Proust (102)

von Bert

Aber nicht nur Françoise ist an der Herzogin interessiert, selbstverständlich auch Marcel, der sich gerne an die Begegnung in Combray erinnert (vgl. Nr. 20). Überlegungen, was wäre wenn sie ihn kenne und zwar nicht nur als Mieter, sondern als angehenden Schriftsteller? Üer verschiedene Kammerdiener ist man gut unterrichtet, was die Herzogin so macht. Zur Herzogin gibt es auch noch einen Herzog, der mit Marcels Vater Bekanntschaft schließt. Über Umwege erhält Marcel eine Karte für die »Phèdre« von Racine mit der Berma (vgl. Nr. 47-52). Sozial- und Charakterstudien der Opernbesucher.

Eines Tages, als Monsieur de Guermantes [das ist der Herzog] eine Auskunft brauchte, die mit der beruflichen Tätigkeit meines Vaters zusammenhing, hatte er sich ihm höchst liebenswürdig vorgestellt. Von da an bat er ihn häufig um einen nachbarschaftlichen Dienst, und sobald er ihn bemerkte, wie er die Treppe herunterkam, schon ganz in seine Aufgaben vertieft und einzig darauf bedacht, jeder Begegnung auszuweichen, ließ der Herzog seine Stallburschen stehen, trat im Hof auf meinen Vater zu, zog ihm mit der ererbten Dienstfertigkeit der ehemaligen Kämmerer des Königs den Kragen am Überzieher zurecht, nahm ihn bei der Hand, die er, während er sie in der seinen hielt, liebkoste, um mit kurtisanenhafter Schamlosigkeit darzutun, daß er ihm gegenüber mit Berührungen durch seinen kostbaren Körper keineswegs geize, und führte ihn, der nur ungehalten auf Flucht sann, an der Longe bis ans Haustor und noch darüber hinaus. (3.41f)