.433). Ein Neffe der Marquise tritt auf, es ist der junge Marquis von Saint-Loup-en-Bray: ein junger Mann »groß, schlank, mit freiem Hals, stolz erhobenem Haupt und durchdringendem Blick« (2.434), »dessen Haut so hell war und dessen Haare so golden schimmerten, als hätten sie alle Strahlen der Sonne in sich aufgesogen« (ebd.). Sehnsucht Marcels, mit ihm Freundschaft zu schließen, doch Saint Loup beachtet ihn mehrere Tage nicht. Dann werden sie einander vorgestellt und Saint Loup »erklärte mir nach einer langen Unterhaltung, er habe größte Lust, mich täglich mehrere Stunden zu sehen« (2.438).

Auf unseren Ausflugsfahrten hatte sie [die Marquise] uns gegenüber rühmend seine [Saint Loups] große Klugheit erwähnt, vor allem sein gutes Herz; schon stellte ich mir vor, er würde von Sympathie für mich erfüllt, ich würde sein bevorzugter Freund sein, und als vor seinem Eintreffen noch seine Tante meiner Großmutter zu verstehen gab, er sei unglücklicherweise einer üblen Person in die Hände gefallen, auf die er ganz versessen sei und die ihn nicht loslassen wolle, dachte ich, überzeugt, daß eine solche Art von Liebe schicksalhaft mit Geisteskrankheit, Verbrechen und Selbstmord enden müsse, an die kurze Zeit, die unserer Freundschaft vergönnt sein würde, einer Freundschaft, die in meinem Herzen doch schon so groß geworden war, bevor ich ihn überhaupt kannte, und ich beweinte sie bereits wie auch das viele Unglück, das ihn erwartete, ganz als handle es sich um ein geliebtes Wesen, von dem man uns mitgeteilt habe, es sei schwer krank und seine Tage seien gezählt. (2.433f)