Durch die Zeit

Monat: September, 2020

Volle Kante

Gestern zu P. gefahren. Diesmal nicht nach B. sondern nach H, weil er mir seine „neue“ Freundin vorstellen wolte. Neu in Anführungszeichen deswegen, weil sie schon seit drei (!) Jahren zusammen sind. (In der Zwischenzeit hatte ich mir schon überlegt, ob er sie nicht nur erfunden hat – aber nein, sie gibt es wirklich.)

Zusammen zum „Italiener“ (deswegen in Anfhrungszeichen, weil von Türken geführt), dann noch etwas Wein im Wohnzimmer. Zugegeben, wenig Alkohol war es nicht.

Bemerkt habe ich es als es schon zu spät wär. P. hat sich aber sowas die Kante gegeben, dass er wohl die halbe Nacht kotzend über der Keramik hing und sie sich mit seiner Freundin abwechselte, die das Essen nicht vertragen hat.

Bin dann nach dem Frühstück wieder zurück – war eh klar, dass da heute nichts mehr geht mit den beiden.

Proust (126)

Im Salon ist man mehrheitlich gegen Dreyfus – Norpois dagegen bleibt berufsbedingt neutral und hält, von Bloch angestachelt, seitenweise Vorträge über die aktuelle Lage (deren Brisanz dem heutigen Lesenden sich nur schwer und nur mit Hilfe vertiefter Kenntnisse der Materie erschließt). Norpois versucht zwar mal das Thema zu wechseln – »Gehen Sie heute abend nicht zum Ball bei Madame de Sagan?« (3.339) – scheitert aber am insistierenden Bloch.

Bloch mißfiel dem Botschafter eigentlich nicht, denn er sagte uns später nicht ohne Naivität und bestimmt unter dem Eindruck der in Blochs Sprache zurückgebliebenen Spuren der neohomerischen Mode, die er im Grunde schon überwunden hatte: »Er ist ganz amüsant mit seiner etwas antiquierten, etwas feierlichen Redeweise. … So etwas findet sich selten bei der heutigen Jugend und war schon selten in der vorhergehenden. Wir selbst waren seinerzeit eher romantisch.« (3.340)

Proust (125)

Im Salon  macht man sich weiter lustig über den Gedichtsvortrag von Roberts Freundin: »Ich habe sofort gemerkt, daß sie kein Talent hat, als ich die Lilien sah“ (3.321). Weitere Abfälligkeiten über Abwesende – »Ich gebe ja zu, sie sieht nicht aus wie eine Kuh, sondern wie mehrere Kühe« (3.323) – aber das zentrale Thema ist die Dreyfus-Affäre, wobei manche sie vom Antisemitismus trennen wollen. Man prüft die beiden neuen Begriffe »Mentalität« (3.330) und »talentiert« (3.331) auf ihre Brauchbarkeit.

»Sie [gemeint ist Bloch] sind kein Mensch dieser Zeit«, sagte der ehemalige Botschafter [Norpois] zu ihm, »und ich beglückwünsche Sie dazu, Sie gehören damit nicht dieser Epoche an, in dem es kein selbstloses Forschen mehr gibt und in der dem Publikum nur mehr Obszönitäten oder Ungereimtheiten verkauft werden.« (3.325)

J.E.

Per Zufall darüber gestolpert, dass gerade ein neuer Ellroy rausgekommen ist. Interessanterweise kaum was darüber zu finden. Aber ich habe keine Minute gezögert, um es zu bestellen. Morgen kann ich es holen und dann komme ich der Welt mal für 900 Seiten abhanden. So kompliziert sein Bücher auch immer sind – sie sind grandios.

Proust (124)

Bloch wird »seiner Exzellenz de[m] Marquis von Norpois« (3.308) vorgestellt, aber Marcel schafft es, mit dem Diplomaten auch noch ein paar Worte zu wechseln. Der Herzog von Guermantes gibt sich nun auch die Ehre. Hauptthema ist der Auftritt von Roberts Freundin von vor ein paar Tagen bei der Herzogin. Sie deklamierte Gedichte »mit einem Lilienstrauß in der Hand« (3.313) – und kam so gar nicht an. Wie konnte Robert sich in sie verlieben? Bei dem Thema machen alle gerne mit.

Während er [der Herzog von Guermantes] über die große Zahl von Personen, die um den Teetisch saßen, liebenswürdig höfliche, maliziöse und von der untergehenden Sonne geblendete Blicke gleiten ließ, aus seinen kleinen runden Pupillen, die so exakt im Augen saßen wie das »Schwarze«, das er als ausgezeichneter Schütze unfehlbar visierte und traf, schob sich der Herzog mit vorsichtig stutzender Langsamkeit voran, ganz als ob er, von einer so glänzenden Versammlung eingeschüchtert, fürchtete, auf Schleppen zu treten oder Gespräche zu stören. (3.312)

ET (3) & GT (54)

Vor der Gruppe noch eine Einzelsitzung. So richtig der Knaller ist das nicht – auch wenn arg anstrengend und er mich richtig arbeiten lässt. Aber andererseits zeigt es mir, dass ich selber schon richtig gut gearbeitet habe. Das mit den Gefühlen ist halt noch so ein Ding – aber wenn ich mir das heute so anschaue, auch da auf gutem Weg. (Ach so: Um Verlängerung gebeten, ich würde gerne in der Gruppe bis zum Ende an Ostern nächsten Jarh bleiben, da sie mir gerade wirklich gut tut.)

GT selber interessanterweise extrem langweilig. Keine/r ht irgendwas auf der Pfanne, nirgends brennt es, keine/r kommt aus der Deckung. Und so kommt es zu einem Gruppenschweigen – und alle finden es gut und erholsam. Das erste Mal, dass die Gruppe eine Leichtigkeit hat – das ist gut zu spüren.

Proust (123)

Der Salon füllt sich. Es ist übrigens gute Sitte der Männer, den Hut mit in den Raum zu nehmen und ihn dann auf den Boden zu setzten. Mit: Man zeigt sich von der besten Seite bzw. zickt so rum – ist dieser Abschnitt vollständig beschrieben, leider eben aber nicht all die Feinheiten, Anspielungen, Hinterlisten und Speichelleckereien. Bloch wirf eine Vase um und will daraufhin gehen, Madame de Villparisis hält ihn aber davon ab, da sie ihn Norpois vorstellen will, der auf sich warten lässt.

»Ich sehe sie [die Apfelbäume] niemals«, sagte der junge Herzog, »weil ich Heuschnupfen davon bekomme, es ist wirklich einfach Klasse.«
»Heuschnupfen? Davon habe ich noch nie etwas gehört«, meinte der Historiker.
»Das ist die Modekrankheit jetzt«, bemerkte der Archivar. (3.298)

4 B’s

  • Das Finanzamt überweist mir 163 Euro – und ich habe nicht die geringste Ahnung warum bzw. wofür. Ich lasse das mal so stehen und warte ab, ob das nicht einfach eine Fehlbuchung ist.
  • S. schreibe ich noch nachträglich eine Geburtstagsmail, T. hat gestern immerhin ne WhatsUp bekommen, so dass ihr Freund fast schon eifersüchtig geworden ist, alle anderen von gestern und heute bleiben ungratuliert, darunter auch mein Bruder, dem es auch nicht auffallen wird, dass ich nicht pflichtmäßig Falschheiten abgesabbert habe.
  • Im Job stelle ich fest, dass QR-Codes sich eigenartig verhalten – auch die IT-Abteilung hat keinen blassen Schimmer warum das so ist / sein könnte.
  • Theoretisch wäre ein Canon EOS R5 drin – aber wirklich nur rein theoretisch!

Proust (122)

Marcel beleidigt den Schwätzer Legrandin unbeabsichtigt. Ausschweifende, bewundernde Betrachtung und weitere Vorstellung der Herzogin von Guermantes mit ihren Macken. So lädt sie nur Frauen zu sich ein – mit Ausnahmen natürlich – und spricht, wenn sie einen Dichter oder einen Wissenschaftler zu Gast hat, dann mit diesen sicher nicht über deren Profession / Beruf / Können. Die Herzogin und Madame de Villeparisis ziehen – noch ein wenig – über die dicke, froschähnliche Königen von Schweden her: »… aber in diesem Falle ist es dem Frosch gelungen, so fett zu werden wie der Ochse.« (3.293)

Madame de Guermantes hatte sich gesetzt. Da ihr Name mit ihrem Titel verbunden war, fügte er ihrer realen Person das Herzogtum hinzu, das sich um sie herum abzeichnete, und ließ inmitten des Salons im Umkreis des Puffsessels, wo sie sich befand, die schattige, goldene Kühle der Wälder von Guermantes herrschen. Mich wunderte nur, diese Ähnlichkeit nicht deutlicher auf dem Gesicht der Herzogin zu lesen, das nichts Pflanzliches an sich hatte und in dem höchstens die geplatzten Äderchen der Wangen – die, so schien es mir, der Name Guermantes mit seinem Wappen hätte schmücken müssen – als eine Folge, nicht aber als Bild von langen Ausritten im Freien gelten konnten. (3.284)

Stolen day

So ein gestohlener Tag tut wirklich gut, vor allem, wenn man nicht nur dumm in der Ecke rumsitzt sondern Dinge erledigt, die über die letzten Tage liegen geblieben sind: Wäsche, Altglas, Altpapier, Bügelwäsche, Geschirr, Überweisungen, …

Proust (121)

Weitere Gäste betreten den Salon von Madame de Villeparisis. Sehr viel falsche Freundlichkeit untereinander, denn fast jede hat ja darauf zu achten, dass ihr Salon der bessere ist. Dann ein doppelter Herzinfarktmoment für Marcel: »Die Tür ging auf, und die Herzogin von Guermantes trat ein« (3.277). Er wird ihr, zusammen mit einem Historiker, vorgestellt, sie aber »begnügte … sich … um die Nichtigkeit des Eindrucks kund zu tun … damit, bestimmte Bewegungen der Nasenflügel auszuführen« (3.278). Viel Smalltalk, viel Angebereien.

Doch man stellt die Summe der Laster eines Menschen immer erst fest, wenn er kaum mehr imstande ist, ihnen zu frönen, und man nach dem Ausmaß der von der Gesellschaft auferlegten Sühne, die inzwischen in Kraft getreten ist und die man allein noch konstatiert, sich eine übertriebene Vorstellung von dem Verbrechen macht, das jener einst beging. (3.273)

Bullets

  • Höre die neuste Donna Leon und merke, wie ich die Brunettis einfach mag, aber auch, dass das teilweise purer Kitsch ist.
  • Schiß morgen vorn Augenartztermin. Vermutlich werde ich nur mal wieder ermahnt werden, mehr zu tropfen …
  • Langsam bin ich mir sich, dass ich echt ne schräge Type bin, wenn ich mit fremden Menschen agieren muss.
  • Aber dafür mag ich kalte Spaghettis.

Proust (120)

Exzellentes schriftstellerisches Portrait der Madame de Villeparisis, die wohl nicht klug, jedoch nicht ungeschickt durchs Leben agierte. Unterscheidungen von Lebensphasen, die voneinander dann nichts mehr wissen wollen, aber damit leben müssen. In gewisser Weise ist und war sie eine Freigeistin – »Liebe? Mache ich oft, doch drüber reden tu‘ ich nie.« (3.270) – leidet derzeit aber darunter, nach dem Urteil Madame Lerois, nur einen »drittklassigen« (3.269) Salon zu führen. Marcel trifft dort bei seinem ersten Besuch auf seinen Schulkameraden Bloch der, wie schon in Balbec, sein Judentum dadurch zu kaschieren versucht, in dem er sich antisemitisch gibt – das ist auf dem Hintergrund der Dreyfus-Affäre gerade gesellschaftlich durchaus en vogue.

Wir sind unausgesetzt darum bemüht, unser Leben zu gestalten, kopieren dabei aber unwillkürlich wie eine Zeichnung die Züge der Person, die wir sind, und nicht derjenigen, die wir gern sein möchten. (3.260)

60ster …

von K.

Beim 50. von F., seinem Mann, mich ganz bald in die Küche geflüchtet, weil ich mit den Gästen – alles Lehrer – so gar nicht konnte. Wochen später übergab mir mein Buchhändlerin einen Buchgutschein in echt enormer Höhe und es hat Wochen gedauert, bis es klar war, dass das der Dank von F. war, weil ich ihm die Küche gerockt habe.

Corona-bedingt nur insgesamt zehn Leute heute, auch kleines Programm und im Gegensatz zu F. Gäste, die auch mal ein Geschirrtuch in die Hand nehmen können.

Aber ich fremdel wie verrückt.

Proust (119)

Hinter der Bühne. Rachel macht einem hübsch gebauten Tänzer schöne Augen, was Robert so überhaupt nicht gefällt. Wie kommen in Streit, er droht, sie nie wieder zu sehen. Dennoch hat er noch das Auge, um einen Journalisten zu bitten, wegen Marcel die Zigarette aus zu machen. Der sieht es nicht ein und ist dann arg verwundert, dass er von Robert eine gescheuert bekommt. Draußen auf der Straße verkloppt er gleich den nächsten, einen „heißblütigen Spaziergänger“ (3.253), der ihm „Anträge“ (ebd.) gemacht hat. Robert der „schöne Soldat“ (ebd.) ist maßlos empört und braucht mal Zeit für sich. Marcel alleine auf dem Weg zu Madame de Villeparisis, Robert will nachfolgen.

Dennoch war der Geprügelte insofern entschuldbar, als auf einer gewissen Neigungsebene das Verlagen ziemlich schnell in die nähe der Lust rückt, so daß bloße Schönheit schon wie Bereitschaft erscheint. Daß Saint-Loup schön war, ließ sich aber auf keinen Fall bestreiten. (3.253)

So und so

Sonne, leichter Wind, angenehme Temperaturen – ein toller Herbsttag.

Ich stehe nicht nur mit Kopfschmerzen auf, sondern friere den ganzen Tag so vor mich hin.

Proust (118)

Rachel macht nicht nur Aimé, dem Oberkellner, schöne Augen. Dennoch unterhält man sich über Literatur und Rachel macht dabei eine äußerst gute Figur. Dennoch wird Robert irgendwann zornig, weil sie mit einem jungen Mann vom Nachbartisch liebäugelt. Wenig später trifft man sich dann aber wieder bei Champagner in einem Chambre séparée als sei nie etwas gewesen. Robert will Marcel die Bühne überlassen, der will aber nicht, also schaut man zu, was Rachel auf der Bühne zu leisten vermag – nicht gerade umwerfend viel, wie es scheint. Wie lernt man andere kennen, wenn doch »die Zahl der menschlichen Schachfiguren kleiner ist, als die der Kombinationen, die sich aus ihnen ergeben können« (3.241f)?

Dank dem Champagner, den ich mit ihnen trank, ergriff mich allmählich ein ähnlicher Rauschzustande, wie in Rivebelle, doch vermutlich nicht genau der gleiche. Nicht nur jede Art von Rausch – von jenem, den die Sonne oder das Reisen schenkt bis hin zu jenem, der von Müdigkeit oder Wein herrührt –, sondern auch jeder Grad des Rausches, der seine besondere »Lotzahl« tragen sollte wie der Meeresboden, deckt in uns genau in der Tiefe, in der er sich befindet, einen besonderen Menschen auf. (3.236)

GT (53)

Man gewöhnt sich schnell an den kleinen Kreis, ich jedenfalls. Macht alles wirklich intensiver. Diesmal alle eher verkopft, was mir aber gut tut, so was wie letzte Woche wäre etwas zu viel. Kommen auch insgesamt wieder in einen guten Kontakt.

Spannend ist wirklich, dass jede/r von uns ja mit einem eigenen Thema da in der Runde sitzt, aber wenn es dann in die Tiefe geht, sich doch immer wieder kleine Paralleln auftun.

Der Psychdoc sagt gerne: „Gruppentherapie ist unmöglich“ … aber dennoch funktioniert sie.

Proust (117)

Marcel kennt die Geliebten Roberts bereits – aus dem Bordell, in das er ging. Zugange war er mit ihr nie, weiß aber noch gut den Preis: 20 Francs. Betrachtungen darüber, dass zwei Menschen zwar »das gleiche, kleine, schmale Gesicht« (3.219) sehen, aber jeweils einen anderen Menschen vor sich haben. Über »die menschliche Einbildungskraft und die Illusion, auf der die Schmerzen der Liebe beruhen« (3.221). Auf dem Weg zum Bahnhof wird Rachel von zwei Kolleginnen angesprochen – Robert beginnt indirekt etwas zu ahnen, denn die Beziehung läuft nicht gut, da sie nur dann freundlich zu ihm ist, wenn das entsprechende Geld fließt. Sie verhehlt nicht, dass sie auch Augen für andere Männer hat, u.a. auch für den Oberkellner aus Balbec, der sie bedient.

Ich sah ein, daß etwas, was mir keine zwanzig Francs wert gewesen war, als es mir für ebendiesen Preis in einem Bordell angeboten wurde, wo es für mich nur eine Frau war, die gern zwanzig Francs verdienen wollte, mehr als eine Million, mehr als eine hochangesehen Familie oder eine allgemein beneidete Stellung im Leben wert sein kann, wenn man sich in ihr ein unbekanntes Wesen vorzustellen beginnt, das interessant zu kennen, mühsam zu erringen  und schwer festzuhalten ist. (3.219)

Proust (116)

Obwohl sie im gleichen Haus wohnen, geht die Großmutter, warum auch immer, Madame de Villeparisis nicht besuchen. Madame Sazerat schneidet als Dreyfus-Anhängerin Marcels Vater, den sie – etwas zu Unrecht –  als »Helfershelfer des Unrechts« (3.210) hält. Robert will kommen und mit seiner Freundin und Marcel essen gehen. Letzteres wünscht sich das Restaurant, in dem derzeit der Oberkellner aus Balbec arbeitet. Zufällig trifft er nach langer Zeit mal wieder den Schriftsteller Legrandin, der ihm ein Ohr abkaut. Zusammen mit Robert aufs Land zur Freundin, die, so Robert, »nach ihrem Äußeren … nichts Besonderes« (3.126) ist. Er ist sich auch nicht sicher, ob sie ihn liebt, hat aber ein Kollier für 30.000 Francs gekauft.

Meine Mutter, die zwischen der Liebe zu meinem Vater und der Hoffnung, ich sei intelligent, hin- und herschwankte, verharrte in einer Unentschiedenheit, die sie in Schweigen übersetzte.  (3.210)

Wiedergewählt

Bin mir gerade nicht so sicher, ob das eine gute Entscheidung war, nochmals für drei Jahre zu kandidieren, denn der Vorsitzende fand mal wieder kein Ende.

Immerhin ist G. jetzt mit dabei, der eher vernunftgesteuert ist. Dafür aber auch M., eher emotional-kompliziert.

Doch diesmal gibt es einen Rettungsanker: Im Fall der Fälle stehen sogar zwei Nachrücker bereit.

Auch eine Art von Bescheidenheit

P. ruft an. Er möchte meine Stimme hören.

Nach zwanzig Minuten legen wir auf. Schätzungsweise habe ich sechs bis acht Sätze gesprochen.

Proust (115)

Zurück in Paris – es geht auf Ostern zu – wartet Marcel vergeblich auf eine Einladung der Herzogin von Guermantes um ihre Bilder zu schauen. So bleibt es dabei, ihr ‚zufällig‘ auf der Straße zu begegnen. Beschreibung ihrer Toilette. Robert gesteht, seine Cousine gar nicht gefragt zu haben, ob er nicht lieber eine andere Cousine …? Nein, das will Marcel definitiv nicht. Der Vater berichtet, dass der Diplomat Norpois, wenn er ins Haus kommt, Madame de Villeparisis besucht, die Marcel ja von Balbec schon kennt – ob er nicht da mal vorbeischauen will? Würde doch seiner Karriere als Schriftsteller nicht schaden. Sicher nicht, denn er hat noch keine einzige Zeile zu Papier gebracht.

Jedes ihrer [Herzogin für Guermantes] Kleider kam mir wie die natürliche, notwendige Umgebung, wie die Projektion einer besonderen Ansicht ihrer Seele vor. (3.199)

Handgranaten, Schnellfeuerwaffen und ähnliches gesucht …

… um sich endlich mal gegen diese komplett asozialen SUV-Fahrer/-innen zu wehren, die – in ihrer ach so großen Sorgfalt für das eigene Wohlergehen meinen – sich nicht auch nur an die basalsten Verkehrsregeln halten zu müssen.

Auf knapp vier Kilometern heute auf dem Rad …

  • … fuhr so ein dreckiges Drecksarschloch über den Rad- und Fußgängerüberweg, obwohl er definitiv Rot hatte und ich gerade noch bremsen konnte
  • … fuhr so ein bekackter Asozialer über den Rad- und Fußgängerüberweg, obwohl ihm als Abbieger eine Ampel signalisierte, dass er gerade nicht durchstartern kann mit seiner ökologischen Dreckschleuder, und drei Radfahrer und zwei Fußgänger gerade noch bremsen / stoppen konnten … was zwei, drei Sekunden ganz anders ausgegangen wäre
  • … bog ein hirnamputiertes SUV-Wesen, ohne sich umzublicken, ohne in den Rück- oder / und Seitenspiegel zu schauen mit gut 40 km/h einfach mal auf den gut sichtbaren, farblich gekennzeichneten Radweg ab, um eine nicht-offizielle Parklücke anzustreben … und wenn ich in diesem Teil von dieser Sekunde nicht so geistesgegenwärig gewesen wäre, läge ich jetzt defintiv im Krankenhaus, mit viel Glück nicht auf der Intensivstation. Und diese Depp von Arschloch in seinem 40.000-Euro-Schleuder hatte dann so gar noch den Mut, als ich ihn als „Volldepp“ anbrüllte, einzugestehen: „Kann ja mal passieren, dass man nicht schaut!“. Eigentlich bin ich ja ein friedliebender Mensch, aber da …

Früher waren es die Mercedes-Fahrer/-innen die meinten … heute sind es meiner Beobachtung nach in erster Linie die SUV-Fahrer/-innen, die sich mit Tonnen von Blech umgeben, um sich sicher zu fühlen – und dann auf die Sicherheit der anderen einfach scheißen. Arschloch-Trumps gibt es zu Massen auch hier!

Mich radikalisert das mit jeder dieser Erfahrungen erneut.

Proust (114)

Das Telefonat mit der Großmutter zeigt Marcel nur eines: Er ist von ihr getrennt! Er entscheidet auf der Stelle am nächsten Tag zurück nach Paris zu fahren, erzählt es aber Robert und seinen Freunden nicht, der aber natürlich weiß, was los ist. Weil er wohl etwas trödelt, kann Marcel sich am nächsten Tag nicht mehr von Robert richtig verabschieden. Gedanken darüber, dass man Veränderungen bei denen, die man liebt, am meisten übersieht.

… bis zu diesem Tag stellte ich mir hier in der kleinen Stadt meine Großmutter, sooft ich daran dachte, was sie wohl allein jetzt anfangen mochte, so vor, wie sie in meiner Anwesenheit war, wobei ich mich selbst ausließ, ohne mir klarzumachen, welche Wirkung diese Auslassung auf sie haben mochte … (3.192)

# 550 – Morgens um 10 in Deutschland

Proust (113)

Robert erhält vielleicht nun doch Urlaub. Seine Kameraden bestürmen Marcel, auf alle Fälle zu bleiben. Ausführliche Vorstellung des Vorgesetzten Roberts und ein Vergleich der »zwei Aristokratien … dem alten Adel und dem des Kaiserreichs« (3.179). Robert hat ein Telefonat zwischen Marcel und seiner Großmutter angeleiert – seltenes Ereignis, denn 1880 gab es in Paris gerade mal 300 Anschlüsse. Über das Wunder des Telefonierens, die Macht der »Telephonfräulein« (3. 183) und der Geschiedenheit von »Realpräsenz dieser so nahen Stimme – bei tatsächlicher Trennung« (3.184)

Wir brauchen, damit sich dieses Wunder [des Telefonierens] vollzieht, unsere Lippen nur der magischen Membrane zu nähern und – manchmal etwas zu lange, ich gebe es zu – die wachsamen Jungfrauen zu rufen, deren Stimme wir täglich hören, ohne je ihr Gesicht zu kennen, und die unsere Schutzengel in jenem schwindelerregenden Dunkel sind, über dessen Pforten sie eifersüchtig wachen; die Allmächtigen, durch die die Abwesenden neben uns aufsteigen, ohne daß es erlaubt wäre, sie zu gewahren; die Danaiden des Unsichtbaren, die unablässig die Urnen der Töne leeren, füllen und einander übergeben; die ironischen Furien, die, während wir einer Freundin etwas Vertrauliches zuflüsterten, in der Hoffnung, daß niemand uns höre, uns grausam »Hier Amt« zurufen; die ewig gereizten Dienerinnen des Mysteriums, die argwöhnischen Priesterinnen des Unsichtbaren, die Telephonfräulein! (3.183)

Mann gönnt sich ja sonst nix

Kurzer, heftiger Sex.

Steinpilzcarpaccio

Taube | Steinpilze | Kartoffelgratin | Bohnen

Zwetschgentarte

Grappa

Proust (112)

Robert hat Stress mit seiner Geliebten. »Er durchlitt, ohne einen einzigen auszulassen, im voraus alle Schmerzen eines endgültigen Bruchs …« (3.168). Über die Macht des Schweigens. Robert wird wegen des Streites an Weihnachten nicht in Paris sein und kann so Marcel auch nicht der Herzogin vorstellen. Ob Robert dann wenigsten die Herzogin fragen könne, ob er bei ihr ihr Gemälde von Elstir anschauen dürfe? »Natürlich, da kann ich für sie garantieren« (3.174) ist die Antwort und Marcel, vergessend, dass man sich ja bereits duzt: »Robert, wie ich sie mag« (ebd.).

Man sagt, Schweigen sei eine Macht; in einem ganz anderen Sinne stellt es sogar eine furchtbare Macht in den Händen derjenigen dar, die geliebt werden. Es steigert die Beängstigung des Wartenden. Nichts lädt so sehr dazu ein, sich einem Wesen zu nähern, als gerade das, was einen von ihm trennt, und welche unüberschreitbarere Barriere gibt es als das Schweigen? (3.167)

Abgrillen

Wohl der letzte Grillabend draußen. Also der dritte in diesem Jahr für mich. Diesmal bei den Kollegin/-innen meines Mannes. Leider war eine Bekenntnis-Schwuchtel dabei, die zu jedem und allem ihren Senf abgeben musste – leider nur oberflächliche Attitüden die davon zeugten, dass auch nicht nur ein Gedanke selber angedacht war. Dennoch aber so geschickt, um das ganze Gespräch von sieben Leuten nachhaltig zu beherschen.

Ich empfinde das als Zeitverschwendung, aber ich bin ja auch keine 30 mehr, und bin dann einfach gegangen.

Kaleidoskop eines Alltags

Es gibt immer eine Geschichte hinter der Geschichte.

Anton Weyrother

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