Proust (103)

von Bert

Marcel nimmt seinen Platz in der Oper ein, schaut sich um. Weitere Sozial- und Charakterstudien der Opernbesucher. Höhepunkt – bevor der Vorhang sich hebt – ist die Anwesenheit der Fürstin von Guermantes (nicht zu verwechseln mit der Herzogin von Guermantes). Ihm geht schon wieder einer ab. Dann tritt die Berma auf und »das Talent der Berma, das mir entgangen war, sein Wesen zu erfassen« (3.60) drängt sich ihm auf. Er begründet es damit, dass er sich das erste Mal ihr »mit allzu großem Verlangen» (3.63) genähert hatte. Über Talent.

Jetzt mußte ich ihre Person [die der Herzogin von Guermantes] davon entledigen, als ich sah, wie sie einem dicken Herrn im Frack Zuckerbonbons anbot. Gewiß war ich deswegen weit entfernt zu meinen, sie und ihre Gäste seien Wesen wie andere auch. Ich war mir völlig im klaren darüber, daß alles, was sie dort trieben, nur ein Spiel war und daß sie als eine Art Ouvertüre zu den Akten ihres wirklichen Lebens (dessen wichtigsten Teil sie ganz offenbar nicht hier verlebten) aufgrund von mir unbekannten Riten so tun mußten, als ob sie Bonbons anböten und ablehnten, also vollkommen sinnentleerte Gebärden vollführten, die im voraus festgelegt waren wie die Schritte einer Tänzerin, die sich bald auf die Zehenspitzen stellt, bald um einen Schleier dreht. Wer weiß? (3.54)