Proust (104)

von Bert

Die Fürstin von Guermantes bekommt in ihrer Loge Besuch von der Herzogin von Guermantes  – sie sind Cousinen. Vergleich der beiden Toiletten. Sozialstudien. Aber nicht nur Marcel ist in Beobachtungslaune, auch Madame de Cambremer lässt ihre Adleraugen schweigen. Und auch wenn die Rückschlüsse aus den Beobachtungen nicht alle korrekt sind, Stoff zum Reden gibt es dadurch genügend. Und dann – wie ein Blitz aus heiterem Himmel – schenkt die Herzogin Marcel nicht nur einen Blick, nein sogar noch ein Lächeln und einen Wink mit »weißbehandschuhter Hand« (3.76). Die Göttin ist eine Frau geworden – also doch menschlich! Das wird Folgen haben!

Von diesen beiden großen Damen [der Fürstin und der Herzogin von Guermantes] empfangen zu werden war aber dennoch das Ziel, das sie [Madame de Cambremer] seit zehn Jahren mit beharrlicher Ausdauer verfolgte. Sie hatte sich ausgerechnet, daß sie es zweifellos innerhalb von fünf Jahren erreichen werde. Doch da sie an einer Krankheit litt, die unheilbar war und deren erbarmungslosen Charakter sie zu kennen glaubte, da sie sich auf ihre medizinischen Kenntnisse etwas einbildete, fürchtete sie, sie werde so lange nicht mehr leben. (3.72)