Proust (95)

von Bert

Mit der Zeit ist Marcel mit der Schar der Mädchen bekannt und verbringt nun alle Zeit mit ihnen, entweder im Kasino, beim Tanzen, auf Regatten, bei Pferderennen oder – hört, hört! – auf dem Fahrrad. Selbst Robert ist im Moment abgeschrieben. Von der (schicksalhaften?) Entwicklung eines jeden. Albertine ist arm, Andrée dagegen reich. Sie sind immer mal wieder bei Elstir, der ihnen ‚das Sehen‘ beibringt. Kurz: Marcel geht in der Schar auf, lässt sich auf Neues ein und ist in gewisser Weise offen.

Ebenso tief eingewurzelt, ebenso unentrinnbar wie jüdischer Patriotismus oder christlicher Atavismus bei denen, die sich frei dünken von allen Banden ihrer Rasse, wohnten – ich wußte es – unter dem rosigen Blütenstand von Albertine, Rosemonde oder Andrée, ihnen selber noch unbekannt und für spätere Gelegenheiten in Reserve gehalten, eine dicke Nase, wulstige Lippen oder eine Körperfülle, die überraschen würden, in Wirklichkeit aber schon in der Kulisse warteten, bereit, auf die Bühne zu treten: unvorhergesehen, schicksalsmäßig, ganz wie etwa diese oder jene Art von Dreyfus-Anhängerschaft, von Klerikalismus, von nationalistischem und von feudalistischem Heldenmut, die der Appell der Umstände aus einer dem Individuum selbst vorausgehenden Natur plötzlich hervorbrechen läßt, einer Natur, dank der es denkt, lebt, sich entwickelt, stärker wird oder stirbt, ohne daß es sie von den speziellen Beweggründen, die es mit ihr verwechselt, unterscheiden könnte. (2.670)