Proust (106)

von Bert

Marcel sieht ein, dass er mit ‚Stalking‘ keinen wirklichen Erfolg haben wird. Ihm kommt die Idee, es quasi indirekt zu versuchen, um mit der Herzogin bekannt zu werden: Jemand muss ihr von ihm erzählen. Und wen gäbe es da besseren als ihren Neffen, seinen Freund Robert de Saint-Loup? Kurzentschlossen fährt er zu ihm in die Kaserne nach Doncières. Robert, der keine Zeit hat, freut sich und ist ganz besorgt, wo Marcel denn mit seiner »Gehörshypherästhesie« (3.95) wohl schlafen könne. Er schickt Marcel schon mal auf seine Stube. Was Marcel alles dort hört.

Doch gibt es auch Geräuschminderungen, die nicht vorübergehend sind. Wer völlig taub geworden ist, kann nicht einmal neben sich Milch in einem Kocher erhitzen, ohne mit den Augen, bei geöffnetem Deckel, dem weißen, hyperboreischen, schneesturmähnlichen Reflex aufzulauern, jenem Warnsignal, dem man klüglich dadurch Rechnung trägt, daß man – wie der Herr den Wogen gebietet – den Stecker herauszieht; denn das aufsteigende, spastische Ei der kochenden Milch ist schon dabei, mittels einiger steiler Wölbungen seinen Höchststand zu erreichen, schwillt an, bläht ein paar halb gekenterte Segel, die der Rahm faltig aufgeworfen hatte, entsendet in den Sturm noch eines aus Perlmutt, das der Stromunterbruch zusammen mit allen anderen, wenn das elektrische Unwetter rechtzeitig beschwört wird, um sich selbst kreisen und, in lose Magnolienblüten verwandelt, endgültig abdriften lassen wird. (3.102)